IECEE CB Scheme: Was Hersteller wissen müssen

Was ist das IECEE CB Scheme, wie funktioniert es und was bedeutet ein CB Certificate tatsächlich für den globalen Marktzugang?

Für Hersteller elektrischer und elektronischer Produkte kann der Eintritt in mehrere internationale Märkte schnell kompliziert werden. Verschiedene Länder können unterschiedliche Zertifizierungen, nationale Zulassungen, Prüfverfahren oder zusätzliche Anforderungen verlangen – selbst wenn die zugrunde liegenden technischen Anforderungen auf denselben IEC-Normen basieren.

Das IECEE CB Scheme wurde geschaffen, um diesen Prozess zu vereinfachen.

Die Grundidee ist einfach: Statt im Wesentlichen dieselben Sicherheitsprüfungen für jedes Land separat wiederholen zu müssen, kann ein Hersteller international anerkannte Prüfergebnisse und Zertifizierungsunterlagen als Grundlage für nationale Zertifizierungen in teilnehmenden Märkten nutzen.

Dennoch wird das CB Scheme häufig missverstanden.

Ein CB Test Certificate ist keine weltweite Produktzulassung. Es bedeutet auch nicht automatisch, dass ein Produkt sämtliche Anforderungen in jedem Zielmarkt erfüllt. National Differences, zusätzliche nationale Anforderungen sowie EMV-, Funk- und andere regulatorische Anforderungen müssen weiterhin berücksichtigt werden.

Zu verstehen, was das CB Scheme tatsächlich abdeckt – und was nicht –, ist daher entscheidend für die Entwicklung einer globalen Compliance-Strategie.

1. Was ist das IECEE CB Scheme?

Das IECEE CB Scheme ist ein internationales Konformitätsbewertungssystem für elektrische und elektronische Geräte und Komponenten. IECEE steht für IEC System of Conformity Assessment Schemes for Electrotechnical Equipment and Components.

Das CB Scheme funktioniert als multilaterales System, in dem teilnehmende Organisationen relevante Prüfergebnisse und Zertifizierungsunterlagen aus dem System anerkennen. Ziel ist es, die internationale Akzeptanz von Produkten zu erleichtern und unnötige Doppelprüfungen zu reduzieren.

Praktisch lässt sich das Konzept so zusammenfassen:

Einmal prüfen → Ergebnisse dokumentieren → diese Ergebnisse für Zertifizierungen in mehreren Märkten nutzen.

Die IEC beschreibt ihre Konformitätsbewertungssysteme als Instrumente zur Erleichterung der globalen Produktakzeptanz, soweit dies möglich ist, beispielsweise durch Ansätze wie „one test and one certification“. Im IECEE-System werden Zertifikate zwischen Mitgliedern gegenseitig anerkannt, sofern die relevanten Anforderungen einschließlich anwendbarer National Differences berücksichtigt wurden.

Das bedeutet nicht, dass ein einziges CB Certificate jede nationale Zertifizierung ersetzt.

Vielmehr stellt das CB Scheme eine gemeinsame technische Grundlage bereit, die nationale Zertifizierungsstellen bei der Bewertung eines Produkts für ihren jeweiligen Markt verwenden können.

Warum wurde das CB Scheme geschaffen?

Ohne ein System wie das CB Scheme könnte ein Hersteller, der dasselbe elektrische Produkt in mehreren Ländern vertreibt, mit wiederholten Prüfungen nach weitgehend ähnlichen technischen Anforderungen konfrontiert sein.

Zum Beispiel könnte ein Hersteller dazu gezwungen sein:

  • dasselbe Produkt bei mehreren Laboren einzureichen,
  • ähnliche Sicherheitsprüfungen zu wiederholen,
  • weitgehend identische technische Dokumentationen bereitzustellen,
  • dieselben technischen Probleme mehrfach zu lösen und
  • mehrere separate Zertifizierungsakten zu verwalten.

Das CB Scheme soll diese Doppelarbeit reduzieren, indem es einen gemeinsamen internationalen Rahmen für Prüfung und Anerkennung schafft.

Die IEC beschreibt das IECEE CB Scheme als multilaterales internationales Abkommen zur Anerkennung von Prüfberichten für elektrische Produkte, die nach IEC-Normen geprüft wurden.

Was macht das CB Scheme besonders?

Der entscheidende Punkt ist, dass das CB Scheme auf international vereinbarten IEC-Normen und gemeinsamen Verfahren zur Konformitätsbewertung basiert.

Ein Hersteller erhält daher nicht einfach ein allgemeines „internationales Zertifikat“. Stattdessen wird das Produkt anhand definierter technischer Anforderungen bewertet. Die daraus entstehenden Unterlagen können anschließend innerhalb des CB-Systems und – sofern anwendbar – als Grundlage für nationale Zertifizierungen genutzt werden.

Diese Unterscheidung wird besonders wichtig, wenn man die National Differences betrachtet.

Ein Produkt kann der relevanten IEC-Norm entsprechen und dennoch für ein bestimmtes Land eine zusätzliche Bewertung erfordern, weil dieses Land Abweichungen oder zusätzliche Anforderungen anwendet.

Daher besteht der eigentliche Wert eines CB Certificates nicht darin, nationale Zertifizierungen überflüssig zu machen. Sein Wert liegt vielmehr darin, eine anerkannte technische Grundlage für mehrere nationale Zertifizierungswege bereitzustellen.

Das CB Scheme in einem Satz

Das IECEE CB Scheme lässt sich am besten als internationales System verstehen, in dem elektrische und elektronische Produkte nach den anwendbaren IEC-Normen geprüft und dokumentiert werden, sodass die daraus entstehenden Prüf- und Zertifizierungsunterlagen Produktzertifizierungen in mehreren teilnehmenden Märkten unterstützen können.

Und genau diese Unterscheidung ist wichtig:

CB erleichtert den globalen Marktzugang – es gewährt ihn nicht automatisch.

2. Was ist ein CB Test Certificate?

Ein Begriff, der im Zusammenhang mit dem CB Scheme besonders häufig missverstanden wird, ist das CB Test Certificate. Es wird teilweise als „internationales Zertifikat“ oder sogar als weltweite Produktzulassung bezeichnet. Beides ist nicht korrekt.

Um das CB Scheme richtig zu verstehen, müssen drei Dinge voneinander unterschieden werden:

  • CB Test Report – der technische Prüfbericht mit den dokumentierten Prüfergebnissen
  • CB Test Certificate – das von einem National Certification Body (NCB) auf Grundlage der relevanten Prüfung und Dokumentation ausgestellte Zertifikat
  • Nationale Zertifizierung oder Zulassung – die für einen bestimmten Zielmarkt erforderliche nationale Konformitätsbewertung

Diese Dokumente hängen eng zusammen, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen.

CB Test Report

Der CB Test Report dokumentiert die technische Bewertung des Produkts. Er enthält unter anderem Informationen über das geprüfte Produkt, die angewendeten Normen, die durchgeführten Prüfungen und die erzielten Ergebnisse.

Im IECEE-System werden standardisierte Test Report Forms (TRFs) zur Dokumentation der Prüfungen verwendet. Ein TRF dient dem Prüflabor dazu, Nachweise und Ergebnisse der an einem Produkt durchgeführten Prüfungen und Analysen zu dokumentieren. Die Struktur des TRF ist an die jeweilige IEC- oder ISO-Norm angepasst.

Der Prüfbericht ist damit vor allem der technische Nachweis, dass das konkrete Produkt anhand der relevanten Anforderungen bewertet wurde.

CB Test Certificate

Das CB Test Certificate basiert auf dem zugehörigen Prüfbericht und wird von einem zugelassenen National Certification Body (NCB) innerhalb des IECEE-Systems ausgestellt.

Es bestätigt nicht einfach, dass „das Produkt international zugelassen“ ist. Vielmehr bestätigt das Zertifikat die Konformität des geprüften Produkts mit den im Zertifikat angegebenen Anforderungen und stellt diese Information innerhalb des CB-Systems für die weitere Nutzung bereit.

This distinction is important.

Ein CB Test Certificate ist daher am besten als international anerkanntes Zertifizierungsdokument innerhalb des IECEE-Systems zu verstehen – nicht als universelle Marktzulassung.

Was passiert danach?

Der eigentliche Vorteil des CB Scheme zeigt sich häufig erst bei der Nutzung des CB Test Reports und Certificates für weitere Märkte.

Ein Hersteller kann die vorhandenen Unterlagen einer nationalen Zertifizierungsstelle vorlegen und damit eine nationale Zertifizierung unterstützen. Die nationale Stelle kann die vorhandenen Prüfergebnisse berücksichtigen, anstatt alle Prüfungen von Grund auf zu wiederholen.

Ob und in welchem Umfang dies möglich ist, hängt vom jeweiligen Land, der zuständigen Zertifizierungsstelle, dem Produkt und den anwendbaren nationalen Anforderungen ab.

Insbesondere National Differences können zusätzliche Prüfungen oder Bewertungen erforderlich machen.

Der typische Zusammenhang lässt sich daher vereinfacht so darstellen:

Product → IEC Standard → Testing → CB Test Report → CB Test Certificate → National Certification / Market Access

Das CB Certificate ist damit ein wichtiger Baustein einer globalen Zertifizierungsstrategie – aber nicht automatisch deren letzter Schritt.

Was ein CB Certificate nicht automatisch bedeutet

Ein CB Test Certificate bedeutet insbesondere nicht automatisch, dass:

  • das Produkt in jedem Land ohne weitere Zertifizierung verkauft werden darf,
  • sämtliche nationalen Anforderungen erfüllt sind,
  • die EMV-Anforderungen jedes Zielmarktes abgedeckt sind,
  • Funkanforderungen abgedeckt sind,
  • nationale Abweichungen bereits berücksichtigt wurden oder
  • keine weiteren Prüfungen oder Dokumentationen erforderlich sind.

Gerade bei komplexen Produkten ist deshalb eine Gesamtbetrachtung notwendig.

Ein elektrisches Produkt kann beispielsweise ein gültiges CB Certificate für seine Safety-Anforderungen besitzen und trotzdem zusätzliche Anforderungen für EMV, Funk, Cybersecurity, Energieeffizienz oder andere regulatorische Bereiche erfüllen müssen.

Das CB Scheme sollte daher nicht isoliert betrachtet werden. Die entscheidende Frage lautet:

Welche Anforderungen gelten für dieses Produkt in den konkreten Zielmärkten – und welche davon werden durch das CB Scheme tatsächlich abgedeckt?

Diese Frage wird besonders relevant, sobald EMV oder Funktechnologien Bestandteil des Produkts sind.

3. Wann ist das CB Scheme relevant?

Das CB Scheme kann besonders wertvoll sein, wenn ein Hersteller dasselbe elektrische oder elektronische Produkt in mehreren internationalen Märkten verkaufen möchte und dabei möglichst vermeiden will, gleichwertige Sicherheitsprüfungen mehrfach durchzuführen.

Die richtige Frage lautet daher nicht einfach „Brauche ich ein CB Certificate?“. Die wichtigere Frage ist:

Kann eine auf dem CB Scheme basierende Zertifizierungsstrategie den Umfang an doppelten Prüfungen und Zertifizierungsaufwand für meine Zielmärkte reduzieren?

Das hängt vom Produkt, den anwendbaren IEC-Normen, den Zielmärkten und davon ab, wie diese Länder CB-Dokumentation anerkennen.

Welche Produkte fallen unter das CB Scheme?

Das IECEE CB Scheme deckt ein breites Spektrum elektrischer und elektronischer Produkte und Komponenten ab. Zu den zugelassenen IECEE-Kategorien gehören unter anderem Haushaltsgeräte, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Audio-/Videogeräte, Beleuchtung, medizinische elektrische Geräte, industrielle Automatisierung, Batterien, Photovoltaik, handgeführte Elektrowerkzeuge und weitere elektrische Produkte. Die aktuellen IECEE-Regeln definieren die zugelassenen Kategorien und die innerhalb des Systems verwendbaren Normen.

Damit beginnt die Prüfung, ob das CB Scheme relevant ist, mit der Identifizierung der richtigen Produktkategorie und der anwendbaren IEC-Norm.

Dieser Schritt sollte nicht unterschätzt werden. Eine Norm lediglich deshalb auszuwählen, weil sie häufig für ähnliche Produkte verwendet wird, kann zu einem falschen Prüfprogramm und späteren Problemen im Zertifizierungsprozess führen.

Wann kann ein CB Certificate besonders nützlich sein?

Ein CB Certificate kann insbesondere dann nützlich sein, wenn:

  • das Produkt für mehrere Länder vorgesehen ist,
  • die Zielmärkte über Zertifizierungssysteme verfügen, die CB-Dokumentation anerkennen,
  • die anwendbaren Produktsicherheitsanforderungen auf IEC-Normen basieren,
  • dieselbe Produktkonfiguration in mehreren Märkten angeboten werden soll und
  • die Reduzierung wiederholter Sicherheitsprüfungen wirtschaftlich relevant ist.

Für einen Hersteller mit nur einem Zielmarkt kann ein CB Certificate einen geringeren praktischen Nutzen haben. Wenn der lokale Zertifizierungsweg CB-Dokumentation nicht sinnvoll nutzt, kann ein ausschließlich für diesen Markt erworbenes CB Certificate zusätzliche Kosten und Komplexität verursachen, ohne einen entsprechenden Vorteil zu bringen.

Die Entscheidung sollte daher Bestandteil der gesamten Marktzugangsstrategie sein und nicht isoliert als einzelne Zertifizierungsentscheidung getroffen werden.

Mit der Norm beginnen – nicht mit dem Zertifikat

Einer der wichtigsten Schritte ist die Identifizierung der anwendbaren IEC-Sicherheitsnorm, bevor der Zertifizierungsweg festgelegt wird.

Das IECEE-System führt einen festgelegten Katalog zugelassener Normen und Produktkategorien für seine Konformitätsbewertungsaktivitäten.

ScopeRights Safety Standards Database kann hierfür als praktischer Ausgangspunkt dienen. Die Datenbank enthält derzeit mehr als 1.700 Einträge zu IEC-Sicherheitsnormen und verlinkt die aufgeführten Normen direkt mit den entsprechenden Informationen auf der IECEE-Website. Hersteller können dadurch von der Identifizierung einer anwendbaren Sicherheitsnorm direkt zum relevanten IECEE-/CB-Kontext gelangen, anstatt Norm und Zertifizierungsprozess als voneinander getrennte Themen zu betrachten.

Das ist insbesondere in der frühen Scoping-Phase hilfreich: Bevor Prüfmuster an ein Labor geschickt werden, sollte der Hersteller bereits klar wissen, welche Norm gilt, welche Ausgabe relevant ist, ob die Norm vom CB Scheme abgedeckt wird und welche Zielmärkte vorgesehen sind.

Wann ein CB Certificate möglicherweise nicht ausreicht

Das CB Scheme sollte nicht als Ersatz für die vollständige Konformitätsbewertung eines Produkts betrachtet werden.

Für ein Produkt können zusätzliche Bewertungen erforderlich sein, etwa für:

  • EMV,
  • Funk-/HF-Anforderungen,
  • Cybersecurity,
  • Energieeffizienz,
  • Umweltanforderungen oder
  • andere länder- oder marktspezifische Vorschriften.

Darüber hinaus können National Differences eine zusätzliche Bewertung erforderlich machen, selbst wenn das Produkt bereits nach der anwendbaren IEC-Norm geprüft wurde.

Aus diesem Grund sollte die Entscheidung für das CB Scheme gemeinsam mit dem gesamten Compliance Scope getroffen werden. Der Hersteller sollte zunächst die Anforderungen jedes Zielmarktes bestimmen und anschließend festlegen, an welchen Stellen CB-Prüfergebnisse innerhalb dieser Gesamtstrategie wiederverwendet werden können.

Ein praktischer Entscheidungsweg

Ein sinnvoller Entscheidungsweg ist:

Produkt → Anwendbare IEC-Norm → Eignung für das CB Scheme → Zielmärkte → National Differences → Zusätzliche Anforderungen → Zertifizierungsstrategie

Dieser Ansatz vermeidet einen häufigen Fehler: zuerst ein CB Certificate zu erwerben und erst danach festzustellen, dass die Zielmärkte zusätzliche Prüfungen, nationale Abweichungen oder vollständig separate Zulassungswege erfordern.

Das CB Scheme ist besonders wertvoll, wenn es vor Beginn der Prüfungen geplant und in die gesamte Marktzugangsstrategie integriert wird.

4. Wie funktioniert das IECEE CB Scheme?

Das CB Scheme basiert auf einem klar strukturierten Ablauf aus Produktdefinition, Auswahl der anwendbaren Norm, Prüfung, technischer Bewertung und Zertifizierung. Wichtig ist dabei: Das CB Certificate ist nicht der Ausgangspunkt des Projekts, sondern das Ergebnis dieses Prozesses.

Vereinfacht lässt sich der Ablauf so darstellen:

Produktdefinition → Anwendbare IEC-Norm → Antrag → Prüfung → Technische Bewertung → CB Test Report → CB Test Certificate

Der konkrete Ablauf kann je nach Produkt, anwendbarer Norm und beteiligten Organisationen variieren. Das grundlegende Prinzip bleibt jedoch gleich.

Schritt 1: Produkt und Scope definieren

Bevor die Prüfung beginnt, muss das Produkt eindeutig definiert sein.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Produkttyp und bestimmungsgemäße Verwendung,
  • Modell- und Varianteninformationen,
  • elektrische Nennwerte,
  • Aufbau und Gehäuse,
  • sicherheitsrelevante Komponenten,
  • Art der Stromversorgung,
  • relevante Zubehörteile,
  • vorgesehene Betriebsbedingungen und
  • Produktionsstandorte.

Diese Informationen sind wichtig, weil sich die Zertifizierung auf eine bestimmte Produktkonfiguration bezieht. Änderungen an kritischen Komponenten, am Aufbau, an Nennwerten oder anderen relevanten Eigenschaften können die Gültigkeit beziehungsweise Anwendbarkeit der bestehenden Zertifizierung beeinflussen.

Bei Herstellern mit mehreren Varianten ist es außerdem wichtig, die Produktfamilie bereits zu Beginn korrekt zu definieren. So lässt sich unnötiger Prüfaufwand vermeiden, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass alle abgedeckten Varianten tatsächlich vom Zertifizierungsumfang erfasst sind.

Schritt 2: Die anwendbare IEC-Norm bestimmen

Als Nächstes muss bestimmt werden, welche IEC-Norm für das Produkt gilt.

Dies ist einer der wichtigsten Schritte des gesamten Prozesses. Das CB Scheme legt nicht automatisch fest, welche Norm für ein Produkt anzuwenden ist. Hersteller, Zertifizierungsstelle und Prüflabor müssen die geeignete technische Grundlage für die Bewertung bestimmen.

Die gewählte Norm bestimmt gleichzeitig die relevanten Prüfanforderungen und die Struktur des dazugehörigen IECEE Test Report Form (TRF).

IECEE verfügt über eine große Anzahl standardisierter TRFs für die im System verwendeten Normen. Die IEC führt mehr als 2.300 IECEE Test Report Forms, die überwiegend elektrische Sicherheitsnormen abdecken.

Auch deshalb sollte die Auswahl der Norm erfolgen, bevor die Laborprüfung beginnt. Eine falsche Norm kann zu einem falschen Prüfprogramm, zusätzlichem Aufwand oder einer Zertifizierungsstrategie führen, die die vorgesehenen Zielmärkte nicht ausreichend unterstützt.

ScopeRights Safety Standards Database kann diesen ersten Scoping-Schritt unterstützen. Die Datenbank hilft dabei, relevante IEC-Sicherheitsnormen zu identifizieren und direkt von der jeweiligen Norm auf die entsprechenden IECEE-Informationen zuzugreifen.

Schritt 3: Zertifizierungsstelle und Prüflabor auswählen

Im CB Scheme haben verschiedene Organisationen unterschiedliche Aufgaben, die nicht miteinander verwechselt werden sollten.

Ein NCB (National Certification Body) ist für die Zertifizierungsaktivitäten innerhalb des IECEE-Systems zuständig. Die Prüfungen werden von einem anerkannten CB Testing Laboratory (CBTL) innerhalb des jeweiligen Geltungsbereichs durchgeführt.

Je nach Organisation und Projektstruktur können NCB und CBTL Teil derselben Organisation sein oder von unterschiedlichen Organisationen gestellt werden.

Die Auswahl von Zertifizierungsstelle und Prüflabor sollte strategisch erfolgen. Neben der reinen Prüfmöglichkeit sollten Hersteller insbesondere die Zielmärkte, die anwendbaren Normen, die technische Kompetenz, Erfahrung mit der jeweiligen Produktkategorie und die spätere Verwendbarkeit der CB-Dokumentation berücksichtigen.

Schritt 4: Dokumentation und Prüfmuster vorbereiten

Vor Beginn der Prüfungen muss der Hersteller die für die Bewertung erforderlichen technischen Informationen bereitstellen.

Je nach Produkt und Norm können dazu gehören:

  • Produktspezifikationen,
  • Schaltpläne,
  • Zeichnungen,
  • Produktfotos,
  • Komponenteninformationen,
  • Nachweise für kritische Komponenten,
  • Bedienungs- und Installationsanleitungen,
  • Nennwerte und Kennzeichnungen,
  • Konstruktionsdetails und
  • repräsentative Prüfmuster.

Die Qualität dieser Vorbereitung kann einen erheblichen Einfluss auf die Projektdauer haben. Fehlende Informationen oder unklare Konstruktionsdetails können zu Rückfragen, zusätzlichen Nachweisen oder Verzögerungen bei der technischen Bewertung führen.

Schritt 5: Prüfungen durchführen

Das CBTL führt die relevanten Prüfungen nach der anwendbaren IEC-Norm und den entsprechenden IECEE-Verfahren durch.

Die Ergebnisse werden im jeweiligen Test Report Form (TRF) dokumentiert. Das TRF stellt eine standardisierte Struktur bereit, in der die nach der jeweiligen Norm erforderlichen Nachweise und Ergebnisse festgehalten werden.

Diese Standardisierung ist ein wesentlicher Bestandteil des CB Scheme. Die technischen Ergebnisse werden nicht lediglich in einem beliebigen Laborformat dokumentiert, sondern in einer gemeinsamen Struktur, die innerhalb des Konformitätsbewertungssystems verwendet werden kann.

Schritt 6: Nichtkonformitäten bearbeiten

Wenn das Produkt eine oder mehrere Anforderungen während der Prüfung nicht erfüllt, müssen die festgestellten Nichtkonformitäten behoben werden.

Das kann beispielsweise bedeuten:

  • das Produkt zu ändern,
  • eine Komponente auszutauschen,
  • zusätzliche technische Nachweise bereitzustellen,
  • Dokumentationen zu korrigieren,
  • zusätzliche Prüfungen durchzuführen oder
  • eine akzeptable Lösung gemeinsam mit Zertifizierungsstelle und Prüflabor zu dokumentieren.

Änderungen am Produkt sollten in dieser Phase kontrolliert durchgeführt werden. Eine aus Sicht der Entwicklung geringfügige Änderung kann möglicherweise weitere Anforderungen oder den Umfang der Bewertung beeinflussen.

Schritt 7: Technische Bewertung und Zertifizierung

Nach Abschluss der Prüfungen und der technischen Dokumentation werden die Ergebnisse im Rahmen des CB-Zertifizierungsprozesses bewertet.

Die abschließende Dokumentation muss die Konformität des Produkts mit den anwendbaren Anforderungen belegen. Die daraus entstehenden Prüfunterlagen bilden die technische Grundlage für die CB-Zertifizierung.

Wichtig ist dabei: Ein Dokument ist nicht allein deshalb ein gültiger CB Test Report, weil es ein IECEE Test Report Form verwendet. Die IEC stellt ausdrücklich klar, dass ein solcher Bericht erst dann als CB Test Report gilt, wenn er von einem anerkannten CB Testing Laboratory unterzeichnet und einem von einem NCB ausgestellten CB Test Certificate beigefügt wurde.

Der Zusammenhang zwischen Prüfung und Zertifizierung ist daher:

CBTL → Test Report → NCB-Prüfung/Zertifizierung → CB Test Certificate

Schritt 8: CB-Dokumentation für die Zielmärkte nutzen

Nach Ausstellung des CB Test Certificate kann der Hersteller die CB-Dokumentation als Bestandteil seiner Zertifizierungsstrategie für die relevanten Zielmärkte nutzen.

Hier zeigt sich der internationale Nutzen des CB Scheme besonders deutlich. Teilnehmende nationale Zertifizierungsstellen können relevante CB-Dokumente entsprechend den Regeln des Systems und ihren nationalen Anforderungen anerkennen.

Diese Anerkennung bedeutet jedoch nicht, dass jeder nationale Zertifizierungsprozess identisch abläuft. National Differences, lokale Anforderungen, Antragsverfahren, Dokumentationspflichten und weitere marktspezifische Bedingungen können weiterhin relevant sein.

Der vollständige Prozess auf einen Blick

Für einen Hersteller lässt sich der CB-Prozess daher vereinfacht so darstellen:

1. Produkt definieren

2. Anwendbare IEC-Norm bestimmen

3. Eignung für das CB Scheme und Zielmärkte prüfen

4. National Differences und zusätzliche Anforderungen identifizieren

5. NCB / CBTL auswählen

6. Dokumentation und Prüfmuster vorbereiten

7. Prüfungen durchführen

8. Nichtkonformitäten bearbeiten

9. Technische Bewertung abschließen

10. CB Test Report / CB Test Certificate ausstellen

11. CB-Dokumentation für nationale Zertifizierung und Marktzugang nutzen

Der entscheidende Punkt ist: Das CB Certificate ist das Ergebnis des Prozesses, nicht der Prozess selbst. Wie wertvoll dieses Ergebnis für die internationale Zertifizierung ist, hängt wesentlich von Entscheidungen ab, die deutlich früher getroffen wurden – insbesondere von der korrekten Produktabgrenzung, der anwendbaren IEC-Norm, den Zielmärkten und den relevanten National Differences.

5. Was deckt ein CB Certificate tatsächlich ab?

Ein CB Certificate sollte immer im Kontext des konkreten Produkts, der Norm, der Ausgabe und des im Zertifikat sowie im zugehörigen CB Test Report definierten Geltungsbereichs betrachtet werden.

Das Zertifikat ist keine allgemeine Aussage darüber, dass das Produkt alle anwendbaren Anforderungen erfüllt. Es bestätigt, dass repräsentative Muster des bezeichneten Produkts innerhalb des CB Scheme anhand der relevanten IEC-Anforderungen bewertet wurden. Der zugehörige Prüfbericht enthält die detaillierten technischen Nachweise hinter dieser Zertifizierung.

Deshalb ist der genaue Zertifizierungsumfang entscheidend. Ein Hersteller sollte nicht nur darauf achten, dass ein CB Certificate existiert, sondern auch darauf, welche Norm verwendet wurde, welche Produktkonfiguration geprüft wurde, welche Anforderungen abgedeckt wurden und ob National Differences berücksichtigt wurden.

Anforderungen an die Produktsicherheit

Beim klassischen CB Scheme liegt der Schwerpunkt auf der Bewertung der elektrischen Sicherheit anhand der im IECEE-System akzeptierten anwendbaren IEC-Normen.

Je nach Produkt und anwendbarer Norm können dazu beispielsweise Anforderungen gehören an:

  • Schutz vor elektrischem Schlag,
  • Isolation und Spannungsfestigkeit,
  • anomalen Betrieb,
  • Temperaturen und Erwärmung,
  • mechanische Gefährdungen,
  • Brand- und Gehäuseanforderungen,
  • Kriech- und Luftstrecken,
  • Sicherheit von Komponenten sowie
  • Kennzeichnungen, Anleitungen und weitere erforderliche Produktinformationen.

Die konkreten Anforderungen werden immer durch die anwendbare Produktnorm bestimmt. Ein CB Certificate sollte daher niemals unabhängig von dieser Norm interpretiert werden.

Die anwendbare IEC-Norm

Die Norm ist eine der wichtigsten Informationen auf einem CB Certificate.

Sie definiert die technische Grundlage, anhand derer das Produkt bewertet wurde. Auch die Ausgabe und anwendbare Änderungen (Amendments) sind relevant, da sich Anforderungen zwischen verschiedenen Ausgaben ändern können.

Für Hersteller bedeutet das: Die Suche nach der richtigen Norm ist nicht lediglich ein vorbereitender administrativer Schritt. Sie bestimmt unmittelbar, was die anschließende CB-Bewertung nachweisen soll.

Deshalb sollte die erste Frage immer lauten:

Welche IEC-Norm gilt für dieses Produkt?

Die ScopeRight Safety Standards Database kann in dieser Phase genutzt werden, um relevante IEC-Sicherheitsnormen zu identifizieren und direkt vom jeweiligen Normeneintrag auf die entsprechenden IECEE-Informationen zuzugreifen.

Konstruktion und kritische Komponenten

Eine CB-Bewertung berücksichtigt auch die Konstruktion des Produkts und, soweit relevant, sicherheitskritische Komponenten.

Je nach anwendbarer Norm können dabei beispielsweise folgende Komponenten oder Aspekte relevant sein:

  • Netzteile,
  • Transformatoren,
  • Sicherungen und Schutzvorrichtungen,
  • Schalter,
  • Steckverbinder,
  • Isolationssysteme,
  • Motoren,
  • Batterien oder
  • andere sicherheitskritische Komponenten.

Die Bedeutung dieser Komponenten ist nicht nur bei der Erstzertifizierung relevant. Eine spätere Änderung an einer kritischen Komponente kann die weitere Anwendbarkeit der bestehenden Zertifizierung beeinflussen und eine zusätzliche Bewertung erforderlich machen.

Hersteller sollten die zertifizierte Produktkonfiguration daher als kontrollierte Konfiguration betrachten und nicht davon ausgehen, dass jede spätere Designänderung automatisch vom ursprünglichen CB Certificate abgedeckt ist.

National Differences

Eine der wichtigsten Einschränkungen eines CB Certificates besteht darin, dass die zugrunde liegende IEC-Norm nicht zwangsläufig die vollständigen nationalen Anforderungen jedes Marktes abbildet.

Das IECEE-System ermöglicht die Berücksichtigung von National Differences. Dabei handelt es sich um nationale Anforderungen oder Prüfparameter, die von den entsprechenden IEC-Anforderungen abweichen und andernfalls zu einer Nichtkonformität mit der jeweiligen nationalen Norm führen könnten.

Soweit erforderlich, können Nachweise zu National Differences in ergänzender Dokumentation zum CB Test Report enthalten sein. Diese können anschließend den nationalen Zertifizierungsprozess im jeweiligen Markt unterstützen.

Dies ist einer der Gründe, warum ein Hersteller seine Zielmärkte möglichst vor Beginn der Prüfungen definieren sollte. Sind die Zielmärkte frühzeitig bekannt, können relevante National Differences in die Prüfstrategie einbezogen werden, anstatt erst später während der nationalen Zertifizierung entdeckt zu werden.

Was ist nicht automatisch abgedeckt?

Besonders wichtig ist die Frage, was ein CB Certificate nicht automatisch abdeckt.

Ein CB Certificate für eine Produktsicherheitsnorm weist nicht automatisch die Einhaltung aller anderen für das Produkt geltenden regulatorischen Anforderungen nach.

Je nach Produkt und Zielmärkten kann daher eine separate Bewertung erforderlich sein, beispielsweise für:

  • EMV / elektromagnetische Verträglichkeit,
  • Funk- und HF-Anforderungen,
  • Cybersecurity,
  • Energieeffizienz,
  • Umweltanforderungen oder
  • andere nationale oder regionale regulatorische Anforderungen.

Diese Unterscheidung ist insbesondere bei modernen vernetzten Produkten wichtig. Ein Gerät kann über ein gültiges Safety CB Certificate verfügen und dennoch separate EMV- und Funk-Compliance benötigen, bevor es in einem bestimmten Markt rechtmäßig in Verkehr gebracht werden darf.

Das CB Certificate sollte daher als ein Bestandteil der Compliance-Struktur des Produkts und nicht als vollständiges Marktzugangszertifikat betrachtet werden.

Safety, EMV und Funk müssen separat gescoped werden

Bei einem einfachen elektrischen Produkt ohne Funkfunktion kann die CB-Sicherheitsbewertung einen wesentlichen Teil der technischen Compliance-Arbeit ausmachen.

Bei einem vernetzten Produkt kann der Compliance Scope dagegen ganz anders aussehen:

Safety → IEC-Produktsicherheitsnorm / CB Scheme

EMV → anwendbare EMV-Anforderungen und Normen

Funk → anwendbare Funkanforderungen und Normen

Weitere Vorschriften → marktspezifische Anforderungen

Der Hersteller muss daher nicht nur verstehen, ob ein CB Certificate erhältlich ist, sondern auch, welche zusätzliche Compliance-Arbeit nach der CB-Bewertung noch erforderlich bleibt.

Diese Unterscheidung ist entscheidend, wenn der tatsächliche Zeit-, Kosten- und Dokumentationsaufwand für die Markteinführung eines Produkts abgeschätzt werden soll.

6. Was ist mit EMV?

EMV ist einer der Bereiche, in denen das CB Scheme häufig missverstanden wird. Ein Hersteller hört möglicherweise, dass ein Produkt über ein CB Certificate verfügt, und nimmt an, dass damit automatisch auch die elektromagnetische Verträglichkeit abgedeckt ist. Diese Schlussfolgerung ist zu weitgehend.

Der entscheidende Punkt ist: EMV kann Bestandteil des IECEE-Konformitätsbewertungsumfangs sein, ist aber nicht automatisch enthalten, nur weil ein Produkt ein CB Certificate für eine Sicherheitsnorm besitzt.

Das aktuelle IECEE-System führt Electromagnetic Compatibility (EMC) ausdrücklich als zugelassene Kategorie. Es gibt außerdem IECEE Test Report Forms für bestimmte EMV-Normen. Das zeigt, dass EMV-Bewertungen innerhalb des IECEE-Systems durchgeführt werden können.

Die richtige Frage lautet daher nicht:

„Hat mein Produkt ein CB Certificate?“

sondern:

„Welche Art von CB-Bewertung wurde durchgeführt, nach welcher Norm und deckt sie die für meine Zielmärkte relevanten EMV-Anforderungen ab?“

Safety CB und EMC CB sind nicht dasselbe

Ein CB Certificate ist immer an einen definierten Geltungsbereich gebunden, einschließlich der anwendbaren Norm beziehungsweise Normen und des bewerteten Produkts.

Beispielsweise kann ein Hersteller ein CB Certificate auf Grundlage einer Produktsicherheitsnorm wie IEC 62368-1, IEC 60335-1 oder IEC 61010-1 erhalten. Dieses Zertifikat weist die Konformität innerhalb des darin angegebenen Geltungsbereichs nach. Allein seine Existenz bedeutet nicht, dass das Produkt auch anhand der anwendbaren EMV-Anforderungen bewertet wurde.

EMV hat eigene technische Anforderungen, Prüfverfahren und Normen. Je nach Produkt können dazu produktspezifische EMV-Normen, Produktfamiliennormen oder anwendbare Fachgrundnormen aus der IEC-61000-Reihe gehören.

Das IECEE-System enthält EMV-Kategorien und entsprechende EMC Test Report Forms für anwendbare Normen. Beispielsweise führt der IEC Webstore IECEE-TRFs für IEC 61326-2-1 und weitere EMV-Normen für bestimmte Arten von Geräten.

Daraus ergibt sich eine wichtige Unterscheidung:

Ein Safety CB Certificate entspricht nicht automatisch einer EMC CB-Bewertung.

Wenn EMV für das Produkt relevant ist, muss die EMV-Bewertung ausdrücklich Bestandteil des Prüf- und Zertifizierungsumfangs sein.

Was wird bei der EMV geprüft?

Die konkrete EMV-Bewertung hängt von der anwendbaren Produkt- oder Produktfamiliennorm ab. EMV-Anforderungen betreffen grundsätzlich zwei wesentliche Bereiche:

  • Störaussendung (Emission) – ob das Gerät elektromagnetische Störungen erzeugt, die andere Geräte oder Systeme beeinträchtigen könnten.
  • Störfestigkeit (Immunity) – ob das Gerät bei relevanten elektromagnetischen Störungen bestimmungsgemäß weiter funktioniert.

Die anwendbare Norm legt fest, welche Störphänomene, Grenzwerte, Prüfverfahren, Betriebsbedingungen und Leistungskriterien gelten.

Beispielsweise legt IEC 61326-1 EMV-Anforderungen hinsichtlich Störfestigkeit und Störaussendung für elektrische Mess-, Steuer- und Laborgeräte fest.

Andere Produkte können nach anderen produktspezifischen EMV-Normen oder Fachgrundnormen bewertet werden. Es gibt daher keinen einzigen universellen „EMV-Test“, der für jedes elektrische Produkt gilt.

EMC Test Report und EMC CB Certification

Wenn eine EMV-Bewertung innerhalb des IECEE-Systems durchgeführt wird, werden die Prüfungen mit dem entsprechenden IECEE Test Report Form dokumentiert. Das TRF stellt eine standardisierte Struktur zur Dokumentation der erforderlichen Nachweise und Ergebnisse bereit.

Die IEC führt derzeit mehr als 2.300 IECEE Test Report Forms, die überwiegend elektrische Sicherheitsnormen abdecken. Zu den zugelassenen IECEE-Kategorien gehört jedoch ausdrücklich auch EMV.

Hersteller sollten daher den konkreten Prüfbericht und den Zertifizierungsumfang betrachten, anstatt davon auszugehen, dass alle Compliance-Aspekte in einem einzigen Dokument gebündelt sind.

Was bedeutet das für einen Hersteller?

Betrachten wir ein vernetztes elektrisches Produkt mit Netzversorgung und integriertem Funkmodul.

Sein Compliance Scope kann beispielsweise umfassen:

Safety

→ Anwendbare IEC-Produktsicherheitsnorm

→ CB Safety Assessment

EMV

→ Anwendbare EMV-Norm

→ Prüfung von Störaussendung und Störfestigkeit

→ EMV-Bewertung innerhalb des geeigneten Zertifizierungswegs

Funk

→ Anwendbare Funknormen

→ Funkspezifische regulatorische Anforderungen für jeden Zielmarkt

Die drei Bereiche können technisch miteinander zusammenhängen, sollten aber nicht allein deshalb als ein einziger Zertifizierungsumfang betrachtet werden, weil das Produkt ein CB Certificate besitzt.

Warum EMV vor Beginn der Prüfungen berücksichtigt werden sollte

EMV ist besonders wichtig, wenn die CB-Strategie für mehrere Märkte entwickelt wird.

Wenn der Hersteller die Zielmärkte und anwendbaren EMV-Normen vor Beginn der Prüfungen kennt, kann das Prüfprogramm möglicherweise so strukturiert werden, dass die daraus entstehende Dokumentation für mehr als einen Zertifizierungsweg nutzbar ist.

Das kann besonders wertvoll für Produkte sein, die sowohl Sicherheits- als auch EMV-Bewertungen benötigen. Wird das Produkt geprüft, ohne zuvor die vollständige Marktzugangsstrategie zu verstehen, kann dies zu doppelten Prüfungen, zusätzlichen Prüfmustern oder Berichten führen, die die für einen bestimmten nationalen Zertifizierungsweg erforderlichen Nachweise nicht enthalten.

Für EMV gilt daher dasselbe Prinzip wie für Safety:

Den Compliance Scope vor Beginn der Prüfungen definieren – nicht erst, nachdem der Prüfbericht bereits ausgestellt wurde.

Für Hersteller bedeutet das, die anwendbaren Safety- und EMV-Normen, Zielmärkte, National Differences und zusätzlichen regulatorischen Anforderungen so früh wie möglich zu identifizieren.

Die wichtigste Erkenntnis

Das IECEE CB Scheme kann sowohl Sicherheits- als auch EMV-Konformitätsbewertungen unterstützen. Ein CB Certificate ist jedoch keine allgemeine Aussage, die sämtliche Aspekte der Compliance eines Produkts abdeckt.

Prüfen Sie daher immer:

  1. Welche IECEE-Kategorie wird bewertet?
  2. Welche IEC-Norm oder Normen sind abgedeckt?
  3. Enthält die CB-Dokumentation ausdrücklich eine EMV-Bewertung?
  4. Welche National Differences gelten?
  5. Welche zusätzlichen EMV- oder nationalen Anforderungen bleiben für den Zielmarkt bestehen?

Für eine globale Zertifizierungsstrategie kann diese Unterscheidung den Unterschied zwischen tatsächlich wiederverwendbaren Prüfergebnissen und einem Zertifizierungspaket ausmachen, das in jedem Markt weiterhin erheblichen zusätzlichen Aufwand erfordert.

7. Safety, EMV und Funk: Drei unterschiedliche Compliance-Bereiche

Moderne elektrische und elektronische Produkte lassen sich nur selten einer einzigen Compliance-Kategorie zuordnen. Ein Produkt kann gleichzeitig Anforderungen an die elektrische Sicherheit, an die EMV und – sofern eine Funkfunktion vorhanden ist – an den Funkbereich erfüllen müssen.

Die Tatsache, dass mehrere dieser Bereiche auf IEC-Normen basieren können, bedeutet nicht, dass sie durch dieselbe Zertifizierung abgedeckt werden.

Diese Unterscheidung ist insbesondere im IECEE-System wichtig, weil Safety und EMC separate zugelassene IECEE-Kategorien sind, während die Funkkonformität grundsätzlich dem regulatorischen Rahmen für Funkgeräte und dem jeweiligen Zielmarkt folgt. Die aktuellen IECEE Basic Rules führen sowohl SAFE als auch EMC als zugelassene IECEE-Kategorien auf.

Safety

Safety befasst sich mit der Frage, ob das Produkt innerhalb des Geltungsbereichs der anwendbaren Produktnorm ohne unzulässige elektrische, mechanische, thermische, brandbezogene oder andere Sicherheitsrisiken betrieben werden kann.

Bei Produkten, die vom IECEE CB Scheme abgedeckt werden, beginnt hier häufig die CB-Zertifizierungsstrategie. Die anwendbare IEC-Sicherheitsnorm definiert die technischen Anforderungen, die durchzuführenden Prüfungen und die Nachweise, die dokumentiert werden müssen.

Ein Safety CB Certificate kann damit eine wichtige technische Grundlage für die nationale Sicherheitszertifizierung in teilnehmenden Märkten bilden.

Das Zertifikat bleibt jedoch an die konkrete Norm und den in den Zertifizierungsunterlagen definierten Produktumfang gebunden.

EMV

EMV beantwortet eine andere Frage:

Kann das Produkt in seiner elektromagnetischen Umgebung ordnungsgemäß funktionieren, ohne unzulässige Störungen bei anderen Geräten zu verursachen?

Je nach anwendbarer Norm umfasst dies sowohl Anforderungen an die Störaussendung als auch an die Störfestigkeit.

EMV ist selbst eine zugelassene IECEE-Kategorie. Das bedeutet, dass eine EMV-Konformitätsbewertung innerhalb des IECEE-Rahmens durchgeführt werden kann, sofern die relevante Norm und der entsprechende Zertifizierungsumfang abgedeckt sind.

Eine EMV-Bewertung wird jedoch nicht allein deshalb Bestandteil eines Safety CB Certificates, weil beide Bewertungen dasselbe Produkt betreffen.

Der Hersteller muss daher feststellen, ob die EMV durch eine separate IECEE-Zertifizierungsaktivität, einen anderen Konformitätsbewertungsweg oder einen marktspezifischen regulatorischen Prozess abgedeckt wird.

Funk / RF

Die Funkkonformität stellt wiederum einen eigenen Bereich dar.

Ein Produkt mit Wi-Fi, Bluetooth, Mobilfunk, UWB, Radar oder einer anderen Funktechnologie kann in jedem Zielmarkt spezifischen Funkvorschriften unterliegen. Dazu können beispielsweise gehören:

  • zulässige Frequenzbänder,
  • Ausgangsleistung und andere Sendergrenzwerte,
  • belegte Bandbreite,
  • unerwünschte Aussendungen,
  • Anforderungen an den Empfänger,
  • Mechanismen für den Frequenzzugang,
  • Antennenkonfigurationen,
  • funktechnische EMV-Anforderungen und
  • nationale Zulassungs- oder Registrierungsverfahren.

Funkanforderungen sind daher nicht automatisch durch ein Safety CB Certificate abgedeckt. Selbst wenn ein Funkmodul selbst bereits geprüft oder zertifiziert wurde, kann das fertige Host-Produkt abhängig vom Zielmarkt und den anwendbaren Vorschriften eine zusätzliche Bewertung benötigen.

Ein Produkt, mehrere Compliance Scopes

Betrachten wir ein vernetztes Industrieprodukt mit Netzversorgung, digitaler Steuerung und integriertem Wi-Fi-Modul.

Seine Compliance-Strategie könnte beispielsweise so aussehen:

Safety
→ Anwendbare IEC-Produktsicherheitsnorm
→ IECEE CB Safety Assessment

EMV
→ Anwendbare EMV-Norm
→ Bewertung von Störaussendung und Störfestigkeit

Funk
→ Anwendbare Funknormen und nationale Anforderungen
→ Marktspezifische Funkzulassung oder Konformitätsbewertung

Die drei Bereiche hängen miteinander zusammen, beantworten aber unterschiedliche regulatorische Fragen.

Deshalb sollte ein Hersteller nicht nur fragen: „Hat dieses Produkt ein CB Certificate?“ Die wichtigere Frage lautet:

„Welche Teile des Compliance Scopes meines Produkts sind durch die vorhandenen Zertifizierungsunterlagen tatsächlich abgedeckt?“

Warum das für den globalen Marktzugang wichtig ist

Das CB Scheme kann doppelte Arbeit erheblich reduzieren – aber nur, wenn die Zertifizierungsstrategie auf den vollständigen Produkt- und Zielmarkt-Scope abgestimmt ist.

IECEE beschreibt das CB Scheme als System zur gegenseitigen Anerkennung von CB Test Certificates und den zugehörigen Dokumenten. Der CB-Prozess kann damit eine gemeinsame technische Grundlage für nationale Zertifizierungen schaffen. Die nationale Zertifizierung kann jedoch weiterhin länderspezifische Anforderungen enthalten.

Für Hersteller sollte der praktische Ablauf daher lauten:

Produkt → Safety → EMV → Funk → Zielmärkte → National Differences → Zusätzliche Anforderungen → Zertifizierungsstrategie

Mit diesem Ansatz lässt sich deutlich besser bestimmen, was einmalig geprüft werden kann, welche Nachweise möglicherweise wiederverwendbar sind und welche Anforderungen in den einzelnen Märkten weiterhin separat behandelt werden müssen.

Die ScopeRight-Perspektive

Genau hier wird ein frühes Compliance Scoping wertvoll.

Bevor ein Labor ausgewählt oder ein CB Certificate beantragt wird, sollten Hersteller die anwendbaren Sicherheitsnormen identifizieren und verstehen, wie diese Normen in den IECEE-Rahmen einzuordnen sind. Die ScopeRight Safety Standards Database bietet dafür einen praktischen Ausgangspunkt, indem sie IEC-Sicherheitsnormen mit den entsprechenden IECEE-Informationen verknüpft.

Das Ziel ist nicht einfach, ein Zertifikat zu finden. Ziel ist es, den vollständigen Compliance Scope vor Beginn der Prüfungen zu verstehen.

8. National Differences: Der Schlüssel zum Verständnis des CB Scheme

Eines der wichtigsten Konzepte im CB Scheme sind die National Differences.

Das CB Scheme basiert auf IEC-Normen. Die nationalen Anforderungen sind jedoch nicht immer identisch mit den entsprechenden IEC-Anforderungen. Ein Land kann Anforderungen oder Prüfparameter vorsehen, die von der im CB Scheme verwendeten IEC-Norm abweichen. Diese Unterschiede können sich auf die Prüfung, die Dokumentation und den Zertifizierungsweg für den jeweiligen Markt auswirken.

Deshalb sollte ein Hersteller ein CB Certificate niemals unabhängig von den Ländern betrachten, in denen das Produkt verkauft werden soll.

Was sind National Differences?

National Differences sind Anforderungen oder Prüfparameter in einer nationalen Norm, die von den entsprechenden IEC-Anforderungen abweichen, die innerhalb des CB Scheme verwendet werden, und die andernfalls zu einer Nichtkonformität mit der nationalen Norm führen könnten.

Sie können beispielsweise aus Unterschieden bei folgenden Punkten entstehen:

  • Stromversorgungssystemen,
  • Nennspannung oder Frequenz,
  • Installationsbedingungen,
  • nationalen Sicherheitsanforderungen,
  • Anforderungen an Komponenten,
  • Kennzeichnungen und Anleitungen,
  • Umgebungsbedingungen oder
  • anderen national geltenden technischen Anforderungen.

Der entscheidende Punkt ist: Die Konformität mit der IEC-Norm bedeutet nicht automatisch die Konformität mit jeder nationalen Norm, die auf dieser IEC-Norm basiert.

Warum sind National Differences wichtig?

Das CB Scheme wurde entwickelt, um doppelte Prüfungen zu reduzieren. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, sollten relevante nationale Unterschiede so früh wie möglich identifiziert werden.

Wenn ein Hersteller zunächst nur nach den grundlegenden IEC-Anforderungen prüft und später feststellt, dass ein Zielmarkt zusätzliche nationale Anforderungen stellt, können zusätzliche Prüfungen oder technische Bewertungen erforderlich werden.

Das kann zu Folgendem führen:

  • zusätzlichem Laboraufwand,
  • zusätzlichen Prüfmustern,
  • längeren Zertifizierungszeiten,
  • zusätzlicher technischer Dokumentation und
  • unerwarteten Zertifizierungskosten.

Die IECEE-Dokumentation zum CB Scheme sieht daher ausdrücklich vor, dass Prüfungen nach der anwendbaren IEC-Norm einschließlich der erklärten National Differences durchgeführt werden können. Ergänzende Dokumentation kann dabei Nachweise zur Erfüllung dieser Unterschiede für eine anschließende nationale Zertifizierung oder Zulassung liefern.

National Differences sollten vor der Prüfung identifiziert werden

Dies ist einer der wichtigsten Gründe dafür, die Zielmärkte bereits zu Beginn eines Zertifizierungsprojekts festzulegen.

Nehmen wir einen Hersteller, der dasselbe Produkt in Deutschland, den USA, Japan und Australien verkaufen möchte.

Die Frage sollte nicht nur lauten:

Welche IEC-Norm gilt für mein Produkt?

Die bessere Frage lautet:

Welche IEC-Norm gilt, welche Länder erkennen die daraus entstehende CB-Dokumentation an und welche National Differences gelten in den jeweiligen Zielmärkten?

Die Antworten können das Prüfprogramm bereits beeinflussen, bevor das erste Prüfmuster getestet wird.

Wie werden National Differences berücksichtigt?

National Differences können auf unterschiedliche Weise in den CB-Prozess einbezogen werden.

Wo möglich, können die relevanten Unterschiede bereits in die ursprüngliche Prüfung aufgenommen und im CB Test Report oder einem zugehörigen Ergänzungsbericht dokumentiert werden. Das ist besonders sinnvoll, wenn die Zielmärkte des Herstellers bereits bekannt sind.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die entstehende technische Dokumentation enthält bereits Nachweise, die für die nationale Zertifizierung relevant sein können.

Die Alternative besteht darin, die Unterschiede erst zu erkennen, wenn die CB-Dokumentation bei einem NCB eines anderen Landes eingereicht wird. In diesem Fall kann der anerkennende NCB zusätzliche Bewertungen oder Prüfungen verlangen, bevor die nationale Zertifizierung ausgestellt wird.

Daraus ergibt sich ein einfaches Prinzip:

Zielmärkte früh festlegen → National Differences identifizieren → soweit möglich in die Prüfstrategie integrieren.

CB Certificate vs. nationale Zertifizierung

Diese Unterscheidung ist entscheidend.

Ein CB Test Certificate weist die Konformität innerhalb des Geltungsbereichs des CB Scheme nach. Eine nationale Zertifizierungsstelle kann das CB Certificate und den zugehörigen Prüfbericht anschließend als Grundlage für ihre eigene nationale Zertifizierung oder Zulassung verwenden, sofern die geltenden Regeln und Anforderungen dies zulassen.

Die IEC beschreibt genau diesen Zusammenhang: Der Hersteller kann CB Certificate und Test Report bei anderen teilnehmenden NCBs einreichen, die daraufhin ihre nationale Zertifizierung ausstellen können.

Die nationale Zertifizierung bleibt jedoch eine nationale Zertifizierung. Das CB Certificate wird nicht zu einem universellen Zertifikat, nur weil ein anderer NCB es anerkennt.

National Differences und Produktänderungen

National Differences sind auch dann relevant, wenn ein Produkt nach der Zertifizierung geändert wird.

Wenn ein Hersteller beispielsweise ein Netzteil, eine Komponente, ein Gehäuse, einen Betriebsbereich, die Konstruktion oder ein anderes sicherheitsrelevantes Merkmal ändert, sollte die Auswirkung nicht nur anhand der ursprünglichen IEC-Anforderungen, sondern auch anhand der geltenden nationalen Unterschiede bewertet werden.

Eine Änderung, die für einen Markt akzeptabel ist, kann in einem anderen Markt eine zusätzliche Bewertung erforderlich machen.

Auch deshalb sollten Hersteller eine klare Verbindung zwischen folgenden Punkten aufrechterhalten:

Produktkonfiguration → IEC-Norm → CB Certificate → National Differences → nationale Zertifizierungen

Ein praktisches Beispiel

Ein Hersteller hat für ein elektrisches Produkt auf Grundlage der anwendbaren IEC-Sicherheitsnorm ein CB Certificate erhalten.

Anschließend möchte der Hersteller in fünf weitere Länder expandieren.

Der effiziente Ansatz besteht nicht unbedingt darin, dasselbe Zertifikat fünfmal einzureichen und darauf zu warten, dass jede Behörde mögliche Lücken identifiziert.

Stattdessen sollte der Hersteller zunächst prüfen:

  1. Welche der fünf Länder CB-Dokumentation für die relevante Norm anerkennen.
  2. Welche Ausgabe und Amendments der Norm anerkannt werden.
  3. Welche National Differences gelten.
  4. Ob diese Unterschiede bereits durch die vorhandenen CB-Prüfungen abgedeckt wurden.
  5. Ob zusätzliche nationale Anforderungen außerhalb des CB Scope bestehen.
  6. Ob zusätzliche Prüfmuster, Prüfungen, Dokumentation oder eine lokale Vertretung erforderlich sind.

Erst nach dieser Bewertung lässt sich der verbleibende Zertifizierungsaufwand zuverlässig abschätzen.

Die ScopeRight-Perspektive

Genau hier wird ein frühes Scoping von Normen und Zielmärkten besonders wertvoll.

Die ScopeRight Safety Standards Database bietet einen Ausgangspunkt zur Identifizierung der relevanten IEC-Sicherheitsnorm und verknüpft diese direkt mit den entsprechenden IECEE-Informationen.

Die Datenbank ersetzt nicht den offiziellen IECEE-Zertifizierungsprozess. Ihr Nutzen liegt darin, Herstellern zu helfen, die relevante Norm und den dazugehörigen IECEE-Kontext vor Beginn der Laborprüfung zu identifizieren.

Für eine globale Zertifizierungsstrategie lautet das Ziel daher nicht einfach:

„Ein CB Certificate bekommen.“

Sondern:

„Ein CB-Prüfprogramm aufbauen, dessen Ergebnisse für die Märkte nutzbar sind, die wir tatsächlich erschließen wollen.“

Diese Unterscheidung kann einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie viel zusätzliche Prüfung, Zeit und Kosten nach der ursprünglichen CB-Bewertung erforderlich sind.

9. Vom CB Certificate zur nationalen Zertifizierung

Das CB Scheme wurde entwickelt, um internationale Zertifizierungen effizienter zu machen. Das CB Test Certificate selbst ist jedoch keine nationale Zulassung für jeden Markt.

Der nächste Schritt besteht daher darin zu verstehen, wie ein Hersteller die CB-Dokumentation bei der Beantragung einer Zertifizierung in einzelnen Ländern nutzen kann.

Wie nationale Zertifizierungen die CB-Dokumentation nutzen

Das grundlegende Prinzip ist einfach.

Nach Erhalt eines CB Test Certificates und des zugehörigen CB Test Reports kann der Hersteller diese Unterlagen bei einem NCB in einem anderen teilnehmenden Land einreichen, sofern die entsprechenden CB-Dokumente dort anerkannt werden.

Der anerkennende NCB prüft die Dokumentation anhand der Anforderungen seines nationalen Zertifizierungssystems. Wenn die CB-Dokumentation die erforderlichen Nachweise liefert und die anwendbaren nationalen Anforderungen berücksichtigt wurden, kann der NCB die vorhandenen Prüfergebnisse als Grundlage für seine nationale Zertifizierung verwenden, anstatt die technische Bewertung vollständig neu zu beginnen.

Das ist der zentrale Mechanismus, der dem CB Scheme seinen praktischen Wert für den globalen Marktzugang gibt. Die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik von DIN und VDE (DKE) beschreibt den Prozess ähnlich: Hersteller können das CB Certificate und den zugehörigen Test Report bei teilnehmenden Zertifizierungsstellen in anderen Ländern einreichen, die daraufhin ihre nationale Zertifizierung grundsätzlich ausstellen können, ohne die Produktprüfung zu wiederholen.

Anerkennung eines CB Certificates ist nicht dasselbe wie eine automatische Zulassung

Es ist wichtig, zwischen der Anerkennung von CB-Dokumentation und der automatischen Zulassung eines Produkts zu unterscheiden.

Ein NCB kann CB Test Certificates für bestimmte Normen und Produktkategorien anerkennen. Diese Anerkennung ist jedoch an den innerhalb des IECEE-Systems festgelegten Geltungsbereich und an die Anforderungen des jeweiligen nationalen Zertifizierungssystems gebunden.

Das IECEE-System sieht ausdrücklich vor, dass NCBs festlegen, für welche Normen sie CB Test Certificates anerkennen sowie welche National Differences und sonstigen nationalen Anforderungen gelten.

Daher sollten Hersteller niemals davon ausgehen, dass aufgrund der Teilnahme eines Landes am CB Scheme jedes CB Certificate automatisch für jedes Produkt akzeptiert wird.

Die relevanten Fragen sind:

  • Erkennt der nationale NCB die anwendbare IEC-Norm an?
  • Erkennt er die relevante Ausgabe dieser Norm an?
  • Erkennt er CB Test Certificates für die Produktkategorie an?
  • Wurden die National Differences des Landes berücksichtigt?
  • Gibt es zusätzliche nationale Anforderungen außerhalb des CB Scope?
  • Gelten lokale Anforderungen an Antragstellung, Kennzeichnung, Registrierung oder Dokumentation?

Die Rolle der National Differences

National Differences sind beim Übergang von der internationalen CB-Bewertung zur nationalen Zertifizierung besonders wichtig.

Wenn die relevanten National Differences bereits in die CB-Prüfung einbezogen und entsprechend dokumentiert wurden, kann der anerkennende NCB diese Nachweise möglicherweise direkt in seinem nationalen Zertifizierungsprozess verwenden.

Die eigene Beschreibung des CB-Prozesses durch die IECEE sieht ausdrücklich Prüfungen nach der IEC-Norm zusammen mit den anwendbaren National Differences vor. Ein ergänzender Bericht kann Nachweise über die Einhaltung der erklärten National Differences für die Erlangung einer nationalen Zertifizierung oder Zulassung liefern.

Wenn eine erforderliche National Difference nicht berücksichtigt wurde, kann der anerkennende NCB zusätzliche Nachweise, Prüfungen oder Bewertungen verlangen, bevor die nationale Zertifizierung ausgestellt werden kann.

Deshalb sollten National Differences idealerweise vor Beginn der ursprünglichen CB-Prüfung identifiziert werden.

Was die nationale Zertifizierungsstelle weiterhin prüfen kann

Auch wenn ein CB Test Report vorliegt, muss der anerkennende NCB das Dokument nicht ohne weitere Prüfung akzeptieren.

Abhängig vom nationalen Zertifizierungssystem kann der NCB unter anderem Folgendes prüfen:

  • die Identität und Konfiguration des Produkts,
  • die anwendbare IEC-Norm und deren Ausgabe,
  • den Geltungsbereich des CB Certificates,
  • die Vollständigkeit des CB Test Reports,
  • erklärte National Differences,
  • zusätzliche nationale Anforderungen,
  • kritische Komponenten und Konstruktionsdetails sowie
  • nationale administrative oder Kennzeichnungsanforderungen.

Der genaue Prozess hängt vom Land und vom jeweiligen Zertifizierungssystem ab. Ziel ist jedoch festzustellen, ob die vorhandenen CB-Nachweise eine ausreichende Grundlage für die beantragte nationale Zertifizierung darstellen.

Warum erneute Prüfungen häufig vermieden werden können

Der wesentliche Vorteil des CB Scheme besteht darin, dass die technische Arbeit wiederverwendet werden kann.

Ohne die Anerkennung der CB-Dokumentation müsste ein Hersteller möglicherweise für jeden nationalen Zertifizierungsweg weitgehend identische Sicherheitsprüfungen wiederholen. Mit einem anerkannten CB Test Certificate und Test Report kann der anerkennende NCB die vorhandenen technischen Nachweise nutzen, soweit seine Regeln dies zulassen.

Das bedeutet nicht, dass zusätzliche Prüfungen ausgeschlossen sind. Es bedeutet, dass doppelte Prüfungen reduziert werden, wenn die vorhandenen Nachweise für den jeweiligen nationalen Zertifizierungsweg akzeptiert werden.

Dieser Unterschied ist auch aus Projektmanagementsicht wichtig. Ein Hersteller sollte den CB Test Report daher als wiederverwendbaren technischen Nachweis betrachten und nicht lediglich als Dokumentation, die nach der ersten Zertifizierung abgelegt wird.

Ein praktisches Beispiel für mehrere Märkte

Betrachten wir einen Hersteller, der die CB-Bewertung für ein elektrisches Produkt abgeschlossen hat und nun vier weitere Märkte erschließen möchte.

Der ineffiziente Ansatz wäre:

CB Certificate → In jedem Land separat beantragen → Anforderungen erst während des jeweiligen Antrags feststellen → Zusätzliche Prüfungen nach Bedarf durchführen

Der strategischere Ansatz ist:

Produkt → IEC-Norm → Zielmärkte → National Differences → CB-Prüfprogramm → CB Test Report / Certificate → Nationale Zertifizierung

Bevor das erste Prüfmuster eingereicht wird, identifiziert der Hersteller die relevanten Länder und bestimmt, wie die CB-Dokumentation in jedem dieser Länder genutzt werden kann.

Wo möglich, werden die relevanten National Differences in das Prüfprogramm integriert. Die daraus entstehende CB-Dokumentation kann dann Nachweise enthalten, die für die anschließenden nationalen Zertifizierungsanträge relevant sind.

Dadurch lassen sich spätere Überraschungen im Projekt erheblich reduzieren.

CB als Grundlage für eine globale Zertifizierungsstrategie

Das CB Scheme sollte daher nicht als einzelnes globales Zertifikat verstanden werden, sondern als gemeinsame technische Grundlage für mehrere nationale Zertifizierungswege.

Der Prozess lässt sich vereinfacht so darstellen:

IEC-Norm + National Differences → CB-Prüfung → CB Test Report → CB Test Certificate → Anerkennende NCBs → Nationale Zertifizierung / Marktzugang

Die CB-Dokumentation steht dabei im Zentrum des Prozesses. Sie verbindet die technische Bewertung des Produkts mit den nationalen Zertifizierungssystemen, die die entsprechenden CB-Dokumente anerkennen.

Was Hersteller vor der Antragstellung prüfen sollten

Bevor ein bestehendes CB Certificate für ein weiteres Land verwendet wird, sollten Hersteller mindestens Folgendes prüfen:

  1. Produktumfang – Ist das konkrete Produkt oder die Produktfamilie abgedeckt?
  2. Norm – Ist die richtige IEC-Norm abgedeckt?
  3. Ausgabe – Wird die relevante Ausgabe einschließlich des Amendment-Standes akzeptiert?
  4. CB-Anerkennung – Erkennt der Ziel-NCB das CB Certificate für diese Norm und Produktkategorie an?
  5. National Differences – Wurden die Unterschiede des Ziellandes berücksichtigt?
  6. Zusätzliche Anforderungen – Gibt es Anforderungen außerhalb des CB Scope?
  7. Dokumentation – Sind CB Certificate, Test Report, Ergänzungen und unterstützende Dokumente vollständig?
  8. Administrative Anforderungen – Gelten lokale Anforderungen an Registrierung, Kennzeichnung, Vertretung oder Antragstellung?

Diese Prüfung sollte erfolgen, bevor davon ausgegangen wird, dass das bestehende CB Certificate für den neuen Markt ausreicht.

Die ScopeRight-Perspektive

Genau hier müssen Informationen zu Normen und Marktzugang zusammengeführt werden.

Die ScopeRight Safety Standards Database bietet einen Ausgangspunkt zur Identifizierung der relevanten IEC-Sicherheitsnorm und verlinkt direkt auf die entsprechenden IECEE-Informationen.

Für einen Hersteller besteht der wichtige Schritt nicht lediglich darin, eine Norm zu identifizieren. Entscheidend ist, die Norm mit der geplanten Zertifizierungsstrategie zu verbinden:

Welche Norm gilt? → Ist sie vom IECEE abgedeckt? → Welche Zielmärkte erkennen die CB-Dokumentation an? → Welche National Differences gelten? → Welche zusätzlichen Anforderungen bleiben bestehen?

Genau an diesem Punkt wird ein CB Certificate strategisch wertvoll: wenn es als Bestandteil einer umfassenderen Marktzugangsstrategie geplant und nicht als isoliertes Zertifikat betrachtet wird.

10. Wer ist am CB Scheme beteiligt?

Am IECEE CB Scheme sind verschiedene Organisationen beteiligt. Ihre jeweiligen Aufgaben zu verstehen, ist wichtig für die Planung eines Zertifizierungsprojekts. Die Begriffe NCB und CBTL werden häufig gemeinsam verwendet, bezeichnen jedoch unterschiedliche Funktionen.

Im Wesentlichen sind folgende Beteiligte relevant:

  • IECEE – das internationale Konformitätsbewertungssystem und dessen Rahmenwerk
  • National Certification Bodies (NCBs) – Organisationen, die innerhalb ihres anerkannten Geltungsbereichs für die Ausstellung und/oder Anerkennung von CB Test Certificates zuständig sind
  • CB Testing Laboratories (CBTLs) – innerhalb des IECEE-Systems anerkannte Prüflabore, die Prüfungen innerhalb definierter Geltungsbereiche durchführen
  • Hersteller / Antragsteller – Unternehmen, die für das Produkt, den Antrag, die Dokumentation und die Prüfmuster verantwortlich sind

IECEE

Die IECEE stellt den internationalen Rahmen bereit, innerhalb dessen das CB Scheme betrieben wird. Sie definiert die Regeln, Verfahren, zugelassenen Produktkategorien, Normen und organisatorischen Anforderungen des Systems.

Ziel ist es, einen gemeinsamen Rahmen für die Konformitätsbewertung zu schaffen, sodass Prüfergebnisse und CB-Zertifizierungsunterlagen innerhalb der teilnehmenden Zertifizierungssysteme genutzt werden können.

Die IECEE selbst ist daher weder das Labor, das das Produkt eines bestimmten Herstellers prüft, noch die Zertifizierungsstelle des Herstellers für einen konkreten Antrag. Die eigentlichen Prüf- und Zertifizierungsaktivitäten werden von innerhalb des Systems anerkannten Organisationen durchgeführt.

National Certification Bodies (NCBs)

Ein NCB (National Certification Body) ist eine Organisation, die innerhalb des CB Scheme für Zertifizierungsaktivitäten zuständig ist.

Ein NCB kann dabei zwei relevante Funktionen haben:

Ausstellender NCB

Ein ausstellender NCB kann CB Test Certificates für Normen und Produktkategorien innerhalb seines anerkannten Geltungsbereichs ausstellen.

Er prüft und bewertet die relevanten Prüfunterlagen und stellt bei Erfüllung der Anforderungen das CB Test Certificate zusammen mit dem zugehörigen CB Test Report aus.

Anerkennender NCB

Ein anerkennender NCB akzeptiert CB Test Certificates innerhalb seines festgelegten Geltungsbereichs als Grundlage für eine nationale Zertifizierung oder Zulassung.

Ein NCB kann daher sowohl ausstellender als auch anerkennender NCB sein. Der jeweilige Geltungsbereich für die Ausstellung und Anerkennung von Zertifikaten wird jedoch innerhalb des IECEE-Systems definiert.

Diese Unterscheidung ist bei der Auswahl eines NCB für ein globales Zertifizierungsprojekt wichtig. Die entscheidende Frage ist nicht lediglich, ob eine Organisation ein NCB ist, sondern für welche Normen und Produktkategorien sie anerkannt ist und welche CB Certificates sie anerkennt.

CB Testing Laboratories (CBTLs)

Ein CBTL (CB Testing Laboratory) führt die für die CB-Bewertung erforderlichen technischen Prüfungen innerhalb seines anerkannten Geltungsbereichs durch.

Das Labor prüft das Produkt anhand der anwendbaren IEC-Anforderungen und dokumentiert die Ergebnisse mit dem entsprechenden IECEE Test Report Form (TRF).

Das CBTL ist damit in erster Linie für die technische Prüfung und Prüfungsdokumentation zuständig, während der NCB die Zertifizierungsfunktion übernimmt.

Je nach Organisation und Projektstruktur können NCB und CBTL Teil derselben Organisation oder getrennte Einrichtungen sein. Entscheidend ist, dass Prüf- und Zertifizierungsstelle innerhalb ihrer jeweils anerkannten IECEE-Geltungsbereiche arbeiten.

Der Hersteller / Antragsteller

Der Hersteller oder Antragsteller ist dafür verantwortlich, das Produkt und die für die Bewertung erforderlichen Informationen bereitzustellen.

Dazu gehören normalerweise:

  • Produktspezifikationen,
  • technische Dokumentation,
  • repräsentative Prüfmuster,
  • Informationen zu Konstruktion und Komponenten,
  • Produktidentifikation und Nennwerte,
  • relevante Zeichnungen und Fotos sowie
  • Informationen zur Festlegung des vorgesehenen Zertifizierungsumfangs.

Der Hersteller muss außerdem die Zielmärkte definieren, wenn National Differences oder zusätzliche nationale Anforderungen in das Prüfprogramm einbezogen werden sollen.

Dies ist insbesondere bei globalen Projekten wichtig. Je besser der Zielmarktumfang vor Beginn der Prüfungen definiert ist, desto besser kann die entstehende CB-Dokumentation anschließend für nationale Zertifizierungen genutzt werden.

Wie die Organisationen zusammenarbeiten

Der Zusammenhang lässt sich vereinfacht so darstellen:

Hersteller / Antragsteller

NCB

CBTL – Prüfung

Prüfbericht / TRF

NCB – Prüfung und Zertifizierung

CB Test Certificate + CB Test Report

Anerkennende NCBs in den Zielmärkten

Nationale Zertifizierung / Marktzugang

Das IECEE-Rahmenwerk steht über diesem Prozess und definiert die Regeln, nach denen die teilnehmenden Organisationen arbeiten.

Warum die Auswahl von NCB und CBTL wichtig ist

Nicht jeder NCB und nicht jedes CBTL verfügt über denselben technischen Geltungsbereich.

Hersteller sollten daher Folgendes berücksichtigen:

  • die anwendbare IEC-Norm,
  • die relevante Produktkategorie,
  • den anerkannten Geltungsbereich des NCB,
  • den Prüfbereich des CBTL,
  • die Erfahrung mit der konkreten Produkttechnologie,
  • die Anforderungen der Zielmärkte und
  • die Möglichkeit, relevante National Differences zu berücksichtigen.

Ein Labor kann umfangreiche Erfahrung mit einer Produktkategorie haben, aber nicht mit der für ein anderes Produkt erforderlichen konkreten Norm. Ebenso kann ein NCB ein breites Spektrum an CB Certificates anerkennen, während sein Geltungsbereich für die Ausstellung von Zertifikaten enger ist.

Die Zertifizierungsstrategie sollte daher feststehen, bevor ein Labor ausschließlich nach Preis oder Verfügbarkeit ausgewählt wird.

Eine praktische Frage für Hersteller

Statt zu fragen:

„Welches Labor kann mein Produkt prüfen?“

lautet die bessere Frage:

„Welche Kombination aus NCB und CBTL kann eine CB-Dokumentation erzeugen, die für die Märkte, in die ich eintreten möchte, tatsächlich nutzbar ist?“

Dieser Perspektivwechsel ist wichtig, weil der Wert des CB Scheme nicht allein in der Durchführung einer Prüfung liegt. Der Wert besteht darin, anerkannte technische Nachweise zu erzeugen, die mehrere Zertifizierungswege unterstützen können.

Für Hersteller sollten Zertifizierungsstelle und Labor daher als Teil der gesamten Marktzugangsstrategie ausgewählt werden – nicht als isolierte Entscheidung über die Durchführung von Prüfungen.

11. Was enthält ein CB Test Report?

Ein CB Test Certificate ist nur so aussagekräftig wie die technischen Nachweise, die dahinterstehen. Diese Nachweise befinden sich hauptsächlich im CB Test Report.

Der CB Test Report dokumentiert, wie das Produkt anhand der anwendbaren Anforderungen bewertet wurde. Innerhalb des IECEE-Systems wird diese Dokumentation mithilfe standardisierter Test Report Forms (TRFs) strukturiert. Die IEC beschreibt TRFs als gemeinsame Struktur, die an die entsprechende IEC- oder ISO-Norm angepasst ist und die Informationen enthält, die zur Dokumentation der an einem Produkt durchgeführten Prüfungen und Analysen erforderlich sind.

Für einen Hersteller ist der Prüfbericht daher weit mehr als eine Liste von Bestanden/Nicht-bestanden-Ergebnissen. Er ist die detaillierte technische Dokumentation darüber, was geprüft wurde, wie es geprüft wurde und welche Produktkonfiguration bewertet wurde.

Produktidentifikation

Der Bericht identifiziert das bewertete Produkt. Je nach anwendbarer Norm und Zertifizierungsdokumentation können dazu beispielsweise folgende Informationen gehören:

  • Hersteller und Antragsteller,
  • Produktname und Produktbeschreibung,
  • Modell- oder Typenbezeichnungen,
  • Nennwerte und wesentliche Eigenschaften,
  • Produktionsstandorte,
  • abgedeckte Varianten oder Konfigurationen sowie
  • relevante Konstruktionsinformationen.

Diese Informationen sind wichtig, weil die CB-Dokumentation an die tatsächlich bewertete Produktkonfiguration gebunden ist. Die Zertifikatsdatenstruktur der IECEE enthält beispielsweise Felder für Antragsteller, Hersteller, Werk, Produkt, Nennwerte, Modell-/Typenreferenz und Prüfberichtsreferenz.

Anwendbare Normen

Der Bericht identifiziert die IEC-Norm oder Normen, die als Grundlage der Bewertung verwendet wurden.

Die Ausgabe der Norm ist dabei besonders wichtig. Eine neuere Ausgabe kann neue Anforderungen einführen oder bestehende Prüfverfahren ändern. Daher kann nicht einfach davon ausgegangen werden, dass ein älterer CB Test Report die Konformität mit einer späteren Ausgabe nachweist.

Auch deshalb sollte die Auswahl der Norm abgeschlossen sein, bevor die Prüfungen beginnen. Aktuelle IECEE-TRFs sind an bestimmte Normen und Ausgaben gebunden. Der IEC Webstore führt beispielsweise IECEE-TRFs für aktuelle Ausgaben wie IEC 61008-2-1:2024 und IEC 60335-2-24:2025.

Prüfergebnisse und technische Nachweise

Der Kern des CB Test Reports sind die während der Prüfung erzeugten Nachweise.

Je nach anwendbarer Norm können dazu beispielsweise Ergebnisse gehören zu:

  • elektrischer Sicherheit,
  • Isolation und Spannungsfestigkeit,
  • Temperaturanstieg,
  • anormalem Betrieb,
  • mechanischen Anforderungen,
  • Schutz vor elektrischem Schlag,
  • Brand- und Gehäuseanforderungen,
  • Anforderungen an Komponenten sowie
  • weiteren produktspezifischen Prüfungen.

Der Bericht dokumentiert die anwendbaren Anforderungen und die entsprechenden Nachweise, sodass die Zertifizierungsstelle und nachfolgende anerkennende Stellen die technische Grundlage der Zertifizierung nachvollziehen können.

Konstruktionsdetails und kritische Komponenten

Der Bericht kann außerdem Informationen enthalten, die erforderlich sind, um nachzuweisen, dass die geprüfte Konstruktion die anwendbaren Anforderungen erfüllt.

Dazu können beispielsweise Details zu folgenden Komponenten gehören:

  • Netzteilen,
  • Transformatoren,
  • Schutzkomponenten,
  • Isolationssystemen,
  • Schaltern und Steckverbindern,
  • Gehäusen,
  • Motoren,
  • Batterien und
  • anderen sicherheitskritischen Komponenten.

Die konkreten Informationen hängen von der anwendbaren Norm ab. Ziel ist es, ausreichend technische Nachweise bereitzustellen, um die Konformität der bewerteten Produktkonfiguration nachzuweisen.

Dies wird besonders wichtig, wenn ein Produkt nach der Zertifizierung geändert wird. Wenn sich eine kritische Komponente oder ein Konstruktionsdetail ändert, sollte der Hersteller nicht davon ausgehen, dass der ursprüngliche CB Test Report automatisch weiterhin anwendbar ist. Die Änderung muss möglicherweise anhand der relevanten Anforderungen bewertet werden.

Fotos, Zeichnungen und ergänzende Dokumentation

CB Test Reports können auch ergänzende Nachweise wie Fotos, Zeichnungen, Schaltpläne, Konstruktionsdetails und weitere Dokumentation enthalten, die zum Nachweis der Konformität erforderlich ist.

Diese Elemente helfen dabei, eindeutig festzuhalten, was bewertet wurde. Sie sind insbesondere dann hilfreich, wenn ein NCB später feststellen muss, ob das für eine nationale Zertifizierung vorgestellte Produkt dem Produkt entspricht, das durch die bestehende CB-Dokumentation abgedeckt ist.

National Differences und ergänzende Nachweise

Wenn National Differences gelten, kann die CB-Dokumentation auch Nachweise enthalten, die diese nationalen Anforderungen berücksichtigen.

Dies kann für eine globale Zertifizierung besonders wertvoll sein, da der Hersteller eine technische Bewertung für mehrere nationale Zertifizierungswege nutzen kann, sofern die jeweils anwendbaren Anforderungen ordnungsgemäß berücksichtigt wurden.

Das Vorhandensein einer National Difference im Bericht bedeutet jedoch nicht, dass damit automatisch alle Anforderungen eines Landes abgedeckt sind. Der Hersteller muss weiterhin prüfen, welche Anforderungen für den konkreten Zielmarkt und das jeweilige Zertifizierungssystem gelten.

Das TRF ist nicht das Zertifikat

Eine Unterscheidung ist besonders wichtig:

Ein Test Report Form ist nicht selbst ein CB Test Report oder CB Certificate.

Die IEC stellt klar, dass ein TRF zur Dokumentation von Prüfnachweisen und Ergebnissen verwendet wird, aber nicht als CB Test Report gültig ist, solange es nicht von einem anerkannten CB Testing Laboratory unterzeichnet und einem von einem NCB ausgestellten CB Test Certificate beigefügt wurde.

Der Zusammenhang lautet daher:

IEC-Norm → TRF → Prüfung → vollständiger CB Test Report → NCB-Zertifizierung → CB Test Certificate

Diese Unterscheidung ist für Hersteller bei der Prüfung von Labordokumentationen wichtig. Ein Laborbericht, der lediglich der Struktur eines IECEE-TRF folgt, ist nicht automatisch ein gültiger CB Test Report.

Warum der CB Test Report für die globale Zertifizierung wichtig ist

Der CB Test Report ist häufig das technisch wertvollste Dokument des gesamten Zertifizierungspakets, weil er die detaillierten Nachweise hinter dem Zertifikat enthält.

Wenn ein Hersteller für eine nationale Zertifizierung einen anderen NCB kontaktiert, muss dieser nachvollziehen können, was tatsächlich bewertet wurde. Der CB Test Report liefert dafür die technische Grundlage.

Auch deshalb sollten Hersteller das vollständige Zertifizierungspaket aufbewahren und klare Kontrolle behalten über:

  • die zertifizierte Produktkonfiguration,
  • die anwendbare Norm und Ausgabe,
  • den CB Test Report,
  • das CB Test Certificate,
  • National Differences und Ergänzungen sowie
  • nachfolgende Produktänderungen.

Die ScopeRight-Perspektive

Für Hersteller beginnt der Prozess lange vor der Ausstellung des Prüfberichts. Zunächst muss die richtige Norm identifiziert werden, und der Zusammenhang zwischen der Norm und dem IECEE-System sollte verstanden sein, bevor die Prüfungen beginnen.

Die ScopeRight Safety Standards Database bietet dafür einen praktischen Ausgangspunkt, indem sie IEC-Sicherheitsnormen mit den entsprechenden IECEE-Informationen verknüpft.

Das Ziel ist, von der Frage „Welche Norm gilt?“ zu einer wesentlich nützlicheren Frage zu kommen:

„Welche Prüf- und Zertifizierungsdokumentation benötige ich, damit die Ergebnisse meine Zielmärkte tatsächlich unterstützen können?“

Genau hier wird der CB Test Report strategisch wichtig: Er ist nicht lediglich der Nachweis, dass ein Labor Prüfungen durchgeführt hat. Er ist die technische Grundlage, auf der weitere Zertifizierungen und Marktzugang aufbauen können.

12. CB Scheme und Komponenten

Komponenten können bei der CB-Bewertung eines elektrischen oder elektronischen Produkts eine entscheidende Rolle spielen. Ein Produkt kann beispielsweise Netzteile, Transformatoren, Schalter, Schutzvorrichtungen, Steckverbinder, Batterien, Motoren, Isolationssysteme oder andere Komponenten enthalten, die für die anwendbaren Sicherheitsanforderungen relevant sind.

Das Vorhandensein eines separaten Komponentenzertifikats bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Komponente in jeder Anwendung akzeptiert wird oder dass das Endprodukt deshalb nicht mehr bewertet werden muss.

Warum Komponenten wichtig sind

Viele Produktsicherheitsnormen enthalten Anforderungen, die von den Eigenschaften einzelner Komponenten im fertigen Produkt abhängen.

Bei einer Sicherheitsbewertung können beispielsweise folgende Komponenten relevant sein:

  • Isolationssysteme,
  • Sicherungen und Schutzvorrichtungen,
  • Transformatoren,
  • Netzteile,
  • Schalter,
  • Steckverbinder,
  • Batterien,
  • Motoren oder
  • andere sicherheitskritische Komponenten.

Die Komponente kann damit Teil des technischen Nachweises werden, auf dem die Sicherheit des vollständigen Produkts basiert.

Eine bestehende Komponentenzertifizierung kann hilfreich sein

Wenn für eine geeignete Komponente bereits eine entsprechende Zertifizierung oder ein technischer Prüfnachweis vorliegt, kann dieser bei der Bewertung des Endprodukts als zusätzlicher technischer Nachweis genutzt werden.

Dadurch kann sich der Aufwand zur Bewertung bestimmter Eigenschaften der Komponente reduzieren, sofern die vorhandene Dokumentation für die konkrete Komponente, ihre Nennwerte, ihre bestimmungsgemäße Verwendung und die Anforderungen der Produktnorm relevant ist.

Der entscheidende Punkt ist:

Eine Komponentenzertifizierung unterstützt die Produktbewertung – sie ersetzt sie nicht automatisch.

Die Komponente muss zur Anwendung passen

Ein häufiger Fehler besteht darin, davon auszugehen, dass ein Komponentenzertifikat allein ausreicht, weil die Komponente nach einer relevanten Norm zertifiziert wurde.

Die Zertifizierungsstelle und das Labor können weiterhin Faktoren prüfen müssen wie:

  • exakten Komponententyp und Modell,
  • Nennwerte,
  • Betriebsbedingungen,
  • elektrische und thermische Belastung,
  • Isolationseigenschaften,
  • Einbauart,
  • umliegende Komponenten und
  • die konkrete Verwendung der Komponente im Endprodukt.

Eine Komponente, die in einer Anwendung akzeptabel ist, muss daher nicht automatisch auch in einer anderen Anwendung akzeptabel sein, wenn sich die Einsatzbedingungen unterscheiden.

Kritische Komponenten und Produktänderungen

Komponenten werden besonders wichtig, wenn ein zertifiziertes Produkt nach der CB-Bewertung geändert wird.

Der Austausch einer kritischen Komponente kann die ursprüngliche Sicherheitsbewertung beeinflussen, selbst wenn die Ersatzkomponente funktional gleichwertig erscheint.

Beispiele sind der Austausch von:

  • einem Netzteil,
  • einem Transformator,
  • einer Sicherung,
  • einem Schalter,
  • einem Steckverbinder,
  • einem Isolationsmaterial oder
  • einer sicherheitskritischen Schutzvorrichtung.

Der Hersteller sollte deshalb die Auswirkungen einer Komponentenänderung bewerten, bevor er davon ausgeht, dass die bestehende CB-Dokumentation weiterhin vollständig anwendbar ist.

Die entscheidende Frage lautet nicht einfach:

„Hat die Ersatzkomponente ein eigenes Zertifikat?“

Sondern:

„Erfüllt die Ersatzkomponente in der tatsächlichen Anwendung die Anforderungen des zertifizierten Produkts?“

Komponenten und der CB Test Report

Der CB Test Report liefert den technischen Kontext, in dem die Komponenten bewertet wurden. Abhängig von der anwendbaren Produktnorm kann der Bericht relevante Komponenten, deren Eigenschaften und die für den Konformitätsnachweis verwendeten Nachweise enthalten.

Dies ist einer der Gründe, warum die vollständige CB-Dokumentation aufbewahrt werden sollte und man sich nicht nur auf das Zertifikat selbst verlassen sollte. Der detaillierte Prüfbericht liefert die technische Grundlage, die bei der Bewertung späterer Produktänderungen oder bei der Prüfung einer bestehenden Bewertung durch eine andere Zertifizierungsstelle benötigt werden kann.

Komponentenstandards und die übergeordnete Zertifizierungsstrategie

Die Auswahl der Komponenten sollte bereits bei der ersten Produktbewertung berücksichtigt werden.

Vor Beginn der Prüfungen sollten Hersteller identifizieren, welche Komponenten voraussichtlich sicherheitskritisch sind und welche bestehenden Zertifizierungen oder technischen Nachweise für diese Komponenten verfügbar sind.

Das kann dazu beitragen:

  • unnötige Prüfungen zu reduzieren,
  • mögliche Zertifizierungslücken frühzeitig zu erkennen,
  • die Auswahl von Komponenten zu vermeiden, die zusätzlichen Compliance-Aufwand verursachen,
  • die Genauigkeit des ursprünglichen Prüfplans zu verbessern und
  • spätere Produktänderungen leichter zu bewerten.

Für Hersteller, die mehrere Produktfamilien entwickeln, kann dies besonders wertvoll sein. Eine kontrollierte Komponentenstrategie kann dazu beitragen, wiederholten Compliance-Aufwand über mehrere Produkte hinweg zu reduzieren.

Die ScopeRight-Perspektive

Das gleiche Prinzip gilt für die Auswahl der anwendbaren Produktsicherheitsnorm. Vor Beginn der Prüfungen sollten Hersteller nicht nur die Produktnorm verstehen, sondern auch die technischen Anforderungen kennen, die die Bewertung der Komponenten bestimmen.

Die ScopeRight Safety Standards Database kann als Ausgangspunkt genutzt werden, um anwendbare IEC-Sicherheitsnormen zu identifizieren und auf die entsprechenden IECEE-Informationen zuzugreifen.

Ziel ist es, die Compliance-Struktur bereits vor Beginn der Prüfungen zu definieren:

Produkt → Sicherheitsnorm → kritische Komponenten → Prüfanforderungen → CB-Bewertung → Zielmärkte

Dieser Ansatz erleichtert es, potenzielle Probleme zu erkennen, bevor daraus später kostspielige Änderungen am Zertifizierungsprojekt werden.

13. CB Scheme im Vergleich zu anderen Compliance-Wegen

Das CB Scheme wird häufig zusammen mit CE-Kennzeichnung, EMV-Konformität, UL-Zertifizierung und nationalen Produktzulassungen genannt. Diese Begriffe werden teilweise so verwendet, als würden sie dasselbe beschreiben. Das tun sie nicht.

Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass jeder dieser Wege einen anderen Zweck, Geltungsbereich, rechtlichen Rahmen und Anerkennungsmechanismus hat. Diese Unterschiede zu verstehen, ist entscheidend für die Frage, wie ein Produkt für die vorgesehenen Zielmärkte geprüft und zertifiziert werden sollte.

CB Scheme vs. CE-Kennzeichnung

Das IECEE CB Scheme und die CE-Kennzeichnung verfolgen grundsätzlich unterschiedliche Ziele.

Das CB Scheme ist ein internationales Konformitätsbewertungssystem, das hauptsächlich auf IEC-Normen und der gegenseitigen Anerkennung relevanter CB Test Certificates und zugehöriger Dokumente innerhalb des IECEE-Rahmens basiert.

Die CE-Kennzeichnung ist dagegen die Erklärung des Herstellers, dass ein Produkt alle anwendbaren EU-Rechtsvorschriften erfüllt, die eine CE-Kennzeichnung verlangen. Je nach Produkt können darunter beispielsweise Anforderungen aus der Niederspannungsrichtlinie, der EMV-Richtlinie, der Funkanlagenrichtlinie oder anderen anwendbaren EU-Rechtsvorschriften fallen.

Ein CB Certificate kann daher ein nützlicher technischer Nachweis innerhalb der Compliance-Strategie für ein EU-Produkt sein. Es ersetzt jedoch nicht das anzuwendende EU-Konformitätsbewertungsverfahren oder die EU-Konformitätserklärung des Herstellers.

Vereinfacht gesagt:

CB Certificate ≠ CE-Kennzeichnung

CB Scheme vs. EMV-Konformität

EMV ist ein weiterer Bereich, in dem diese Unterscheidung wichtig ist.

Das IECEE-System umfasst EMV als zugelassene Kategorie neben Safety und weiteren Konformitätsbewertungskategorien.

Ein Safety CB Certificate weist jedoch nicht automatisch die EMV-Konformität nach. Der Hersteller muss bestimmen, welche EMV-Anforderungen für das Produkt und die Zielmärkte gelten und ob die EMV innerhalb eines geeigneten IECEE-Geltungsbereichs oder über einen anderen Konformitätsbewertungsweg bewertet wurde.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht einfach, ob das Produkt ein CB Certificate besitzt, sondern was das Zertifikat und die zugehörige Prüfdokumentation tatsächlich abdecken.

CB Scheme vs. UL-Zertifizierung

Das CB Scheme und eine UL-Zertifizierung sind ebenfalls nicht austauschbar.

Das CB Scheme ist ein internationales System innerhalb des IECEE-Rahmens, während die UL-Zertifizierung einen von UL im Rahmen eigener Zertifizierungsprogramme und anwendbarer Normen angebotenen Zertifizierungsweg darstellt.

Ein CB Test Report oder CB Certificate kann hilfreich sein, wenn eine Zertifizierung in einem Markt oder Zertifizierungsprogramm angestrebt wird, das die entsprechende CB-Dokumentation anerkennt. Hersteller sollten jedoch nicht davon ausgehen, dass ein CB Certificate automatisch zu einer UL-Zertifizierung führt – oder umgekehrt.

Die zuständige Zertifizierungsstelle bestimmt, welche vorhandenen Prüfnachweise sie anerkennen kann und welche zusätzlichen Bewertungen erforderlich sind.

CB Certificate vs. nationale Zertifizierung

Eine nationale Zertifizierung wird nach den Regeln des jeweiligen nationalen Zertifizierungssystems ausgestellt. Ein CB Certificate kann als technische Grundlage für eine solche Zertifizierung dienen, wenn die zuständige nationale Stelle die CB-Dokumentation anerkennt.

Genau darin liegt der Wert des CB Scheme: Dieselbe technische Bewertung kann potenziell mehrere nationale Zertifizierungswege unterstützen.

Die nationale Zertifizierung bleibt jedoch ein eigenständiger Prozess. Das Zielland kann weiterhin National Differences, administrative Anforderungen, lokale Registrierungen, Kennzeichnungsvorgaben oder zusätzliche Prüfungen verlangen.

CB Certificate vs. Konformitätserklärung

Eine Konformitätserklärung (Declaration of Conformity, DoC) unterscheidet sich ebenfalls grundlegend von einem CB Certificate.

Eine DoC ist eine formelle Erklärung des verantwortlichen Herstellers oder eines anderen Wirtschaftsakteurs, dass das Produkt die in der Erklärung genannten anwendbaren Rechtsvorschriften und Anforderungen erfüllt.

Ein CB Certificate wird dagegen innerhalb des IECEE-Rahmens der unabhängigen Konformitätsbewertung durch einen NCB auf Grundlage der entsprechenden Bewertung und Dokumentation ausgestellt.

Beide können Bestandteil derselben übergeordneten Compliance-Strategie sein, sind aber keine austauschbaren Dokumente.

Warum diese Unterscheidungen wichtig sind

Um Verwechslungen zu vermeiden, sollte Compliance als eine Reihe separater, aber miteinander verbundener Ebenen betrachtet werden:

Safety
→ IEC-Sicherheitsnorm
→ CB-Bewertung, soweit anwendbar
→ Nationale Sicherheitszertifizierung, soweit erforderlich

EMV
→ Anwendbare EMV-Norm
→ EMV-Prüfung / Zertifizierung
→ Marktspezifische EMV-Anforderungen

Funk
→ Anwendbare Funknormen
→ Marktspezifische Funkzulassung oder Konformitätsbewertung

EU-Marktzugang
→ Anwendbare EU-Rechtsvorschriften
→ Konformitätsbewertung
→ Konformitätserklärung
→ CE-Kennzeichnung

Das CB Scheme kann daher ein wichtiger Bestandteil einer globalen Compliance-Strategie sein, sollte aber nicht als Ersatz für die anderen Ebenen betrachtet werden.

Die ScopeRight-Perspektive

Genau deshalb sollte der erste Schritt ein Compliance Scoping sein und nicht lediglich die Auswahl eines Zertifizierungslabels.

Die ScopeRight Safety Standards Database unterstützt Hersteller dabei, relevante IEC-Sicherheitsnormen zu identifizieren und direkt auf die entsprechenden IECEE-Informationen zuzugreifen. Damit bietet sie einen praktischen Ausgangspunkt, um zu beurteilen, ob ein CB-basierter Ansatz sinnvoll ist, bevor die weiteren Safety-, EMV-, Funk- und marktspezifischen Anforderungen erfasst werden.

Ziel ist es, vor Beginn der Prüfungen vier Fragen zu beantworten:

  1. Welche Anforderungen gelten für das Produkt?
  2. Welche IEC-Normen bilden die technische Grundlage?
  3. Welche Zertifizierungswege können die entstehenden Prüfnachweise wiederverwenden?
  4. Welche zusätzlichen Anforderungen bleiben für jeden Zielmarkt bestehen?

Das ist der Unterschied zwischen dem bloßen Erwerb eines Zertifikats und dem Aufbau einer effizienten globalen Zertifizierungsstrategie.

14. Häufige Fehler von Herstellern

Das CB Scheme kann die internationale Zertifizierung erheblich vereinfachen – allerdings nur dann, wenn es Bestandteil einer klar definierten Compliance-Strategie ist. Viele Probleme entstehen nicht durch das CB Scheme selbst, sondern durch Entscheidungen vor Beginn des CB-Projekts oder durch falsche Annahmen darüber, was das ausgestellte Zertifikat tatsächlich abdeckt.

Fehler 1: Ein CB Certificate als weltweite Zulassung betrachten

Dies ist wahrscheinlich das häufigste Missverständnis.

Ein CB Test Certificate ist keine universelle Erlaubnis, ein Produkt in jedem Land zu verkaufen. Es ist ein Zertifizierungsdokument innerhalb des IECEE-Rahmens, das nationale Zertifizierungen in teilnehmenden Märkten unterstützen kann, vorbehaltlich des jeweiligen Geltungsbereichs und der nationalen Anforderungen.

Die IEC beschreibt das CB Scheme als System zur Erleichterung der internationalen Produktakzeptanz. Die nationale Zertifizierung wird insbesondere dann erleichtert, wenn die relevanten National Differences berücksichtigt wurden.

Die richtige Denkweise lautet daher:

CB erleichtert die nationale Zertifizierung – es ersetzt sie nicht automatisch.

Fehler 2: Davon ausgehen, dass EMV automatisch abgedeckt ist

Ein Hersteller kann über ein Safety CB Certificate verfügen und daraus schließen, dass damit auch die EMV-Konformität nachgewiesen wurde.

Das ist nicht automatisch der Fall.

Das IECEE-System verfügt über separate Konformitätsbewertungskategorien, darunter Safety und EMC. Ob EMV abgedeckt ist, hängt vom konkreten Zertifizierungsumfang, den anwendbaren Normen und der Dokumentation ab.

Das Zertifikat und der zugehörige Prüfbericht sollten daher ausdrücklich auf eine EMV-Abdeckung geprüft werden, anstatt EMV automatisch als Bestandteil eines Safety CB Certificates zu betrachten.

Für Produkte mit Funkfunktion gilt dasselbe Prinzip für die Funkanforderungen. Ein Safety CB Certificate weist nicht automatisch die Einhaltung der in den Zielmärkten geltenden Funkvorschriften nach.

Fehler 3: Die Norm erst nach Beginn der Prüfungen auswählen

Die anwendbare IEC-Norm ist eine der Grundlagen der gesamten CB-Bewertung. Sie bestimmt die technischen Anforderungen, die Prüfmethodik und das anwendbare TRF.

Der Versuch, die Norm erst nach Beginn der Laborprüfung festzulegen, kann zu Folgendem führen:

  • zusätzlichen Prüfungen,
  • Änderungen am Prüfprogramm,
  • Verzögerungen,
  • zusätzlichen Prüfmustern oder
  • Dokumentation, die den vorgesehenen Zertifizierungsweg nicht ausreichend unterstützt.

Die IEC führt mehr als 2.300 TRFs, die überwiegend elektrische Sicherheitsnormen abdecken. Aktuelle TRFs sind dabei an bestimmte Normen und Ausgaben gebunden.

Die Norm sollte daher feststehen, bevor das Prüfprogramm finalisiert wird.

Die ScopeRight Safety Standards Database kann als initiales Scoping-Tool genutzt werden, um relevante IEC-Sicherheitsnormen zu identifizieren und direkt vom Normeneintrag auf die entsprechenden IECEE-Informationen zuzugreifen.

Fehler 4: National Differences erst am Ende berücksichtigen

Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, zunächst die IEC-basierte CB-Prüfung abzuschließen und erst danach zu bestimmen, welche Anforderungen in den Zielmärkten gelten.

Dadurch kann einer der wesentlichen Vorteile des CB Scheme verloren gehen.

Die IEC erklärt, dass in einem Mitgliedsmarkt geprüfte Produkte in einem anderen Markt nicht erneut geprüft werden müssen, wenn die relevanten National Differences berücksichtigt wurden.

Werden diese Unterschiede erst nach Abschluss des ursprünglichen Prüfprogramms identifiziert, können zusätzliche Prüfungen oder Bewertungen erforderlich werden.

Die Zielmärkte sollten daher möglichst vor Beginn der Prüfungen festgelegt werden.

Fehler 5: Ein Labor ausschließlich nach dem Preis auswählen

Das günstigste Labor ist nicht zwangsläufig die effizienteste Wahl für ein globales Zertifizierungsprojekt.

Hersteller sollten außerdem berücksichtigen:

  • den Geltungsbereich des CBTL für die anwendbare Norm,
  • die technische Erfahrung mit der Produktkategorie,
  • Erfahrung mit der relevanten Technologie,
  • die Fähigkeit, National Differences zu berücksichtigen,
  • die Zusammenarbeit mit dem vorgesehenen NCB sowie
  • die Relevanz der entstehenden Dokumentation für die Zielmärkte.

Ein günstiges Labor, das die geplante Zertifizierungsstrategie jedoch nicht effizient unterstützen kann, kann durch zusätzliche Prüfungen und Projektverzögerungen letztlich teurer werden.

Fehler 6: Das CB Certificate als einzig wichtiges Dokument betrachten

Das Zertifikat ist wichtig, aber der CB Test Report enthält die detaillierten technischen Nachweise dahinter.

Der Bericht dokumentiert die Produktkonfiguration, die anwendbaren Normen, Prüfungen, Ergebnisse und weitere technische Nachweise. Diese Informationen können entscheidend sein, wenn ein anderer NCB die bestehende Zertifizierung für eine nationale Zulassung bewertet.

Die IEC stellt ausdrücklich klar, dass ein auf einem TRF basierender Bericht nicht als CB Test Report gilt, solange er nicht von einem anerkannten CBTL unterzeichnet und einem von einem NCB ausgestellten CB Test Certificate beigefügt wurde.

Hersteller sollten daher das vollständige CB-Zertifizierungspaket aufbewahren und nicht nur eine PDF-Datei des Zertifikats.

Fehler 7: Komponenten ändern, ohne die Auswirkungen auf die Zertifizierung zu prüfen

Ein Produkt kann sich aus Compliance-Sicht erheblich verändern, selbst wenn eine Änderung aus Entwicklungssicht geringfügig erscheint.

Beispiele sind der Austausch von:

  • einem Netzteil,
  • einem Transformator,
  • einer Sicherung,
  • einem Schalter,
  • einem Steckverbinder,
  • einem Isolationsmaterial oder
  • einer anderen sicherheitskritischen Komponente.

Der Hersteller sollte bewerten, ob die Änderung die bestehende CB-Zertifizierung beeinflusst und ob eine zusätzliche Bewertung erforderlich ist.

Ein separates Zertifikat für die Ersatzkomponente bedeutet nicht automatisch, dass das geänderte Endprodukt weiterhin vom ursprünglichen CB Certificate abgedeckt ist.

Fehler 8: Produktvarianten als automatisch abgedeckt betrachten

Hersteller möchten häufig mit einem CB Certificate möglichst viele Modelle oder Varianten abdecken. Das kann effizient sein, aber die Varianten müssen innerhalb des definierten Zertifizierungsumfangs liegen.

Unterschiede bei Nennwerten, Konstruktion, Komponenten, Gehäuse, Stromversorgung, Betriebsbedingungen oder Funktionalität können die Bewertung beeinflussen.

Produktfamilien sollten daher vor Beginn der Prüfungen sorgfältig definiert werden. Ein breiterer Zertifizierungsumfang ist nur dann sinnvoll, wenn die technischen Unterschiede zwischen den abgedeckten Varianten ordnungsgemäß bewertet wurden.

Fehler 9: Prüfungen beginnen, bevor die Zielmärkte definiert sind

Das CB Scheme ist besonders wertvoll, wenn die entstehenden Prüfnachweise für mehrere Märkte wiederverwendet werden können.

Wenn die Zielmärkte vor Beginn der Prüfungen nicht bekannt sind, kann der Hersteller die Möglichkeit verpassen, relevante National Differences oder andere Anforderungen bereits in das ursprüngliche Prüfprogramm einzubeziehen.

Dadurch kann aus einer potenziell effizienten Strategie eine Abfolge zusätzlicher länderspezifischer Bewertungen werden.

Ein besserer Ansatz ist:

Zielmärkte → Anwendbare Normen → National Differences → Prüfprogramm → CB-Bewertung → Nationale Zertifizierung

Fehler 10: Davon ausgehen, dass ein bestehender CB Report immer wiederverwendbar ist

Ein bestehender CB Test Report kann äußerst wertvoll sein, sollte aber nicht ohne Prüfung seiner Anwendbarkeit dauerhaft als wiederverwendbarer Nachweis betrachtet werden.

Bevor ein älterer Bericht verwendet wird, sollten Hersteller Folgendes überprüfen:

  • die Produktkonfiguration,
  • Modell und Varianten,
  • die anwendbare IEC-Norm,
  • Ausgabe und Amendments,
  • den Zertifizierungsumfang,
  • relevante National Differences sowie
  • die Anforderungen des neuen Zielmarktes.

Normen und nationale Anforderungen können sich im Laufe der Zeit ändern. Ein Bericht, der für ein Zertifizierungsprojekt geeignet war, kann daher bei einem späteren Projekt eine zusätzliche Bewertung erfordern.

Das gemeinsame Muster hinter diesen Fehlern

Die meisten dieser Fehler haben dieselbe grundlegende Ursache:

Die Prüfungen beginnen, bevor die Compliance-Strategie definiert wurde.

Der effektivere Ansatz besteht darin, vom angestrebten Marktzugang aus rückwärts zu planen:

Zielmärkte → Regulatorische Anforderungen → IEC-Normen → National Differences → Prüfstrategie → CB-Zertifizierung → Nationale Zulassungen

Dieser Ansatz ermöglicht es dem Hersteller, bereits vor der Einreichung der Prüfmuster zu verstehen, was die CB-Bewertung tatsächlich erreichen soll.

Außerdem wird klarer, was das CB Certificate abdecken wird – und was außerhalb seines Geltungsbereichs verbleibt.

Die ScopeRight-Perspektive

Das CB Scheme ist am effektivsten, wenn es als Bestandteil der gesamten Compliance-Struktur des Produkts betrachtet wird.

Die ScopeRight Safety Standards Database bietet einen praktischen Ausgangspunkt, indem sie IEC-Sicherheitsnormen mit den entsprechenden IECEE-Informationen verknüpft. Dadurch können Hersteller von der ersten Frage – „Welche Sicherheitsnorm gilt?“ – zur weiterführenden Frage gelangen: „Wie können diese Norm und die daraus entstehenden Prüfnachweise meine Zielmärkte unterstützen?“

Das Ziel ist einfach:

Das Scoping vor den Prüfungen durchführen.

Genau hier entsteht ein großer Teil des möglichen Zeit- und Kostenvorteils des CB Scheme.

15. Das CB Scheme strategisch für den globalen Marktzugang nutzen

Der größte Wert des CB Scheme liegt nicht allein darin, ein Zertifikat zu erhalten. Entscheidend ist, die CB-Bewertung als Bestandteil einer globalen Zertifizierungsstrategie zu nutzen, sodass die daraus entstehenden technischen Nachweise möglichst viele Zielmärkte unterstützen können.

Dafür müssen Hersteller bereits vor Beginn der Prüfungen über den späteren Marktzugang nachdenken.

Mit den Zielmärkten beginnen

Ein CB-Projekt sollte idealerweise mit einer klaren Liste der vorgesehenen Zielmärkte beginnen.

Der Grund ist einfach: Der Wert der CB-Dokumentation hängt davon ab, was der Hersteller anschließend damit erreichen möchte.

Vor Beginn der Prüfungen sollten folgende Punkte identifiziert werden:

  • die Länder, in denen das Produkt verkauft werden soll,
  • die beteiligten nationalen Zertifizierungsstellen,
  • die anwendbare IEC-Norm und deren Ausgabe,
  • ob die relevante CB-Dokumentation anerkannt wird,
  • die anwendbaren National Differences sowie
  • Anforderungen, die außerhalb des CB Scope liegen.

Das IECEE-System wurde ausdrücklich entwickelt, um die Anerkennung seiner Zertifizierungsunterlagen zwischen teilnehmenden Mitgliedern zu erleichtern. Die IEC erklärt, dass in einem Mitgliedsmarkt geprüfte Produkte in einem anderen Markt nicht erneut geprüft werden müssen, wenn die relevanten National Differences berücksichtigt wurden.

Damit ist die Planung der Zielmärkte einer der wichtigsten Schritte, um den potenziellen Wert eines CB-Projekts zu bestimmen.

Das Prüfprogramm auf mehrere Märkte ausrichten

Sobald die Zielmärkte feststehen, kann der Hersteller bestimmen, welche Anforderungen durch ein gemeinsames Prüfprogramm abgedeckt werden können.

Beispielsweise:

Gemeinsame IEC-Anforderungen
→ werden in die grundlegende CB-Bewertung aufgenommen

National Differences
→ werden berücksichtigt, soweit erforderlich

Zusätzliche nationale Anforderungen
→ werden bei Bedarf separat bewertet

EMV / Funk / sonstige regulatorische Anforderungen
→ werden in die übergeordnete Compliance-Strategie integriert

Dieser Ansatz ist wesentlich effizienter, als jedes Land als vollständig separates Zertifizierungsprojekt zu behandeln.

Die Norm sorgfältig auswählen

Die anwendbare IEC-Norm bildet die Grundlage der CB-Bewertung. Sie bestimmt die technischen Anforderungen, Prüfverfahren und das anwendbare Test Report Form.

Die IEC stellt derzeit mehr als 2.300 IECEE Test Report Forms bereit, die überwiegend elektrische Sicherheitsnormen abdecken. Gültige TRFs werden innerhalb des IECEE-Prozesses gepflegt und sind an bestimmte Normen und Ausgaben gebunden.

Damit wird die Auswahl der Norm zu einer strategischen Entscheidung und nicht zu einer bloßen Formalität des Labors.

Die ScopeRight Safety Standards Database kann in dieser Phase genutzt werden, um relevante IEC-Sicherheitsnormen zu identifizieren und direkt von den Normeninformationen zum entsprechenden IECEE-Kontext zu gelangen.

Das Ziel ist, die technische Grundlage vor der Finalisierung des Laborprüfprogramms festzulegen.

National Differences gezielt nutzen

National Differences werden häufig als zusätzliche Komplikation betrachtet. Strategisch können sie jedoch genutzt werden, um das ursprüngliche Prüfprogramm für weitere Märkte nutzbarer zu machen.

Wenn die relevanten Unterschiede im Voraus bekannt sind, kann der Hersteller prüfen, ob sie bereits während der ursprünglichen Bewertung berücksichtigt werden können, anstatt später separate Prüfungen durchzuführen.

Das kann verbessern:

  • die Effizienz der Prüfungen,
  • die Qualität der Dokumentation,
  • die Zertifizierungszeiten,
  • die Planbarkeit der Projektkosten und
  • die Wiederverwendbarkeit der entstehenden Prüfnachweise.

Das Ziel ist nicht unbedingt, jede mögliche nationale Anforderung zu prüfen. Entscheidend ist, die konkret relevanten Märkte zu identifizieren und für diese Märkte das effizienteste technische Prüfprogramm aufzubauen.

Safety, EMV und Funk gemeinsam betrachten

Bei vielen modernen Produkten ist die CB-Sicherheitsbewertung nur ein Teil des gesamten Compliance-Projekts.

A connected product may require:

Safety
→ IEC product safety standard
→ CB assessment

EMC
→ applicable EMC standards
→ emissions and immunity assessment

Radio
→ applicable radio standards and national requirements
→ market-specific approval or conformity assessment

These areas should be scoped together even though they are not necessarily covered by the same certificate.

Doing so can reveal opportunities to reuse samples, coordinate testing, and avoid incompatible or duplicated test programs.

Die Produktkonfiguration frühzeitig festlegen

Der Wert eines CB Test Reports hängt stark von der tatsächlich bewerteten Produktkonfiguration ab.

Hersteller sollten daher frühzeitig festlegen:

  • welche Modelle zur Produktfamilie gehören,
  • welche Varianten elektrisch gleichwertig sind,
  • welche Komponenten kritisch sind,
  • welche Netzteile verwendet werden,
  • welche Funkmodule oder Antennen enthalten sind und
  • welche Konfigurationen tatsächlich in den jeweiligen Märkten verkauft werden.

Eine klar definierte Produktfamilie kann die Zertifizierungsstrategie deutlich effizienter machen. Umgekehrt können unkontrollierte Produktvarianten später zu zusätzlichen Prüfungen oder Zertifizierungsaufwand führen.

Den CB Test Report als wiederverwendbaren technischen Nachweis betrachten

Der CB Test Report sollte nicht als Dokumentation betrachtet werden, die nach Ausstellung des ersten Zertifikats ihre Bedeutung verliert.

Er enthält die technischen Nachweise hinter der Zertifizierung und kann bei der Beantragung nationaler Zertifizierungen in weiteren Märkten von großer Bedeutung sein.

Die IEC weist ausdrücklich darauf hin, dass das CB Scheme die gegenseitige Anerkennung von Prüfzeugnissen und zugehörigen Dokumenten unterstützen soll.

Hersteller sollten daher das vollständige Zertifizierungspaket aufbewahren und mit der tatsächlich verwendeten Produktkonfiguration abgleichen.

Das wird insbesondere dann wichtig, wenn:

  • das Produkt geändert wird,
  • Komponenten ausgetauscht werden,
  • ein neues Modell eingeführt wird,
  • ein neues Land hinzukommt oder
  • eine neuere Ausgabe der Norm relevant wird.

Ein strategischer CB-Ablauf

Für Hersteller, die mehrere Märkte ansprechen, kann der Prozess wie folgt strukturiert werden:

1. Produkt definieren

2. Anwendbare IEC-Sicherheitsnorm identifizieren

3. Alle Zielmärkte identifizieren

4. CB-Anerkennung in diesen Märkten prüfen

5. National Differences identifizieren

6. EMV-, Funk- und weitere Anforderungen erfassen

7. Gemeinsames Prüfprogramm definieren

8. NCB / CBTL auswählen

9. Prüfungen durchführen und Ergebnisse dokumentieren

10. CB Test Report und Certificate erhalten

11. Dokumentation für nationale Zertifizierungen nutzen

Diese Reihenfolge trägt dazu bei, dass die CB-Bewertung auf die tatsächlichen Marktzugangsziele des Herstellers ausgerichtet wird.

Was Hersteller erreichen sollten

Das Ziel einer globalen CB-Strategie sollte nicht sein:

„Ein CB Certificate erhalten.“

Das Ziel sollte vielmehr sein:

„Technische Nachweise erzeugen, die effizient für die Märkte wiederverwendet werden können, in die wir eintreten wollen.“

Dieser Perspektivwechsel kann sich unmittelbar auf Prüfaufwand, Projektlaufzeiten und Zertifizierungskosten auswirken.

Die ScopeRight-Perspektive

Genau hier kann Compliance Scoping bereits vor Beginn der Laborprüfungen einen Mehrwert schaffen.

Die ScopeRight Safety Standards Database bietet einen Ausgangspunkt zur Identifizierung von IEC-Sicherheitsnormen und verknüpft diese direkt mit den relevanten IECEE-Informationen.

Von dort aus können Hersteller das umfassendere Compliance-Bild aufbauen:

Anwendbare Sicherheitsnorm → IECEE / CB → National Differences → Zielmärkte → EMV → Funk → zusätzliche Anforderungen

Das CB Scheme funktioniert am besten, wenn es als Bestandteil dieser übergeordneten Strategie und nicht als isolierte Zertifizierungsmaßnahme betrachtet wird.

Das Wichtigste auf einen Blick

Das CB Scheme kann eines der wirksamsten Instrumente sein, um doppelte Sicherheitsprüfungen in internationalen Märkten zu reduzieren – sein tatsächlicher Wert hängt jedoch davon ab, wie es geplant wird.

Je früher der Hersteller die anwendbare Norm, die Zielmärkte, die National Differences und zusätzliche Compliance-Anforderungen identifiziert, desto größer ist die Möglichkeit, ein Prüfprogramm aufzubauen, dessen Ergebnisse für mehrere Zertifizierungswege wiederverwendet werden können.

Das Zertifikat ist das Ergebnis. Die Strategie kommt zuerst.

16. Ein praktisches Beispiel: Vom Produkt zur globalen Zertifizierung

Der beste Weg, den Wert des CB Scheme zu verstehen, ist die Betrachtung eines realistischen Zertifizierungsprojekts.

Betrachten wir einen Hersteller, der ein vernetztes elektrisches Gerät entwickelt, das in mehreren internationalen Märkten verkauft werden soll. Das Produkt verfügt über eine Netzversorgung, elektronische Steuerelektronik und ein integriertes Funkmodul.

Auf den ersten Blick könnte der Hersteller annehmen, dass es bei dem Projekt lediglich darum geht, ein CB Certificate zu erhalten.

Tatsächlich muss die Zertifizierungsstrategie mehrere separate Compliance-Bereiche berücksichtigen.

Schritt 1: Das Produkt definieren

Der Hersteller definiert zunächst das Produkt und die vorgesehene Konfiguration.

Dazu gehören:

  • elektrische Nennwerte,
  • bestimmungsgemäße Verwendung,
  • Gehäuse und Konstruktion,
  • Stromversorgung,
  • kritische Komponenten,
  • verwendete Funktechnologie und Funkmodul,
  • Antennenkonfiguration sowie
  • die Produktvarianten, die abgedeckt werden sollen.

Dieser Schritt legt fest, was tatsächlich bewertet werden soll. Gleichzeitig wird ein häufiges Problem vermieden: Die Zertifizierung beginnt mit einer noch nicht stabilen Produktkonfiguration und erst später wird festgestellt, dass Designänderungen die Prüfergebnisse oder den Zertifizierungsumfang beeinflussen.

Schritt 2: Die anwendbare Sicherheitsnorm bestimmen

Die nächste Frage lautet, welche IEC-Sicherheitsnorm für das Produkt gilt.

Dies sollte feststehen, bevor das Laborprüfprogramm finalisiert wird. Die ausgewählte Norm definiert die technischen Sicherheitsanforderungen und bestimmt, ob das Produkt in eine anwendbare IECEE-CB-Kategorie und einen entsprechenden Zertifizierungsumfang fällt.

Die ScopeRight Safety Standards Database kann in diesem Schritt als erste Referenz genutzt werden. Die Datenbank hilft Herstellern dabei, relevante IEC-Sicherheitsnormen zu identifizieren und verknüpft die Normen direkt mit den entsprechenden IECEE-Informationen.

Wichtig ist dabei, dass die Datenbank als Ausgangspunkt für das Scoping dient. Der endgültige Zertifizierungsumfang wird weiterhin durch die anwendbaren IECEE-Regeln, den NCB, das CBTL, die Norm und die Produktbewertung bestimmt.

Schritt 3: Die Zielmärkte identifizieren

Anschließend legt der Hersteller fest, in welchen Märkten das Produkt verkauft werden soll.

Zum Beispiel:

Europa → USA → Kanada → Japan → Australien

Diese Liste ist entscheidend, weil der Wert der CB-Bewertung davon abhängt, wie die daraus entstehende Dokumentation in diesen Märkten genutzt werden kann.

Der Hersteller sollte für jedes Land bestimmen:

  • ob die relevante CB-Dokumentation anerkannt wird,
  • welcher NCB beteiligt ist,
  • welche Norm und Ausgabe akzeptiert werden,
  • welche National Differences gelten und
  • welche zusätzlichen nationalen Anforderungen außerhalb des CB Scope bestehen.

Schritt 4: Safety, EMV und Funk getrennt betrachten

Da das Beispielprodukt sowohl Elektronik als auch eine Funkfunktion enthält, sollte der Hersteller das gesamte Projekt nicht als eine einzige Zertifizierung betrachten.

Der Compliance Scope kann beispielsweise so aussehen:

Safety
Anwendbare IEC-Produktsicherheitsnorm → CB-Bewertung

EMV
Anwendbare EMV-Normen → Bewertung von Störaussendung und Störfestigkeit

Funk
Anwendbare Funknormen und nationale Frequenzanforderungen → marktspezifische Funkzulassung oder Konformitätsbewertung

Diese Trennung ist wichtig, weil das Safety CB Certificate EMV- oder Funkanforderungen nicht automatisch abdeckt.

Schritt 5: National Differences erfassen

Der Hersteller identifiziert nun die National Differences, die für die ausgewählten Zielmärkte gelten.

Wenn die Unterschiede vor Beginn der Prüfungen bekannt sind, kann der Hersteller prüfen, ob sie in das ursprüngliche CB-Prüfprogramm integriert werden können.

Dies ist eine der wichtigsten Möglichkeiten, den CB-Prozess effizienter zu gestalten.

Statt:

CB-Prüfung → National Differences erst später feststellen → zusätzliche Prüfungen

kann der Hersteller anstreben:

IEC-Anforderungen + relevante National Differences → ein koordiniertes Prüfprogramm

Der IECEE-Prozess unterstützt Prüfungen nach der anwendbaren IEC-Norm zusammen mit erklärten National Differences. Soweit erforderlich, kann ergänzende Dokumentation erstellt werden, um die Konformität für eine anschließende nationale Zertifizierung nachzuweisen.

Schritt 6: NCB und CBTL auswählen

Der Hersteller wählt einen geeigneten NCB und ein geeignetes CBTL auf Grundlage der anwendbaren Produktkategorie, Normen, technischen Geltungsbereiche und Zielmärkte aus.

Die entscheidende Frage ist nicht einfach, welches Labor die Prüfungen durchführen kann. Sie lautet vielmehr:

Welche Kombination aus Zertifizierungsstelle und Prüflabor kann Dokumentation erzeugen, die für die Märkte, in die wir tatsächlich eintreten wollen, nutzbar ist?

NCB und CBTL sollten daher als Bestandteil der gesamten Marktzugangsstrategie ausgewählt werden.

Schritt 7: Die Prüfungen durchführen

Das Produkt wird anhand der anwendbaren IEC-Anforderungen und, soweit vorgesehen, der relevanten National Differences geprüft.

Das CBTL dokumentiert die Ergebnisse mithilfe des anwendbaren IECEE Test Report Form. Der NCB prüft und bewertet die daraus entstehende Dokumentation und stellt das CB Test Certificate aus, wenn die Zertifizierungsanforderungen erfüllt sind.

Das Ergebnis ist nicht lediglich ein Zertifikat. Der Hersteller verfügt nun über ein technisches Nachweispaket aus CB Test Report, CB Test Certificate und gegebenenfalls relevanter ergänzender Dokumentation.

Schritt 8: Die CB-Dokumentation für nationale Zertifizierungen nutzen

Der Hersteller kann die CB-Dokumentation anschließend bei den zuständigen Zertifizierungsstellen in den Zielmärkten einreichen.

Wenn die relevanten CB-Dokumente anerkannt werden und die anwendbaren nationalen Anforderungen berücksichtigt wurden, kann die nationale Zertifizierungsstelle die vorhandenen technischen Nachweise nutzen, anstatt automatisch die vollständige Produktprüfung zu wiederholen.

Die deutsche DKE beschreibt dies als praktischen Zweck des Systems: Hersteller können das CB Certificate und den zugehörigen Test Report bei teilnehmenden Zertifizierungsstellen in anderen Ländern einreichen, die ihre nationale Zertifizierung grundsätzlich ausstellen können, ohne die Produktprüfung zu wiederholen.

Die nationale Zertifizierung bleibt jedoch ein eigenständiger Zertifizierungsprozess. Zusätzliche nationale Anforderungen oder Abweichungen müssen weiterhin berücksichtigt werden.

Schritt 9: Die verbleibende Compliance-Arbeit abschließen

Der CB-Prozess schließt nicht zwangsläufig das gesamte Compliance-Projekt des Produkts ab.

Für das vernetzte Beispielprodukt muss der Hersteller möglicherweise weiterhin Folgendes abschließen:

  • EMV-Konformität,
  • Funkzulassungen,
  • nationale Registrierungen,
  • marktspezifische Dokumentation,
  • Cybersecurity-Anforderungen oder
  • andere regulatorische Anforderungen.

Das finale Compliance-Paket sollte daher als Kombination mehrerer Arbeitsstränge und nicht als ein einziges Zertifikat betrachtet werden.

Das vollständige Beispiel

Das Projekt lässt sich nun wie folgt zusammenfassen:

Produktdefinition

Anwendbare IEC-Sicherheitsnorm

Eignung für das CB Scheme

Zielmärkte

National Differences

Safety + EMV + Funk Scope

Auswahl von NCB / CBTL

Prüfungen

CB Test Report + CB Test Certificate

Nationale Zertifizierung

Verbleibende marktspezifische Anforderungen

Marktzugang

Das ist die praktische Rolle des CB Scheme: Es schafft eine gemeinsame technische Grundlage, die über mehrere nationale Zertifizierungswege hinweg wiederverwendet werden kann, während der Hersteller weiterhin dafür verantwortlich ist, die vollständigen Anforderungen jedes Zielmarktes zu verstehen.

Warum die Strategie zuerst kommen sollte

Das Beispiel zeigt auch, warum die wichtigsten CB-Entscheidungen häufig vor der ersten Produktprüfung getroffen werden.

Wenn der Hersteller die anwendbare Norm, die Zielmärkte, National Differences, EMV-Anforderungen, Funkanforderungen und die Produktkonfiguration frühzeitig identifiziert, kann das Prüfprogramm auf das tatsächliche Marktzugangsziel ausgerichtet werden.

Werden diese Fragen erst nach Abschluss der Prüfungen geklärt, kann der Hersteller feststellen, dass die vorhandene Dokumentation einen Zielmarkt nicht so effizient unterstützt wie erwartet.

Das CB Scheme kann daher doppelte Prüfungen reduzieren – allerdings nur, wenn die Zertifizierungsstrategie vor Beginn der Prüfungen entwickelt wird.

17. Wie ScopeRight unterstützen kann

Das CB Scheme kann die internationale Zertifizierung vereinfachen – allerdings nur dann, wenn die Zertifizierungsstrategie vor Beginn der Prüfungen definiert wird. Genau hier kann ScopeRight Hersteller unterstützen.

ScopeRight ist kein Prüflabor, kein NCB und keine Zertifizierungsstelle. Die Rolle ist eine andere: Hersteller dabei zu unterstützen, den Compliance Scope zu verstehen und zu strukturieren, bevor sie das Labor oder die Zertifizierungsstelle beauftragen.

Mit der anwendbaren Norm beginnen

Der erste Schritt in einem CB-Projekt besteht häufig darin, die richtige IEC-Sicherheitsnorm zu identifizieren.

Die ScopeRight Safety Standards Database bietet eine durchsuchbare Referenz für IEC-Sicherheitsnormen und verknüpft die relevanten Normeneinträge direkt mit den entsprechenden IECEE-Informationen.

Damit können Hersteller von folgendem Ausgangspunkt:

Produkt → Anwendbare IEC-Norm → IECEE-/CB-Kontext

zu einer fundierten Grundlage gelangen, bevor ein Zertifizierungsprojekt gestartet wird.

Den Compliance Scope vor den Prüfungen definieren

Ein CB Certificate ist nur ein Teil des gesamten Compliance-Bildes. Je nach Produkt müssen Hersteller zusätzlich EMV, Funk, Cybersecurity oder andere regulatorische Anforderungen berücksichtigen.

Der Compliance-Scoping-Ansatz von ScopeRight ist darauf ausgerichtet, anhand von Produktinformationen und Zielmärkten die relevanten Anforderungen für Safety, EMV, RF und Cybersecurity bereits vor Beginn der Prüfungen zu identifizieren. Die Plattform kann außerdem verpflichtende und optionale Prüfungen identifizieren und dabei helfen, die gesamte Prüfstrategie zu strukturieren.

Für ein CB-Projekt bedeutet dies, dass der Hersteller den umfassenderen Compliance Scope festlegen kann, bevor entschieden wird, welche Prüf- und Zertifizierungsaktivitäten tatsächlich erforderlich sind.

Normen mit Zielmärkten verbinden

Der tatsächliche Wert eines CB Certificates hängt davon ab, was der Hersteller anschließend damit erreichen möchte.

ScopeRight betrachtet deshalb nicht nur die anwendbare Norm, sondern auch den Zusammenhang zwischen:

Produkt → Norm → Zielmärkte → National Differences → Prüfung → Zertifizierung

Damit können Hersteller potenzielle Lücken erkennen, bevor daraus später zusätzliche Prüfungen oder Zertifizierungsaufwand entstehen.

Unterstützung beim Safety-, EMV- und RF-Scoping

Bei Produkten, die elektrische Sicherheit, EMV und Funkfunktionalität kombinieren, kann ScopeRight dabei helfen, diese Compliance-Bereiche getrennt zu strukturieren, anstatt sie als eine einzige allgemeine Zertifizierungsanforderung zu behandeln.

Die Plattform unterstützt produktbezogenes Compliance Scoping in den Bereichen RF, EMV, Safety und Cybersecurity. Zusätzliche Tools und Datenbanken bieten Zugang zu regulatorischen Informationen und Normeninformationen.

Das ist insbesondere bei vernetzten Produkten relevant, bei denen ein Safety CB Certificate möglicherweise nur einen Teil des gesamten Compliance Scopes abdeckt.

Vom Scoping zur Zertifizierungsstrategie

Bei komplexeren Projekten unterstützt ScopeRight auch die Schritte, die auf das initiale Scoping folgen. Dazu können Compliance-Beratung, Gap Analysis, Laborauswahl, Angebotsvergleich, Prüfbericht-Review und Zertifizierungs-Projektmanagement gehören. Der ScopeRight-Projektmanagement-Service umfasst dabei den Prozess von der Produkt- und Anforderungsprüfung über Prüfungen und Prüfbericht-Review bis hin zu weltweiten Zulassungen.

Das Ziel ist nicht, den NCB oder das CBTL zu ersetzen. Prüfungen und die formale Zertifizierung bleiben Aufgabe der jeweils zuständigen unabhängigen Organisationen.

Stattdessen hilft ScopeRight dem Hersteller, diese Organisationen mit einem klareren Verständnis folgender Punkte zu erreichen:

  • welche Normen gelten,
  • welche Märkte relevant sind,
  • welche Compliance-Bereiche berücksichtigt werden müssen,
  • welche Prüfungen voraussichtlich erforderlich sind und
  • welche Zertifizierungsstrategie vor Beginn der Prüfungen sinnvoll ist.

Warum das für CB-Projekte wichtig ist

Das CB Scheme wurde entwickelt, um doppelte Prüfungen zu reduzieren. Um diesen Vorteil nutzen zu können, muss der Hersteller wissen, was die Prüfergebnisse letztlich unterstützen sollen.

Das bedeutet, die Zielmärkte, anwendbaren Normen, National Differences und zusätzlichen Compliance-Anforderungen festzulegen, bevor das Prüfprogramm finalisiert wird.

Die Rolle von ScopeRight besteht darin, dabei zu helfen, diese Entscheidungen früher und strukturierter zu treffen.

Scope definieren. Anforderungen verstehen. Dann prüfen.

18. Häufige Fragen zum CB Scheme

Ist ein CB Certificate verpflichtend?

Grundsätzlich nicht. Ob ein CB Certificate erforderlich ist, hängt vom Produkt, vom Zielmarkt, dem jeweils anwendbaren nationalen Zertifizierungssystem und den Anforderungen der zuständigen Behörden oder Zertifizierungsstellen ab.

In vielen Fällen ist ein CB Certificate wertvoll, weil es doppelte Prüfungen reduzieren und nationale Zertifizierungen in mehreren Märkten unterstützen kann. Es sollte daher als Bestandteil der Marktzugangsstrategie bewertet und nicht als allgemein verpflichtendes Dokument betrachtet werden.

Ist eine CB-Zertifizierung dasselbe wie eine CE-Kennzeichnung?

Nein.

Das IECEE CB Scheme ist ein internationales Konformitätsbewertungssystem für elektrische und elektronische Geräte und Komponenten. Die CE-Kennzeichnung ist Bestandteil des europäischen Produkt-Compliance-Rahmens und zeigt, dass der Hersteller das jeweils erforderliche Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt hat und die Verantwortung für die Einhaltung der anwendbaren EU-Rechtsvorschriften übernimmt.

Ein CB Certificate kann für ein Produkt, das auf dem europäischen Markt bereitgestellt wird, einen nützlichen technischen Nachweis liefern. Es ersetzt jedoch weder das anzuwendende EU-Konformitätsbewertungsverfahren noch die Konformitätserklärung oder die Anforderungen an die CE-Kennzeichnung.

Ist ein CB Certificate weltweit gültig?

Nein. Ein CB Certificate ist keine universelle Marktzulassung.

Das IECEE-System wurde entwickelt, um die gegenseitige Anerkennung relevanter Prüfzeugnisse und zugehöriger Dokumente zwischen teilnehmenden Mitgliedern zu erleichtern. Die IEC erklärt, dass Produkte, die in einem Mitgliedsmarkt geprüft wurden, in einem anderen nicht erneut geprüft werden müssen, wenn die relevanten National Differences berücksichtigt wurden.

Der tatsächliche nationale Zertifizierungs- oder Zulassungsprozess kann dennoch zusätzliche Anforderungen, National Differences, administrative Verfahren oder andere marktspezifische Bedingungen umfassen.

Enthält ein CB Certificate automatisch EMV?

Nicht automatisch.

EMV ist eine zugelassene IECEE-Konformitätsbewertungskategorie, und EMV-Bewertungen können für anwendbare Normen innerhalb des IECEE-Rahmens durchgeführt werden. Ein CB Certificate, das auf Grundlage einer Produktsicherheitsnorm ausgestellt wurde, weist jedoch nicht automatisch die EMV-Konformität nach.

Der Hersteller sollte daher den genauen Geltungsbereich des CB Certificates und die zugehörige Prüfdokumentation prüfen, um festzustellen, ob EMV bewertet wurde und welche EMV-Normen abgedeckt sind.

Was ist das IECEE EMC Scheme?

Das IECEE-System umfasst EMV als zugelassene Konformitätsbewertungskategorie. Es bietet einen Rahmen für anwendbare EMV-Bewertungen und die zugehörige Zertifizierungsdokumentation innerhalb des IECEE-Systems.

Dies ist von einer Safety-CB-Bewertung zu unterscheiden. Bei einem Produkt, das sowohl Safety- als auch EMV-Konformität benötigt, sollte der Hersteller die anwendbaren Normen und den Zertifizierungsumfang für beide Bereiche separat bestimmen, anstatt davon auszugehen, dass ein einziges Zertifikat beide Bereiche abdeckt.

Deckt ein CB Certificate die Funkkonformität ab?

Nicht automatisch.

Produkte mit Wi-Fi, Bluetooth, Mobilfunk, UWB, Radar oder anderen Funktechnologien können in jedem Zielmarkt separaten Funkanforderungen unterliegen. Dazu können Anforderungen an Frequenzen, Leistung, Frequenzzugangsmechanismen, unerwünschte Aussendungen, Empfänger, Antennen und Zulassungen gehören.

Ein Safety CB Certificate sollte daher nicht als Nachweis der Funkkonformität betrachtet werden, sofern die konkrete Bewertung und die anwendbaren Anforderungen diesen Bereich nicht ausdrücklich abdecken.

Kann ein CB Certificate mehrere Modelle abdecken?

Grundsätzlich ja, sofern die Modelle oder Varianten innerhalb des definierten Zertifizierungsumfangs liegen und die anwendbare Norm eine gemeinsame Abdeckung zulässt.

Der genaue Umfang hängt von der Produktkonfiguration, den Nennwerten, der Konstruktion, den Komponenten, den Varianten und den Anforderungen der anwendbaren Norm ab. Hersteller sollten Produktfamilien daher vor Beginn der Prüfungen sorgfältig definieren und nicht davon ausgehen, dass funktional ähnliche Modelle automatisch unter einem Zertifikat zusammengefasst werden können.

Kann ein bestehender CB Test Report wiederverwendet werden?

Häufig ja – seine Anwendbarkeit muss jedoch geprüft werden.

Ein bestehender CB Test Report kann wertvolle technische Nachweise für zusätzliche nationale Zertifizierungen liefern. Der Hersteller sollte jedoch die Produktkonfiguration, die Norm und deren Ausgabe, den Zertifizierungsumfang, die National Differences und die Anforderungen des neuen Zielmarktes prüfen.

Bei einem älteren Bericht sollte nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass er die Konformität mit einer neueren Normenausgabe oder zusätzlichen nationalen Anforderungen nachweist.

Was passiert, wenn das Produkt nach der CB-Zertifizierung geändert wird?

Die Änderung sollte bewertet werden, um festzustellen, ob sie die bestehende Zertifizierung beeinflusst.

Änderungen an kritischen Komponenten, Netzteilen, Isolationssystemen, Gehäusen, Nennwerten, der Konstruktion oder anderen sicherheitsrelevanten Eigenschaften können die technische Grundlage der ursprünglichen Bewertung beeinflussen.

Der Hersteller sollte daher die zuständige NCB beziehungsweise den relevanten Zertifizierungsprozess konsultieren, bevor er davon ausgeht, dass ein bestehendes CB Certificate nach einer Produktänderung weiterhin vollständig anwendbar ist.

Wie lange ist ein CB Certificate gültig?

Es gibt keine allgemeingültige Antwort, die für jedes CB Certificate und jede Situation gilt. Status und fortdauernde Anwendbarkeit eines Zertifikats hängen vom Zertifikat selbst, den anwendbaren IECEE-Regeln, dem Produkt, der Norm sowie späteren Änderungen oder Zertifizierungsmaßnahmen ab.

Hersteller sollten daher den aktuellen Status und Geltungsbereich des konkreten Zertifikats prüfen, anstatt sich auf eine allgemeine Gültigkeitsdauer zu verlassen.

Wer kann ein CB Certificate ausstellen?

Ein CB Test Certificate wird von einem von der IECEE anerkannten National Certification Body (NCB) innerhalb dessen anerkannten Geltungsbereichs ausgestellt.

Die technische Prüfung wird von einem anerkannten CB Testing Laboratory (CBTL) innerhalb seines Geltungsbereichs durchgeführt. Die Prüfdokumentation des Labors bildet die technische Grundlage für den Zertifizierungsprozess.

Wer führt die CB-Prüfungen durch?

Die Prüfungen werden von einem von der IECEE anerkannten CB Testing Laboratory (CBTL) innerhalb des relevanten technischen Geltungsbereichs durchgeführt.

Das CBTL dokumentiert die Prüfungen mithilfe des anwendbaren IECEE Test Report Form. Der NCB übernimmt anschließend innerhalb seines Geltungsbereichs die Zertifizierungsfunktion.

Akzeptiert jedes Land CB-Ergebnisse?

Nein. Die Teilnahme am IECEE-System bedeutet nicht, dass jedes CB-Dokument automatisch für jedes Produkt und jeden nationalen Zertifizierungsweg akzeptiert wird.

Der Hersteller sollte prüfen, ob der relevante NCB das anwendbare CB Test Certificate anerkennt und ob Produkt, Norm, Ausgabe, National Differences und weitere nationale Anforderungen innerhalb des anerkannten Geltungsbereichs liegen.

Wo finde ich die anwendbare IEC-Sicherheitsnorm?

Der erste Schritt besteht darin, die richtige IEC-Sicherheitsnorm für das Produkt zu identifizieren und anschließend ihre Anwendbarkeit innerhalb des IECEE-Rahmens zu prüfen.

Die ScopeRight Safety Standards Database bietet dafür einen praktischen Ausgangspunkt, indem sie IEC-Sicherheitsnormen auflistet und die relevanten Einträge direkt mit den entsprechenden IECEE-Informationen verknüpft.

Die Datenbank dient der Unterstützung des frühen Scopings. Der endgültige Zertifizierungsumfang wird durch die anwendbaren IEC-/IECEE-Anforderungen sowie den zuständigen NCB/CBTL bestimmt.

19. Fazit

Das IECEE CB Scheme kann ein leistungsfähiges Instrument für Hersteller sein, die elektrische und elektronische Produkte in mehreren internationalen Märkten zertifizieren müssen. Sein wesentlicher Wert liegt dabei nicht im Zertifikat selbst, sondern in der Möglichkeit, eine gemeinsame, international anerkannte technische Grundlage zu schaffen, die mehrere nationale Zertifizierungswege unterstützen kann.

Gleichzeitig sollte ein CB Certificate niemals als universelle Marktzulassung betrachtet werden. Das Zertifikat bezieht sich auf ein definiertes Produkt, eine bestimmte Norm, deren Ausgabe und einen festgelegten Zertifizierungsumfang. National Differences, nationale Zertifizierungsanforderungen, EMV, Funk, Cybersecurity und weitere regulatorische Anforderungen müssen gegebenenfalls weiterhin separat berücksichtigt werden.

Die effektivsten CB-Projekte beginnen daher lange bevor das Produkt das Labor erreicht.

Der Hersteller sollte zunächst klären:

  1. Welche Anforderungen gelten für das Produkt?
  2. Welche IEC-Sicherheitsnorm ist anwendbar?
  3. Fallen Norm und Produkt unter das IECEE CB Scheme?
  4. Welche Zielmärkte soll die Zertifizierung unterstützen?
  5. Welche National Differences gelten?
  6. Welche EMV-, Funk- und sonstigen Anforderungen liegen außerhalb des CB Scope?
  7. Wie kann das Prüfprogramm so strukturiert werden, dass die daraus entstehenden Nachweise wiederverwendbar sind?

Die ScopeRight Safety Standards Database kann den ersten Teil dieses Prozesses unterstützen, indem sie Herstellern hilft, relevante IEC-Sicherheitsnormen zu identifizieren und diese direkt mit den entsprechenden IECEE-Informationen zu verknüpfen.

Das wichtigste Prinzip ist einfach:

Das Zertifikat ist das Ergebnis. Die Compliance-Strategie kommt zuerst.

Wenn Norm, Zielmärkte, National Differences und der gesamte Compliance Scope bereits vor Beginn der Prüfungen definiert sind, kann das CB Scheme genau das leisten, wofür es entwickelt wurde: unnötige Doppelprüfungen reduzieren und eine belastbare technische Grundlage für den internationalen Marktzugang schaffen.