FDA Anleitung für Hersteller
1. Was ist die FDA?
Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) ist eine Bundesbehörde des US-amerikanischen Department of Health and Human Services (HHS). Ihre Aufgabe besteht darin, die öffentliche Gesundheit zu schützen und zu fördern, indem sie eine Vielzahl von Produkten reguliert, die die Gesundheit und Sicherheit von Menschen beeinflussen können. Dazu gehören unter anderem Arzneimittel, biologische Produkte, Medizinprodukte, Lebensmittel, Kosmetika, Tabakprodukte und bestimmte Produkte, die Strahlung emittieren.
Die FDA ist daher nicht einfach eine Behörde, die „Produkte genehmigt“. Ihre Aufgaben umfassen verschiedene regulatorische Tätigkeiten, darunter die Bewertung von Produkten vor ihrer Vermarktung, die Festlegung regulatorischer Anforderungen, Inspektionen von Betriebsstätten, die Überwachung von Produkten nach ihrer Markteinführung sowie Durchsetzungsmaßnahmen, wenn Unternehmen oder Produkte die geltenden Anforderungen nicht erfüllen.
Für Hersteller von Medizinprodukten (Medical Devices) spielt die FDA eine zentrale Rolle bei der Festlegung, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Produkt in den USA rechtmäßig vermarktet werden darf.
Die FDA und Medizinprodukte
Medizinprodukte werden innerhalb der FDA hauptsächlich durch das Center for Devices and Radiological Health (CDRH) reguliert. CDRH ist für Unternehmen zuständig, die Medizinprodukte herstellen, umverpacken, neu kennzeichnen oder in die USA importieren und dort vermarkten.
Die Zuständigkeit erstreckt sich auf den gesamten Produktlebenszyklus. Dazu gehören sowohl die regulatorischen Aktivitäten vor der Markteinführung als auch die Überwachung nach der Vermarktung. CDRH bewertet bestimmte Medizinprodukte und Pre-Market-Einreichungen, überwacht die Registrierung von Betriebsstätten und die Produktlistung, führt Inspektionen durch, überwacht unerwünschte Ereignisse und Rückrufe und kann bei Verstößen Compliance- und Durchsetzungsmaßnahmen ergreifen.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Die FDA-Compliance endet nicht mit einer Marktzulassung bzw. Marktzugangsentscheidung. Abhängig vom Produkt und seinem regulatorischen Status können Hersteller auch danach Verpflichtungen hinsichtlich Qualitätsmanagement, Kennzeichnung, Meldungen, Registrierung, Produktlistung, Post-Market-Surveillance und weiterer regulatorischer Anforderungen haben.
Warum gibt es die FDA?
Das grundlegende Ziel der FDA-Regulierung besteht darin, Patienten, medizinisches Fachpersonal und Verbraucher vor Produkten mit unvertretbaren Risiken zu schützen und gleichzeitig den Zugang zu sicheren und wirksamen Innovationen zu ermöglichen.
Für Medizinprodukte beschreibt CDRH seine Aufgabe darin, sicherzustellen, dass Patienten und medizinisches Fachpersonal Zugang zu sicheren, wirksamen und qualitativ hochwertigen Medizinprodukten haben. Gleichzeitig soll die Innovation im Bereich der Medizinprodukte gefördert und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die in den USA vermarkteten Produkte erhalten werden.
Die FDA-Regulierung folgt daher einem risikobasierten Ansatz. Nicht jedes Medizinprodukt unterliegt demselben regulatorischen Verfahren oder demselben Umfang an Prüfungen und Kontrollen. Die Anforderungen hängen unter anderem von der Zweckbestimmung, den Eigenschaften und dem potenziellen Risiko des Produkts ab. Die FDA unterteilt Medizinprodukte in Class I, Class II und Class III, wobei die regulatorischen Kontrollen grundsätzlich mit dem potenziellen Risiko zunehmen.
Diese risikobasierte Struktur gehört zu den wichtigsten Grundlagen, die ein Hersteller verstehen muss, bevor er ein Medizinprodukt auf den US-Markt bringen möchte.
Ein Hersteller sollte daher nicht mit der Frage beginnen:
„Wie bekomme ich eine FDA-Zulassung?“
Die bessere Ausgangsfrage lautet:
„Wie wird mein Medizinprodukt von der FDA reguliert und welcher regulatorische Weg gilt für mein Produkt?“
Abhängig vom Produkt kann eine Pre-Market-Einreichung wie eine 510(k), ein De-Novo-Antrag oder eine Premarket Approval (PMA) erforderlich sein. Für bestimmte Produkte bestehen Ausnahmen von einzelnen Pre-Market-Anforderungen. Auch wenn keine solche Einreichung erforderlich ist, müssen die jeweils geltenden regulatorischen Anforderungen eingehalten werden.
Die folgenden Kapitel erklären, wie für ein konkretes Medizinprodukt bestimmt wird, welche Situation zutrifft und welche Schritte ein Hersteller vor und nach der Markteinführung in den USA durchführen muss.
Offizielle FDA-Quellen
- FDA – What We Do
- FDA – Center for Devices and Radiological Health (CDRH)
- FDA – Overview of Device Regulation
- FDA – How to Study and Market Your Device
2. Warum reguliert die FDA Medizinprodukte?
Medizinprodukte können einen direkten Einfluss auf die Gesundheit, Diagnose, Behandlung oder Sicherheit eines Patienten haben. Ein Produkt kann ein einfaches manuelles Instrument oder ein komplexes implantierbares, softwaregesteuertes oder lebenserhaltendes System sein. Da Fehlfunktionen, eine falsche Anwendung oder irreführende Angaben erhebliche Folgen haben können, soll der US-amerikanische Regulierungsrahmen eine angemessene Gewähr dafür schaffen, dass in den USA vermarktete Medizinprodukte für ihre vorgesehene Verwendung sicher und wirksam sind.
Die FDA reguliert nicht jedes Medizinprodukt auf dieselbe Weise. Das Regulierungssystem ist vielmehr weitgehend risikobasiert. Der Umfang der regulatorischen Kontrolle hängt von der Art des Produkts und den mit seiner Zweckbestimmung verbundenen Risiken ab. Die FDA klassifiziert Medizinprodukte als Class I, Class II oder Class III, wobei die regulatorischen Kontrollen grundsätzlich mit dem Risiko zunehmen.
Schutz von Patienten und Anwendern
Der wichtigste Grund für die FDA-Regulierung besteht darin, Patienten und Anwender vor unvertretbaren Risiken zu schützen und gleichzeitig sicherzustellen, dass Medizinprodukte ihre vorgesehene Funktion erfüllen.
Potenzielle Risiken können aus vielen unterschiedlichen Ursachen entstehen. Ein Medizinprodukt kann beispielsweise:
- ein falsches Diagnoseergebnis liefern;
- seine vorgesehene Funktion nicht erfüllen;
- einen Patienten übermäßiger Energie oder Strahlung aussetzen;
- eine Software- oder Cybersicherheitslücke enthalten;
- aufgrund eines mechanischen oder elektrischen Fehlers Verletzungen verursachen;
- falsch gekennzeichnet sein oder unzureichende Gebrauchsanweisungen enthalten; oder
- Risiken aufweisen, die bei Entwicklung und Herstellung nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Die FDA-Regulierung geht daher über die Frage hinaus, ob ein fertiges Produkt funktioniert. Je nach Medizinprodukt können sich die regulatorischen Anforderungen auf Design, Herstellung, Kennzeichnung, Leistungsfähigkeit, klinische Nachweise und die Überwachung nach der Markteinführung beziehen.
Warum die Risikoklassifizierung wichtig ist
Ein Medizinprodukt mit geringem Risiko benötigt nicht zwangsläufig denselben Umfang an regulatorischen Nachweisen wie ein risikoreiches implantierbares Produkt. Identische Anforderungen für jedes Produkt würden bei risikoarmen Produkten eine unnötige regulatorische Belastung verursachen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit von den Produkten ablenken, bei denen die möglichen Folgen besonders schwerwiegend sind.
Die FDA verwendet deshalb unterschiedliche Stufen regulatorischer Kontrolle. Bestimmte Class-I-Produkte sind von einzelnen Anforderungen an eine Pre-Market-Einreichung ausgenommen, während viele Class-II-Produkte eine 510(k)-Einreichung benötigen. Für Class-III-Produkte ist grundsätzlich eine Premarket Approval (PMA) erforderlich, sofern kein anderer spezifischer regulatorischer Weg anwendbar ist.
Das bedeutet, dass sich das regulatorische Verfahren nicht allein daraus ableiten lässt, dass ein Produkt als „Medizinprodukt“ bezeichnet wird. Der Hersteller muss zunächst verstehen, um welches Produkt es sich handelt, welchem Zweck es dient und wie die FDA es klassifiziert.
Regulierung vor und nach der Markteinführung
Die FDA-Aufsicht beschränkt sich nicht auf den Zeitpunkt, zu dem ein Medizinprodukt auf den US-Markt gebracht wird.
Vor der Vermarktung kann die FDA Nachweise verlangen, dass das Produkt die für seinen regulatorischen Weg geltenden Anforderungen erfüllt. Je nach Produkt können dazu Leistungsprüfungen, der Vergleich mit einem bereits rechtmäßig vermarkteten Produkt, klinische Nachweise, risikobezogene Informationen, Kennzeichnung oder andere Unterlagen gehören.
Nach der Markteinführung können für Hersteller weiterhin Anforderungen wie die Registrierung des Betriebs und die Produktlistung, Anforderungen an das Qualitätsmanagement, Medical Device Reporting, Korrektur- und Rücknahmemaßnahmen sowie weitere Post-Market-Verpflichtungen gelten. Das Registrierungs- und Listungssystem der FDA unterscheidet ausdrücklich zwischen Registrierung/Listung und einer FDA-Zulassung: Die Registrierung oder Listung bedeutet nicht, dass die FDA den Betrieb oder das Produkt genehmigt hat.
Das Ergebnis ist ein über den gesamten Produktlebenszyklus ausgerichtetes Regulierungssystem und nicht lediglich ein einmaliges Zulassungsereignis.
Die praktische Konsequenz für Hersteller
Für einen Hersteller, der den US-Markt erschließen möchte, sollte FDA-Compliance daher nicht als abschließender administrativer Schritt betrachtet werden.
Die regulatorische Strategie sollte bereits während der Produktentwicklung berücksichtigt werden, da Entscheidungen über Zweckbestimmung, Design, Technologie, Kennzeichnung, Prüfungen und Herstellung die anwendbaren regulatorischen Anforderungen direkt beeinflussen können.
Die erste praktische Frage lautet deshalb nicht:
„Welches FDA-Formular muss ich einreichen?“
Sondern:
„Was genau ist mein Medizinprodukt, wie wird es klassifiziert und welche regulatorischen Anforderungen gelten dafür?“
Das nächste Kapitel behandelt diesen Ausgangspunkt: die Bestimmung, ob ein Produkt als Medizinprodukt reguliert wird, und die Ermittlung seiner Klassifizierung, die die Grundlage für den weiteren FDA-Regulierungsweg bildet.
Offizielle FDA-Quellen
- FDA – How to Determine if Your Product is a Medical Device
- FDA – Device Classification Panels
- FDA – Device Registration and Listing
3. Ist Ihr Produkt ein Medizinprodukt?
Bevor ein Hersteller den richtigen FDA-Regulatory-Pathway bestimmen kann, muss zunächst geklärt werden, ob das Produkt nach US-amerikanischem Recht überhaupt als Medizinprodukt (Medical Device) gilt.
Diese Frage ist wichtiger, als sie zunächst erscheint.
Ein Produkt kann im Gesundheitswesen eingesetzt werden, ohne automatisch ein Medizinprodukt zu sein. Umgekehrt kann ein Produkt, das äußerlich wie ein gewöhnliches Verbraucher- oder Elektronikprodukt aussieht, unter die FDA-Regulierung für Medizinprodukte fallen, wenn seine bestimmungsgemäße Verwendung die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt.
Die Einstufung hängt daher nicht allein davon ab, wie das Produkt aussieht oder wo es eingesetzt wird.
Der Ausgangspunkt ist die Intended Use, also die vom Hersteller vorgesehene Zweckbestimmung.
3.1 Die FDA-Definition eines Medizinprodukts
Die gesetzliche Definition eines Medizinprodukts findet sich in Section 201(h) des Federal Food, Drug, and Cosmetic Act (FD&C Act).
Vereinfacht ausgedrückt umfasst die Definition unter anderem Instrumente, Apparate, Maschinen, Implantate, bestimmte In-vitro-Produkte und vergleichbare Produkte, die beispielsweise:
- zur Diagnose einer Krankheit oder eines anderen Zustands bestimmt sind;
- zur Heilung, Linderung, Behandlung oder Vorbeugung einer Krankheit bestimmt sind; oder
- die Struktur oder eine Funktion des menschlichen Körpers beeinflussen sollen,
und deren primärer bestimmungsgemäßer Zweck nicht durch eine chemische Wirkung im oder am Körper erreicht wird und nicht davon abhängt, dass der Stoff zur Erreichung dieses primären Zwecks metabolisiert wird.
Diese Abgrenzung ist wichtig, weil die FDA zahlreiche unterschiedliche Arten von Produkten reguliert, die im Gesundheitsbereich eingesetzt werden. Sie fallen jedoch nicht alle unter denselben regulatorischen Rahmen.
Entscheidend sind daher die gesetzlichen Eigenschaften und die Intended Use des Produkts – nicht allein die Tatsache, dass es mit dem Gesundheitswesen verbunden ist.
3.2 Intended Use ist der Ausgangspunkt
Eines der wichtigsten Konzepte in der FDA-Regulierung von Medizinprodukten ist die Intended Use.
Die FDA bestimmt nicht allein anhand des technischen Aufbaus, ob ein Produkt ein Medizinprodukt ist.
Die vorgesehene Verwendung des Produkts ist von zentraler Bedeutung.
Ein elektronischer Sensor könnte beispielsweise je nach Intended Use sein:
- ein allgemeiner Consumer-Sensor;
- ein industrielles Messgerät;
- ein Wellness-Produkt; oder
- ein Medizinprodukt.
Die zugrunde liegende Technologie könnte dabei sehr ähnlich sein.
Was sich unterscheidet, ist das, was der Hersteller mit dem Produkt erreichen möchte und welche Aussagen über seine Verwendung gemacht werden.
Deshalb müssen unter anderem folgende Bereiche sorgfältig betrachtet werden:
- Produktkennzeichnung;
- Instructions for Use;
- Produktbeschreibung;
- Website;
- Marketingmaterial;
- Werbung;
- technische Dokumentation;
- Aussagen gegenüber Kunden.
Ein Hersteller kann die FDA-Regulierung als Medizinprodukt daher nicht zwangsläufig dadurch vermeiden, dass er das Produkt nicht als medical device bezeichnet, wenn Intended Use und Claims tatsächlich unter die gesetzliche Definition fallen.
3.3 Die medizinische Zweckbestimmung beantwortet noch nicht alle regulatorischen Fragen
Auch wenn festgestellt wurde, dass ein Produkt ein Medizinprodukt ist, ist damit noch nicht geklärt, welche FDA-Anforderungen gelten.
Anschließend müssen weitere Fragen beantwortet werden:
- Um welche Art von Medizinprodukt handelt es sich?
- Welche FDA-Klassifizierung gilt?
- Welcher Product Code ist zutreffend?
- Existiert ein bereits rechtmäßig vermarktetes vergleichbares Produkt?
- Welcher Regulatory Pathway ist geeignet?
- Welche Prüfungen und Nachweise werden benötigt?
- Ist vor der Vermarktung eine FDA Clearance, Approval oder eine andere regulatorische Maßnahme erforderlich?
Die Feststellung „Medical Device“ ist daher lediglich der Ausgangspunkt der weiteren regulatorischen Bewertung.
3.4 Beispiele für Medizinprodukte
Die FDA reguliert eine sehr große Bandbreite von Medizinprodukten.
Abhängig von ihrer Intended Use können beispielsweise folgende Produkte darunterfallen:
- diagnostische Geräte;
- Patientenmonitoring-Systeme;
- Infusionspumpen;
- Beatmungsgeräte;
- chirurgische Instrumente;
- Implantate;
- medizinische Bildgebungssysteme;
- In-vitro-Diagnostikprodukte;
- tragbare Medizinprodukte;
- medizinische Software;
- vernetzte oder drahtlose Medizinprodukte;
- medizinische Sensoren;
- bestimmte medizinische Zubehörprodukte.
Die verwendete Technologie allein bestimmt dabei nicht den regulatorischen Status.
Ein Produkt mit Bluetooth, Wi-Fi, Mobilfunk oder einer anderen Funktechnologie kann beispielsweise gleichzeitig ein Medizinprodukt sein, wenn seine Intended Use die Voraussetzungen der FDA-Definition erfüllt.
Die Verwendung von Funktechnik nimmt ein solches Produkt daher nicht aus dem FDA-Regelwerk heraus.
3.5 Medizinische Software
Besondere Aufmerksamkeit ist bei Software erforderlich, denn ein Medizinprodukt muss nicht zwingend ein physisches Gerät sein.
Auch Software kann unter bestimmten Voraussetzungen als Medizinprodukt gelten.
Dies kann beispielsweise Software betreffen, die dazu bestimmt ist:
- Krankheiten oder Zustände zu diagnostizieren;
- die Diagnose zu unterstützen;
- den Zustand eines Patienten zu überwachen;
- medizinische Informationen für einen medizinischen Zweck auszuwerten;
- den Betrieb eines Medizinprodukts zu steuern oder zu beeinflussen;
- Informationen für Diagnose oder Behandlung bereitzustellen.
Gleichzeitig ist nicht jede gesundheitsbezogene Software automatisch ein Medizinprodukt.
Die FDA verfügt über spezifische Regelungen und Ausnahmen für bestimmte Softwarefunktionen und Kategorien.
Deshalb sollte immer die konkrete Funktion und Intended Use der Software bewertet werden, anstatt pauschal davon auszugehen, dass jede Health-App reguliert oder nicht reguliert ist.
3.6 Medizinprodukt oder allgemeines Consumer Product?
Eine besonders wichtige Abgrenzung besteht zwischen einem Medizinprodukt und einem allgemeinen Consumer Product.
Stellen wir uns zwei Produkte vor, die beide die Herzfrequenz messen.
Produkt A
Der Hersteller vermarktet es als allgemeines Fitnessprodukt und verwendet die Daten zur Unterstützung der Trainingsaufzeichnung.
Produkt B
Der Hersteller gibt an, dass das Produkt Patienten überwacht und bei der Erkennung oder Diagnose einer bestimmten Herzerkrankung unterstützt.
Obwohl die zugrunde liegende Sensortechnologie ähnlich sein könnte, können die regulatorischen Konsequenzen erheblich unterschiedlich sein.
Die Claims und die Intended Use können daher direkten Einfluss darauf haben, ob die FDA-Anforderungen für Medizinprodukte greifen.
Aus diesem Grund sollte die regulatorische Bewertung vor der endgültigen Festlegung von Produkt-Claims und Marketingaussagen erfolgen.
3.7 Medizinprodukt oder Arzneimittel?
Die FDA reguliert auch Arzneimittel. Die Abgrenzung zwischen einem Medizinprodukt und einem Drug kann deshalb entscheidend sein.
Ein Produkt, dessen primärer bestimmungsgemäßer Zweck durch eine chemische Wirkung im oder am Körper erreicht wird oder von einer Metabolisierung abhängt, kann unter den regulatorischen Rahmen für Arzneimittel fallen und nicht unter die Definition eines Medical Device.
Bei bestimmten Produkten können außerdem Merkmale mehrerer regulatorischer Kategorien zusammenkommen.
In solchen Fällen kann eine spezifische regulatorische Bewertung erforderlich sein, um festzustellen, welcher FDA-Regulierungsrahmen und welches FDA Center zuständig ist.
Der regulatorische Status sollte daher nicht allein anhand des Produktnamens oder der kommerziellen Bezeichnung bestimmt werden.
3.8 Combination Products
Einige Produkte kombinieren Eigenschaften verschiedener von der FDA regulierter Produktarten.
Diese werden als Combination Products bezeichnet.
Ein Combination Product kann beispielsweise kombinieren:
- Drug und Device;
- Device und Biological Product;
- Drug, Device und Biological Product.
Die regulatorische Bewertung solcher Produkte kann komplexer sein, weil mehrere regulatorische Rahmenbedingungen miteinander verbunden sein können.
Das Office of Combination Products (OCP) unterstützt unter anderem bei der Bestimmung, welches FDA Center für ein Combination Product primär zuständig ist, und koordiniert entsprechende regulatorische Fragen.
Für Hersteller bedeutet dies: Wenn ein Produkt Merkmale eines Medizinprodukts mit einem Arzneimittel oder biologischen Produkt kombiniert, sollte die regulatorische Einordnung besonders frühzeitig geprüft werden.
FDA – Office of Combination Products
3.9 Produkte im Gesundheitswesen sind nicht automatisch Medizinprodukte
Eine häufige Fehlannahme lautet:
„Wenn ein Produkt in einem Krankenhaus verwendet wird, muss es ein FDA-Medizinprodukt sein.“
Das ist nicht zwangsläufig richtig.
Krankenhäuser verwenden eine sehr große Bandbreite unterschiedlicher Produkte, beispielsweise:
- Möbel;
- allgemeine IT-Systeme;
- Kommunikationssysteme;
- Reinigungsprodukte;
- allgemeine Elektronik;
- administrative Software;
- Medizinprodukte;
- Arzneimittel;
- biologische Produkte.
Die Umgebung, in der ein Produkt eingesetzt wird, bestimmt daher nicht allein seinen FDA-Status.
Entscheidend bleiben die Intended Use und die einschlägige gesetzliche Definition.
3.10 Die Bedeutung von Product Claims
Hersteller sollten Claims besondere Aufmerksamkeit widmen, da diese die regulatorische Bewertung eines Produkts beeinflussen können.
Relevante Aussagen können beispielsweise erscheinen auf:
- Verpackungen;
- Instructions for Use;
- Websites;
- Broschüren;
- technischen Datenblättern;
- Werbematerial;
- Vertriebspräsentationen;
- Benutzeroberflächen;
- Online-Shops;
- Social-Media-Kanälen.
Ein Hersteller kann daher ein Produkt haben, das technisch auch für eine nichtmedizinische Anwendung geeignet wäre, dessen Marketing-Claims jedoch eine medizinische Intended Use begründen.
Deshalb sollten Produktdefinition, Intended Use, Labeling und Marketing Claims konsistent miteinander sein.
3.11 Was tun, wenn die Einstufung nicht eindeutig ist?
Bei manchen Produkten ist die regulatorische Einordnung nicht sofort eindeutig.
In solchen Fällen stehen Herstellern verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um zusätzliche regulatorische Klarheit zu erhalten.
Je nach konkreter Fragestellung kann beispielsweise Folgendes sinnvoll sein:
- einschlägige FDA Guidance Documents prüfen;
- vergleichbare Medizinprodukte und deren Classification untersuchen;
- den Product Code bestimmen;
- FDA-Datenbanken durchsuchen;
- das zuständige FDA Center kontaktieren;
- gegebenenfalls ein formelles FDA-Verfahren zur Klärung der regulatorischen Einordnung nutzen.
Die FDA stellt hierfür umfangreiche Informationen zur Device Classification zur Verfügung.
3.12 Ein praktischer Entscheidungsprozess
Für einen Hersteller kann die erste regulatorische Bewertung in folgende Schritte gegliedert werden:
Schritt 1 – Produkt definieren
Was genau ist das Produkt?
- Hardware?
- Software?
- Kombination aus Hardware und Software?
- Zubehör?
- Komponente?
- Combination Product?
Schritt 2 – Intended Use definieren
Was soll das Produkt bestimmungsgemäß leisten?
Schritt 3 – Claims überprüfen
Was sagt der Hersteller seinen Kunden tatsächlich über die Funktion und Verwendung des Produkts?
Schritt 4 – FDA-Definition anwenden
Fällt die Intended Use unter die gesetzliche Definition eines Medical Device?
Schritt 5 – Device Classification bestimmen
Wenn es sich um ein Medizinprodukt handelt:
- Welche Classification gilt?
- Welcher Product Code ist zutreffend?
- Welche Regulation ist anwendbar?
Schritt 6 – Regulatory Pathway bestimmen
Erst danach sollte bestimmt werden, ob beispielsweise
- eine 510(k) Clearance;
- eine De Novo Classification;
- eine PMA Approval;
- ein anderer regulatorischer Weg
oder unter den konkreten Umständen möglicherweise keine Premarket Submission erforderlich ist.
3.13 Warum diese Bewertung früh erfolgen sollte
Die Einstufung eines Produkts als Medizinprodukt kann nahezu jede nachfolgende regulatorische Entscheidung beeinflussen.
Sie kann Auswirkungen haben auf:
- anwendbare FDA Regulations;
- Product Code;
- Device Classification;
- Regulatory Pathway;
- Prüfanforderungen;
- klinische Nachweise;
- Labeling;
- Quality Management System;
- Registration and Listing;
- UDI-Anforderungen;
- Post-Market-Verpflichtungen;
- Projektkosten und Zeitplan.
Wenn diese Entscheidung erst spät im Entwicklungsprojekt getroffen wird, kann sich herausstellen, dass grundlegende Teile des Produkts, der Claims oder der Dokumentation geändert werden müssen.
Deshalb sollte der regulatorische Status möglichst vor umfangreichen Prüfungen, Dokumentationsarbeiten und Marketingentscheidungen geklärt werden.
3.14 Der entscheidende Punkt
Die erste FDA-Frage lautet nicht:
„Welches FDA-Formular müssen wir einreichen?“
Sondern:
„Ist unser Produkt nach US-amerikanischem Recht ein Medizinprodukt – und wenn ja, wie wird es klassifiziert?“
Erst wenn diese Frage beantwortet ist, kann der geeignete Regulatory Pathway und die dafür erforderliche Nachweisstrategie bestimmt werden.
Für ScopeRight ist diese Unterscheidung besonders relevant: Die regulatorische Bewertung sollte beim Produkt und seiner Intended Use beginnen und nicht bei einer vorab definierten Liste von FDA-Formularen oder Prüfungen.
Ist das Produkt als Medical Device identifiziert, folgt als nächster Schritt die Bestimmung seiner FDA Classification und des passenden Regulatory Pathway.
4. FDA-Klassifizierung von Medizinprodukten: Class I, Class II und Class III
Nachdem ein Produkt als Medizinprodukt eingestuft und seine Zweckbestimmung festgelegt wurde, stellt sich als Nächstes die Frage nach seiner FDA-Geräteklassifizierung.
Die FDA verwendet ein risikobasiertes Klassifizierungssystem mit drei Klassen: Class I, Class II und Class III. Die Klasse bestimmt den Umfang der regulatorischen Kontrolle, der erforderlich ist, um eine angemessene Gewähr für die Sicherheit und Wirksamkeit des Produkts zu schaffen. Mit zunehmender Klasse werden die regulatorischen Anforderungen grundsätzlich strenger.
Wichtig ist, dass die Klasse nicht einfach eine allgemeine Aussage darüber ist, ob ein Produkt ein „niedriges“, „mittleres“ oder „hohes“ Risiko aufweist. Die Klassifizierung basiert auf der Zweckbestimmung, den Indications for Use, den technologischen Eigenschaften und den für diesen Produkttyp als erforderlich angesehenen regulatorischen Controls.
Class I – General Controls
Class I ist die regulatorisch am wenigsten strenge Geräteklasse. Bei diesen Produkten gelten General Controls grundsätzlich als ausreichend.
General Controls sind grundlegende Anforderungen des Federal Food, Drug, and Cosmetic Act. Sie gelten grundsätzlich für Medizinprodukte aller drei Klassen, sofern keine spezifische Ausnahme greift. Dazu gehören beispielsweise Anforderungen an:
- establishment registration;
- device listing;
- labeling;
- records and reports;
- medical device reporting;
- manufacturing and quality requirements; and
- preventing adulteration and misbranding.
Viele Class-I-Produkte sind von der 510(k)-Premarket-Notification-Anforderung ausgenommen. Class I bedeutet jedoch nicht automatisch „keine FDA-Anforderungen“. Ausnahmen können bestimmten Einschränkungen unterliegen und müssen für das konkrete Produkt anhand der anwendbaren Vorschrift geprüft werden.
Class II – General Controls und Special Controls
Class-II-Produkte unterliegen einer umfangreicheren regulatorischen Kontrolle als Class-I-Produkte.
Für diese Produkte werden General Controls allein nicht als ausreichend angesehen, um eine angemessene Gewähr für Sicherheit und Wirksamkeit zu schaffen. Die FDA verwendet daher zusätzlich zu den General Controls Special Controls.
Special Controls sind in der Regel produktspezifisch und können beispielsweise umfassen:
- performance standards;
- specific performance or laboratory testing;
- special labeling requirements;
- post-market surveillance;
- patient registries; or
- other measures addressing particular risks associated with the device.
Viele Class-II-Produkte benötigen vor ihrer Vermarktung in den USA eine 510(k) Premarket Notification. Einige Class-II-Produkte sind jedoch unter bestimmten Voraussetzungen von der 510(k)-Anforderung ausgenommen.
Class III – General Controls und Premarket Approval
Class III ist die höchste FDA-Geräteklasse.
Diese Produkte weisen grundsätzlich das höchste potenzielle Risiko auf oder es liegen nicht genügend Informationen vor, um festzustellen, dass General Controls und Special Controls allein eine angemessene Gewähr für Sicherheit und Wirksamkeit bieten. Class-III-Produkte unterliegen daher grundsätzlich der Premarket Approval (PMA).
PMA unterscheidet sich wesentlich von einer 510(k). Die FDA beschreibt PMA als Verfahren zur wissenschaftlichen und regulatorischen Prüfung von Class-III-Produkten, mit dem festgestellt werden soll, ob eine angemessene Gewähr für deren Sicherheit und Wirksamkeit besteht.
Die Klassifizierung bestimmt den regulatorischen Weg
Der Zusammenhang lässt sich vereinfacht wie folgt darstellen:
| Geräteklasse | Wesentliche regulatorische Controls | Typische Pre-Market-Situation |
| Class I | General Controls | Viele Produkte von 510(k) ausgenommen |
| Class II | General Controls + Special Controls | Viele benötigen 510(k) |
| Class III | General Controls + PMA | Grundsätzlich PMA erforderlich |
Die Tabelle beschreibt den allgemeinen Rahmen und ist keine automatische Regel für jedes einzelne Produkt. Die konkreten Vorschriften und Ausnahmen müssen immer für das jeweilige Produkt geprüft werden.
Deshalb ist die Ermittlung des richtigen Product Codes und der richtigen Classification Regulation so wichtig. Die Klassifizierung bestimmt die regulatorischen Controls und beeinflusst maßgeblich, welchen Pre-Market-Weg der Hersteller einschlagen muss.
Klassifizierung bedeutet nicht, dass das Produkt „zugelassen“ ist
Ein häufiges Missverständnis besteht darin, dass die Einstufung als Class I oder Class II bedeutet, die FDA habe das konkrete Produkt zugelassen.
Das ist nicht der Fall.
Die Klassifizierung ist eine regulatorische Kategorie. Sie bestimmt die Controls und, sofern anwendbar, die Art der erforderlichen Pre-Market-Einreichung. Ein Produkt kann beispielsweise Class II sein und dennoch eine 510(k)-Einreichung und eine FDA Clearance benötigen, bevor es rechtmäßig vermarktet werden darf.
Ebenso sind Registrierung und Device Listing von einer FDA Clearance oder Approval zu unterscheiden. Diese Begriffe dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Der nächste Schritt besteht daher darin, zu bestimmen, welcher Marktzugangsweg für das klassifizierte Produkt gilt. Je nach Produkt kann dies eine 510(k), eine De-Novo-Klassifizierung, eine PMA oder eine entsprechende Ausnahme sein.
Offizielle FDA-Quellen
- FDA – Classify Your Medical Device
- FDA – Regulatory Controls
- FDA – General Controls for Medical Devices
- FDA – How to Study and Market Your Device
5. Welcher FDA-Regulatory-Pathway gilt für das Produkt?
Nachdem das Medizinprodukt klassifiziert wurde, muss der Hersteller bestimmen, auf welchem regulatorischen Weg das Produkt in den USA rechtmäßig vermarktet werden kann. Es gibt keinen einzigen FDA-Antrag, der für alle Medizinprodukte gilt.
Für die meisten regulären Marktzugangsentscheidungen sind insbesondere folgende Wege relevant:
- 510(k) Premarket Notification – für Produkte, für die eine 510(k)-Einreichung erforderlich ist und bei denen die wesentliche Gleichwertigkeit zu einem rechtmäßig vermarkteten Predicate Device nachgewiesen werden kann.
- De Novo Classification Request – für bestimmte neuartige Medizinprodukte ohne geeignetes rechtmäßig vermarktetes Predicate Device, bei denen General Controls allein oder General Controls zusammen mit Special Controls eine angemessene Gewähr für Sicherheit und Wirksamkeit bieten können.
- Premarket Approval (PMA) – grundsätzlich für Class-III-Produkte, die den PMA-Anforderungen unterliegen. Dies ist die strengste der wesentlichen regulären Pre-Market-Prüfungen.
- Ausnahme von der 510(k)-Pflicht – bestimmte Class-I- und Class-II-Produkte können von der Premarket Notification ausgenommen sein, sofern die konkrete Ausnahme und deren Einschränkungen erfüllt sind.
Die FDA nennt darüber hinaus spezielle Verfahren, beispielsweise die Humanitarian Device Exemption (HDE) für bestimmte Medizinprodukte zur Behandlung oder Diagnose seltener Erkrankungen oder Zustände. Auch die Investigational Device Exemption (IDE) ist relevant, wenn ein Medizinprodukt im Rahmen klinischer Untersuchungen eingesetzt werden soll. Diese Verfahren sind jedoch keine allgemeinen Alternativen für den normalen kommerziellen Marktzugang.
Die FDA beschreibt die Auswahl der Pre-Market-Submission ausdrücklich als einen eigenen Schritt im Prozess der Markteinführung.
510(k): Substantial Equivalence
Die 510(k) ist eine Premarket Notification, mit der der Hersteller nachweist, dass das neue Medizinprodukt substantially equivalent (SE) zu einem bereits rechtmäßig in den USA vermarkteten Medizinprodukt ist. Dieses Vergleichsprodukt wird als Predicate Device bezeichnet.
Substantial Equivalence bedeutet nicht, dass beide Produkte identisch sein müssen.
Die FDA betrachtet unter anderem:
- die Intended Use;
- technologische Eigenschaften;
- Design und Konstruktion;
- verwendete oder abgegebene Energie;
- Materialien;
- Performance;
- Sicherheit und Wirksamkeit;
- Labeling;
- gegebenenfalls Biokompatibilität, Sterilität und weitere relevante Eigenschaften.
Hat das neue Produkt dieselbe Intended Use wie das Predicate, können auch technologische Unterschiede zulässig sein. Der Hersteller muss dann jedoch zeigen, dass diese Unterschiede keine neuen Fragen hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit aufwerfen und dass die vorgelegten Informationen die Substantial Equivalence ausreichend belegen.
Eine 510(k) ist deshalb kein einfacher Zulassungsantrag und auch keine reine Sammlung von Prüfberichten. Die zentrale regulatorische Argumentation besteht in der nachvollziehbaren Gegenüberstellung des eigenen Produkts mit dem Predicate Device.
Das Predicate Device
Die Suche nach einem geeigneten Predicate Device ist deshalb einer der wichtigsten Schritte vor der Erstellung einer 510(k).
Ein rechtmäßig vermarktetes Predicate kann unter anderem ein bereits über 510(k) gecleartes Produkt, ein bestimmtes vor dem 28. Mai 1976 rechtmäßig vermarktetes Produkt oder unter den entsprechenden Voraussetzungen ein durch De Novo klassifiziertes Produkt sein.
Der Hersteller sollte nicht einfach das technisch ähnlichste Produkt auswählen. Entscheidend ist, ob das Predicate für die konkrete Intended Use und die erforderliche Substantial-Equivalence-Bewertung geeignet ist.
Wenn die FDA die Substantial Equivalence feststellt, erteilt sie eine 510(k) clearance. Erst danach darf das betreffende Produkt vermarktet werden, sofern auch alle anderen anwendbaren FDA-Anforderungen erfüllt sind.
De Novo: Wenn kein geeignetes Predicate vorhanden ist
Ein neuartiges Medizinprodukt hat möglicherweise kein geeignetes rechtmäßig vermarktetes Predicate Device. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine PMA erforderlich ist.
Das De-Novo-Verfahren bietet für bestimmte neuartige Produkte mit niedrigem bis mittlerem Risiko einen eigenen Weg zur FDA-Klassifizierung.
Voraussetzung ist grundsätzlich, dass General Controls allein oder General Controls zusammen mit Special Controls eine angemessene Gewähr für Sicherheit und Wirksamkeit bieten können.
Eine erfolgreiche De-Novo-Entscheidung kann dazu führen, dass das Produkt als Class I oder Class II klassifiziert wird. Der dadurch neu geschaffene Device Type kann anschließend – soweit die Voraussetzungen erfüllt sind – als Predicate für zukünftige 510(k)-Einreichungen dienen.
Ein De-Novo-Verfahren kann auf zwei Wegen eingeleitet werden: entweder nach einer entsprechenden Not Substantially Equivalent (NSE)-Entscheidung im Rahmen einer 510(k) oder direkt, wenn der Hersteller feststellt, dass kein rechtmäßig vermarktetes Produkt vorhanden ist, auf dessen Grundlage eine Substantial-Equivalence-Bewertung erfolgen kann.
Gerade bei innovativen Produkten ist deshalb die Frage „Gibt es ein geeignetes Predicate?“ von zentraler Bedeutung.
PMA: Der strengste reguläre Pre-Market-Weg
Die Premarket Approval (PMA) ist grundsätzlich der regulatorische Weg für Class-III-Produkte, die einer PMA-Pflicht unterliegen.
Im Gegensatz zur 510(k) basiert eine PMA nicht auf dem Nachweis der Substantial Equivalence zu einem Predicate. Stattdessen muss die FDA anhand der vorgelegten wissenschaftlichen Nachweise beurteilen können, ob für die vorgesehene Verwendung eine angemessene Gewähr für Sicherheit und Wirksamkeit besteht.
Je nach Produkt kann eine PMA deshalb umfangreiche wissenschaftliche und klinische Nachweise erfordern.
Ein Produkt, das einer PMA-Pflicht unterliegt, darf grundsätzlich erst nach der FDA Approval vermarktet werden.
Wenn keine Premarket Submission erforderlich ist
Nicht jedes Medizinprodukt benötigt eine Premarket Submission.
Bestimmte Class-I- und Class-II-Produkte sind von der 510(k)-Pflicht ausgenommen. Eine solche Ausnahme bedeutet jedoch nicht, dass das Produkt von der FDA-Regulierung insgesamt ausgenommen ist.
Auch ein 510(k)-exempt Device kann weiterhin anderen regulatorischen Anforderungen unterliegen. Außerdem können die jeweiligen Ausnahmen Einschränkungen enthalten. Wird eine solche Einschränkung überschritten, kann eine 510(k) erforderlich werden.
Daher ist die Aussage
„510(k) exempt“ bedeutet nicht „FDA exempt“.
Diese Unterscheidung ist für Hersteller besonders wichtig.
Die Wahl des Regulatory Pathway ist nicht allein eine Frage der Device Class
Es wäre zu einfach, die Entscheidung nach dem Schema
Class I = kein Antrag
Class II = 510(k)
Class III = PMA
zu treffen.
Dieses Schema beschreibt lediglich die allgemeine Struktur.
Für das konkrete Produkt müssen zusätzlich unter anderem folgende Punkte geprüft werden:
- Intended Use;
- Indications for Use;
- Device Classification;
- Product Code;
- Classification Regulation;
- bestehende Ausnahmen;
- vorhandene Predicate Devices;
- technologische Eigenschaften;
- anwendbare Special Controls;
- gegebenenfalls spezielle FDA-Anforderungen oder alternative Verfahren.
Erst aus dieser Gesamtheit lässt sich der korrekte regulatorische Weg bestimmen.
Die Entscheidung in der Praxis
Vereinfacht kann der Entscheidungsprozess so dargestellt werden:
Medizinprodukt klassifiziert
↓
Besteht eine 510(k)-Ausnahme?
→ Ja → keine 510(k), sofern die Ausnahmebedingungen erfüllt sind
→ Nein → weiter
↓
Existiert ein geeignetes rechtmäßig vermarktetes Predicate Device?
→ Ja → 510(k)
→ Nein → weiter
↓
Kann das Produkt über De Novo als Class I oder Class II klassifiziert werden?
→ Ja → De Novo
→ Nein bzw. PMA-pflichtig → PMA
Dies ist eine vereinfachte Darstellung und ersetzt nicht die produktspezifische regulatorische Prüfung.
Vor der Einreichung: Regulatory Strategy statt sofortiger Antragserstellung
Ein häufiger Fehler besteht darin, zu früh mit der Erstellung eines bestimmten FDA-Antrags zu beginnen.
Ein Hersteller sollte beispielsweise nicht allein aufgrund der Annahme „unser Produkt ist Class II“ sofort eine 510(k) aufbauen.
Vor der eigentlichen Submission sollte vielmehr geklärt sein:
- Welches Produkt wird genau vermarktet?
- Welche Intended Use und Indications for Use gelten?
- Welcher Product Code und welche Classification Regulation sind zutreffend?
- Ist das Produkt von einer Premarket Notification ausgenommen?
- Falls nicht: Gibt es ein geeignetes Predicate Device?
- Welche Unterschiede bestehen zwischen Produkt und Predicate?
- Welche Prüfungen und Nachweise sind erforderlich, um die regulatorische Argumentation zu unterstützen?
- Ist gegebenenfalls ein Pre-Submission sinnvoll, um vor der eigentlichen Einreichung Feedback der FDA einzuholen?
Gerade bei komplexen oder neuartigen Produkten kann ein früher Austausch mit der FDA sinnvoll sein. Die FDA empfiehlt beispielsweise für De-Novo-Projekte, vor der Einreichung eine Pre-Submission in Betracht zu ziehen, um Feedback von der zuständigen Review Division zu erhalten.
Was kostet die Einreichung?
Neben den Kosten für Tests, klinische Nachweise, Regulatory Consulting und die Erstellung der Submission erhebt die FDA für viele Pre-Market-Einreichungen User Fees.
Für das Fiscal Year 2026 gelten beispielsweise folgende FDA-Gebühren:
| Submission | Standard Fee | Small Business Fee* |
| 510(k) | $26,067 | $6,517 |
| De Novo | $173,782 | $43,446 |
| PMA | $579,272 | $144,818 |
* Für qualifizierte Small Businesses gelten reduzierte Gebühren. Die Voraussetzungen müssen über das FDA Small Business Determination Program erfüllt werden.
Die Gebühren ändern sich regelmäßig. Für ein konkretes Projekt müssen deshalb immer die aktuell geltenden FDA User Fees geprüft werden.
Diese FDA-Gebühren sind außerdem nur ein Teil der tatsächlichen Projektkosten. Prüfungen, Laborleistungen, klinische Studien, Regulatory Consulting, Übersetzungen, Dokumentation und gegebenenfalls weitere externe Dienstleistungen kommen hinzu.
Der entscheidende Punkt
Die zentrale Frage lautet nicht:
„Welche FDA-Zulassung brauche ich?“
Sondern:
„Welcher regulatorische Weg gilt für genau dieses Medizinprodukt und warum?“
Die Antwort ergibt sich aus der Kombination von Intended Use, Classification, Product Code, Exemptions, Predicate Device und den anwendbaren regulatorischen Controls.
Erst wenn dieser Weg feststeht, sollte der Hersteller die konkrete Submission, die erforderlichen Prüfungen und die dazugehörige Dokumentation planen.
Das nächste Kapitel beschäftigt sich deshalb mit der entscheidenden Phase vor der eigentlichen FDA-Einreichung: Welche Informationen, Prüfungen, Dokumente und strategischen Entscheidungen müssen vorbereitet sein, bevor die Submission an die FDA geschickt wird?
Offizielle FDA-Quellen
- FDA – Premarket Notification 510(k)
- FDA – De Novo Classification Request
- FDA – Premarket Approval (PMA)
- FDA – Premarket Submissions: Selecting and Preparing the Correct Submission
- FDA – Medical Device User Fees
6. Was muss vor der Einreichung bei der FDA erledigt werden?
Ein häufiger Fehler besteht darin, die FDA-Einreichung als Beginn des regulatorischen Prozesses zu betrachten. Tatsächlich ist die Einreichung das Ergebnis umfangreicher Vorarbeiten, die bereits abgeschlossen oder weitgehend abgeschlossen sein sollten.
Bevor ein Hersteller eine 510(k), einen De-Novo-Antrag, eine PMA oder eine andere erforderliche Pre-Market-Einreichung einreicht, müssen das Produkt, seine Zweckbestimmung, seine Risiken, seine Leistungsmerkmale und die entsprechenden Nachweise ausreichend definiert sein.
Der genaue Vorbereitungsaufwand hängt stark vom Medizinprodukt und vom gewählten regulatorischen Weg ab. Deshalb gibt es keine universelle Checkliste, die für jedes Produkt identisch gilt.
Dennoch sollten vor der eigentlichen Einreichung mehrere wesentliche Bereiche geklärt sein.
6.1 Produkt und Zweckbestimmung eindeutig festlegen
Zunächst muss genau definiert sein, welches Produkt eingereicht werden soll.
Der Hersteller sollte unter anderem festgelegt haben:
- das Medizinprodukt und seine Konfiguration;
- die Intended Use;
- die Indications for Use;
- die vorgesehene Patientengruppe;
- die vorgesehenen Anwender;
- die Betriebsumgebung;
- relevante Zubehörteile und Komponenten; und
- wichtige Einschränkungen oder Kontraindikationen.
Diese Angaben bilden die Grundlage für nahezu alle weiteren regulatorischen Entscheidungen.
Eine Änderung der Intended Use kann beispielsweise Auswirkungen auf die Klassifizierung, die Auswahl eines Predicate Devices, die Teststrategie, klinische Nachweise, das Labeling und sogar auf den geeigneten regulatorischen Weg haben.
Die regulatorische Strategie sollte daher auf dem tatsächlichen Produkt und seiner konkreten Zweckbestimmung basieren und nicht auf einer allgemeinen Produktbeschreibung.
6.2 Anwendbare regulatorische Anforderungen bestimmen
Als Nächstes müssen die für das konkrete Produkt geltenden regulatorischen Anforderungen ermittelt werden.
Dabei reicht es nicht aus, lediglich festzustellen, ob das Produkt Class I, II oder III ist. Zu bestimmen sind insbesondere:
- die anwendbare Classification Regulation;
- der Product Code;
- anwendbare General Controls;
- anwendbare Special Controls;
- eine mögliche 510(k)-Ausnahme;
- relevante FDA Guidance Documents;
- anwendbare Performance Standards; und
- relevante von der FDA anerkannte Consensus Standards.
Die FDA führt hierfür eine Datenbank der Recognized Consensus Standards. Diese Standards können zur Unterstützung von Pre-Market-Einreichungen verwendet werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch eine Declaration of Conformity zur Einreichung herangezogen werden.
Wichtig ist dabei: Ein internationaler Standard ist nicht automatisch ein von der FDA anerkannter Standard. Der Hersteller sollte deshalb überprüfen, ob der konkrete Standard und die verwendete Version in der FDA-Datenbank aufgeführt sind.
6.3 Teststrategie festlegen
Prüfungen sollten nicht erst unmittelbar vor der Einreichung geplant werden.
Zunächst sollte bestimmt werden, welche Risiken und Leistungsmerkmale nachgewiesen werden müssen. Auf dieser Grundlage wird die geeignete Teststrategie entwickelt.
Je nach Medizinprodukt können beispielsweise folgende Bereiche relevant sein:
- elektrische Sicherheit;
- elektromagnetische Verträglichkeit (EMV);
- Wireless- bzw. Funkperformance, sofern relevant;
- Software Verification und Validation;
- Cybersecurity;
- mechanische Eigenschaften;
- Biokompatibilität;
- Sterilisation;
- Verpackung und Haltbarkeit;
- Usability und Human Factors;
- Genauigkeit und analytische Performance; und
- klinische oder andere Leistungsprüfungen.
Nicht jedes Produkt benötigt alle diese Prüfungen.
Welche Prüfungen tatsächlich erforderlich sind, hängt von Technologie, Intended Use, Risiken, Classification Regulation, anwendbaren Standards, FDA Guidance und dem gewählten regulatorischen Weg ab.
Gerade hier kann Pre-Compliance- bzw. Pre-Testing einen wichtigen Beitrag leisten. Statt grundlegende Probleme erst während des formalen Prüfprogramms zu entdecken, kann ein Hersteller vorab mögliche Schwachstellen identifizieren und feststellen, welche Bereiche genauer untersucht oder verbessert werden müssen.
6.4 Risikomanagement durchführen
Der Hersteller sollte außerdem einen strukturierten Prozess zur Identifizierung und Kontrolle der mit dem Medizinprodukt verbundenen Risiken etabliert haben.
Das Risikomanagement sollte sich auf das tatsächliche Produkt und dessen Intended Use beziehen. Identifizierte Risiken können beispielsweise Auswirkungen haben auf:
- Designentscheidungen;
- Schutzmaßnahmen;
- Verification und Validation;
- Prüfungen;
- Labeling;
- Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen; und
- den insgesamt erforderlichen Nachweis für die Einreichung.
Risikomanagement ist daher nicht lediglich ein Dokument, das am Ende für die FDA erstellt wird. Es sollte Bestandteil der Produktentwicklung sein.
6.5 Quality Management System berücksichtigen
Auch die Anforderungen an das Quality Management System (QMS) müssen frühzeitig berücksichtigt werden.
Dies ist insbesondere aufgrund der Quality Management System Regulation (QMSR) relevant, die am 2. Februar 2026 in Kraft getreten ist. Die QMSR hat die Anforderungen an das Qualitätsmanagement für Medizinprodukte in 21 CFR Part 820 geändert und integriert ISO 13485:2016 durch Verweis in die FDA-Regelung.
Die QMSR gilt für Hersteller von fertigen Medizinprodukten, die für den kommerziellen Vertrieb bestimmt sind.
FDA-Compliance besteht somit nicht lediglich darin, eine technisch überzeugende Einreichung zu erstellen. Der Hersteller muss auch die für seine Aktivitäten geltenden Anforderungen an das Qualitätsmanagement verstehen und erfüllen.
Bei der Entwicklung eines neuen Medizinprodukts sollte das QMS deshalb lange vor der kommerziellen Produktion berücksichtigt werden und nicht erst nach einer FDA Clearance oder Approval.
6.6 Technische Dokumentation erstellen
Erst wenn regulatorische Strategie, Teststrategie, Risikobewertung und Produktinformationen ausreichend festgelegt sind, sollte der Hersteller die Dokumentation für die Einreichung zusammenstellen.
Der genaue Inhalt hängt vom jeweiligen Submission Type ab.
Eine 510(k) benötigt beispielsweise Informationen, anhand derer die FDA beurteilen kann, ob das neue Produkt gegenüber dem ausgewählten Predicate Device substantially equivalent ist. Eine PMA basiert dagegen auf einem wesentlich umfangreicheren Nachweis der Sicherheit und Wirksamkeit.
Je nach Produkt können unter anderem folgende Unterlagen erforderlich sein:
- Device Description;
- Intended Use und Indications for Use;
- Vergleich mit einem Predicate Device;
- Performance Testing;
- Test Reports;
- Software-Dokumentation;
- Cybersecurity-Dokumentation;
- Risikomanagementinformationen;
- Biokompatibilitätsnachweise;
- klinische Daten;
- Labeling;
- Informationen zur Herstellung; und
- entsprechende Erklärungen und unterstützende Dokumente.
Entscheidend ist, dass diese Dokumente eine konsistente regulatorische Argumentation unterstützen. Eine FDA-Einreichung sollte nicht lediglich aus einer Sammlung einzelner Prüfberichte und technischer Dokumente bestehen.
6.7 Einreichung vor dem Versand vollständig prüfen
Vor der eigentlichen Einreichung sollte eine abschließende Prüfung anhand der für das Produkt geltenden FDA-Anforderungen durchgeführt werden.
Dabei sollten beispielsweise folgende Punkte überprüft werden:
- Fehlen Informationen?
- Sind Produktbeschreibungen überall konsistent?
- Stimmen Intended Use und Labeling überein?
- Sind Test Reports vollständig?
- Sind alle Produktclaims ausreichend belegt?
- Werden die richtigen und aktuellen Standards verwendet?
- Gibt es Lücken in der Risikodokumentation?
- Sind Abweichungen ausreichend erklärt?
- Widersprechen sich Angaben in verschiedenen Teilen der Einreichung?
Auch ein technisch gutes Produkt kann Verzögerungen verursachen, wenn die Einreichung unvollständig oder in sich widersprüchlich ist.
Die praktische Reihenfolge
Die Vorbereitung lässt sich vereinfacht so darstellen:
Produkt definieren → Intended Use festlegen → Klassifizierung bestätigen → regulatorischen Weg bestimmen → Anforderungen identifizieren → Risiko- und Teststrategie festlegen → Prüfungen durchführen → Nachweise zusammenstellen → Submission erstellen → abschließende Prüfung → Einreichung
Die genaue Reihenfolge kann je nach Produkt und regulatorischem Weg variieren. Das grundlegende Prinzip bleibt jedoch gleich:
Die FDA-Einreichung sollte das dokumentierte Ergebnis der regulatorischen und technischen Arbeit sein – nicht deren Anfang.
Im nächsten Kapitel betrachten wir deshalb genauer, welche Dokumente und Nachweise typischerweise Bestandteil einer FDA-Einreichung für Medizinprodukte sind und warum die FDA diese Informationen benötigt.
7. Welche Dokumente und Nachweise verlangt die FDA?
Eine FDA-Einreichung für ein Medizinprodukt besteht nicht einfach aus einigen Formularen und Prüfberichten. Abhängig vom gewählten regulatorischen Verfahren muss der Hersteller eine strukturierte Zusammenstellung von Informationen und Nachweisen bereitstellen, anhand derer die FDA das Produkt verstehen, seine Sicherheit und Leistungsfähigkeit bewerten und feststellen kann, ob die geltenden regulatorischen Anforderungen erfüllt sind.
Der genaue Umfang hängt vom jeweiligen Regulatory Pathway ab. Eine 510(k), ein De Novo Classification Request und eine PMA können daher deutlich unterschiedliche Nachweise erfordern. Hersteller sollten die für den konkreten Pathway geltenden FDA-Anforderungen und aktuellen Leitlinien vor der finalen Erstellung der Submission überprüfen.
7.1 Administrative Informationen
Eine Submission beginnt in der Regel mit Informationen, die den Antragsteller, das Medizinprodukt und den regulatorischen Kontext eindeutig identifizieren.
Je nach Regulatory Pathway können dazu gehören:
- Angaben zum Antragsteller bzw. Sponsor;
- Produktname sowie Modell- oder Konfigurationsinformationen;
- Product Code und Classification;
- Intended Use und Indications for Use;
- Art der Submission;
- erforderliche FDA-Formulare und Deckblätter;
- gegebenenfalls Verweise auf frühere FDA-Submissions oder Entscheidungen.
Diese Angaben erscheinen zunächst administrativ, müssen aber innerhalb der gesamten Submission konsistent sein. Eine abweichende Produktbeschreibung, Intended Use oder Produktkonfiguration in einem anderen Abschnitt kann zu Rückfragen der FDA führen.
7.2 Beschreibung des Medizinprodukts
Die FDA muss genau verstehen können, welches Produkt bewertet werden soll und wie es funktioniert.
Je nach Produkt können dazu gehören:
- bestimmungsgemäße Funktion und Funktionsprinzip;
- wesentliche Komponenten und Materialien;
- Technologie und relevante technische Eigenschaften;
- Produktvarianten und Konfigurationen;
- Zubehör und Schnittstellen;
- Abmessungen und technische Spezifikationen;
- Zeichnungen, Fotos, Blockdiagramme, Schaltpläne oder andere technische Darstellungen.
Der erforderliche Detailgrad hängt vom Produkt und vom jeweiligen Regulatory Pathway ab.
Ziel ist nicht lediglich eine Produktbeschreibung. Die FDA muss ausreichend Informationen erhalten, um das Produkt zu verstehen, auf das sich die nachfolgenden Prüfungen, Risikobewertungen und Nachweise beziehen.
7.3 Intended Use und Indications for Use
Intended Use und Indications for Use gehören zu den wichtigsten Bestandteilen einer FDA-Submission, da sie definieren, wofür das Medizinprodukt bestimmt ist.
Sie müssen mit folgenden Bereichen konsistent sein:
- tatsächlichem Produktdesign;
- Risikobewertung;
- Leistungsnachweisen;
- klinischen Nachweisen, soweit erforderlich;
- Labeling und sonstigen Produkt- bzw. Marketing-Claims.
Eine breitere Intended Use kann erhebliche regulatorische Konsequenzen haben. Sie kann beispielsweise die Classification, die Auswahl eines Predicate Device, die erforderlichen Prüfungen, den Bedarf an klinischen Nachweisen oder sogar den geeigneten Regulatory Pathway beeinflussen.
Die Intended Use sollte daher früh im Projekt festgelegt werden und nicht erst am Ende als Beschreibung für die Submission formuliert werden.
7.4 Predicate Device bei einer 510(k)
Bei einer 510(k) muss der Hersteller nachweisen, dass das neue Medizinprodukt gegenüber einem geeigneten, bereits rechtmäßig vermarkteten Predicate Device substantially equivalent ist.
Der Vergleich kann – abhängig vom Produkt – unter anderem folgende Punkte umfassen:
- Intended Use;
- Indications for Use;
- Design;
- technologische Eigenschaften;
- Materialien;
- Funktionsprinzipien;
- Leistungsmerkmale;
- Unterschiede zwischen den Produkten.
Wenn Unterschiede bestehen, muss der Hersteller erklären, warum diese keine neuen Fragen hinsichtlich der Sicherheit und Wirksamkeit aufwerfen, oder entsprechende Nachweise vorlegen, mit denen diese Unterschiede bewertet werden können.
Der Predicate-Vergleich ist daher keine reine Vergleichstabelle. Er bildet einen wesentlichen Bestandteil der regulatorischen Argumentation einer 510(k).
7.5 Performance- und nicht-klinische Prüfungen
Die FDA benötigt objektive Nachweise, die für das jeweilige Medizinprodukt und seine Intended Use geeignet sind.
Je nach Produkt können beispielsweise folgende Prüfungen relevant sein:
- elektrische Sicherheit;
- elektromagnetische Verträglichkeit (EMV);
- Funk- bzw. Wireless-Performance, soweit zutreffend;
- mechanische Prüfungen;
- Software Verification und Validation;
- Cybersecurity;
- Genauigkeit bzw. analytische Performance;
- Biokompatibilität;
- Sterilisation;
- Verpackung und Haltbarkeit;
- Usability und Human Factors;
- weitere produktspezifische Prüfungen.
Nicht jedes Medizinprodukt benötigt jede dieser Prüfungen.
Die Prüfstrategie sollte aus den Eigenschaften des Produkts, seinen Risiken, den geltenden regulatorischen Anforderungen, anwendbaren FDA-Leitlinien, anerkannten Standards und dem gewählten Regulatory Pathway abgeleitet werden.
Bei einer 510(k) kann die FDA je nach Produkt unter anderem Bench-, Tier- und klinische Leistungsdaten berücksichtigen. Bei einer PMA ist der Nachweis wesentlich umfassender und auf die reasonable assurance of safety and effectiveness ausgerichtet.
Hier kann auch Pre-Compliance Testing sinnvoll sein. Vorprüfungen können potenzielle Schwachstellen erkennen, bevor das formale Nachweisprogramm abgeschlossen ist. Sie ersetzen jedoch nicht die für den jeweiligen FDA-Regulatory-Pathway erforderlichen Nachweise.
7.6 Prüfberichte, Standards und Konformitätserklärungen
Die Durchführung einer Prüfung allein reicht nicht aus. Die Ergebnisse müssen so dokumentiert sein, dass die FDA nachvollziehen kann, was geprüft wurde, unter welchen Bedingungen geprüft wurde und welche Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen gezogen werden können.
Abhängig von der Prüfung können die Unterlagen beispielsweise enthalten:
- Prüfplan und Prüfverfahren;
- angewandten Standard;
- Prüfbedingungen und Produktkonfiguration;
- Identifikation der Prüfmuster;
- Ergebnisse;
- Abweichungen;
- Bewertung der Ergebnisse;
- Begründung für Anforderungen, die als nicht anwendbar eingestuft wurden.
Wenn ein Consensus Standard verwendet wird, sollte der Hersteller prüfen, ob die FDA genau diesen Standard bzw. die verwendete Version anerkennt.
Die Tatsache, dass ein Standard international oder national veröffentlicht wurde, bedeutet nicht automatisch, dass er von der FDA als anerkannter Consensus Standard behandelt wird.
Soweit die geltenden FDA-Anforderungen dies ermöglichen, kann ein Hersteller einen anerkannten Consensus Standard verwenden und eine Declaration of Conformity als Teil der Nachweise einreichen.
Die FDA-Datenbank der Recognized Consensus Standards sollte deshalb bereits bei der Erstellung der Prüfstrategie berücksichtigt werden.
7.7 Biokompatibilität, Sterilisation und produktspezifische Nachweise
Zusätzliche Nachweise können erforderlich sein, wenn das Medizinprodukt mit Patienten, Anwendern oder der Umgebung in einer Weise interagiert, die besondere Risiken erzeugt.
Bei Medizinprodukten mit Körperkontakt können beispielsweise Informationen zur Biokompatibilität erforderlich sein.
Bei sterilen Produkten können unter anderem folgende Nachweise relevant sein:
- Sterilisationsverfahren und -validierung;
- Sterility Assurance;
- Verpackungsvalidierung;
- Haltbarkeits- bzw. Shelf-Life-Nachweise;
- weitere produktspezifische Informationen.
Der genaue Umfang hängt unter anderem vom Produkt, den verwendeten Materialien, der Art und Dauer des Körperkontakts, der Intended Use und den geltenden FDA-Anforderungen ab.
Hersteller sollten deshalb keine allgemeine Liste von Prüfungen als universelle „FDA Checkliste“ betrachten.
7.8 Software- und Cybersecurity-Dokumentation
Medizinprodukte mit Software können zusätzliche Dokumentation erfordern. Der Umfang hängt unter anderem von der Funktion und Komplexität der Software sowie den damit verbundenen Risiken ab.
Je nach Produkt und Regulatory Pathway können beispielsweise erforderlich sein:
- Beschreibung der Software und ihrer Architektur;
- Software Requirements und Specifications;
- Verification und Validation;
- softwarebezogenes Risk Management;
- bekannte Anomalien und Einschränkungen;
- Schnittstellen und Abhängigkeiten;
- Cybersecurity Risk Controls;
- Maßnahmen für einen sicheren Betrieb;
- Informationen zu Updates und Maintenance.
Ein einfaches Medizinprodukt mit begrenzter Softwarefunktionalität benötigt dabei nicht zwangsläufig dieselbe Dokumentationstiefe wie ein komplexes, vernetztes Medizinprodukt.
Auch hier sollte der Umfang der Dokumentation proportional zu Produkt, Risiko und regulatorischen Anforderungen sein.
7.9 Klinische Nachweise und klinische Prüfungen
Nicht jedes Medizinprodukt benötigt eine klinische Studie.
Bei manchen Produkten können nicht-klinische Nachweise ausreichend sein. Bei anderen sind klinische Daten erforderlich, um Sicherheit und Wirksamkeit nachzuweisen oder konkrete regulatorische Fragen zu beantworten.
Klinische Nachweise spielen insbesondere bei vielen PMA-Verfahren eine wichtige Rolle. Sie können aber auch für bestimmte 510(k)-, De-Novo- oder HDE-Verfahren relevant sein.
Die FDA weist darauf hin, dass bestimmte klinische Untersuchungen vor Beginn eine Investigational Device Exemption (IDE) erfordern können. Außerdem müssen die jeweils geltenden Anforderungen an Institutional Review Boards (IRBs) berücksichtigt werden.
Wenn klinische Nachweise erforderlich sind, können unter anderem Informationen zu folgenden Punkten Bestandteil der Submission sein:
- Studiendesign und Studienziele;
- Patientengruppe und Einschlusskriterien;
- Studienzentren und Prüfärzte;
- Endpunkte und Outcome Measures;
- Ergebnisse hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit;
- Adverse Events;
- statistische Auswertung;
- weitere Informationen zur Bewertung der klinischen Nachweise.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht einfach:
„Haben wir einen klinischen Bericht?“
Sondern:
„Benötigt dieses Produkt unter diesem Regulatory Pathway klinische Nachweise – und wenn ja, welche Nachweise sind ausreichend?“
Diese Frage muss frühzeitig beantwortet werden, da eine klinische Untersuchung erhebliche Auswirkungen auf Projektzeit und Kosten haben kann.
7.10 Labeling und Claims
Labeling ist ein wichtiger Bestandteil der FDA-Anforderungen und umfasst mehr als nur das Etikett auf dem Medizinprodukt.
Je nach Produkt können dazu gehören:
- Produktname;
- Intended Use und Indications for Use;
- Instructions for Use;
- Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen;
- Contraindications;
- Einschränkungen;
- Sicherheitsinformationen;
- Installations- und Bedienungsanweisungen.
Die Claims im Labeling müssen mit den übrigen Informationen der Submission übereinstimmen.
Auch Marketing Claims können deshalb regulatorische Konsequenzen haben. Eine Aussage darüber, was ein Medizinprodukt diagnostizieren, überwachen, behandeln, verhindern oder anderweitig leisten kann, kann die regulatorische Bewertung und die erforderlichen Nachweise beeinflussen.
Die FDA berücksichtigt Labeling als Teil der Anforderungen an Premarket Submissions, unter anderem bei PMA-Verfahren.
7.11 Manufacturing- und Quality-System-Informationen
Je nach Submission und Medizinprodukt können Informationen zu folgenden Bereichen erforderlich sein:
- Herstellungsprozesse;
- Materialien;
- kritische Komponenten;
- Produktionsstätten;
- Prozesskontrollen;
- Qualitätskontrollen;
- Sterilisationsprozesse;
- Prozessvalidierung.
Darüber hinaus muss der Hersteller seine allgemeinen Quality-System-Verpflichtungen berücksichtigen.
Das ist besonders wichtig, weil die Quality Management System Regulation (QMSR) am 2. Februar 2026 in Kraft getreten ist. Mit der QMSR wurde 21 CFR Part 820 grundlegend geändert und ISO 13485:2016 per Reference integriert. Die Regelung gilt für Hersteller von fertigen Medizinprodukten, die für den kommerziellen Vertrieb bestimmt sind.
Das Quality Management System ist dabei nicht einfach ein Dokument, das für eine FDA-Submission erstellt wird. Es bildet das System, mit dem der Hersteller unter anderem relevante Design-, Produktions-, Qualitäts-, Complaint- und Aufzeichnungsprozesse kontrolliert.
Dabei ist wichtig, zwischen QMS-Verpflichtungen des Herstellers und dem konkreten Inhalt einer einzelnen Premarket Submission zu unterscheiden. Nicht die vollständige Dokumentation des gesamten Quality Management Systems muss automatisch Bestandteil jeder FDA-Submission sein.
7.12 Risk Management als Verbindung zwischen den Nachweisen
Risk Management verbindet viele der einzelnen Nachweise miteinander.
Die identifizierten Risiken können beispielsweise Einfluss haben auf:
- Design Controls;
- Schutzmaßnahmen;
- Verification und Validation;
- Performance Testing;
- Software- und Cybersecurity Controls;
- Biokompatibilität oder andere produktspezifische Nachweise;
- Labeling, Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen;
- die Notwendigkeit zusätzlicher klinischer oder anderer Nachweise.
Risk Management sollte deshalb nicht als ein Dokument betrachtet werden, das lediglich erstellt wird, weil die FDA danach fragt.
Es sollte mit der tatsächlichen Produktentwicklung und der Erstellung der Nachweisstrategie verbunden sein.
7.13 UDI und Device Identification
Das Unique Device Identification (UDI)-System ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des US-amerikanischen Medical-Device-Systems.
Das UDI-System verlangt grundsätzlich, dass Device Labelers eine UDI auf den Labels und Verpackungen ihrer Medizinprodukte anbringen, soweit keine entsprechende Ausnahme oder Alternative gilt. Außerdem müssen bestimmte Geräteinformationen an die Global Unique Device Identification Database (GUDID) übermittelt werden.
UDI ist kein weiterer Prüfbericht und kein Ersatz für die technische Dokumentation. Das System verbindet vielmehr die eindeutige Identifikation des Medizinprodukts mit Labeling, Distribution und Post-Market-Prozessen.
Die detaillierten Anforderungen an Registration, Listing, UDI und GUDID werden später in diesem Guide behandelt. Bereits bei der Submission sollte der Hersteller jedoch sicherstellen, dass Produktidentifikation und Labeling konsistent geplant sind.
7.14 Warum benötigt die FDA diese Informationen?
Die einzelnen Dokumente erfüllen unterschiedliche Zwecke.
Auf einer grundlegenden Ebene muss die FDA drei Fragen beantworten können:
Was ist das Medizinprodukt?
→ Device Description, Intended Use, Indications for Use und technische Informationen
Unterstützen die Nachweise die erforderliche Bewertung von Sicherheit und Leistungsfähigkeit?
→ Risk Management, Performance Testing, nicht-klinische Nachweise und – soweit erforderlich – klinische Nachweise
Erfüllt das Medizinprodukt die geltenden regulatorischen Anforderungen?
→ Classification, Predicate-Vergleich, soweit relevant, Standards, Labeling, Manufacturing Information und weitere erforderliche Nachweise
Eine starke Submission verbindet diese Elemente zu einer konsistenten regulatorischen Argumentation.
Das Produkt, das in den administrativen Informationen beschrieben wird, sollte dasselbe Produkt sein, das in der technischen Dokumentation beschrieben, in den Prüfberichten getestet, in der Risikobewertung beurteilt und im Labeling dargestellt wird.
7.15 Der entscheidende Punkt für Hersteller
Die Erstellung der Dokumentation sollte nicht als administrative Aufgabe betrachtet werden, die erst am Ende des Entwicklungsprojekts beginnt.
Eine sinnvollere Reihenfolge ist:
Produktdefinition → Intended Use → Classification und Regulatory Pathway → Risk Assessment → Nachweis- und Prüfstrategie → Prüfungen / klinische Untersuchung, soweit erforderlich → technische Dokumentation → Labeling → Submission
Je früher diese Elemente miteinander verbunden werden, desto geringer ist das Risiko, kurz vor der Submission festzustellen, dass ein wichtiger Nachweis fehlt oder dass die vorhandenen Nachweise die Intended Use nicht ausreichend unterstützen.
Der nächste Abschnitt erklärt, wie eine FDA-Submission tatsächlich eingereicht wird, wo die Einreichung erfolgt, welche elektronischen Systeme verwendet werden und was nach der Submission passiert.
Offizielle FDA-Quellen
- FDA – How to Study and Market Your Device
- FDA – Quality Management System Regulation (QMSR)
- FDA – UDI Basics
- FDA – Global Unique Device Identification Database (GUDID)
8. Wie wird ein Medizinprodukt bei der FDA eingereicht?
Nachdem der regulatorische Weg festgelegt und die erforderlichen Dokumente und Nachweise erstellt wurden, kann die eigentliche Einreichung bei der FDA erfolgen.
Der Prozess läuft inzwischen weitgehend elektronisch ab. Die Einreichung selbst ist jedoch nur ein Schritt innerhalb des gesamten FDA-Prüfprozesses. Vor der Übermittlung muss der Hersteller sicherstellen, dass die Einreichung vollständig ist, über den richtigen Kanal erfolgt und gegebenenfalls die entsprechende User Fee berücksichtigt wurde.
8.1 Elektronische FDA-Einreichung
Das Center for Devices and Radiological Health (CDRH) der FDA verwendet für Pre-Market-Einreichungen von Medizinprodukten elektronische Systeme.
Für viele Submission Types wird die Einreichung mit eSTAR (electronic Submission Template and Resource) vorbereitet und anschließend elektronisch über den von der FDA vorgesehenen Übermittlungsweg eingereicht.
eSTAR ist dabei nicht lediglich ein System zum Hochladen von Dokumenten. Es handelt sich um ein interaktives Template, das den Antragsteller durch die erforderlichen Informationen führt und bestimmte Prüfungen auf Vollständigkeit und Konsistenz durchführen kann.
Für 510(k)-Einreichungen ist die Verwendung von eSTAR grundsätzlich vorgeschrieben, sofern keine entsprechende Ausnahme greift. Gleiches gilt für De-Novo-Anträge, die seit dem 1. Oktober 2025 eingereicht werden, vorbehaltlich der von der FDA genannten Ausnahmen.
Da sich elektronische Einreichungsanforderungen ändern können, sollte vor jeder Submission geprüft werden, welche Anforderungen zum Zeitpunkt der tatsächlichen Einreichung gelten.
8.2 Wer reicht den Antrag ein?
Für die Einreichung ist grundsätzlich der Hersteller bzw. Applicant verantwortlich.
Ein Hersteller kann die Einreichung selbst vorbereiten und durchführen oder externe Unterstützung, beispielsweise durch einen Regulatory Consultant, in Anspruch nehmen.
Die Beauftragung eines Consultants überträgt die regulatorische Verantwortung jedoch nicht automatisch auf diesen.
Der Hersteller bleibt dafür verantwortlich, dass die an die FDA übermittelten Informationen korrekt, vollständig und angemessen sind.
Das ist insbesondere bei der Zusammenarbeit mit externen Laboren und Consultants wichtig:
Das Labor erstellt Prüf- und Testnachweise. Ein Regulatory Consultant kann bei der regulatorischen Strategie und Einreichung unterstützen. Die Verantwortung für das Produkt und die FDA-Einreichung bleibt beim Hersteller.
8.3 User Fees
Bestimmte FDA-Premarket-Einreichungen unterliegen User Fees.
Die Höhe der Gebühr hängt vom jeweiligen Submission Type ab. Unter bestimmten Voraussetzungen können Hersteller außerdem als Small Business eingestuft werden und dadurch reduzierte Gebühren erhalten.
Die FDA veröffentlicht die jeweils aktuellen Gebühren und Voraussetzungen. Da sich diese Beträge zwischen den Geschäftsjahren ändern können, sollte immer die aktuelle FDA-Gebührenübersicht verwendet werden.
Nicht jede Interaktion mit der FDA ist automatisch gebührenpflichtig. Auch die Tatsache, dass ein Medizinprodukt FDA-reguliert ist, bedeutet nicht, dass für jede regulatorische Tätigkeit eine User Fee anfällt.
Der Hersteller sollte daher bereits vor der Einreichung feststellen, ob eine Gebühr anfällt und welcher aktuelle Betrag gilt.
8.4 Was passiert nach der Einreichung?
Die Übermittlung des Dossiers bedeutet nicht automatisch, dass die FDA unmittelbar mit einer vollständigen technischen Prüfung beginnt.
Zunächst durchläuft die Submission den jeweils anwendbaren administrativen Prüfungs- und Acceptance-Prozess.
Dabei wird unter anderem geprüft, ob die Einreichung die erforderlichen Informationen enthält, damit sie in den vorgesehenen Review-Prozess eintreten kann.
Fehlen wesentliche Informationen, kann dies dazu führen, dass die Submission nicht wie erwartet in die inhaltliche Prüfung übergeht.
Wird die Einreichung zur Prüfung angenommen, bewertet die FDA die Informationen anhand der Anforderungen des jeweiligen regulatorischen Weges.
Der genaue Review-Prozess hängt davon ab, ob es sich beispielsweise um eine 510(k), einen De-Novo-Antrag oder eine PMA handelt.
8.5 Die FDA kann Fragen stellen
Der Hersteller sollte nicht davon ausgehen, dass nach der Einreichung keine weitere Kommunikation mit der FDA erforderlich ist.
Während der Prüfung kann die FDA beispielsweise:
- Fragen stellen;
- zusätzliche Informationen anfordern;
- Unklarheiten identifizieren;
- Deficiencies feststellen; oder
- weitere Nachweise verlangen.
Der Hersteller muss dann gegebenenfalls zusätzliche Informationen bereitstellen oder auf die Fragen der FDA reagieren.
Dies ist ein weiterer Grund, warum die Einreichung auf einer durchdachten technischen und regulatorischen Strategie basieren sollte.
Wenn die zugrunde liegenden Nachweise bereits vor der Submission unvollständig sind, kann die Beantwortung von FDA-Fragen erheblich schwieriger werden.
8.6 Zusätzliche Prüfungen können erforderlich werden
Im Rahmen der Prüfung kann die FDA feststellen, dass zusätzliche Tests oder Informationen erforderlich sind.
Beispielsweise kann sich herausstellen, dass:
- eine relevante Performance-Eigenschaft nicht ausreichend nachgewiesen wurde;
- eine verwendete Testmethode nicht ausreichend ist;
- weitere Informationen zu einem technologischen Unterschied benötigt werden;
- ein bestimmtes Risiko nicht ausreichend adressiert wurde; oder
- zusätzliche Erläuterungen notwendig sind.
Wie darauf reagiert werden muss, hängt vom jeweiligen Submission Type und der konkreten Fragestellung ab.
Deshalb sollte die Teststrategie nicht ausschließlich darauf ausgelegt sein, die ursprünglich erwartete Dokumentenliste abzuarbeiten.
Sinnvoller ist es, bereits vor Beginn der Prüfungen zu verstehen, welche regulatorischen Fragen die jeweiligen Nachweise beantworten müssen.
8.7 Die Entscheidung der FDA
Das Ergebnis hängt vom jeweiligen regulatorischen Weg ab.
Bei einer 510(k) prüft die FDA, ob das Produkt gegenüber dem Predicate Device substantially equivalent ist. Bei einer positiven Entscheidung erhält das Produkt eine 510(k) Clearance.
Bei einem De-Novo-Antrag entscheidet die FDA, ob das Produkt aufgrund der vorgelegten Informationen als Class I oder Class II eingestuft werden kann.
Bei einer PMA bewertet die FDA, ob die vorgelegten Nachweise eine angemessene Gewähr für die Sicherheit und Wirksamkeit des Produkts bieten. Eine positive Entscheidung führt zu einer PMA Approval.
Diese Ergebnisse dürfen nicht mit der FDA Establishment Registration oder Device Listing verwechselt werden.
Ein Hersteller kann beispielsweise ein registriertes Unternehmen und ein gelistetes Produkt haben, ohne dass dies bedeutet, dass die FDA das konkrete Produkt als 510(k)-cleared oder PMA-approved bewertet hat.
8.8 Was passiert, wenn die FDA die Einreichung nicht akzeptiert oder das Produkt nicht freigibt?
Eine negative Entscheidung bedeutet nicht automatisch, dass das Produkt niemals in den USA vermarktet werden kann.
Der nächste Schritt hängt vom Grund der Entscheidung ab.
Wenn die FDA beispielsweise fehlende Informationen oder konkrete Deficiencies feststellt, kann der Hersteller unter Umständen zusätzliche Informationen bereitstellen und die identifizierten Punkte adressieren.
Bei einer 510(k) kann die FDA feststellen, dass das Produkt Not Substantially Equivalent (NSE) ist. In diesem Fall muss der Hersteller die regulatorische Strategie möglicherweise neu bewerten.
Je nach Situation können beispielsweise folgende Möglichkeiten bestehen:
- die von der FDA identifizierten Probleme adressieren;
- eine neue 510(k) vorbereiten, sofern dies regulatorisch möglich ist;
- prüfen, ob ein De-Novo-Antrag in Betracht kommt;
- das Produkt verändern;
- die Intended Use ändern und die regulatorische Situation neu bewerten.
Eine NSE-Entscheidung bei einer 510(k) bedeutet daher nicht automatisch das endgültige Aus für das Produkt auf dem US-Markt.
Bei PMA-Verfahren kann die FDA je nach Situation beispielsweise eine Not Approvable- oder Approvable Letter ausstellen. Je nach Art der festgestellten Deficiencies kann der Hersteller diese adressieren, anstatt den gesamten Prozess vollständig neu zu beginnen.
Die konkreten Möglichkeiten hängen immer von der jeweiligen FDA-Entscheidung und dem Submission Type ab.
8.9 Kann das Produkt verbessert und erneut eingereicht werden?
Ja.
Ein Hersteller kann regulatorische Deficiencies adressieren, das Produkt gegebenenfalls verändern, zusätzliche Nachweise erstellen und den entsprechenden regulatorischen Weg erneut verfolgen.
Dabei sollte jedoch nicht einfach versucht werden, „mehr Dokumente“ einzureichen.
Zunächst muss verstanden werden, warum die FDA die ursprüngliche Einreichung nicht akzeptiert, nicht gecleart oder nicht genehmigt hat.
Das Problem kann beispielsweise liegen bei:
- unzureichenden Testnachweisen;
- einer ungeeigneten Testmethode;
- unzureichender Risikominderung;
- einem ungeeigneten Predicate Device;
- Unterschieden bei der Intended Use;
- fehlenden klinischen Nachweisen;
- Problemen im Labeling;
- Software- oder Cybersecurity-Anforderungen;
- Manufacturing- oder Quality-System-Anforderungen; oder
- einem ungeeigneten regulatorischen Weg.
Die Korrektur sollte deshalb die eigentliche regulatorische Ursache adressieren.
Manchmal muss das Produkt tatsächlich technisch verbessert werden. In anderen Fällen ist das Produkt technisch geeignet, aber die Nachweise, die seine Sicherheit und Leistungsfähigkeit belegen sollen, sind nicht ausreichend.
8.10 Was kostet es, wenn etwas schiefgeht?
Die Kosten einer FDA-Einreichung beschränken sich daher nicht auf die FDA User Fee.
Zusätzliche Kosten können beispielsweise entstehen für:
- Prüfungen;
- Laborleistungen;
- Regulatory Consulting;
- klinische Untersuchungen;
- Produktänderungen;
- zusätzliche Prüfmuster;
- zusätzliche Dokumentation;
- Antworten auf FDA-Fragen;
- erneute Einreichungen; und
- Projektverzögerungen.
Genau deshalb ist die Vorbereitungsphase so wichtig.
Je früher regulatorische und technische Lücken vor der formalen Prüfung und Einreichung erkannt werden, desto größer ist der Handlungsspielraum des Herstellers, diese zu korrigieren.
Der gesamte Prozess im Überblick
Der FDA-Prozess lässt sich vereinfacht so darstellen:
Produktdefinition → Klassifizierung → regulatorischer Weg → Anforderungen → Risikobewertung → Teststrategie → Prüfungen → Dokumentation → Submission → FDA Review → Fragen/Deficiencies → FDA-Entscheidung → Marktzugang
Der Prozess endet also nicht zwingend mit der ersten FDA-Rückmeldung.
Je nach Ergebnis können zusätzliche Informationen, Korrekturmaßnahmen oder eine erneute Einreichung erforderlich sein.
Im nächsten Kapitel betrachten wir, was nach einer FDA Clearance oder Approval passiert: Establishment Registration, Device Listing, U.S.-Anforderungen und die Pflichten, die nach dem Markteintritt bestehen bleiben.
9. Was passiert nach der FDA Clearance oder Approval?
Eine FDA Clearance oder Approval ist ein wichtiger Meilenstein, aber sie bedeutet nicht, dass damit alle regulatorischen Pflichten abgeschlossen sind.
Je nach Produkt und Regulatory Pathway müssen vor beziehungsweise während der Vermarktung weitere Anforderungen erfüllt werden. Dazu können insbesondere gehören:
- Establishment Registration;
- Device Listing;
- UDI-Vergabe und UDI-Kennzeichnung;
- Eintragung der erforderlichen Daten in die GUDID;
- vollständige und konforme Kennzeichnung;
- laufende Anforderungen an das Quality Management System;
- Complaint Handling;
- Medical Device Reporting (MDR);
- Corrective Actions und gegebenenfalls Recalls;
- weitere Post-Market-Anforderungen.
Der grundsätzliche Ablauf lässt sich daher vereinfacht so darstellen:
FDA Clearance / Approval
↓
Weitere Anforderungen für den Marktzugang erfüllen
↓
Establishment Registration & Device Listing
↓
UDI / GUDID
↓
Vermarktung
↓
Post-Market Compliance
Welche Schritte tatsächlich erforderlich sind und in welcher Reihenfolge sie erfolgen, hängt vom konkreten Medizinprodukt und den für den Hersteller geltenden Anforderungen ab.
9.1 FDA Clearance, Approval, Registration und Listing sind nicht dasselbe
Eine der wichtigsten Unterscheidungen beim US-Marktzugang betrifft die Begriffe Clearance, Approval, Establishment Registration und Device Listing.
Sie beschreiben unterschiedliche regulatorische Vorgänge.
Beispielsweise bedeutet eine 510(k) Clearance, dass die FDA die Voraussetzungen für eine Vermarktung auf Grundlage der festgestellten Substantial Equivalence erfüllt sieht.
Die Establishment Registration registriert dagegen den betreffenden Betrieb bei der FDA.
Das Device Listing ordnet bestimmte Medizinprodukte einem registrierten Establishment zu.
Registration und Listing sind daher keine FDA-Zulassung des Produkts.
Die FDA weist ausdrücklich darauf hin, dass Establishment Registration und Device Listing keine FDA Approval, Clearance oder Authorization darstellen.
Das ist auch deshalb wichtig, weil Unternehmen teilweise mit Aussagen wie „FDA Registered“ oder „FDA Certified“ werben.
Eine Registrierung sollte nicht als Nachweis dafür dargestellt werden, dass die FDA das Produkt inhaltlich geprüft und zugelassen hat.
9.2 Establishment Registration
Hersteller und andere Unternehmen, für die die entsprechenden gesetzlichen Anforderungen gelten, müssen ihre Einrichtungen bei der FDA registrieren.
Dieser Vorgang wird als Establishment Registration bezeichnet und ist insbesondere in 21 CFR Part 807 geregelt.
Die Registrierung betrifft nicht nur US-amerikanische Unternehmen.
Auch ausländische Hersteller, die entsprechende Medizinprodukte für den US-Markt herstellen, können Registrierungspflichten unterliegen. Für einen ausländischen Hersteller ist grundsätzlich außerdem ein U.S. Agent erforderlich.
Die konkreten Registrierungspflichten hängen von der Art des Establishments und seiner Tätigkeit ab.
9.3 Wann erfolgt die Registration?
Bei Produkten, für die eine Premarket Submission erforderlich ist, ist die FDA Clearance oder Approval nicht durch die anschließende Registration zu ersetzen.
Vereinfacht kann der Ablauf beispielsweise so aussehen:
Premarket Submission
↓
FDA Clearance / Approval
↓
Establishment Registration
↓
Device Listing
↓
Commercial Distribution
Die konkrete Reihenfolge und die einzelnen Pflichten hängen jedoch vom Produkttyp und vom Status des Unternehmens ab.
Wichtig ist insbesondere:
Eine Registration kann eine erforderliche FDA-Premarket-Autorisierung nicht ersetzen.
9.4 Device Listing
Establishment Registration und Device Listing sind zwei unterschiedliche Vorgänge.
Bei der Registration wird das betreffende Establishment registriert.
Beim Device Listing werden die entsprechenden Medizinprodukte diesem registrierten Establishment zugeordnet.
Für ein Medizinprodukt, das eine Premarket Authorization benötigt, werden dabei unter anderem die entsprechenden Informationen zur FDA-Premarket Submission hinterlegt, beispielsweise eine:
- 510(k);
- De Novo Classification;
- PMA.
Das Listing ist damit ein Bestandteil des laufenden FDA-Regulatory-Managements und nicht die eigentliche Marktzulassung.
9.5 Jährliche Registration
Die Establishment Registration ist grundsätzlich keine einmalige Tätigkeit.
Für registrierungspflichtige Establishments ist eine jährliche Erneuerung erforderlich.
Das ist von der Gültigkeit einer 510(k) Clearance oder PMA Approval zu unterscheiden.
Eine 510(k) Clearance wird beispielsweise nicht jedes Jahr erneut „beantragt“. Stattdessen bestehen nach der Clearance fortlaufende regulatorische Pflichten, zu denen – soweit anwendbar – die jährliche Establishment Registration gehört.
Hersteller sollten deshalb zwischen:
Produktautorisierung
und
laufender Registrierung des Establishments
unterscheiden.
9.6 Registrierungskosten
Für bestimmte registrierungspflichtige Establishments fällt außerdem eine jährliche FDA Establishment Registration Fee an.
Diese Kosten sind von möglichen Gebühren für eine Premarket Submission zu unterscheiden.
Die Gesamtkosten eines FDA-Projekts können daher beispielsweise aus mehreren Komponenten bestehen:
Premarket Submission Fee
+
Annual Establishment Registration Fee
+
Testing / Clinical / Regulatory Costs
Die FDA-Gebühren werden regelmäßig angepasst.
Für ein konkretes Projekt sollte deshalb immer die aktuelle FDA Fee Schedule des betreffenden Fiscal Year geprüft werden, anstatt historische Gebühren zu verwenden.
9.7 UDI – Unique Device Identification
Eine der wichtigsten Anforderungen nach beziehungsweise im Zusammenhang mit der Markteinführung eines Medizinprodukts ist das Unique Device Identification System (UDI System).
Die FDA hat das UDI-System geschaffen, um Medizinprodukte, die in den USA vermarktet werden, über ihren gesamten Lebenszyklus besser identifizieren zu können – von der Herstellung über die Distribution bis zur Anwendung am Patienten.
Grundsätzlich verlangt die UDI-Regelung von den betroffenen Device Labelers:
- einen Unique Device Identifier (UDI) auf dem Label und den Verpackungen anzubringen, soweit keine Ausnahme oder Alternative greift;
- die erforderlichen Produktinformationen an die FDA-Datenbank GUDID zu übermitteln.
Bei bestimmten wiederverwendbaren Produkten, die vor jeder Verwendung aufbereitet werden, kann zusätzlich eine direkte Kennzeichnung des Produkts erforderlich sein.
9.8 Was ist eine UDI?
Eine UDI (Unique Device Identifier) ist ein eindeutiger numerischer oder alphanumerischer Code zur Identifizierung eines Medizinprodukts.
Die UDI besteht grundsätzlich aus zwei möglichen Bestandteilen:
Device Identifier (DI)
Der Device Identifier ist der verpflichtende, feste Teil der UDI.
Er identifiziert unter anderem den Labeler und die konkrete Version beziehungsweise das Modell des Medizinprodukts.
Production Identifier (PI)
Der Production Identifier ist ein variabler Bestandteil, soweit entsprechende Produktionsinformationen auf dem Label angegeben werden.
Er kann beispielsweise enthalten:
- Lot- oder Batch-Nummer;
- Seriennummer;
- Verfallsdatum;
- Herstellungsdatum.
Damit gilt vereinfacht:
UDI = DI + PI
Der PI ist allerdings nicht bei jedem Produkt in gleicher Form vorhanden.
Die FDA verlangt außerdem, dass die UDI grundsätzlich sowohl menschenlesbar als auch in einer maschinenlesbaren AIDC-Form (Automatic Identification and Data Capture) dargestellt wird, soweit die UDI-Anforderungen greifen.
9.9 Wer vergibt die UDI?
Die FDA weist nicht einfach jedem Hersteller eine UDI zu.
Der Device Labeler entwickelt die UDI unter Verwendung des Systems einer von der FDA akkreditierten Issuing Agency.
Der Labeler muss sich daher an eine entsprechende akkreditierte Issuing Agency wenden und deren Identifikationssystem verwenden.
Die FDA veröffentlicht eine aktuelle Liste der akkreditierten Issuing Agencies. Dazu gehören unter anderem:
- GS1;
- HIBCC;
- ICCBBA.
Welche Issuing Agency und welches konkrete Format verwendet werden, muss der Labeler entsprechend seiner Produkte und Prozesse festlegen.
9.10 Wer ist der „Labeler“?
Für die UDI-Anforderungen ist der Begriff Labeler entscheidend.
Ein Labeler ist grundsätzlich die Person oder Organisation, die veranlasst, dass ein Label auf einem Medizinprodukt angebracht oder geändert wird, mit der Absicht, dass das Produkt anschließend ohne weitere Änderung des Labels kommerziell vertrieben wird.
In vielen Fällen ist der Labeler identisch mit dem Hersteller.
Das muss jedoch nicht immer so sein.
Je nach Geschäftsmodell kann beispielsweise auch ein:
- Specification Developer;
- Single-Use Device Reprocessor;
- Convenience Kit Assembler;
- Repackager;
- Relabeler
als Labeler gelten.
Deshalb sollte die UDI-Verantwortlichkeit nicht ausschließlich anhand der Frage „Wer produziert das Gerät?“ bestimmt werden.
9.11 Was ist GUDID?
GUDID steht für:
Global Unique Device Identification Database
GUDID ist eine von der FDA verwaltete Datenbank mit standardisierten Identifikationsinformationen zu Medizinprodukten, für die ein UDI-System gilt.
Ein wichtiger Punkt wird dabei häufig missverstanden:
GUDID enthält nicht die komplette UDI.
GUDID enthält grundsätzlich den Device Identifier (DI).
Der Production Identifier (PI) wird nicht als solcher in GUDID gespeichert.
Stattdessen kann GUDID Informationen beziehungsweise Flags enthalten, die anzeigen, welche Arten von Production Identifiers auf dem Label verwendet werden.
9.12 Warum gibt es GUDID?
Das Ziel von GUDID ist eine standardisierte Datenbasis für die Identifikation von Medizinprodukten.
Dadurch können beispielsweise:
- Hersteller;
- Krankenhäuser;
- medizinisches Personal;
- Distributoren;
- Patienten;
- Behörden
ein bestimmtes Medizinprodukt eindeutiger identifizieren.
Das kann insbesondere bei:
- Complaints;
- Adverse Events;
- Recalls;
- Safety Investigations;
- Produktverfolgung;
- Bestandsverwaltung
von Bedeutung sein.
Das UDI-System ist daher nicht lediglich eine zusätzliche Barcode-Anforderung. Es ist Bestandteil des FDA-Systems zur standardisierten Identifikation und besseren Nachverfolgbarkeit von Medizinprodukten.
9.13 Welche Informationen werden in GUDID hinterlegt?
Der Labeler muss für jedes relevante Device Identifier Record die von der FDA geforderten Daten bereitstellen.
Dazu können – abhängig vom Produkt – beispielsweise gehören:
- Device Identifier;
- Device Description;
- Proprietary/Trade Name;
- Modell- oder Kataloginformationen;
- Informationen zum Labeler;
- Device Status;
- Packaging Information;
- bestimmte Produkteigenschaften;
- regulatorische Informationen;
- gegebenenfalls GMDN-Informationen.
Die konkreten Datenfelder richten sich nach den für den jeweiligen Gerätetyp geltenden GUDID-Anforderungen.
Die FDA stellt hierfür eine GUDID Data Elements Reference Table sowie eine entsprechende Guidance zur Verfügung.
9.14 GUDID ist keine FDA-Zulassung
Ein besonders wichtiger Punkt:
Die Aufnahme eines Produkts in GUDID bedeutet nicht, dass die FDA das Produkt zugelassen oder gecleart hat.
GUDID erfüllt eine andere Funktion.
Die eigentliche Premarket-Autorisierung erfolgt – soweit erforderlich – über den entsprechenden Regulatory Pathway, beispielsweise:
- 510(k) Clearance;
- De Novo Classification;
- PMA Approval.
GUDID dient dagegen der standardisierten Identifikation des Produkts.
Daher gilt:
FDA Clearance / Approval ≠ Establishment Registration ≠ Device Listing ≠ UDI ≠ GUDID
Diese Begriffe dürfen nicht miteinander gleichgesetzt werden.
9.15 AccessGUDID
Die FDA stellt außerdem AccessGUDID zur Verfügung.
Dabei handelt es sich um eine öffentlich zugängliche Suchoberfläche für GUDID-Daten.
Über AccessGUDID können Nutzer beispielsweise nach:
- Device Name;
- Company;
- Device Identifier (DI)
suchen.
Die Datenbank steht unter anderem Patienten, Healthcare Professionals, Krankenhäusern, Unternehmen und anderen Interessierten zur Verfügung.
Für Hersteller kann AccessGUDID außerdem hilfreich sein, um zu überprüfen, wie die eigenen Geräteinformationen öffentlich dargestellt werden.
9.16 Was muss vor der GUDID-Eintragung vorbereitet werden?
GUDID sollte nicht erst unmittelbar vor dem Markteintritt vorbereitet werden.
Die FDA empfiehlt ausdrücklich, vor der Beantragung eines GUDID-Accounts zunächst die erforderlichen Vorbereitungen durchzuführen.
Dazu gehören unter anderem:
- UDI-Anforderungen und Guidance prüfen;
- UDI-Strategie festlegen;
- mit einer FDA-akkreditierten Issuing Agency arbeiten;
- UDIs vergeben und verwalten;
- Prozesse für die physische Kennzeichnung etablieren;
- interne Verfahren für das Records Management festlegen;
- die für den DI Record benötigten Daten sammeln;
- Daten anhand der FDA-Anforderungen überprüfen;
- interne Zuständigkeiten und GUDID User Roles festlegen.
Erst danach sollte der GUDID-Account beantragt werden.
Das ist insbesondere für Unternehmen wichtig, deren Produktdaten auf mehrere interne Systeme verteilt sind. Die FDA weist ausdrücklich darauf hin, dass die erforderlichen Informationen häufig zunächst organisiert, gesammelt und validiert werden müssen.
9.17 Wie werden Daten an GUDID übermittelt?
Die FDA stellt grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Übermittlung der GUDID-Daten bereit:
GUDID Web Application
Die Daten können über die GUDID-Webanwendung manuell eingegeben werden.
Dies eignet sich insbesondere für die Eingabe einzelner Geräte.
HL7 SPL Submission
Für größere Datenmengen steht eine elektronische Übermittlung über HL7 SPL und das FDA Electronic Submissions Gateway zur Verfügung.
Welche Methode sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Anzahl der Produkte und den internen Datenprozessen des Unternehmens ab.
9.18 UDI und Labeling
Die UDI ist grundsätzlich auf dem Label und den Verpackungen des Medizinprodukts anzubringen, sofern keine entsprechende Ausnahme oder Alternative gilt.
Bei bestimmten wiederverwendbaren Produkten kann zusätzlich eine direkte Kennzeichnung des Produkts erforderlich sein.
Die UDI muss grundsätzlich in zwei Formen verfügbar sein:
Human Readable Interpretation (HRI)
→ für den Menschen lesbare Darstellung
AIDC
→ maschinenlesbare Darstellung
Die konkrete Umsetzung hängt von der verwendeten Issuing Agency, dem Produkt und den anwendbaren FDA-Anforderungen ab.
9.19 UDI ist mehr als ein Barcode
Eine häufige Fehlvorstellung lautet:
„UDI bedeutet, einen Barcode auf die Verpackung zu drucken.“
Das greift zu kurz.
Der Barcode beziehungsweise die maschinenlesbare Darstellung ist lediglich eine Möglichkeit, die UDI technisch darzustellen.
Das UDI-System umfasst vielmehr:
Device Identification
+
Production Identification, soweit zutreffend
+
UDI-Kennzeichnung
+
GUDID-Datenübermittlung
Das Ziel ist die standardisierte Identifikation eines Medizinprodukts während seiner Distribution und Nutzung.
9.20 Was passiert nach dem Markteintritt?
Mit dem Beginn der kommerziellen Vermarktung endet die FDA-Regulierung nicht.
Der Hersteller muss das Produkt während seines gesamten Lebenszyklus regulatorisch überwachen.
Je nach Produkt können beispielsweise folgende Themen relevant werden:
- Complaints;
- Adverse Events;
- Medical Device Reporting;
- Corrective Actions;
- Recalls;
- Änderungen am Produkt;
- Software- und Firmware-Updates;
- Änderungen an Komponenten;
- Änderungen von Lieferanten;
- Änderungen des Herstellungsprozesses;
- Änderungen der Kennzeichnung;
- Cybersecurity-Themen;
- Post-Market Surveillance.
Die UDI kann dabei eine wichtige Rolle spielen, wenn bestimmte Geräte, Modelle, Serien oder Produktionschargen identifiziert werden müssen.
9.21 Änderungen nach Clearance oder Approval
Eine FDA Clearance oder Approval bedeutet nicht, dass der Hersteller das Produkt anschließend beliebig verändern kann.
Änderungen können beispielsweise betreffen:
- Hardware;
- Komponenten;
- Materialien;
- Software;
- Firmware;
- Produktionsprozesse;
- Lieferanten;
- Produktionsstandorte;
- Labeling;
- Intended Use;
- Indications for Use;
- Verpackung.
Solche Änderungen müssen regulatorisch bewertet werden.
Bei bestimmten Änderungen kann zusätzliche Dokumentation oder Prüfung erforderlich sein. Je nach Art und Bedeutung der Änderung kann auch eine neue FDA Submission notwendig werden.
Insbesondere bei 510(k)-Produkten muss der Hersteller beurteilen, ob eine Änderung die Sicherheit oder Wirksamkeit wesentlich beeinflussen könnte und ob deshalb ein neuer 510(k) erforderlich ist.
Der entscheidende Grundsatz lautet daher:
Eine FDA Clearance oder Approval bezieht sich auf das Produkt in der Form und unter den Bedingungen, die regulatorisch bewertet wurden. Wesentliche Änderungen benötigen eine eigene regulatorische Bewertung.
9.22 Post-Market Compliance
Nach dem Markteintritt bestehen je nach Produkt weitere FDA-Anforderungen.
Complaint Handling
Beschwerden über das Produkt müssen nach den geltenden Anforderungen erfasst, bewertet und bearbeitet werden.
Medical Device Reporting
Bestimmte Todesfälle, schwere Verletzungen und Fehlfunktionen können eine MDR-Meldepflicht auslösen.
Corrective Actions
Werden nach Markteinführung Probleme festgestellt, kann eine Korrekturmaßnahme erforderlich werden.
Recalls
Unter bestimmten Umständen kann ein Rückruf notwendig werden.
Post-Market Surveillance
Für bestimmte Medizinprodukte können zusätzliche Post-Market-Surveillance-Anforderungen gelten.
PMA Post-Approval Requirements
Bei PMA-Produkten können zusätzliche Auflagen Bestandteil der Approval sein. Dazu können beispielsweise Post-Approval Studies, Berichte oder andere Maßnahmen gehören.
Diese Anforderungen sind produktspezifisch und sollten bereits bei der Planung der PMA berücksichtigt werden.
9.23 Der vollständige Prozess nach der FDA-Autorisierung
Für einen Hersteller lässt sich die Phase nach der Premarket Submission vereinfacht so darstellen:
1. FDA Regulatory Pathway
510(k), De Novo, PMA oder gegebenenfalls eine Ausnahme
↓
2. FDA Decision
Clearance / Classification / Approval
↓
3. Establishment Registration
Registrierung der relevanten Einrichtung(en)
↓
4. Device Listing
Listung der relevanten Medizinprodukte
↓
5. UDI
Festlegung und Umsetzung der Geräteidentifikation
↓
6. GUDID
Übermittlung der erforderlichen Device-Daten
↓
7. Labeling
Umsetzung der UDI- und sonstigen Kennzeichnungsanforderungen
↓
8. Commercial Distribution
Vermarktung des Medizinprodukts
↓
9. Post-Market Compliance
Complaints, MDR, Corrective Actions, Recalls und weitere anwendbare Anforderungen
↓
10. Lifecycle Management
Regulatorische Bewertung und Dokumentation von Änderungen während des gesamten Produktlebenszyklus
9.24 Die wichtigsten Begriffe im direkten Vergleich
| Begriff | Bedeutung |
| 510(k) Clearance | FDA stellt Substantial Equivalence zu einem geeigneten Predicate fest |
| De Novo Classification | FDA klassifiziert ein neuartiges Medizinprodukt, für das kein geeigneter Predicate existiert |
| PMA Approval | FDA bewertet die Sicherheit und Wirksamkeit eines Produkts im Rahmen des PMA-Verfahrens |
| Establishment Registration | Registrierung eines relevanten Establishments bei der FDA |
| Device Listing | Zuordnung der relevanten Medizinprodukte zu einem registrierten Establishment |
| UDI | Eindeutiges Identifikationssystem für Medizinprodukte |
| GUDID | FDA-Datenbank mit standardisierten Identifikationsinformationen zu Medizinprodukten |
Diese Begriffe beschreiben unterschiedliche regulatorische Prozesse und sollten nicht synonym verwendet werden.
Insbesondere sollte ein Unternehmen die Aussage „FDA Registered“ nicht als gleichbedeutend mit „FDA Cleared“ oder „FDA Approved“ verwenden.
9.25 Der entscheidende Punkt
Eine FDA Clearance oder Approval ist ein wichtiger Meilenstein, aber nicht das Ende der regulatorischen Verantwortung.
Nach der Marktzulassung müssen – abhängig vom Produkt und vom Hersteller – weitere Anforderungen umgesetzt und dauerhaft eingehalten werden.
Besonders wichtig sind dabei:
- Establishment Registration;
- Device Listing;
- UDI;
- GUDID;
- korrektes Labeling;
- Quality Management;
- Complaint Handling;
- Medical Device Reporting;
- Corrective Actions und gegebenenfalls Recalls;
- Lifecycle Management.
Das UDI/GUDID-System ist dabei ein zentraler Bestandteil des US-amerikanischen Medizinprodukte-Regelwerks. Die FDA verlangt grundsätzlich von den betroffenen Device Labelers sowohl die UDI-Kennzeichnung als auch die Übermittlung der erforderlichen Gerätedaten an GUDID, soweit keine entsprechende Ausnahme oder Alternative greift.
Der gesamte Lebenszyklus lässt sich deshalb vereinfacht so zusammenfassen:
Klassifizieren → Regulatory Pathway bestimmen → Submission → FDA Clearance/Approval → Registration & Listing → UDI → GUDID → Vermarktung → Post-Market Monitoring → Compliance aufrechterhalten
Für Hersteller sollte die Vorbereitung auf UDI, GUDID, Registration, Listing und Post-Market Compliance bereits während der FDA-Projektplanung berücksichtigt werden und nicht erst beginnen, nachdem die FDA-Entscheidung vorliegt.
10. Was kostet die FDA-Compliance?
Die Kosten für den Markteintritt eines Medizinprodukts in den USA lassen sich nicht auf eine einzelne „FDA-Zulassungsgebühr“ reduzieren.
Die Gesamtkosten hängen unter anderem vom regulatorischen Weg, der Klassifizierung, der technischen Komplexität des Produkts, den erforderlichen Prüfungen, eventuell notwendigen klinischen Nachweisen und dem bereits vorhandenen Qualitätsmanagementsystem des Herstellers ab.
Bei manchen Produkten können die FDA-bezogenen Kosten überschaubar sein. Bei komplexeren Produkten – insbesondere wenn umfangreiche klinische Nachweise oder ein PMA-Verfahren erforderlich sind – kann der gesamte regulatorische Aufwand dagegen erheblich sein.
Deshalb sollte zwischen FDA-Gebühren und den Gesamtkosten für die Herstellung und Aufrechterhaltung der FDA-Compliance unterschieden werden.
10.1 FDA User Fees
Bestimmte FDA-Premarket-Einreichungen unterliegen sogenannten User Fees.
Die entsprechende Gebühr hängt vom jeweiligen Submission Type ab. Die FDA veröffentlicht die Gebühren für jedes Geschäftsjahr und legt dabei auch reduzierte Gebühren für qualifizierte Small Businesses fest.
Gebühren können beispielsweise für folgende Submission Types anfallen:
- 510(k);
- De-Novo-Antrag;
- PMA;
- bestimmte PMA Supplements; und
- weitere von der FDA definierte Einreichungen.
Die jeweils gültige Höhe sollte immer anhand der aktuellen FDA-Gebührenübersicht geprüft werden, da sich die Beträge von Geschäftsjahr zu Geschäftsjahr ändern können.
Eine ältere Gebührenangabe aus einem Artikel oder einer früheren Projektplanung sollte daher nicht ungeprüft für eine aktuelle Budgetplanung verwendet werden.
10.2 Gebührenreduzierung für Small Businesses
Die FDA bietet qualifizierten Small Businesses reduzierte User Fees an.
Die Voraussetzungen und konkreten Gebühren werden von der FDA festgelegt und müssen für das jeweilige Geschäftsjahr geprüft werden.
Wichtig ist dabei:
Ein kleines Unternehmen erhält die reduzierte Gebühr nicht automatisch allein aufgrund seiner Unternehmensgröße.
Der Hersteller muss die von der FDA festgelegten Voraussetzungen erfüllen und gegebenenfalls die entsprechende Small-Business-Qualification erhalten, bevor mit einer reduzierten Gebühr kalkuliert werden sollte.
Bei einer kostenintensiven Premarket Submission kann dies einen erheblichen Unterschied für die Budgetplanung machen.
10.3 Kosten für Prüfungen
Für viele Hersteller stellt die FDA User Fee nur einen Teil der Gesamtkosten dar.
Die Prüfungen können einen wesentlich größeren Kostenblock bilden.
Je nach Produkt können beispielsweise erforderlich sein:
- elektrische Sicherheitsprüfungen;
- EMV-Prüfungen;
- Wireless-/Funkprüfungen, soweit relevant;
- mechanische Prüfungen;
- Software Verification und Validation;
- Cybersecurity-Prüfungen;
- Biokompatibilität;
- Sterilisation;
- Verpackungs- und Shelf-Life-Prüfungen;
- chemische Charakterisierung;
- Usability und Human Factors; und
- weitere produktspezifische Performance Tests.
Die Kosten können dabei erheblich variieren.
Ein einfaches, nicht-invasives Produkt kann einen vergleichsweise überschaubaren Prüfaufwand haben. Ein komplexes aktives oder implantierbares Medizinprodukt kann dagegen umfangreiche technische und klinische Nachweise erfordern.
10.4 Klinische Nachweise können ein wesentlicher Kostenfaktor sein
Klinische Untersuchungen können die Gesamtkosten eines FDA-Projekts erheblich erhöhen.
Nicht jedes Medizinprodukt benötigt eine klinische Studie. Ob klinische Evidenz erforderlich ist, hängt vom regulatorischen Weg und den spezifischen Eigenschaften des Produkts ab.
Wenn klinische Nachweise erforderlich sind, können unter anderem Kosten entstehen für:
- Studiendesign;
- regulatorische und ethische Vorbereitung;
- klinische Prüfzentren;
- Prüfärzte;
- Rekrutierung von Patienten;
- Monitoring;
- Datenmanagement;
- statistische Auswertung;
- Berichterstellung; und
- die zusätzliche Projektlaufzeit.
Deshalb sollte möglichst früh geklärt werden, ob klinische Evidenz voraussichtlich erforderlich sein wird.
10.5 Kosten für Regulatory Consulting
Ein Hersteller kann externe regulatorische Unterstützung in Anspruch nehmen.
Consultants können beispielsweise unterstützen bei:
- Klassifizierung;
- Auswahl des regulatorischen Weges;
- Predicate-Device-Analyse;
- FDA-Strategie;
- Testplanung;
- Vorbereitung der Submission;
- Kommunikation mit der FDA;
- Beantwortung von Deficiencies; und
- Postmarket Compliance.
Die Kosten hängen vom Umfang und der Komplexität des Projekts ab.
Die Beauftragung eines Consultants ist nicht grundsätzlich vorgeschrieben. Die Kosten für externe Unterstützung sollten jedoch gegen die möglichen Kosten einer falschen regulatorischen Strategie, unnötiger Prüfungen oder einer verzögerten Einreichung abgewogen werden.
10.6 Laborkosten
Auch Prüf- und Testlabore können einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten ausmachen.
Ein Labor kann beispielsweise Kosten berechnen für:
- Testvorbereitung;
- Durchführung der Prüfungen;
- Test Reports;
- zusätzliche Produktkonfigurationen;
- fehlgeschlagene Prüfungen;
- Wiederholungsprüfungen;
- Engineering Support; und
- zusätzliche Prüfmuster.
Besonders relevant wird dies, wenn während der Prüfungen Probleme mit dem Produkt festgestellt werden.
Ein fehlgeschlagener Test verursacht daher häufig deutlich mehr Kosten als nur die ursprünglichen Prüfkosten.
Der Hersteller muss möglicherweise das Produkt ändern, Teile des Prüfprogramms wiederholen, die Dokumentation aktualisieren und zusätzliche Prüfungen durchführen, um die Wirksamkeit der Korrektur nachzuweisen.
10.7 Die Kosten einer schlecht definierten Teststrategie
Ein besonders vermeidbarer Kostenfaktor ist eine unklare Teststrategie.
Wenn ein Hersteller nicht genau weiß, was nachgewiesen werden muss, besteht das Risiko, dass er:
- unnötige Prüfungen durchführt;
- wichtige Prüfungen übersieht;
- ungeeignete Testmethoden verwendet;
- die falsche Produktkonfiguration prüft;
- technische Probleme erst spät entdeckt; oder
- Prüfungen wiederholen muss.
Hier kann Pre-Compliance bzw. Pre-Testing einen wichtigen Beitrag leisten.
Das Ziel von Pre-Testing ist dabei nicht, die formalen FDA-Nachweise zu ersetzen.
Vielmehr können mögliche Schwachstellen erkannt werden, bevor erhebliche Ressourcen in das finale Prüfprogramm investiert werden.
Hat ein Gerät beispielsweise ein potenzielles EMV-Problem, kann ein Engineering Pre-Test dieses Problem frühzeitig sichtbar machen. Der Hersteller hat dann noch die Möglichkeit, das Design zu ändern, bevor die formale Prüfung durchgeführt wird.
10.8 Dokumentation und interne Ressourcen
Auch die internen Kosten des Herstellers sollten berücksichtigt werden.
Eine FDA Submission kann erheblichen Aufwand für verschiedene Abteilungen verursachen:
- Regulatory Affairs;
- Engineering;
- Quality Assurance;
- Softwareentwicklung;
- Clinical Teams;
- Manufacturing;
- Management; und
- weitere Fachbereiche.
Auch wenn kein externer Consultant eingesetzt wird, stellt die dafür benötigte Arbeitszeit einen realen Projektaufwand dar.
Bei komplexen Medizinprodukten kann insbesondere die Konsistenz zwischen technischer Dokumentation, Risikomanagement, Test Reports, Software-Dokumentation und Labeling erheblichen Aufwand verursachen.
10.9 Die Kosten von Verzögerungen
Regulatorische Verzögerungen können teilweise teurer sein als die eigentlichen FDA-Gebühren.
Eine verzögerte Einreichung oder Markteinführung kann beispielsweise zu folgenden Kosten führen:
- verschobener Produktlaunch;
- verzögerte Umsätze;
- zusätzliche Entwicklungsarbeit;
- zusätzliche Prüfungen;
- verlängerte Consulting- oder Laborkosten;
- zusätzlicher Projektmanagementaufwand; und
- späterem Markteintritt.
Für wirtschaftlich wichtige Produkte können daher die Kosten der Zeit einen wesentlichen Teil der gesamten regulatorischen Kosten darstellen.
10.10 Was sollte in einem FDA-Budget berücksichtigt werden?
Eine realistische Budgetplanung sollte deshalb mindestens folgende Kostenbereiche berücksichtigen:
| Kostenbereich | Typische Relevanz |
| FDA User Fee | Abhängig vom Submission Type |
| Small-Business-Qualification | Kann die FDA-Gebühr reduzieren |
| Regulatory Consulting | Optional, aber teilweise erheblich |
| Labortests | Häufig ein wesentlicher Kostenfaktor |
| Pre-Compliance / Engineering Testing | Abhängig von der Produktkomplexität |
| Klinische Evidenz | Nur für bestimmte Produkte erforderlich |
| Biokompatibilität | Relevant für entsprechende Patientenkontakte |
| Software & Cybersecurity | Relevant für entsprechende Produkte |
| Dokumentation | Interner und/oder externer Aufwand |
| Produktänderungen | Abhängig von den Ergebnissen |
| Wiederholungsprüfungen | Möglich bei festgestellten Problemen |
| Antworten auf FDA-Fragen | Möglicher zusätzlicher Aufwand |
| Postmarket Compliance | Laufender Aufwand |
Es gibt daher keinen allgemein gültigen Preis für eine „FDA-Zulassung“.
Zwei Produkte desselben Herstellers können völlig unterschiedliche regulatorische Kosten verursachen.
10.11 Warum eine frühe Planung entscheidend ist
Die effektivste Möglichkeit zur Kostenkontrolle besteht häufig nicht darin, einen günstigeren Labor- oder Beratungspreis auszuhandeln.
Entscheidend ist vielmehr, früh die richtigen regulatorischen und technischen Entscheidungen zu treffen.
Bevor umfangreiche Prüfungen beginnen, sollte der Hersteller ein klares Verständnis davon haben:
- welcher regulatorische Weg gilt;
- welche Anforderungen relevant sind;
- welche Nachweise erbracht werden müssen;
- welche Prüfungen tatsächlich erforderlich und sinnvoll sind;
- welche Produktkonfiguration geprüft werden soll;
- welche technischen Risiken bestehen; und
- welche Dokumentation für die Submission benötigt wird.
Dadurch lassen sich kostspielige Probleme erkennen, solange noch ausreichend Zeit besteht, sie zu beheben.
Die praktische Konsequenz
Die Kosten der FDA-Compliance lassen sich vereinfacht betrachten als:
FDA-Gebühren + Prüfungen + klinische Nachweise, soweit erforderlich + regulatorischer Aufwand + interne Ressourcen + mögliche Korrekturmaßnahmen + laufende Postmarket Compliance
Die FDA User Fee ist somit nur ein Bestandteil der Gesamtinvestition.
Für Hersteller ist eine der effektivsten Möglichkeiten zur Kostenkontrolle, die regulatorische und technische Strategie vor Beginn des vollständigen formalen Prüfprogramms eindeutig festzulegen.
11. Häufige Fehler von Herstellern beim Markteintritt in den USA
FDA-Compliance-Projekte scheitern häufig nicht daran, dass ein Hersteller technisch nicht in der Lage wäre, die Anforderungen zu erfüllen. Probleme entstehen oft wesentlich früher – beispielsweise wenn die regulatorische Strategie, die Produktdefinition, das Prüfprogramm oder die Dokumentation nicht mit den tatsächlichen FDA-Anforderungen übereinstimmen.
Diese Fehler zu vermeiden, kann erheblich Zeit und Kosten sparen.
11.1 Mit Prüfungen beginnen, bevor die regulatorische Strategie feststeht
Ein häufiger Fehler besteht darin, ein Labor zu beauftragen, bevor eindeutig festgelegt wurde, was gegenüber der FDA überhaupt nachgewiesen werden muss.
Ein Hersteller fragt beispielsweise:
„Welche Prüfungen benötigen wir für dieses Produkt?“
Diese Frage lässt sich jedoch nicht immer allein anhand der Produktkategorie beantworten.
Vor Beginn der Prüfungen sollte klar sein:
- wie das Produkt klassifiziert wird;
- welcher regulatorische Weg gilt;
- welche Intended Use vorliegt;
- welche FDA Guidance Documents relevant sind;
- welche von der FDA anerkannten Consensus Standards relevant sind;
- welche Sicherheits- und Performance-Eigenschaften nachgewiesen werden müssen; und
- welche Nachweise für den konkreten Submission Type erforderlich sind.
Andernfalls besteht das Risiko, dass falsche Eigenschaften geprüft, ungeeignete Prüfmethoden verwendet oder Nachweise erzeugt werden, die die eigentliche Submission nicht ausreichend unterstützen.
11.2 Den regulatorischen Weg zu spät festlegen
Der regulatorische Weg beeinflusst das gesamte Projekt erheblich.
Eine 510(k), ein De-Novo-Antrag und eine PMA sind nicht einfach unterschiedliche Varianten desselben Antrags.
Sie basieren auf unterschiedlichen regulatorischen Konzepten und können sehr unterschiedliche Nachweise erfordern.
Eine 510(k) basiert beispielsweise grundsätzlich auf dem Nachweis der Substantial Equivalence zu einem rechtmäßig vermarkteten Predicate Device. Ein De-Novo-Antrag ist dagegen für bestimmte neuartige Produkte vorgesehen, für die kein geeignetes Predicate existiert und die dennoch mit General Controls bzw. General und Special Controls angemessen reguliert werden können.
Eine PMA folgt wiederum einem deutlich anderen Nachweis- und Bewertungsansatz für bestimmte Class-III-Produkte.
Der regulatorische Weg sollte deshalb feststehen, bevor das Prüfprogramm endgültig definiert wird.
11.3 Ein Predicate Device ohne ausreichende Analyse auswählen
Bei einer 510(k) ist die Auswahl des Predicate Devices besonders wichtig.
Ein Hersteller sollte nicht einfach ein Produkt auswählen, weil es äußerlich ähnlich aussieht oder einen ähnlichen Produktnamen besitzt.
Unter anderem sollten berücksichtigt werden:
- Intended Use;
- Indications for Use;
- technologische Eigenschaften;
- Design;
- Performance;
- Materialien; und
- weitere relevante Eigenschaften.
Das Predicate Device muss eine belastbare Grundlage für die Argumentation zur Substantial Equivalence darstellen.
Eine schwache Predicate-Strategie kann später erhebliche Probleme in der FDA Submission verursachen.
11.4 Davon ausgehen, dass ein internationaler Standard automatisch von der FDA akzeptiert wird
Hersteller arbeiten häufig bereits mit Standards, die in Europa oder anderen Märkten verwendet werden, und gehen davon aus, dass diese automatisch auch für eine FDA Submission verwendet werden können.
Diese Annahme ist nicht sicher.
Die FDA führt eine eigene Liste der Recognized Consensus Standards. Ein Standard sollte daher geprüft werden, bevor er als Grundlage für eine FDA Submission verwendet wird.
Selbst wenn die FDA einen Standard anerkennt, muss der Hersteller weiterhin prüfen, ob dieser Standard für das konkrete Produkt relevant ist und ob die durchgeführten Prüfungen tatsächlich die regulatorische Fragestellung ausreichend beantworten.
Die Existenz eines Standards bedeutet also nicht automatisch, dass die Durchführung seiner Prüfungen für die FDA ausreichend ist.
11.5 Die europäische Dokumentation einfach als FDA Submission verwenden
Ein Hersteller, der bereits eine CE-Kennzeichnung besitzt, könnte davon ausgehen, dass die vorhandene technische Dokumentation einfach bei der FDA eingereicht werden kann.
Das ist grundsätzlich kein sicherer Ansatz.
Die europäischen und US-amerikanischen Regulierungssysteme unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Struktur und Terminologie.
Beispielsweise:
- basiert die CE-Kennzeichnung auf dem jeweils anwendbaren europäischen Rechtsrahmen;
- verwendet die FDA eigene Klassifizierungs- und Submission-Verfahren;
- ist eine europäische Technical Documentation nicht automatisch eine FDA Submission;
- kann die Rolle von Standards unterschiedlich sein; und
- hängt der erforderliche Nachweis vom jeweiligen FDA Pathway ab.
Vorhandene europäische Dokumentation kann dennoch sehr wertvoll sein.
Test Reports, Risikomanagement-Dokumentation, klinische Informationen, Software-Dokumentation und andere technische Nachweise können gegebenenfalls wiederverwendet werden.
Entscheidend ist zu bestimmen, welche Informationen übernommen werden können und welche für FDA ergänzt, angepasst oder anders strukturiert werden müssen.
11.6 Die Intended Use zu weit fassen
Die Intended Use und die Indications for Use gehören zu den zentralen Elementen der regulatorischen Strategie.
Ein Hersteller könnte versucht sein, das Produkt möglichst weitgehend zu beschreiben, um möglichst viele kommerzielle Anwendungsmöglichkeiten abzudecken.
Breitere Claims können jedoch gleichzeitig den Umfang der erforderlichen Nachweise erhöhen.
Die Intended Use sollte daher sorgfältig definiert werden. Gleichzeitig müssen
Produktdesign + Risikobewertung + Prüfungen + gegebenenfalls klinische Evidenz + Labeling
dieselbe Zweckbestimmung unterstützen.
Eine spätere Änderung der Intended Use kann ebenfalls erhebliche regulatorische Auswirkungen haben.
11.7 Das Labeling erst am Ende erstellen
Labeling wird teilweise als etwas betrachtet, das erst nach Abschluss der technischen Arbeiten fertiggestellt werden kann.
Das kann zu Problemen führen.
Die Aussagen im Labeling beeinflussen, wie die FDA das Produkt versteht und welche Aussagen der Hersteller über Sicherheit und Performance des Produkts macht.
Ein kommerziell attraktiver Claim kann zusätzliche Nachweise erforderlich machen.
Das Labeling sollte deshalb parallel zur regulatorischen und technischen Strategie entwickelt werden und nicht erst unmittelbar vor der Submission.
11.8 Davon ausgehen, dass ein bestandener Test automatisch FDA-Compliance bedeutet
Das Bestehen einer Prüfung bedeutet nicht automatisch, dass das Produkt alle FDA-Anforderungen erfüllt.
Ein Test beantwortet eine bestimmte technische Fragestellung.
Die FDA bewertet dagegen die Gesamtheit der Nachweise im Zusammenhang mit dem jeweiligen regulatorischen Weg.
Ein Produkt kann deshalb einzelne Prüfungen erfolgreich bestehen und trotzdem ein regulatorisches Problem haben, beispielsweise weil:
- der falsche regulatorische Weg gewählt wurde;
- die Intended Use nicht ausreichend unterstützt wird;
- ein anderes relevantes Risiko nicht adressiert wurde;
- die Predicate-Strategie nicht geeignet ist;
- das Labeling nicht mit den Nachweisen übereinstimmt; oder
- erforderliche Dokumentation fehlt.
Prüfungen sind somit ein Bestandteil der regulatorischen Argumentation – nicht die gesamte Argumentation.
11.9 Probleme erstmals während der formalen Prüfung entdecken
Formale Prüfungen sind ein sehr teurer Zeitpunkt, um grundlegende Designprobleme zu entdecken.
Wenn ein Produkt während eines formalen Prüfprogramms versagt, muss der Hersteller möglicherweise:
- die Ursache des Problems ermitteln;
- das Design ändern;
- die Änderung bewerten;
- prüfen, ob dadurch neue Risiken entstanden sind;
- Prüfungen wiederholen; und
- die technische Dokumentation aktualisieren.
Je nach Problem kann dies erhebliche Auswirkungen auf Kosten und Zeitplan haben.
Hier kann sinnvoll geplantes Pre-Compliance Testing einen wichtigen Beitrag leisten.
Ziel ist es, potenzielle Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, solange Designänderungen noch vergleichsweise einfach umgesetzt werden können.
11.10 Eine FDA Submission als rein administrative Aufgabe betrachten
Eine FDA Submission ist nicht einfach eine Sammlung von Dokumenten.
Die Einreichung sollte eine konsistente regulatorische Argumentation darstellen:
Das ist unser Produkt → das ist seine Intended Use → das ist der regulatorische Weg → das sind die relevanten Risiken → diese Eigenschaften müssen nachgewiesen werden → das sind die entsprechenden Nachweise → diese Nachweise zeigen, dass die erforderlichen Sicherheits- und Performance-Anforderungen erfüllt werden.
Wenn die einzelnen Dokumente nicht dieselbe regulatorische Aussage unterstützen, wird die Submission für die FDA schwieriger zu bewerten.
Konsistenz ist daher entscheidend.
11.11 Die Postmarket-Phase ignorieren
Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, FDA-Compliance als abgeschlossen zu betrachten, sobald eine Clearance oder Approval erreicht wurde.
Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, können für Hersteller danach weiterhin Verpflichtungen bestehen, beispielsweise hinsichtlich:
- Registration und Device Listing;
- Quality Management;
- Complaint Handling;
- MDR;
- Recalls und Corrective Actions;
- Produktänderungen; und
- zusätzlicher Postmarket-Anforderungen, soweit anwendbar.
Die regulatorische Strategie sollte daher den gesamten Produktlebenszyklus abdecken und nicht nur die erste Marktzugangs-Submission.
11.12 Davon ausgehen, dass ein Consultant oder Labor die regulatorische Verantwortung übernimmt
Externe Spezialisten können eine wichtige Unterstützung darstellen. Die Verantwortung für das Produkt und die regulatorische Compliance bleibt jedoch beim Hersteller.
Ein Labor kann Prüfungen durchführen.
Ein Consultant kann regulatorisch beraten.
Keiner von beiden übernimmt dadurch automatisch die Gesamtverantwortung für die FDA-Compliance des Herstellers.
Der Hersteller sollte daher die Verantwortung für folgende Punkte intern behalten:
- Produktdefinition;
- Intended Use;
- regulatorische Strategie;
- Risikobewertungen;
- Nachweise;
- finale Dokumentation; und
- regulatorische Entscheidungen.
11.13 Der bessere Ansatz
Die meisten dieser Fehler haben dieselbe grundlegende Ursache:
Die regulatorische Strategie wird zu spät entwickelt.
Ein effektiverer Ansatz besteht darin, vom regulatorischen Ziel rückwärts zu planen:
Was wollen wir vermarkten?
→ Was ist die Intended Use?
→ Wie wird das Produkt klassifiziert?
→ Welcher FDA Pathway gilt?
→ Was muss die FDA sehen?
→ Welche Risiken und Performance-Eigenschaften müssen nachgewiesen werden?
→ Welche Prüfungen und anderen Nachweise können dies belegen?
→ Welche Dokumentation wird benötigt?
→ Ist das gesamte Paket konsistent?
Dadurch können Engineering, Quality, Regulatory Affairs, Testing und Dokumentation auf dasselbe Ziel hinarbeiten, anstatt als voneinander getrennte Aufgaben behandelt zu werden.
Die praktische Konsequenz
Die teuersten FDA-Fehler entstehen häufig lange bevor die erste formale Submission eingereicht wird.
Eine frühzeitig definierte regulatorische Strategie und ein darauf abgestimmter Evidence- und Testplan können unnötige Prüfungen reduzieren, späte Designänderungen vermeiden und den späteren FDA Submission-Prozess wesentlich planbarer machen.
12. FDA-Compliance über den gesamten Produktlebenszyklus
FDA-Compliance sollte nicht als einzelnes Projekt verstanden werden, das mit der Clearance oder Approval eines Medizinprodukts endet. Für Hersteller ist Compliance ein fortlaufender Prozess, der bereits während der Produktentwicklung beginnt und sich über die gesamte kommerzielle Lebensdauer des Produkts erstreckt.
Regulatorische Entscheidungen in einer frühen Entwicklungsphase können Auswirkungen auf Prüfungen, Dokumentation, Herstellung, Labeling, Postmarket-Verpflichtungen und spätere Produktänderungen haben.
Ein strukturierter Lifecycle-Ansatz hilft deshalb dabei, die einzelnen regulatorischen Aktivitäten nicht als voneinander getrennte Aufgaben zu behandeln.
12.1 Von der Produktidee bis zum Markteintritt
Der FDA-Lifecycle beginnt bereits vor der ersten formalen Submission.
Ein typischer Ablauf lässt sich vereinfacht so darstellen:
Produktidee → Intended Use → Klassifizierung → Regulatory Pathway → Anforderungen → Risikomanagement → Design → Prüfungen → Dokumentation → FDA Submission → Clearance/Approval → Registration & Listing → Herstellung → Postmarket Monitoring → Änderungen und Corrective Actions
Die einzelnen Schritte sind miteinander verbunden.
Die Intended Use kann beispielsweise die Klassifizierung beeinflussen. Die Klassifizierung beeinflusst die möglichen regulatorischen Wege. Der gewählte Pathway bestimmt wiederum, welche Nachweise erforderlich sind. Diese Nachweise beeinflussen schließlich die Prüf- und Dokumentationsstrategie.
Eine Entscheidung am Anfang des Projekts kann somit Auswirkungen auf den gesamten weiteren Verlauf haben.
12.2 Produktentwicklung und regulatorische Strategie
Regulatorische Anforderungen sollten bereits in die Produktentwicklung integriert werden und nicht erst unmittelbar vor der Markteinführung betrachtet werden.
Während der Entwicklung sollte der Hersteller unter anderem festlegen:
- die Intended Use des Produkts;
- die relevante Patientengruppe und gegebenenfalls die Anwendungsumgebung;
- die wesentlichen technischen Eigenschaften;
- vorhersehbare Risiken;
- relevante regulatorische Anforderungen; und
- den voraussichtlich geeigneten FDA Pathway.
Dadurch können technische Entwicklungsentscheidungen bereits während der Entwicklung im Hinblick auf die späteren regulatorischen Anforderungen bewertet werden.
Dies reduziert das Risiko, zunächst ein Produkt vollständig zu entwickeln und erst später festzustellen, dass wesentliche Änderungen erforderlich sind, um die geplante Vermarktung zu unterstützen.
12.3 Risikomanagement über den gesamten Lebenszyklus
Risikomanagement ist keine Aufgabe, die mit Abschluss der Produktentwicklung beendet ist.
Risiken sollten erneut bewertet werden, wenn relevante neue Informationen verfügbar werden, beispielsweise aus:
- Prüfungen;
- Designänderungen;
- Complaints;
- Problemen in der Herstellung;
- Adverse Events;
- Erfahrungen aus dem Markt; und
- Postmarket Surveillance.
Eine Änderung, die ein bestehendes Problem lösen soll, kann beispielsweise gleichzeitig ein neues Risiko erzeugen.
Deshalb benötigt der Hersteller einen Prozess, mit dem die Auswirkungen von Design- und Herstellungsänderungen auf das Gesamtrisiko bewertet werden.
12.4 Prüfungen sind Teil der Evidence Strategy
Prüfungen sollten mit den regulatorischen Fragestellungen verknüpft sein, die beantwortet werden müssen.
Der Hersteller sollte für eine Prüfung erklären können:
Welche Eigenschaft wird bewertet?
Warum ist sie relevant?
Welches Risiko oder welche regulatorische Anforderung wird damit adressiert?
Welcher Test oder welcher andere Nachweis zeigt die Erfüllung?
Dieser Ansatz ist effektiver, als lediglich eine möglichst lange Liste potenziell relevanter Standards zu erstellen und anschließend möglichst viele Prüfungen durchzuführen.
Die Prüfstrategie sollte außerdem auf die endgültige Produktkonfiguration abgestimmt sein.
Wenn sich die geprüfte Konfiguration wesentlich von dem später vermarkteten Produkt unterscheidet, muss bewertet werden, ob die vorhandenen Nachweise weiterhin auf das endgültige Produkt übertragbar sind.
12.5 Pre-Compliance Testing hat eine konkrete Funktion
Pre-Compliance Testing kann insbesondere während der Entwicklungsphase einen wichtigen Beitrag leisten.
Das Ziel besteht darin, mögliche Probleme vor den formalen Compliance-Prüfungen oder der Generierung der für die Submission erforderlichen Nachweise zu erkennen.
Beispiele können sein:
- EMV-Probleme;
- zu hohe Emissionen;
- Störfestigkeitsprobleme;
- thermische Probleme;
- elektrische Sicherheitsprobleme;
- Probleme bei Wireless-Funktionen; oder
- andere technische Schwachstellen.
Der Hersteller kann anschließend das Design anpassen und die entsprechende technische Bewertung wiederholen, bevor das finale formale Prüfprogramm beginnt.
Pre-Compliance Testing ist daher vor allem ein Werkzeug zur Risikoreduzierung und kein Ersatz für die formalen Nachweise, die der jeweilige FDA Pathway verlangt.
12.6 Vorbereitung der FDA Submission
Wenn Produktdefinition, regulatorischer Weg, Prüfstrategie und Evidence Package ausreichend festgelegt sind, kann die FDA Submission vorbereitet werden.
Zu diesem Zeitpunkt sollten die einzelnen Bestandteile ein konsistentes Gesamtpaket bilden.
Der Hersteller sollte einen nachvollziehbaren Zusammenhang herstellen können zwischen:
Intended Use → Produkteigenschaften → Risiken → relevante Anforderungen → Prüfmethoden → Ergebnisse → Schlussfolgerungen → Labeling
Wesentliche Widersprüche zwischen diesen Elementen können zu zusätzlichen Fragen während des FDA Reviews führen.
Deshalb sollte eine Submission nicht lediglich als Sammlung von Dokumenten aus verschiedenen Abteilungen betrachtet werden.
Sie sollte eine zusammenhängende regulatorische Argumentation darstellen.
12.7 FDA Review und mögliche zusätzliche Arbeiten
Während des FDA Reviews kann die FDA Fragen stellen oder zusätzliche Informationen anfordern.
Der Hersteller muss dann möglicherweise beispielsweise bereitstellen:
- Klarstellungen;
- zusätzliche technische Informationen;
- überarbeitete Dokumentation;
- zusätzliche Testergebnisse;
- zusätzliche Analysen; oder
- weitere Nachweise zu den von der FDA angesprochenen Punkten.
Wie umfangreich diese zusätzliche Arbeit ist, hängt von der jeweiligen Submission und den während des Reviews identifizierten Punkten ab.
Eine gut vorbereitete Submission kann unnötige Rückfragen reduzieren. Sie kann jedoch nicht garantieren, dass die FDA keine weiteren Informationen anfordert.
12.8 Herstellung und Qualität nach Clearance oder Approval
Nach dem Markteintritt muss der Hersteller weiterhin innerhalb der geltenden Qualitätsanforderungen arbeiten.
Das Produkt sollte entsprechend den Spezifikationen und Prozessen hergestellt werden, die seinen regulatorischen Status unterstützen.
Änderungen an Herstellungsprozessen, Lieferanten, Komponenten oder anderen Produktionsbedingungen sollten deshalb über die etablierten Change-Control-Prozesse bewertet werden.
Dies ist insbesondere dann relevant, wenn eine Änderung Auswirkungen haben könnte auf:
- Sicherheit;
- Performance;
- Materialien;
- Software;
- Herstellungsprozesse;
- Labeling; oder
- die regulatorische Grundlage des Produkts.
12.9 Postmarket-Informationen fließen zurück in das Produkt
Der Produktlebenszyklus verläuft nicht nur in eine Richtung.
Informationen aus der Zeit nach dem Markteintritt können wieder in Entwicklungs- und Risikomanagementprozesse einfließen.
Ein vereinfachtes Beispiel:
Complaint → Untersuchung → Risikobewertung → Corrective Action → Design- oder Prozessänderung → Verification/Validation → regulatorische Bewertung
Dieser Feedback-Loop ermöglicht es dem Hersteller, auf neue Erkenntnisse zu reagieren und das Produkt während seiner gesamten kommerziellen Lebensdauer unter Kontrolle zu halten.
12.10 Änderungen müssen regulatorisch bewertet werden
Medizinprodukte bleiben während ihrer gesamten Lebensdauer selten vollständig unverändert.
Hersteller können beispielsweise einführen:
- neue Softwareversionen;
- Hardwareänderungen;
- neue Komponenten;
- alternative Lieferanten;
- Änderungen des Herstellungsprozesses;
- neue Verpackungen;
- aktualisiertes Labeling; oder
- neue Indications oder Claims.
Vor der Umsetzung einer Änderung sollte bewertet werden, ob diese Auswirkungen auf den bestehenden FDA-Status des Produkts hat.
Abhängig von der Art der Änderung kann lediglich eine interne Dokumentation und Bewertung erforderlich sein. In anderen Fällen können zusätzliche regulatorische Aktivitäten notwendig werden.
Der entscheidende Grundsatz lautet:
Nicht davon ausgehen, dass eine Änderung regulatorisch neutral ist. Die Änderung muss vor ihrer Umsetzung bewertet werden.
12.11 Auch das Ende des Produktlebenszyklus gehört dazu
Der Lifecycle umfasst auch die spätere Einstellung eines Produkts.
Wenn ein Hersteller ein Produkt nicht mehr produziert oder vermarktet, können unter anderem Aktualisierungen der entsprechenden FDA Registration oder Device Listing erforderlich sein. Auch bestimmte Aufzeichnungs- und Postmarket-Verpflichtungen können weiterhin relevant sein.
Welche konkreten Pflichten bestehen, hängt von der Rolle des Unternehmens und den Umständen der Einstellung ab.
Der regulatorische Lebenszyklus endet daher nicht einfach mit der Produktion des letzten Geräts.
12.12 Ein Lifecycle-Ansatz reduziert regulatorische Risiken
Ein Lifecycle-basierter Ansatz verbindet Aktivitäten, die in Unternehmen häufig getrennt voneinander behandelt werden:
Engineering ↔ Regulatory Affairs ↔ Quality ↔ Testing ↔ Manufacturing ↔ Postmarket Surveillance
Das ist insbesondere bei komplexen Medizinprodukten wichtig, bei denen eine Änderung in einem Bereich Auswirkungen auf andere Bereiche haben kann.
Beispielsweise kann eine Engineering-Änderung eine neue Risikobewertung erforderlich machen. Diese kann wiederum zusätzliche Prüfungen erfordern und anschließend Auswirkungen auf die regulatorische Dokumentation oder möglicherweise auf die Notwendigkeit einer weiteren Interaktion mit der FDA haben.
Wenn diese Zusammenhänge von Anfang an berücksichtigt werden, lassen sich solche Konsequenzen wesentlich leichter erkennen.
Die praktische Konsequenz
FDA-Compliance ist kein einmaliges Approval-Verfahren.
Sie ist ein kontinuierlicher Lebenszyklus aus:
Definieren → Nachweisen → Aufrechterhalten → Überwachen → Bewerten → Anpassen
Für Hersteller bedeutet dies, die regulatorische Kontrolle frühzeitig aufzubauen und über die gesamte Lebensdauer des Medizinprodukts aufrechtzuerhalten.
13. FDA-Anforderungen für ausländische Hersteller und den Import in die USA
Für einen Hersteller außerhalb der USA endet der FDA-Prozess nicht mit der Clearance oder Approval des Medizinprodukts.
Ein europäischer Hersteller, der ein Medizinprodukt in den USA vermarkten möchte, muss zusätzlich die Anforderungen erfüllen, die für ausländische Establishments, Registration, Device Listing, den U.S. Agent und den Import gelten.
Das ist besonders wichtig für Hersteller aus Deutschland und anderen europäischen Ländern, da die FDA nicht zwischen einem US-amerikanischen und einem ausländischen Hersteller unterscheidet, wenn es um die grundlegenden regulatorischen Anforderungen für ein in den USA vermarktetes Medizinprodukt geht.
Die FDA stellt ausdrücklich klar, dass ausländische Hersteller die geltenden US-Anforderungen vor, während und nach dem Import erfüllen müssen.
13.1 Was ist ein Foreign Manufacturer?
Ein Foreign Manufacturer ist grundsätzlich ein Hersteller, dessen Herstellungsstätte außerhalb der Vereinigten Staaten liegt.
Für einen solchen Hersteller gelten die FDA-Anforderungen auch dann, wenn das Unternehmen beispielsweise bereits:
- in Deutschland sitzt;
- eine CE-Kennzeichnung besitzt;
- nach ISO 13485 zertifiziert ist;
- in anderen Ländern zugelassen ist; oder
- bereits über umfangreiche regulatorische Erfahrung verfügt.
Die FDA akzeptiert die regulatorische Zulassung eines anderen Landes nicht als Ersatz für die eigenen US-Anforderungen.
Insbesondere bei PMA-Produkten stellt die FDA ausdrücklich fest, dass Zulassungen anderer Länder nicht als FDA Approval anerkannt werden.
13.2 Der U.S. Agent
Ein wesentlicher Unterschied für ausländische Hersteller ist die Verpflichtung, einen U.S. Agent zu benennen.
Jede ausländische Einrichtung, die Medizinprodukte herstellt, vorbereitet, verarbeitet oder anderweitig entsprechende Tätigkeiten ausführt und deren Produkte in die USA importiert werden, muss einen U.S. Agent benennen.
Der U.S. Agent muss:
- in den USA ansässig sein oder dort eine Geschäftsstelle haben;
- eine physische Geschäftsadresse besitzen;
- für die FDA erreichbar sein; und
- der Benennung als U.S. Agent zustimmen.
Ein Postfach allein reicht nicht aus. Auch ein reiner Answering Service genügt nicht den FDA-Anforderungen.
13.3 Welche Aufgabe hat der U.S. Agent?
Der U.S. Agent ist nicht einfach ein US-amerikanischer Distributor oder Importeur.
Seine Aufgaben sind gesetzlich begrenzt.
Er unterstützt unter anderem bei:
- der Kommunikation zwischen FDA und ausländischem Hersteller;
- Fragen der FDA zu den importierten oder zum Import angebotenen Produkten;
- der Koordination von FDA-Inspektionen beim ausländischen Hersteller; und
- der Weiterleitung von Informationen oder Dokumenten, wenn die FDA den ausländischen Hersteller nicht direkt oder schnell erreichen kann.
Wichtig ist auch, was der U.S. Agent nicht automatisch übernimmt.
Die FDA weist ausdrücklich darauf hin, dass der U.S. Agent beispielsweise nicht für die Meldung von Adverse Events nach den MDR-Regeln oder für die Einreichung einer 510(k) verantwortlich ist.
Der U.S. Agent ersetzt daher nicht die Regulatory-Affairs-Funktion des Herstellers.
13.4 U.S. Agent und Initial Importer sind nicht dasselbe
Diese beiden Rollen werden häufig verwechselt.
Der U.S. Agent dient primär als Ansprechpartner zwischen FDA und dem ausländischen Establishment.
Der Initial Importer ist dagegen ein Unternehmen, das ein von einem ausländischen Hersteller importiertes Medizinprodukt in den USA weiter vermarktet, bis es den endgültigen Kunden oder Anwender erreicht, ohne das Produkt beispielsweise neu zu verpacken oder dessen Kennzeichnung zu verändern.
Ein Unternehmen kann je nach Struktur unterschiedliche Rollen haben. Die Rollen sollten jedoch nicht automatisch gleichgesetzt werden.
Für die Planung des Markteintritts sollte daher früh geklärt werden:
Wer ist der Hersteller?
Wer ist der U.S. Agent?
Wer ist der Initial Importer?
Wer übernimmt welche regulatorischen Aufgaben?
13.5 Registration des ausländischen Herstellers
Ein ausländischer Hersteller, dessen Medizinprodukte für die kommerzielle Vermarktung in den USA bestimmt sind, muss grundsätzlich seine entsprechende Establishment Registration bei der FDA durchführen.
Die FDA verlangt von den entsprechenden Establishments eine jährliche Registrierung. Die genauen Registrierungspflichten hängen von der Art der Tätigkeit ab.
Bei einem ausländischen Hersteller gehören dazu insbesondere Angaben über:
- das Establishment;
- die durchgeführten Tätigkeiten;
- die hergestellten bzw. bearbeiteten Produkte;
- den U.S. Agent; und
- gegebenenfalls weitere erforderliche Informationen.
Die Registrierung erfolgt elektronisch über das FDA-System.
13.6 Device Listing
Neben der Establishment Registration muss das Medizinprodukt – soweit erforderlich – auch gelistet werden.
Registration und Listing sind zwei unterschiedliche Vorgänge.
Die Registration beantwortet vereinfacht die Frage:
Wer ist das regulierte Establishment?
Das Listing beantwortet unter anderem:
Welche Medizinprodukte werden von diesem Establishment hergestellt oder bearbeitet?
Die FDA führt entsprechende Registrierungs- und Listing-Datenbanken.
Bei einem Produkt, das eine Premarket Submission wie eine 510(k) oder PMA benötigt, kann das Device Listing erst erfolgen, nachdem die entsprechende Submission gecleart bzw. genehmigt wurde.
Das ist ein wichtiger Punkt für die zeitliche Planung.
13.7 Registration ist keine FDA Approval
Auch hier ist eine häufige Fehlinterpretation zu vermeiden.
Ein Hersteller kann bei der FDA registriert sein und ein Produkt gelistet haben, ohne dass daraus automatisch eine FDA Clearance oder Approval folgt.
Die FDA unterscheidet klar zwischen:
Establishment Registration → Device Listing → Premarket Clearance/Approval
Diese Vorgänge haben unterschiedliche Funktionen.
Die Registrierung bedeutet nicht, dass die FDA das Unternehmen oder dessen Produkte „genehmigt“ hat.
Das ist auch der Grund, warum Aussagen wie
“FDA Registered”
nicht mit
“FDA Cleared”
oder
“FDA Approved”
gleichgesetzt werden dürfen.
13.8 Was passiert beim Import in die USA?
Wenn ein ausländischer Hersteller sein Produkt in die USA importiert, prüft die FDA unter anderem, ob die relevanten Angaben zu Hersteller, Importeur und Produkt mit den FDA-Daten übereinstimmen.
Die FDA beschreibt ausdrücklich, dass bei der Einfuhr unter anderem geprüft wird, ob der Hersteller und der entsprechende Importeur ordnungsgemäß registriert sind und ob das Produkt korrekt gelistet ist.
Wenn die erforderlichen Informationen nicht übereinstimmen oder die erforderliche Registration bzw. Listing fehlt, kann die FDA zusätzliche Informationen anfordern oder die Einfuhr zurückhalten bzw. verweigern.
Der Import ist daher nicht lediglich eine logistische Aufgabe.
Die regulatorischen Daten müssen mit den tatsächlichen Import- und Produktinformationen konsistent sein.
13.9 Der Hersteller bleibt für sein Produkt verantwortlich
Ein häufiger Irrtum besteht darin, anzunehmen, dass ein amerikanischer Distributor oder Importeur die FDA-Verantwortung des europäischen Herstellers vollständig übernehmen kann.
Das ist nicht grundsätzlich der Fall.
Der ausländische Hersteller bleibt für seine eigenen regulatorischen Verpflichtungen verantwortlich.
Dazu gehören – abhängig von Produkt und Rolle – unter anderem:
- Einhaltung der geltenden FDA-Anforderungen;
- korrekte Registration;
- Device Listing;
- Qualitätsmanagement;
- Labeling;
- Complaint Handling;
- MDR-Verpflichtungen;
- Kooperation bei FDA-Inspektionen; und
- die regulatorische Bewertung von Produktänderungen.
Die konkrete Aufgabenverteilung zwischen Hersteller, U.S. Agent und Initial Importer sollte deshalb vertraglich und organisatorisch eindeutig geregelt werden.
13.10 FDA-Inspektionen beim ausländischen Hersteller
Ein Hersteller außerhalb der USA ist nicht außerhalb der Reichweite der FDA.
Die FDA kann auch ausländische Herstellungsstätten inspizieren. Die FDA nennt ausländische Herstellungsstätten ausdrücklich als Einrichtungen, die einer FDA-Inspektion unterliegen können.
Das bedeutet praktisch:
Ein deutscher Hersteller sollte sein Qualitätsmanagementsystem nicht nur auf eine mögliche Zertifizierung oder die europäischen Anforderungen ausrichten, sondern auch darauf vorbereitet sein, die für die FDA relevanten Anforderungen nachweisen zu können.
Eine FDA-Inspektion sollte daher nicht als ausschließlich US-amerikanisches Problem betrachtet werden.
13.11 Die Rolle des Importeurs
Der Initial Importer hat ebenfalls eigene regulatorische Verpflichtungen.
Ein Initial Importer muss beispielsweise grundsätzlich bei der FDA registriert sein und die Hersteller der von ihm importierten Produkte identifizieren.
Damit entsteht eine regulatorische Verbindung zwischen:
Foreign Manufacturer ↔ U.S. Agent ↔ Initial Importer ↔ FDA
Diese Struktur sollte vor dem ersten kommerziellen Import eindeutig festgelegt sein.
13.12 Was ein europäischer Hersteller vor dem ersten Import klären sollte
Vor dem ersten Versand in die USA sollte der Hersteller mindestens folgende Punkte eindeutig geklärt haben:
| Frage | Warum relevant? |
| Welches Establishment ist der Hersteller? | Bestimmt die FDA Registration |
| Wer ist der U.S. Agent? | Verpflichtung für ausländische Hersteller |
| Wer ist der Initial Importer? | Eigene FDA-Anforderungen |
| Ist das Produkt korrekt klassifiziert? | Bestimmt den regulatorischen Weg |
| Ist eine Premarket Submission erforderlich? | Clearance/Approval ggf. vor Vermarktung |
| Ist das Produkt korrekt gelistet? | Voraussetzung für regulären Import, soweit Listing erforderlich |
| Ist das Labeling FDA-konform? | Bestandteil der Marktzulassung und Compliance |
| Ist das QMS geeignet? | Laufende Verpflichtung |
| Sind Complaint- und MDR-Prozesse vorhanden? | Postmarket Compliance |
| Sind Hersteller, U.S. Agent und Importeur korrekt in den FDA-Daten hinterlegt? | Vermeidung von Importproblemen |
13.13 Ein wichtiger Unterschied zu Europa
Für europäische Hersteller ist besonders wichtig, die Denkweise nicht einfach aus dem CE-System zu übertragen.
Ein europäisches Unternehmen kann beispielsweise bereits über:
- eine CE-Kennzeichnung;
- eine ISO-13485-Zertifizierung;
- einen europäischen Authorized Representative; und
- umfangreiche technische Dokumentation
verfügen.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass damit die US-Anforderungen erfüllt sind.
Für den US-Markt muss die gesamte Struktur anhand der FDA-Anforderungen geprüft werden.
Die praktische Konsequenz
Für einen ausländischen Hersteller besteht der US-Markteintritt daher aus mehr als der eigentlichen FDA Submission.
Die vollständige Struktur lautet vereinfacht:
Regulatory Pathway → erforderliche Clearance/Approval → Establishment Registration → Device Listing → U.S. Agent → Initial Importer → Import → laufende FDA Compliance
Wer diese Schritte erst nach Abschluss der technischen Zulassung betrachtet, riskiert unnötige Verzögerungen beim tatsächlichen Markteintritt.
Für europäische Hersteller ist deshalb eine der wichtigsten Fragen nicht nur:
„Ist unser Produkt FDA cleared?“
sondern:
„Sind wir als ausländischer Hersteller organisatorisch und regulatorisch vollständig darauf vorbereitet, dieses Produkt tatsächlich in den USA zu vermarkten und zu importieren?“
14. Qualitätsmanagement, Kennzeichnung und Postmarket-Verpflichtungen
Die FDA Clearance oder Approval ist nicht das Ende des regulatorischen Prozesses. Sobald ein Medizinprodukt in den USA vermarktet wird, muss der Hersteller weiterhin die geltenden Anforderungen an Qualität, Herstellung, Kennzeichnung, Complaint Handling, Meldung von Vorkommnissen, Korrekturmaßnahmen und weitere Postmarket-Aktivitäten erfüllen.
Für Hersteller, die in den US-Markt eintreten, ist deshalb eine wichtige Unterscheidung zu beachten:
Die FDA-Marktzulassung schafft die Grundlage für die Vermarktung des Produkts. Sie beendet jedoch nicht die laufenden regulatorischen Verpflichtungen des Herstellers.
14.1 Das Quality Management System
Das Qualitätsmanagement ist ein wesentlicher Bestandteil der FDA-Regulierung von Medizinprodukten.
Seit dem 2. Februar 2026 ist die Quality Management System Regulation (QMSR) der FDA wirksam. Sie hat 21 CFR Part 820 grundlegend geändert und integriert ISO 13485:2016 durch Verweis in die FDA-Regulierung. Die FDA beschreibt die Anforderungen der ISO 13485 insgesamt als weitgehend vergleichbar mit den früheren FDA Quality System Regulation-Anforderungen.
Für europäische Hersteller ist diese Änderung besonders relevant, weil ISO 13485 bereits in Europa und international weit verbreitet ist.
Wichtig bleibt jedoch:
Ein ISO-13485-Zertifikat bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche FDA-Anforderungen erfüllt sind.
Die QMSR ist eine FDA-Regulierung. ISO 13485 wurde darin integriert, gleichzeitig gelten weitere spezifische FDA-Anforderungen und deren regulatorische Auslegung.
Das Qualitätsmanagementsystem des Herstellers muss daher anhand der tatsächlich für seine Aktivitäten geltenden FDA-Anforderungen bewertet werden.
14.2 Was muss das Quality Management System kontrollieren?
Das Qualitätsmanagementsystem schafft den Rahmen dafür, wie ein Medizinprodukt entwickelt, hergestellt, bewertet, freigegeben und über seinen Lebenszyklus kontrolliert wird.
Abhängig vom Hersteller und Produkt können unter anderem folgende Prozesse relevant sein:
- Design und Entwicklung;
- Risikomanagement;
- Lieferantenkontrolle;
- Beschaffung;
- Produktion und Prozesskontrolle;
- Verification und Validation;
- Change Control;
- Dokumentenkontrolle;
- Complaint Handling;
- Umgang mit nichtkonformen Produkten;
- Corrective and Preventive Actions;
- Aufzeichnungen; und
- Monitoring und Measurement.
Dabei geht es nicht lediglich darum, möglichst viel Dokumentation zu erzeugen.
Das Quality Management System soll nachweisen können, dass der Hersteller in der Lage ist, kontinuierlich Produkte herzustellen, die ihre spezifizierten Eigenschaften und die geltenden regulatorischen Anforderungen erfüllen.
14.3 Design Controls und Produktänderungen
Für die entsprechenden Produkte sind Design- und Entwicklungsprozesse ein wichtiger Bestandteil des Qualitätsmanagements.
Der Hersteller muss die Entwicklung von
Design Input → Entwicklung → Verification → Validation → Design Transfer → Produktion
systematisch kontrollieren.
Die konkreten Anforderungen hängen vom Produkt und dem jeweils geltenden regulatorischen Rahmen ab.
Besonders wichtig wird dies, wenn das Produkt nach einer FDA Clearance oder Approval verändert wird.
Der Hersteller sollte nicht davon ausgehen, dass eine scheinbar kleine technische Änderung automatisch regulatorisch unbedeutend ist.
Beispiele sind:
- Änderung einer Komponente;
- Wechsel eines Lieferanten;
- Änderung der Hardware;
- Änderung der Software;
- Änderung von Materialien;
- Änderung des Herstellungsprozesses;
- Änderung der Verpackung; oder
- Änderung des Labelings oder der Produkt-Claims.
Die Änderung sollte über den etablierten Change-Control-Prozess bewertet werden. Dabei muss festgestellt werden, ob zusätzliche Verification, Validation, Dokumentation oder regulatorische Maßnahmen erforderlich sind.
14.4 Anforderungen an das Labeling
Die Kennzeichnung von Medizinprodukten ist ein weiterer wichtiger Bereich der laufenden FDA-Compliance.
Die allgemeinen FDA-Anforderungen an das Device Labeling finden sich insbesondere in 21 CFR Part 801. Dabei gelten für bestimmte Gerätetypen zusätzliche Anforderungen.
Labeling umfasst dabei nicht nur Informationen, die unmittelbar auf dem Produkt aufgedruckt sind.
Abhängig vom Produkt können beispielsweise folgende Informationen relevant sein:
- Produktidentifikation;
- Angaben zum Hersteller;
- Intended Use;
- Gebrauchsanweisung;
- Warnhinweise;
- Vorsichtsmaßnahmen;
- Kontraindikationen;
- Bedienungsanweisungen; und
- weitere Informationen, die für eine sichere und bestimmungsgemäße Verwendung erforderlich sind.
Die konkreten Anforderungen hängen vom jeweiligen Produkt und seinem regulatorischen Status ab.
14.5 Das Labeling muss mit den regulatorischen Nachweisen übereinstimmen
Ein besonders wichtiger Grundsatz ist die Konsistenz zwischen den Produkt-Claims und den Nachweisen, die diese Claims unterstützen.
Ein Hersteller sollte beispielsweise nicht einfach einen neuen Claim einführen, weil das Produkt technisch scheinbar in der Lage ist, eine zusätzliche Funktion auszuführen.
Es muss geprüft werden, ob dieser neue Claim durch
- Intended Use;
- Risikobewertung;
- Verification und Validation;
- Performance Testing;
- gegebenenfalls klinische Evidenz;
- Labeling; und
- die bestehende FDA-regulatorische Grundlage
ausreichend unterstützt wird.
Dies ist besonders relevant, wenn Marketingabteilungen Produktclaims nach einer Clearance oder Approval verändern.
Auch eine scheinbar kleine Änderung der Formulierung kann regulatorische Konsequenzen haben.
14.6 Complaint Handling
Sobald ein Produkt auf dem Markt ist, benötigt der Hersteller ein Verfahren zur Erfassung und Bewertung von Complaints.
Eine Complaint kann beispielsweise Informationen enthalten über:
- Fehlfunktionen;
- Performance-Probleme;
- Probleme mit dem Labeling;
- Probleme bei der Anwendung;
- Sicherheitsbedenken;
- Adverse Events; oder
- andere produktbezogene Probleme.
Der Hersteller muss bewerten, ob die Information beispielsweise
- ein meldepflichtiges Ereignis darstellt;
- untersucht werden muss;
- ein Qualitätsproblem erkennen lässt; oder
- eine Corrective Action erforderlich machen kann.
Complaint Handling verbindet damit mehrere Bereiche des Qualitäts- und Regulierungssystems.
Vereinfacht kann der Prozess so aussehen:
Complaint → Evaluation → Investigation → Risk Assessment → MDR Assessment → Corrective Action, falls erforderlich
Nicht jede Complaint führt zu einer FDA-Meldung oder einer Corrective Action. Jede Complaint muss entsprechend den geltenden Verfahren und Anforderungen bewertet werden.
14.7 Medical Device Reporting (MDR)
Die FDA-Regulierung zum Medical Device Reporting (MDR), 21 CFR Part 803, enthält verbindliche Meldeanforderungen für bestimmte Vorkommnisse und Fehlfunktionen von Medizinprodukten.
Für Hersteller und Importeure können insbesondere Ereignisse meldepflichtig sein, bei denen ein Medizinprodukt:
- möglicherweise zum Tod oder zu einer schweren Verletzung beigetragen hat; oder
- eine Fehlfunktion aufweist, die bei Wiederholung wahrscheinlich zum Tod oder zu einer schweren Verletzung führen könnte.
Hersteller müssen individuelle MDR Reports grundsätzlich innerhalb des jeweils geltenden Zeitraums einreichen, sobald sie von einem meldepflichtigen Ereignis Kenntnis erlangen.
Die FDA nennt 30 Tage als allgemeine Frist für einzelne Manufacturer Reports nach 21 CFR 803.50. Unter bestimmten Umständen gelten zusätzliche oder abweichende Anforderungen, beispielsweise für bestimmte Fünf-Tage-Meldungen.
Deshalb sollte ein Hersteller bereits vor dem Markteintritt über ein dokumentiertes MDR-Verfahren verfügen.
14.8 Elektronische MDR-Meldung
Hersteller und Importeure reichen MDR Reports grundsätzlich elektronisch ein.
Das aktuelle elektronische MDR-System der FDA verwendet das Electronic Submissions Gateway (ESG) NextGen Unified Submission Portal.
Die FDA weist darauf hin, dass das ESG NextGen Unified Submission Portal seit dem 14. April 2025 die frühere WebTrader-Oberfläche ersetzt.
Für Hersteller bedeutet dies praktisch:
Die Prozesse für die Bewertung und Meldung potenziell meldepflichtiger Ereignisse sollten eingerichtet sein, bevor das Produkt kommerziell vertrieben wird.
Postmarket Reporting sollte nicht erst entwickelt werden, wenn das erste potenzielle MDR-Ereignis auftritt.
14.9 Corrective Actions und Removals
Nicht jedes Produktproblem führt automatisch zu einem Recall.
Wenn ein Hersteller jedoch ein Sicherheits- oder Compliance-Problem erkennt, muss bewertet werden, welche Maßnahmen erforderlich sind.
Mögliche Maßnahmen können beispielsweise sein:
- Untersuchung;
- Korrektur des Produkts;
- Software-Update;
- Information der Kunden;
- Austausch;
- Entfernung von Produkten aus dem Markt; oder
- Recall.
Welche Maßnahme angemessen ist, hängt von der Art und Schwere des Problems ab.
Der Hersteller benötigt deshalb Verfahren, mit denen potenziell fehlerhafte oder nichtkonforme Produkte identifiziert, bewertet und kontrolliert werden können.
14.10 Postmarket Surveillance
Informationen aus dem Markt liefern wichtige Erkenntnisse über die tatsächliche Performance eines Medizinprodukts.
Informationen können beispielsweise stammen von:
- Complaints;
- Distributoren;
- medizinischem Fachpersonal;
- Patienten;
- Serviceorganisationen;
- Adverse-Event-Meldungen;
- zurückgesendeten Produkten;
- Beobachtungen im Feld; und
- anderen Quellen.
Dabei können Probleme erkannt werden, die während der Produktentwicklung oder des Pre-Market Testing nicht erkennbar waren.
Postmarket-Informationen sollten deshalb in die laufenden Risiko- und Qualitätsprozesse des Herstellers einfließen.
14.11 FDA-Inspektionen nach dem Markteintritt
Die FDA-Aufsicht endet nicht mit der Markteinführung eines Medizinprodukts.
Die FDA kann Herstellungsstätten von Medizinprodukten inspizieren, um die Einhaltung der geltenden Anforderungen zu überprüfen.
Seit dem 2. Februar 2026 verwendet die FDA ihren aktualisierten Inspektionsansatz im Zusammenhang mit der QMSR anstelle der früheren Quality System Inspection Technique (QSIT).
Während einer Inspektion können relevante Prozesse und Aufzeichnungen des Qualitätsmanagementsystems überprüft werden.
Die FDA weist ausdrücklich darauf hin, dass beispielsweise Management Reviews, Quality Audits und Supplier Audit Reports im Rahmen der QMSR grundsätzlich Gegenstand einer Inspektion sein können.
Ein Hersteller sollte deshalb dauerhaft auf eine mögliche Inspektion vorbereitet sein und nicht erst dann Dokumente zusammenstellen, wenn eine Inspektion angekündigt wurde.
14.12 Was sollte vor dem Markteintritt vorhanden sein?
Vor Beginn des kommerziellen Vertriebs sollte ein Hersteller nicht nur die Dokumentation für den Markteintritt vorbereitet haben.
Er sollte auch die organisatorischen Prozesse eingerichtet haben, die erforderlich sind, um die Compliance anschließend aufrechtzuerhalten.
Abhängig vom Produkt und regulatorischen Weg können dazu gehören:
| Bereich | Zweck |
| Quality Management System | Kontrolle von Entwicklung und Herstellung |
| Change Control | Bewertung von Produkt- und Prozessänderungen |
| Complaint Handling | Erfassung und Bewertung von Problemen aus dem Markt |
| MDR Procedure | Identifikation und Meldung meldepflichtiger Ereignisse |
| CAPA Processes | Behandlung wiederkehrender oder systematischer Probleme |
| Labeling Control | Kontrolle der Produktinformationen |
| Supplier Controls | Kontrolle kritischer Lieferanten |
| Postmarket Monitoring | Erkennung neuer Produktrisiken |
| Recall/Correction Procedure | Reaktion auf schwerwiegende Produktprobleme |
| Regulatory Assessment | Bewertung regulatorischer Auswirkungen von Änderungen |
Die konkreten Anforderungen hängen vom Hersteller, Produkt und den jeweils geltenden FDA-Regelungen ab.
14.13 FDA Compliance endet nicht mit der Clearance oder Approval
Die Beziehung zwischen Hersteller und FDA endet nicht mit der Clearance oder Approval eines Medizinprodukts.
Der Lifecycle kann vereinfacht dargestellt werden als:
Entwicklung → Submission → Clearance/Approval → Herstellung → Vertrieb → Complaint Handling → Postmarket Monitoring → Change Control → Corrective Action, falls erforderlich
Informationen aus einer Phase können dabei Auswirkungen auf eine andere Phase haben.
Beispielsweise:
Postmarket Complaint → neues oder bisher unbekanntes Risiko → Risikobewertung → Designänderung → Verification/Validation → regulatorische Bewertung
Deshalb sollte FDA Compliance als integriertes System und nicht als einmaliges Approval-Projekt betrachtet werden.
14.14 Die praktische Konsequenz
Der wichtigste Punkt für Hersteller ist einfach:
FDA Compliance endet nicht, wenn das Produkt den US-Markt erreicht.
Der Hersteller muss das Produkt, seine Herstellungsprozesse, sein Labeling, sein Quality Management System und die Informationen aus dem Markt kontinuierlich kontrollieren.
Für Unternehmen, die bereits mit ISO 13485 arbeiten, schafft die seit dem 2. Februar 2026 geltende QMSR eine deutlich engere Verbindung zwischen dem US-amerikanischen und dem internationalen Qualitätsmanagementansatz. Trotzdem müssen Hersteller die spezifischen FDA-Anforderungen für ihre Produkte und Tätigkeiten weiterhin eigenständig berücksichtigen.
Das Ziel sollte daher nicht lediglich sein:
„FDA Clearance oder Approval erhalten.“
Sondern:
„Ein System etablieren, mit dem FDA Compliance während der gesamten kommerziellen Lebensdauer des Medizinprodukts aufrechterhalten werden kann.“
15. FDA-Gebühren und Kosten für Medizinprodukte
FDA Compliance verursacht mehr Kosten als nur die eigentliche Gebühr für eine FDA Submission. Abhängig vom Medizinprodukt, dem regulatorischen Weg, der Unternehmensstruktur und den Aktivitäten in den USA können unterschiedliche Kosten entstehen.
Für Hersteller ist deshalb nicht nur die Frage relevant:
„Wie viel kostet eine FDA-Zulassung?“
Sinnvoller ist die Frage:
„Welche Kosten entstehen für unser konkretes Medizinprodukt, den gewählten regulatorischen Weg und die geplante Marktstruktur in den USA?“
15.1 FDA-Gebühren sind nicht für jedes Produkt gleich
Es gibt keine einheitliche FDA-Gebühr für Medizinprodukte.
Die anfallenden Gebühren hängen insbesondere von der jeweiligen regulatorischen Aktivität ab.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Gebühren für Premarket Submissions;
- Gebühren für Establishment Registration;
- bestimmte jährliche Gebühren;
- Gebühren für bestimmte ergänzende regulatorische Verfahren; und
- weitere Gebühren für bestimmte FDA-Leistungen.
Die FDA veröffentlicht für jedes Geschäftsjahr eine eigene Gebührenordnung für Medizinprodukte.
Für das Geschäftsjahr 2026 (FY 2026) veröffentlicht die FDA beispielsweise unterschiedliche Gebühren für verschiedene Submission-Typen und Establishments. Für Unternehmen, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen, können außerdem Small-Business-Reduzierungen oder Befreiungen gelten.
Deshalb sollten konkrete Gebühren immer anhand der aktuellen FDA-Gebührenordnung geprüft werden und nicht anhand älterer Artikel oder historischer Gebühren.
15.2 Gebühren für Premarket Submissions
Eine der wichtigsten möglichen FDA-Kosten ist die Gebühr für die jeweilige Premarket Submission.
Abhängig vom regulatorischen Weg können beispielsweise Gebühren für folgende Verfahren anfallen:
- 510(k);
- De Novo Request;
- PMA;
- PMA Supplements; und
- bestimmte weitere Submission-Typen.
Die FDA veröffentlicht für diese verschiedenen Kategorien jeweils eigene Gebühren.
Die an FDA gezahlte Gebühr ist jedoch nur ein Bestandteil der Gesamtkosten.
Zusätzlich können beispielsweise Kosten entstehen für:
- Regulatory Consulting;
- Prüfungen;
- Laborleistungen;
- klinische Untersuchungen, soweit erforderlich;
- technische Dokumentation;
- statistische Auswertungen;
- Software- und Cybersecurity-Bewertungen;
- Biokompatibilitätsprüfungen;
- elektrische Sicherheits- und EMV-Prüfungen; und
- Vorbereitung und Review der Submission.
Je nach Medizinprodukt können diese externen Kosten die eigentliche FDA-Gebühr deutlich übersteigen.
15.3 Kosten beim 510(k)-Verfahren
Für ein Medizinprodukt, das eine 510(k) benötigt, fällt grundsätzlich eine entsprechende 510(k)-User-Fee an, sofern keine einschlägige Befreiung oder Reduzierung greift.
Die konkrete Höhe ändert sich von Geschäftsjahr zu Geschäftsjahr.
Für die Projektplanung sollte deshalb immer die aktuelle FDA-Gebührenordnung herangezogen werden.
Die 510(k)-Gebühr ist allerdings nur die Gebühr für die Einreichung.
Zusätzliche Kosten können beispielsweise entstehen durch:
Regulatory Strategy → Identifikation des Predicate Device → Gap Assessment → Testing → Technical Documentation → 510(k)-Vorbereitung → FDA Submission
Jeder dieser Schritte kann zusätzliche interne oder externe Kosten verursachen.
15.4 Kosten beim De-Novo-Verfahren
Der De-Novo-Prozess ist für bestimmte neuartige Medizinprodukte vorgesehen, für die kein geeignetes Predicate Device existiert, die aber nach den geltenden Kriterien grundsätzlich in Class I oder Class II eingeordnet werden können.
Auch für einen De-Novo Request fällt eine eigene FDA-Gebühr an.
Da der regulatorische Weg sich von einem klassischen 510(k)-Verfahren unterscheidet, kann auch der Umfang der erforderlichen technischen und regulatorischen Vorbereitung unterschiedlich sein.
Ein De-Novo-Verfahren sollte deshalb nicht einfach als „teurer 510(k)“ betrachtet werden.
Der regulatorische Weg sollte bereits festgelegt werden, bevor umfangreiche Prüfungen und Dokumentationsarbeiten gestartet werden.
15.5 Kosten bei einer PMA
Die Premarket Approval (PMA) ist grundsätzlich mit wesentlich umfangreicheren regulatorischen Nachweisen verbunden als eine typische 510(k).
Entsprechend unterscheiden sich auch die FDA-Gebühren.
Noch wichtiger ist jedoch, dass die Gesamtkosten eines PMA-Projekts deutlich höher sein können, weil umfangreiche Nachweise erforderlich sein können, beispielsweise:
- Nonclinical Testing;
- klinische Evidenz;
- Herstellungsinformationen;
- Risikobewertungen;
- statistische Auswertungen;
- technische Dokumentation; und
- umfangreiche Interaktionen mit der FDA.
Die FDA-Gebühr ist daher bei einer PMA nur ein Teil der gesamten Projektkosten.
15.6 Small-Business-Regelungen
Die FDA berücksichtigt, dass User Fees insbesondere für kleinere Unternehmen eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen können.
Für bestimmte FDA-Gebühren können Unternehmen deshalb Small-Business-Reduzierungen oder Befreiungen erhalten, wenn sie die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen.
Die Einstufung richtet sich nach spezifischen FDA-Kriterien und kann unter anderem finanzielle Informationen des Unternehmens und gegebenenfalls verbundener Unternehmen berücksichtigen.
Wichtig:
Ein Unternehmen sollte nicht allein aufgrund seiner geringen Mitarbeiterzahl davon ausgehen, automatisch als Small Business für FDA User Fees zu gelten.
Vor der Budgetplanung sollte daher die aktuelle FDA-Regelung und der entsprechende Small-Business-Zertifizierungsprozess geprüft werden.
15.7 Gebühren für Establishment Registration
Hersteller sollten außerdem zwischen Premarket Submission Fees und Establishment Registration Fees unterscheiden.
Dabei handelt es sich um unterschiedliche regulatorische Aktivitäten.
Je nach Establishment und Tätigkeit kann eine jährliche Registration Fee anfallen.
Damit können FDA-bezogene Kosten auch nach der eigentlichen Marktzulassung beziehungsweise Clearance weiterlaufen.
Vereinfacht kann die Kostenstruktur beispielsweise so aussehen:
Premarket Submission Fee → Clearance/Approval → Establishment Registration und gegebenenfalls jährliche Gebühren → laufende Compliance
Die konkreten Verpflichtungen hängen von der jeweiligen Tätigkeit und dem Establishment ab.
15.8 Kosten für Prüfungen
Prüfungen können einen der größten Kostenblöcke eines FDA-Projekts darstellen.
Die FDA führt die für den Hersteller erforderlichen technischen Prüfungen grundsätzlich nicht selbst als kommerzielles Prüflabor durch.
Der Hersteller muss die für seine Submission erforderlichen Nachweise bereitstellen.
Je nach Medizinprodukt können dazu beispielsweise gehören:
- elektrische Sicherheit;
- EMV;
- Wireless Testing;
- Biokompatibilität;
- Sterilisationsvalidierung;
- Verpackungsvalidierung;
- Software Verification und Validation;
- Cybersecurity-Bewertung;
- mechanische Prüfungen;
- Umwelttests;
- Performance Testing; und
- klinische Untersuchungen.
Das konkrete Prüfprogramm hängt stark vom Produkt ab.
Deshalb gibt es keinen sinnvollen pauschalen Preis für „FDA Testing“.
15.9 Pre-Compliance Testing kann Kosten reduzieren
Pre-Compliance Testing kann während der Entwicklung einen wichtigen wirtschaftlichen Nutzen haben.
Ein Problem, das erst während einer formalen Testkampagne entdeckt wird, kann beispielsweise zu folgendem Ablauf führen:
Failure → Redesign → zusätzliche Entwicklungsarbeit → Wiederholung der Prüfung → Aktualisierung der Dokumentation
Wird das Problem dagegen bereits vorher erkannt, kann der Ablauf beispielsweise sein:
Frühe Erkenntnis → Designanpassung → gezielter Re-Test → finale Verification
Pre-Compliance Testing ersetzt dabei nicht die formalen Nachweise, die für das jeweilige Medizinprodukt erforderlich sind.
Der wirtschaftliche Nutzen liegt vielmehr darin, technische Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, bevor daraus teure Verzögerungen oder Wiederholungsprüfungen entstehen.
Die relevante Frage lautet daher nicht nur:
„Was kostet das Pre-Compliance Testing?“
sondern auch:
„Was kostet es, wenn das Problem erst während der finalen Compliance-Prüfung entdeckt wird?“
15.10 Klinische Evidenz kann die Kostenstruktur erheblich verändern
Bei bestimmten Medizinprodukten kann klinische Evidenz einen erheblichen Teil der regulatorischen Gesamtkosten ausmachen.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Planung der klinischen Untersuchung;
- Studienzentren;
- Prüfärzte;
- Rekrutierung von Patienten;
- Monitoring;
- statistische Auswertung;
- klinische Dokumentation; und
- regulatorisches Projektmanagement.
Ob klinische Evidenz erforderlich ist, hängt unter anderem vom Medizinprodukt, dem regulatorischen Weg, der Intended Use, dem Risikoprofil und der bereits vorhandenen Evidenz ab.
Deshalb sollte diese Frage bereits im Rahmen der Regulatory Strategy geklärt werden und nicht erst am Ende des Projekts.
15.11 Kosten für U.S. Agent und Marktstruktur
Ausländische Hersteller können zusätzlich Kosten für ihre US-Marktstruktur haben.
Dazu können gehören:
- U.S.-Agent-Leistungen;
- Initial-Importer-Aktivitäten;
- regulatorische Vertretung;
- Lagerhaltung;
- Distribution;
- Zoll und Logistik; und
- lokale regulatorische Unterstützung.
Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um FDA-Gebühren.
Sie gehören jedoch zu den Gesamtkosten des US-Markteintritts.
Für europäische Hersteller ist diese Unterscheidung wichtig, wenn ein realistisches Marktbudget erstellt werden soll.
15.12 Auch Verzögerungen können erhebliche Kosten verursachen
Die direkte FDA-Gebühr ist nur ein Teil des finanziellen Risikos.
Zusätzliche Fragen oder Deficiencies während des FDA Reviews können beispielsweise zu folgenden zusätzlichen Arbeiten führen:
- zusätzliche Prüfungen;
- technische Änderungen;
- zusätzliche Dokumentation;
- Regulatory Consulting;
- zusätzlicher interner Arbeitsaufwand;
- Verzögerung des Markteintritts;
- zusätzliche Laborkosten; und
- verschobene Umsätze.
Die Qualität der Submission kann deshalb einen direkten wirtschaftlichen Einfluss haben.
Das Ziel sollte nicht lediglich sein, die niedrigsten unmittelbaren regulatorischen Kosten zu erreichen.
Wichtiger ist:
Die Gesamtkosten für den erfolgreichen und nachhaltigen Marktzugang zu minimieren.
15.13 Ein realistisches FDA-Projektbudget
Bei der Planung eines US-Markteintritts sollte ein Hersteller mindestens folgende Kostenkategorien berücksichtigen:
| Kostenkategorie | Typische Relevanz |
| Regulatory Strategy | Nahezu immer |
| FDA User Fee | Abhängig vom regulatorischen Weg |
| Testing | Stark produktabhängig |
| Pre-Compliance Testing | Optional, aber potenziell wertvoll |
| Klinische Evidenz | Abhängig von Produkt und Pathway |
| Technische Dokumentation | Nahezu immer |
| Regulatory Consulting | Abhängig von internen Ressourcen |
| U.S. Agent | Relevant für ausländische Hersteller |
| Establishment Registration | Soweit erforderlich |
| Initial Importer | Abhängig von der Vertriebsstruktur |
| Labeling | Nahezu immer |
| Quality Management System | Laufend |
| Postmarket Compliance | Laufend |
| Design Changes und Re-Testing | Abhängig vom Projektrisiko |
Der entscheidende Punkt ist:
Die FDA-Gebühr ist nur eine Position im Gesamtbudget.
15.14 Kosten sollten erst nach Festlegung des Regulatory Pathway kalkuliert werden
Ein häufiger Fehler besteht darin, die vollständigen FDA-Kosten berechnen zu wollen, bevor überhaupt feststeht, welcher regulatorische Weg für das Medizinprodukt gilt.
Ein sinnvollerer Ablauf ist:
1. Produkt definieren
↓
2. Intended Use festlegen
↓
3. Klassifizierung bestimmen
↓
4. Regulatory Pathway bestimmen
↓
5. Erforderliche Evidenz identifizieren
↓
6. Prüf- und Dokumentationsstrategie definieren
↓
7. Gesamtkosten kalkulieren
Erst danach lässt sich eine belastbare Kostenschätzung erstellen.
Das ist bei Medizinprodukten besonders wichtig, weil zwei technisch ähnliche Produkte aufgrund unterschiedlicher Intended Use, Klassifizierung, Predicate Strategy oder Risikoprofile sehr unterschiedliche regulatorische und technische Anforderungen haben können.
15.15 Die praktische Konsequenz
Es gibt keinen pauschalen Preis für FDA Market Access.
Die Gesamtkosten ergeben sich aus der Kombination von:
Produkt + Intended Use + Klassifizierung + Regulatory Pathway + Evidence Requirements + Testing + Submission + Marktstruktur + laufende Compliance
Die FDA User Fee ist deshalb nur ein Bestandteil der finanziellen Gesamtbetrachtung.
Für Hersteller liegt eine der effektivsten Möglichkeiten zur Kostenkontrolle darin, die Regulatory Strategy vor Beginn des vollständigen Prüf- und Dokumentationsprogramms festzulegen.
Ein klar definierter regulatorischer Weg kann unnötige Prüfungen vermeiden, ungeeignete Submissions verhindern und das Risiko teurer Designänderungen und Wiederholungsprüfungen im späteren Projektverlauf reduzieren.
16. Was passiert nach der FDA Submission?
Die Einreichung einer FDA Submission ist nicht das Ende des regulatorischen Prozesses. Nachdem die Unterlagen bei der FDA eingegangen sind, prüft die Behörde die eingereichten Informationen und entscheidet, ob die vorgelegten Nachweise für die beantragte regulatorische Entscheidung ausreichen.
Der genaue Ablauf hängt vom gewählten Regulatory Pathway ab. Ein 510(k)-Verfahren, ein De-Novo-Verfahren und eine PMA werden nicht identisch geprüft.
Das Grundprinzip ist jedoch gleich:
Die FDA bewertet, ob die eingereichten Informationen eine ausreichende Grundlage für die beantragte regulatorische Entscheidung darstellen.
Wenn Informationen fehlen oder während der Prüfung Fragen entstehen, kann der Hersteller die Möglichkeit erhalten, darauf zu reagieren.
16.1 Der Review-Prozess hängt vom Regulatory Pathway ab
Die FDA verwendet verschiedene regulatorische Wege für Medizinprodukte.
Die wichtigsten in diesem Guide behandelten Verfahren sind:
- 510(k) Premarket Notification
- De Novo Classification Request
- Premarket Approval (PMA)
Ein 510(k) wird grundsätzlich verwendet, wenn ein rechtmäßig vermarktetes Predicate Device als Grundlage für den Nachweis der Substantial Equivalence dienen kann.
Ein De Novo Classification Request kann für bestimmte neuartige Medizinprodukte verwendet werden, für die kein geeignetes Predicate Device existiert, die aber grundsätzlich als Class I oder Class II eingestuft werden können.
Die PMA ist der strengste dieser Wege und betrifft grundsätzlich bestimmte Class-III-Produkte, für die eine Premarket Approval erforderlich ist.
Der konkrete Review-Prozess und die möglichen Entscheidungen hängen daher vom jeweiligen Regulatory Pathway ab.
16.2 Was passiert, wenn die FDA die Submission erhält?
Zunächst erfolgt grundsätzlich eine administrative beziehungsweise initiale Prüfung.
Dabei wird überprüft, ob die Submission die Informationen enthält, die für die weitere Prüfung erforderlich sind.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung zu beachten:
Die Annahme einer Submission bedeutet nicht, dass die FDA den regulatorischen Ansatz des Herstellers bereits akzeptiert hat.
Sie bedeutet vielmehr, dass die Submission die entsprechenden initialen Anforderungen erfüllt und in die eigentliche Prüfung übergehen kann.
Bei einer PMA führt die FDA beispielsweise zunächst eine Acceptance- und Filing-Prüfung durch. Eine PMA gilt als „filed“, wenn sie ausreichend vollständig ist, um in die detaillierte inhaltliche Prüfung überzugehen.
Auch bei anderen Verfahren gilt deshalb:
Acceptance ist nicht gleich Clearance oder Approval.
16.3 Die inhaltliche Prüfung
Nach der initialen Prüfung beginnt die eigentliche Substantive Review.
Hier bewertet die FDA die regulatorischen und technischen Inhalte der Submission.
Abhängig vom Medizinprodukt und Regulatory Pathway können beispielsweise folgende Bereiche geprüft werden:
- Intended Use;
- Klassifizierung;
- technische Eigenschaften;
- Sicherheit;
- Wirksamkeit;
- Performance;
- Risikoinformationen;
- Nonclinical Testing;
- klinische Evidenz;
- Labeling;
- Herstellungsinformationen; und
- weitere für den jeweiligen Regulatory Pathway relevante Informationen.
Je nach Technologie können dabei unterschiedliche FDA-Fachbereiche und Spezialisten beteiligt sein.
Bei einer PMA beschreibt die FDA beispielsweise eine umfassende wissenschaftliche, regulatorische und qualitätsbezogene Prüfung, die unter anderem Nonclinical- und Clinical Studies sowie Herstellungsinformationen umfassen kann.
16.4 Die FDA kann zusätzliche Informationen verlangen
Ein FDA Review führt nicht zwangsläufig unmittelbar zu einer Entscheidung mit „Ja“ oder „Nein“.
Während der Prüfung kann die FDA Fragen oder Deficiencies feststellen, die zusätzliche Informationen erfordern.
Bei einem 510(k) kann die FDA beispielsweise eine Interactive Review durchführen oder eine Additional Information (AI) Request stellen.
Bei einer AI Request wird die Submission grundsätzlich auf Hold gesetzt und der Hersteller muss die angeforderten Informationen innerhalb des geltenden Zeitraums einreichen.
Die angeforderten Informationen können beispielsweise betreffen:
- fehlende Prüfdaten;
- Klarstellungen zur Produktbeschreibung;
- zusätzliche technische Nachweise;
- die Intended Use;
- zusätzliche Sicherheitsinformationen;
- Performance-Daten;
- Labeling; oder
- andere während des Reviews festgestellte Deficiencies.
Das zeigt, warum die Qualität der ursprünglichen Submission so wichtig ist.
16.5 Interactive Review
Die FDA kann bestimmte Deficiencies auch über eine Interactive Review klären, ohne die Submission formal auf Hold zu setzen.
Dabei kann der FDA Reviewer mit dem Hersteller kommunizieren und zusätzliche Informationen oder Klarstellungen anfordern.
Für 510(k)-Submissions beschreibt die FDA Interactive Review als Verfahren, mit dem offene Deficiencies innerhalb des geltenden Review-Zeitraums geklärt werden können. Die Kommunikation kann beispielsweise per E-Mail oder Telefon erfolgen.
Das kann den Review-Prozess effizienter machen.
Es bedeutet jedoch nicht, dass die Submission von Anfang an unvollständig sein sollte.
Die angeforderten Informationen müssen weiterhin korrekt bewertet, erstellt und über den vorgesehenen FDA-Prozess eingereicht werden.
16.6 Was passiert bei einer Additional Information Request?
Eine Additional Information Request ist mehr als eine einfache Rückfrage eines Reviewers.
Bei einem 510(k) wird die Submission nach einer AI Request grundsätzlich auf Hold gesetzt.
Der Hersteller hat normalerweise 180 Kalendertage ab dem Datum der AI Request, um eine vollständige Antwort einzureichen. Die FDA weist darauf hin, dass diese Frist nicht verlängert wird.
Wird innerhalb dieser 180 Tage keine vollständige Antwort eingereicht, gilt die 510(k) als zurückgezogen und wird aus dem FDA Review System gelöscht. Wenn der Hersteller die Clearance weiterhin anstrebt, muss anschließend eine neue 510(k) eingereicht werden.
Für das Projektmanagement bedeutet das:
FDA Question → interne Bewertung → zusätzliche Nachweise → Antwort vorbereiten → Response einreichen
Nach Erhalt einer AI Request sollte der Hersteller deshalb schnell reagieren.
16.7 Bedeutet eine FDA-Rückfrage automatisch, dass eine komplett neue Submission erforderlich ist?
Nein.
Dass die FDA zusätzliche Informationen verlangt, bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte Regulatory Strategy gescheitert ist.
Je nach Problem kann die Submission beispielsweise durch folgende Informationen ergänzt werden:
- Klarstellungen;
- zusätzliche Dokumentation;
- zusätzliche Testdaten;
- überarbeitete Analysen;
- zusätzliche Labeling-Informationen; oder
- andere von der FDA angeforderte Nachweise.
Entscheidend ist deshalb die Unterscheidung zwischen:
„FDA benötigt zusätzliche Informationen“
und
„FDA hat festgestellt, dass das Produkt die Voraussetzungen für die beantragte regulatorische Entscheidung nicht erfüllt.“
Das sind zwei völlig unterschiedliche Situationen.
16.8 Was passiert bei einem 510(k)?
Ziel einer 510(k) ist der Nachweis der Substantial Equivalence zu einem rechtmäßig vermarkteten Predicate Device.
Die FDA bewertet dabei insbesondere, ob das neue Produkt dieselbe Intended Use wie das Predicate Device besitzt und ob Unterschiede in den technologischen Eigenschaften neue Fragen hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit aufwerfen.
Wenn die FDA die Anforderungen an die Substantial Equivalence als erfüllt betrachtet, erhält das Produkt eine 510(k) Clearance.
Die Terminologie ist wichtig:
Ein 510(k)-Produkt wird grundsätzlich „cleared“ und nicht „FDA approved“.
Die FDA unterscheidet ausdrücklich zwischen dem 510(k)-Clearance-Prozess und der PMA-Approval.
16.9 Was passiert, wenn ein 510(k)-Produkt nicht substantially equivalent ist?
Wenn die FDA feststellt, dass das Produkt Not Substantially Equivalent (NSE) zum Predicate Device ist, kann über den 510(k)-Weg keine Clearance erteilt werden.
Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass das Produkt niemals auf dem US-Markt angeboten werden kann.
Abhängig von den Umständen kann beispielsweise ein anderer Regulatory Pathway relevant werden.
Für bestimmte neuartige Produkte kann insbesondere ein De Novo Classification Request in Betracht kommen.
Die FDA sieht das De-Novo-Verfahren ausdrücklich für bestimmte Produkte vor, für die kein rechtmäßig vermarktetes Predicate Device existiert, die aber grundsätzlich als Class I oder Class II klassifiziert werden können.
Bevor der Hersteller einen neuen Antrag vorbereitet, sollte deshalb zunächst analysiert werden, warum die FDA zu einer NSE-Entscheidung gekommen ist.
16.10 Was passiert bei einem De-Novo-Verfahren?
Auch ein De Novo Classification Request durchläuft zunächst eine Acceptance Review und anschließend eine inhaltliche Prüfung.
Während der Substantive Review bewertet die FDA unter anderem, ob das Produkt die Voraussetzungen für eine De-Novo-Klassifizierung erfüllt und welcher risikobasierte Classification Pathway angemessen ist.
Auch hier können zunächst Fragen über Interactive Review geklärt werden.
Wenn die offenen Punkte dadurch nicht gelöst werden können, kann die FDA eine Additional Information Letter ausstellen und weitere Informationen verlangen.
Bei einem erfolgreichen De-Novo-Verfahren wird das Produkt als Class I oder Class II klassifiziert.
Wichtig ist außerdem:
Ein durch De Novo klassifiziertes Produkt kann unter den entsprechenden Voraussetzungen später als Predicate Device für zukünftige 510(k)-Submissions dienen.
16.11 Was passiert bei einer PMA?
Das PMA-Verfahren ist deutlich umfangreicher.
Die FDA beschreibt den PMA Review grundsätzlich als mehrstufigen Prozess, der unter anderem folgende Elemente umfassen kann:
- Acceptance und Filing Review;
- wissenschaftliche, regulatorische und qualitätsbezogene Substantive Review;
- gegebenenfalls Review durch ein Advisory Committee; und
- finale FDA-Entscheidung.
Während der Substantive Review kann die FDA Deficiency Letters ausstellen und zusätzliche Informationen verlangen.
Je nach Produkt und Submission kann die FDA außerdem Manufacturing Inspections durchführen und klinische Studien beziehungsweise deren Daten prüfen.
Mögliche FDA-Entscheidungen bei einer PMA umfassen unter anderem:
- Approval Order
- Approvable Letter
- Not Approvable Letter
- Order Denying Approval
16.12 Was bedeutet eine Approvable Letter?
Eine Approvable Letter bedeutet, dass die FDA die PMA grundsätzlich als ausreichend für eine Approval betrachtet, aber noch bestimmte zusätzliche Informationen oder Bedingungen erfüllt werden müssen.
Der Hersteller kann beispielsweise aufgefordert werden:
- zusätzliche Informationen bereitzustellen;
- bestimmte Bedingungen zu erfüllen;
- weitere Maßnahmen durchzuführen; oder
- bestimmte noch offene Punkte zu klären.
Anschließend kann der Hersteller auf die von der FDA identifizierten Punkte reagieren.
Eine Approvable Letter bedeutet deshalb noch nicht, dass das Produkt bereits FDA approved ist.
Sie bedeutet vielmehr, dass die FDA einen konkreten Weg identifiziert hat, unter welchen Voraussetzungen eine Approval möglich ist.
16.13 Was bedeutet eine Not Approvable Letter?
Eine Not Approvable Letter bedeutet, dass die FDA die PMA zum aktuellen Zeitpunkt nicht genehmigen kann, weil wesentliche Deficiencies bestehen.
Der Hersteller kann auf die festgestellten Deficiencies reagieren und je nach Situation eine PMA Amendment einreichen oder andere in den FDA-Regelungen vorgesehene Optionen nutzen, einschließlich einer administrativen Überprüfung oder des Zurückziehens der PMA.
Der entscheidende Punkt ist:
Eine negative FDA-Entscheidung bedeutet nicht automatisch, dass das gesamte Projekt beendet ist.
Zunächst muss verstanden werden, warum die FDA die Entscheidung getroffen hat.
16.14 Kann der Hersteller die Submission verbessern und erneut einreichen?
Ja, in vielen Fällen.
Welche Möglichkeit besteht, hängt jedoch vom Regulatory Pathway und von der konkreten FDA-Entscheidung ab.
Mögliche Maßnahmen können sein:
- zusätzliche Informationen einreichen;
- Deficiencies korrigieren;
- zusätzliche Prüfungen durchführen;
- das Produkt verändern;
- Labeling ändern oder präzisieren;
- eine Amendment einreichen, sofern vorgesehen;
- einen anderen Regulatory Pathway verfolgen; oder
- eine neue Submission einreichen.
Wenn beispielsweise eine 510(k) nach einer AI Request gelöscht wurde, weil innerhalb der vorgesehenen 180 Tage keine vollständige Antwort eingereicht wurde, muss laut FDA eine neue 510(k) eingereicht werden, wenn weiterhin eine Clearance angestrebt wird.
Bei einer PMA bestehen dagegen ausdrücklich Möglichkeiten, auf Deficiencies über Amendments und andere regulatorische Verfahren zu reagieren.
Deshalb sollte nicht pauschal von „erneut einreichen“ gesprochen werden.
Die richtige Vorgehensweise hängt von der konkreten Situation ab.
16.15 Warum eine negative Entscheidung zunächst analysiert werden sollte
Ein Hersteller sollte nach einer erfolglosen FDA-Prüfung nicht einfach dieselbe Submission erneut einreichen.
Die erste Frage sollte lauten:
Warum hat die FDA die Submission nicht akzeptiert, gecleart oder approved?
Die Gründe können sehr unterschiedlich sein.
Fehlende Nachweise
→ Zusätzliche Evidenz kann das Problem lösen.
Unzureichende Testdaten
→ Zusätzliche oder überarbeitete Prüfungen können erforderlich sein.
Problem mit der Predicate Strategy
→ Ein anderes Predicate Device oder ein anderer Regulatory Pathway kann erforderlich sein.
Unterschiedliche technische Eigenschaften
→ Zusätzliche Nachweise zu Safety und Effectiveness können erforderlich sein.
Unklare Intended Use
→ Regulatory Strategy und Labeling müssen möglicherweise neu bewertet werden.
Grundlegendes Safety- oder Effectiveness-Problem
→ Umfangreichere Designänderungen oder klinische Nachweise können erforderlich sein.
Eine erfolgreiche Reaktion beginnt daher mit der Analyse der regulatorischen Ursache und nicht einfach mit dem Hinzufügen weiterer Dokumente.
16.16 Pre-Submission-Interaktion mit der FDA
Hersteller müssen nicht immer bis zur formalen Submission warten, bevor sie bestimmte regulatorische Fragen mit der FDA klären.
Die FDA bietet mit dem Q-Submission Program verschiedene Möglichkeiten, vor einer späteren Submission Feedback zu bestimmten Fragen einzuholen.
Das kann insbesondere sinnvoll sein, wenn Unsicherheit besteht hinsichtlich:
- Regulatory Strategy;
- Testing;
- klinischer Evidenz;
- Predicate Device;
- Studiendesign;
- Inhalt der Submission; oder
- anderer wesentlicher regulatorischer Fragen.
Ziel ist dabei nicht, eine vorläufige Approval zu erhalten.
Vielmehr soll das Feedback der FDA helfen, die spätere Submission besser vorzubereiten.
16.17 Der FDA Review ist ein Dialog und keine reine Wartezeit
Eine häufige Fehlvorstellung ist:
Submission → Warten → FDA Decision
In der Praxis kann der Prozess vielmehr so aussehen:
Submission → Acceptance Review → Substantive Review → Fragen → Antwort des Herstellers → weitere Prüfung → Decision
Der Hersteller benötigt deshalb auch während des FDA Reviews entsprechende Ressourcen.
Dazu können Regulatory Experts, technische Spezialisten und gegebenenfalls erneut Testkapazitäten gehören.
16.18 Die praktische Konsequenz
Eine FDA Submission sollte nicht als einseitiger Antrag verstanden werden.
Der Review-Prozess kann mehrere Kommunikations- und Nachweisschritte umfassen.
Der Hersteller sollte deshalb grundsätzlich auf drei mögliche Szenarien vorbereitet sein:
Szenario 1 – Unkomplizierter Review
Submission → Review → Clearance/Approval
Szenario 2 – Zusätzliche Informationen erforderlich
Submission → Review → FDA Questions → Response → weiterer Review → Clearance/Approval
Szenario 3 – Regulatory Strategy muss angepasst werden
Submission → FDA Decision/Deficiency → Ursachenanalyse → zusätzliche Evidenz, Designänderung oder anderer Regulatory Pathway → neue oder geänderte Submission
Die wichtigste Erkenntnis lautet:
Ein erfolgloser FDA Review ist nicht automatisch das Ende des Projekts.
Entscheidend ist, den Grund für die FDA-Entscheidung genau zu verstehen und anschließend zu bestimmen, ob die festgestellten Probleme durch zusätzliche Nachweise, Änderungen am Produkt oder an der Dokumentation, eine Amendment oder einen anderen Regulatory Pathway gelöst werden können.
17. FDA Registration, Device Listing und die Rolle des U.S. Agent
Nach Abschluss der erforderlichen Premarket-Verfahren müssen ausländische Hersteller weitere regulatorische Anforderungen für den US-Markt berücksichtigen. Dazu gehören insbesondere Establishment Registration, Device Listing und – bei ausländischen Herstellern – grundsätzlich die Benennung eines U.S. Agent.
Diese Anforderungen sind von der eigentlichen Premarket Submission getrennt.
Ein Medizinprodukt kann daher beispielsweise bereits eine erforderliche FDA Clearance oder Approval erhalten haben und trotzdem noch weitere Registrierungs- und Listing-Anforderungen erfüllen müssen, bevor es in den USA vermarktet werden darf.
17.1 Registration und Listing sind nicht dasselbe wie Clearance oder Approval
Es ist wichtig, drei unterschiedliche Konzepte auseinanderzuhalten:
Premarket Authorization
→ Bezieht sich darauf, ob das Medizinprodukt über den entsprechenden regulatorischen Weg auf dem US-Markt vermarktet werden darf.
Establishment Registration
→ Erfasst das Unternehmen bzw. Establishment, das an einer regulierten Tätigkeit mit Medizinprodukten beteiligt ist.
Device Listing
→ Erfasst die Medizinprodukte, die mit dem registrierten Establishment verbunden sind.
Diese Anforderungen erfüllen unterschiedliche regulatorische Funktionen.
Eine Registration oder ein Listing bedeutet nicht, dass die FDA die Sicherheit oder Wirksamkeit des gelisteten Produkts geprüft und bestätigt hat.
Ebenso ersetzt eine Establishment Registration keine erforderliche 510(k), De-Novo-Submission oder PMA.
17.2 Wer muss sich registrieren?
Die FDA verlangt grundsätzlich, dass Establishments, die Medizinprodukte für den kommerziellen Vertrieb in den USA herstellen, vorbereiten, verarbeiten oder bestimmte andere regulierte Tätigkeiten durchführen, registriert werden.
Dabei gibt es verschiedene Ausnahmen und besondere Regelungen, die von der konkreten Tätigkeit des Establishments abhängen.
Die entsprechenden Anforderungen sind insbesondere in 21 CFR Part 807 geregelt. Die FDA stellt außerdem eine Übersicht darüber bereit, welche Establishments registrierungspflichtig sind.
Dies kann ausdrücklich auch ausländische Hersteller betreffen.
Ein europäischer Hersteller, der ein Medizinprodukt in den USA vermarkten möchte, muss daher grundsätzlich prüfen, ob sein Herstellungs-Establishment der FDA Registration unterliegt.
Entscheidend ist dabei die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit.
17.3 Was ist Device Listing?
Neben der Establishment Registration müssen registrierungspflichtige Unternehmen grundsätzlich auch ihre entsprechenden Medical Devices listen.
Beim Device Listing werden Informationen zu den Medizinprodukten hinterlegt, die von dem registrierten Establishment hergestellt oder verarbeitet werden.
Das Listing ist damit eine andere regulatorische Aktivität als eine Premarket Submission.
Beispielsweise ersetzt:
510(k) Clearance
nicht automatisch:
Establishment Registration + Device Listing
soweit diese Anforderungen für das betreffende Establishment gelten.
Die FDA erklärt ausdrücklich, dass registrierungspflichtige Establishments auch Informationen über die von ihnen hergestellten oder verarbeiteten Medizinprodukte im Rahmen des Device Listing bereitstellen müssen.
17.4 Wann muss die Registration erfolgen?
Die Registration steht grundsätzlich im Zusammenhang mit dem Beginn der jeweiligen regulierten Tätigkeit.
Der genaue Zeitpunkt und die geltenden Fristen hängen vom Establishment und von dessen Tätigkeit ab.
Registration sollte daher nicht als rein nachgelagerte Formalität betrachtet werden, die erst nach Beginn der kommerziellen Distribution erledigt werden kann.
Die FDA legt konkrete Anforderungen und Fristen für Registration und Listing fest.
Diese Aktivitäten sollten deshalb bereits in die Planung des US-Markteintritts integriert werden.
17.5 Jährliche Registration
Die FDA Registration ist grundsätzlich keine einmalige Maßnahme, die nach der ersten Registrierung dauerhaft abgeschlossen ist.
Für registrierungspflichtige Establishments bestehen Anforderungen zur regelmäßigen Überprüfung und Aktualisierung der Registrierungsinformationen.
Im Rahmen der jährlichen Registration müssen die entsprechenden Informationen bestätigt beziehungsweise aktualisiert werden.
Das bedeutet für Hersteller, dass ein interner Prozess notwendig ist, um die bei der FDA hinterlegten Informationen aktuell zu halten.
Änderungen beispielsweise bei:
- Establishment-Daten;
- Eigentumsverhältnissen;
- Herstellungsaktivitäten;
- Device Listings; oder
- anderen relevanten Angaben
können eine Aktualisierung erforderlich machen.
Welche konkrete Änderung welche Maßnahme auslöst, hängt von der Art der Änderung und dem jeweiligen Establishment ab.
17.6 Der U.S. Agent für ausländische Hersteller
Ein ausländischer Hersteller, der FDA-registrierungspflichtig ist, muss grundsätzlich einen U.S. Agent benennen.
Der U.S. Agent muss eine physische Adresse in den USA haben.
Dabei handelt es sich nicht lediglich um eine Postadresse.
Die FDA definiert konkrete Aufgaben des U.S. Agent, insbesondere als Kontaktstelle zwischen der FDA und dem ausländischen Establishment.
Für ausländische Hersteller ist der U.S. Agent daher ein wichtiger Bestandteil der regulatorischen Struktur für den US-Markt.
17.7 Welche Aufgaben hat der U.S. Agent?
Der U.S. Agent übernimmt verschiedene regulatorische Kommunikationsaufgaben.
Dazu kann insbesondere gehören:
- die FDA bei der Kommunikation mit dem ausländischen Hersteller zu unterstützen;
- auf FDA-Anfragen bezüglich des ausländischen Establishments zu reagieren;
- die Koordination von FDA-Inspektionen zu unterstützen;
- FDA-Mitteilungen für den ausländischen Hersteller entgegenzunehmen; und
- der FDA erforderliche Informationen bereitzustellen.
Die FDA beschreibt den U.S. Agent ausdrücklich als Kontaktstelle für die Kommunikation mit dem ausländischen Establishment und verlangt, dass dieser für entsprechende FDA-Kommunikation verfügbar ist.
Der U.S. Agent stellt damit eine regulatorische Kommunikationsschnittstelle zwischen FDA und ausländischem Hersteller dar.
17.8 Was macht der U.S. Agent nicht?
Der U.S. Agent sollte nicht mit einem Distributor, Importeur oder Regulatory Consultant gleichgesetzt werden.
Der U.S. Agent übernimmt nicht automatisch:
- die Herstellung des Medizinprodukts;
- die Prüfungen;
- die Erlangung einer FDA Clearance;
- die FDA Approval;
- das Quality Management System des Herstellers;
- die Rolle des Legal Manufacturer; oder
- generell die regulatorische Verantwortung des Herstellers.
Der ausländische Hersteller bleibt für die Einhaltung seiner regulatorischen Anforderungen verantwortlich.
Der U.S. Agent ist daher primär eine regulatorische Kontakt- und Kommunikationsfunktion und kein Ersatz für die eigene Regulatory Compliance des Herstellers.
17.9 U.S. Agent und Initial Importer
Diese beiden Funktionen werden besonders häufig verwechselt.
Der U.S. Agent repräsentiert das ausländische Establishment für bestimmte regulatorische Kommunikationszwecke gegenüber der FDA.
Ein Initial Importer ist dagegen an der Einfuhr des im Ausland hergestellten Medizinprodukts in die USA beteiligt und hat eigene gesetzlich definierte Verantwortlichkeiten.
Dabei können unterschiedliche Unternehmen diese Funktionen übernehmen.
Zum Beispiel:
Europäischer Hersteller
→ U.S. Agent
→ Initial Importer
→ Distributor
Diese drei Funktionen können bei drei unterschiedlichen Unternehmen liegen.
Deshalb sollte die US-Vertriebs- und Marktstruktur bereits vor dem kommerziellen Markteintritt eindeutig festgelegt werden.
17.10 Device Listing bedeutet nicht FDA Approval
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, weil Informationen zu FDA-registrierten Establishments und gelisteten Produkten öffentlich recherchierbar sein können.
Ein Unternehmen kann in einer FDA-Datenbank als registriertes Establishment erscheinen und Produkte gelistet haben.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die FDA diese Produkte freigegeben oder deren Sicherheit und Wirksamkeit bestätigt hat.
Ebenso stellt die Aufnahme eines Unternehmens in eine FDA-Registrierungsdatenbank keine FDA-Empfehlung oder FDA-Bestätigung des Unternehmens oder seiner Produkte dar.
Premarket Authorization und Registration/Listing haben unterschiedliche regulatorische Funktionen.
17.11 Welche Informationen werden benötigt?
Welche Informationen für Registration und Listing erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Establishment und dessen Tätigkeit ab.
Typischerweise können beispielsweise folgende Informationen erforderlich sein:
- Identifikation des Establishments;
- Kontaktdaten;
- Angaben zum Hersteller;
- Angaben zum U.S. Agent bei ausländischen Establishments;
- Informationen zum Medizinprodukt;
- entsprechende Product Codes;
- Herstellungs- oder Verarbeitungstätigkeiten; und
- weitere von der FDA geforderte Angaben.
Die FDA stellt detaillierte Anweisungen für Registration und Listing bereit und beschreibt dort die jeweils benötigten Informationen.
Der Hersteller sollte diese Informationen daher bereits vor Beginn des Registrierungsprozesses zusammenstellen.
17.12 FDA Registration über FURLS
Die Establishment Registration und das Device Listing erfolgen elektronisch über die FDA-Systeme.
Für Medical Device Registration und Listing verwendet die FDA das FURLS (FDA Unified Registration and Listing System).
Da sich elektronische Verfahren und Anforderungen ändern können, sollten Hersteller für die konkrete Durchführung immer die aktuellen FDA-Anweisungen verwenden.
17.13 Ist FDA Registration dasselbe wie FDA Approval?
Nein.
Das ist eine der wichtigsten Unterscheidungen für Hersteller.
Beispiel:
Ein Hersteller besitzt:
FDA Establishment Registration
aber keine erforderliche 510(k).
Die Registration berechtigt den Hersteller nicht dazu, ein Medizinprodukt zu vermarkten, für das eine 510(k) erforderlich ist.
Umgekehrt gilt:
510(k) Clearance
bedeutet nicht automatisch, dass alle Registration- und Listing-Anforderungen erfüllt sind.
Beide regulatorischen Bereiche müssen getrennt betrachtet werden.
17.14 Was passiert bei falschen oder veralteten Registrierungsdaten?
Die bei der FDA hinterlegten Registration- und Listing-Informationen müssen aktuell und korrekt sein.
Falsche Informationen oder das Versäumnis, erforderliche Änderungen zu aktualisieren, können regulatorische Probleme verursachen.
Je nach Änderung können beispielsweise Anpassungen erforderlich sein bei:
- Establishment-Daten;
- U.S.-Agent-Informationen;
- Device Listings;
- Herstellungsaktivitäten; oder
- anderen Registrierungsinformationen.
Welche Aktualisierung erforderlich ist, hängt von der konkreten Änderung ab.
Für Hersteller ist es deshalb sinnvoll, intern eindeutig festzulegen, wer für die Pflege der FDA Registration und Device Listings verantwortlich ist.
17.15 Was sollte ein ausländischer Hersteller vor dem Markteintritt planen?
Für einen ausländischen Hersteller kann der grundlegende Ablauf vereinfacht so dargestellt werden:
1. Regulatory Pathway bestimmen
↓
2. Erforderliches Premarket-Verfahren abschließen
↓
3. US-Marktstruktur festlegen
↓
4. U.S. Agent benennen
↓
5. Establishment Registration durchführen
↓
6. Device Listing durchführen
↓
7. Importer- und Vertriebsstruktur festlegen
↓
8. Kommerzielle Distribution beginnen
Der genaue Ablauf kann je nach Produkt und Unternehmensstruktur abweichen. Deshalb müssen die konkreten Anforderungen vor dem Markteintritt anhand der für das jeweilige Produkt geltenden FDA-Regelungen geprüft werden.
17.16 Die praktische Konsequenz
Für einen ausländischen Hersteller besteht FDA Market Access nicht ausschließlich darin, eine 510(k) Clearance, eine De-Novo-Klassifizierung oder eine PMA Approval zu erhalten.
Zusätzlich muss die regulatorische Infrastruktur für den US-Markt korrekt eingerichtet werden.
Die wichtigste Unterscheidung lautet:
Premarket Authorization beantwortet die Frage, ob das Medizinprodukt über den jeweiligen regulatorischen Weg vermarktet werden darf. Registration und Listing erfassen dagegen das regulierte Establishment und die dazugehörigen Medizinprodukte.
Für ausländische Hersteller kommt mit dem U.S. Agent eine weitere wichtige Funktion hinzu: Er stellt die US-basierte regulatorische Kontaktstelle zwischen FDA und ausländischem Establishment dar.
Diese Aktivitäten sollten deshalb bereits als Bestandteil der gesamten US-Market-Access-Strategie geplant werden und nicht erst als administrative Aufgaben betrachtet werden, nachdem das eigentliche FDA-Projekt abgeschlossen ist.
18. Qualitätsmanagement und Post-Market Compliance
Die FDA-Zulassung bzw. -Freigabe eines Medizinprodukts beendet die regulatorischen Verpflichtungen des Herstellers nicht.
Nach einer 510(k) Clearance, einer De-Novo-Klassifizierung oder einer PMA Approval bestehen weiterhin zahlreiche Anforderungen für die Herstellung, Vermarktung und Überwachung des Produkts in den USA.
FDA Compliance begleitet das Medizinprodukt daher über seinen gesamten Lebenszyklus.
Ein vereinfachtes Modell ist:
Produktentwicklung
↓
Regulatory Strategy
↓
Premarket Submission
↓
Clearance / De Novo Classification / Approval
↓
Herstellung
↓
Kommerzielle Vermarktung
↓
Complaints & Post-Market Monitoring
↓
Reporting / Corrective Actions / Recalls
↓
Fortlaufende Compliance
Das bedeutet:
FDA Compliance endet nicht mit der Marktzulassung. Sie wird nach der Markteinführung zu einer fortlaufenden Verpflichtung.
18.1 Quality Management System Regulation (QMSR)
Eine der wichtigsten laufenden Verpflichtungen betrifft das Quality Management System (QMS) des Herstellers.
Am 2. Februar 2026 trat die Quality Management System Regulation (QMSR) der FDA in Kraft.
Mit der QMSR wurde 21 CFR Part 820 grundlegend geändert. Die neue Regelung integriert ISO 13485:2016 durch Verweis in das FDA-Regelwerk und richtet die US-amerikanischen Anforderungen damit stärker an dem international etablierten Qualitätsmanagementsystem für Medizinprodukte aus.
Für Hersteller, die bereits über ein ISO-13485-basiertes Qualitätsmanagementsystem verfügen, schafft dies eine größere Überschneidung zwischen ihrem bestehenden System und den FDA-Anforderungen.
Wichtig ist jedoch:
Eine ISO-13485-Zertifizierung bedeutet nicht automatisch, dass alle FDA-Anforderungen erfüllt sind.
Die QMSR ist eine US-amerikanische regulatorische Anforderung. Hersteller müssen daher prüfen, wie die Anforderungen auf ihre konkreten Produkte, Prozesse und Aktivitäten anzuwenden sind.
18.2 Für wen gilt die QMSR?
Die QMSR gilt für Hersteller von fertigen Medizinprodukten, die für den kommerziellen Vertrieb in den USA bestimmt sind.
Der FDA-Begriff des „finished device“ ist dabei nicht einfach auf Unternehmen beschränkt, die das komplette Produkt selbst herstellen. Auch bestimmte andere Akteure und Produkte können abhängig von ihrer Rolle unter die entsprechenden Anforderungen fallen.
Hersteller sollten deshalb anhand der geltenden regulatorischen Definitionen prüfen, ob ihre Tätigkeit in den Anwendungsbereich der QMSR fällt, anstatt allein anhand ihrer Unternehmensbezeichnung zu entscheiden.
Die relevante Frage lautet daher nicht nur:
„Haben wir eine ISO-13485-Zertifizierung?“
Sondern:
„Fällt unsere Tätigkeit unter die QMSR und erfüllt unser Quality Management System die für uns geltenden Anforderungen?“
18.3 Was umfasst ein Quality Management System?
Ein Quality Management System soll sicherstellen, dass die Prozesse des Herstellers kontrolliert und reproduzierbar funktionieren und dass die hergestellten Medizinprodukte die geltenden Anforderungen erfüllen.
Je nach Unternehmen und Produkt können unter anderem folgende Bereiche betroffen sein:
- Verantwortlichkeiten des Managements;
- organisatorische Zuständigkeiten;
- Design und Entwicklung;
- risikobezogene Aktivitäten;
- Einkauf;
- Lieferantenkontrolle;
- Produktion;
- Prozesskontrollen;
- Identifikation und Rückverfolgbarkeit;
- Ausrüstung und Infrastruktur;
- Complaint Handling;
- Dokumentation und Aufzeichnungen;
- Monitoring und Messungen;
- Umgang mit nichtkonformen Produkten;
- Corrective Actions;
- Qualitätsuntersuchungen;
- Prozess- und Produktkontrollen.
Der konkrete Umfang hängt von den Aktivitäten des Herstellers, den Produkten und den jeweils geltenden regulatorischen Anforderungen ab.
Die Integration von ISO 13485 in die QMSR schafft hierfür einen international vertrauten Rahmen. Hersteller müssen jedoch weiterhin verstehen, wie die Anforderungen auf ihre konkrete Organisation anzuwenden sind.
18.4 QMSR und Premarket Submission sind nicht dasselbe
Ein wichtiger Unterschied wird häufig übersehen:
Das Vorhandensein eines Quality Management Systems bedeutet nicht, dass das vollständige QMS Bestandteil jeder FDA-Premarket-Submission sein muss.
Welche Informationen zu Herstellung und Qualität in einer bestimmten Submission eingereicht werden müssen, hängt vom Medizinprodukt und vom jeweiligen Regulatory Pathway ab.
Die QMSR hingegen definiert laufende regulatorische Verpflichtungen für die Hersteller, die in ihren Anwendungsbereich fallen.
Damit müssen Hersteller zwei unterschiedliche Fragen betrachten:
Premarket:
Welche Qualitäts-, Herstellungs- und Prozessinformationen müssen wir für diese konkrete FDA-Submission bereitstellen?
Ongoing Compliance:
Erfüllt unser Quality Management System dauerhaft die für uns geltenden FDA-Anforderungen?
Diese beiden Fragen sollten nicht miteinander verwechselt werden.
18.5 FDA-Inspektionen
FDA Compliance wird nicht ausschließlich anhand der Unterlagen beurteilt, die ein Hersteller im Rahmen einer Premarket Submission einreicht.
Die FDA kann Medizinproduktehersteller und andere relevante Einrichtungen inspizieren, um die Einhaltung der geltenden regulatorischen Anforderungen zu überprüfen.
Mit dem Inkrafttreten der QMSR hat die FDA auch ihren bisherigen Inspektionsansatz angepasst.
Der frühere Quality System Inspection Technique (QSIT)-Ansatz wurde durch das aktualisierte FDA-Inspektionsprogramm Compliance Program 7382.850 zur Bewertung der QMSR-Compliance ersetzt.
Bei einer Inspektion können beispielsweise folgende Bereiche betrachtet werden:
- Quality-System-Prozesse;
- Verfahren und Arbeitsanweisungen;
- Aufzeichnungen;
- Produktionsaktivitäten;
- Complaint Handling;
- Corrective Actions;
- Design- und Produktionskontrollen;
- Lieferantenkontrollen;
- weitere Nachweise über die tatsächliche Umsetzung des Quality Systems.
Entscheidend ist dabei nicht nur, ob schriftliche Verfahren existieren.
Der Hersteller muss auch zeigen können, dass diese Verfahren tatsächlich umgesetzt und kontrolliert werden.
18.6 Complaint Handling
Nach der Markteinführung benötigt der Hersteller ein wirksames Verfahren zur Entgegennahme und Bewertung von Beschwerden.
Eine Complaint kann sich beispielsweise auf eine angebliche Abweichung hinsichtlich folgender Aspekte beziehen:
- Identität;
- Qualität;
- Haltbarkeit;
- Zuverlässigkeit;
- Sicherheit;
- Wirksamkeit;
- Performance des Medizinprodukts.
Complaint Handling ist daher nicht lediglich eine Aufgabe des Customer Service.
Eine Beschwerde kann eine regulatorische Bewertung auslösen und unter Umständen weitere Maßnahmen erforderlich machen.
Ein vereinfachter Prozess kann beispielsweise so aussehen:
Customer Complaint
↓
Interne Bewertung
↓
Ist das Ereignis möglicherweise reportable?
↓
MDR Assessment
↓
Investigation / Corrective Action, falls erforderlich
Der Hersteller benötigt ein dokumentiertes Verfahren zur Entgegennahme, Bewertung, Untersuchung und Dokumentation von Complaints.
Die Complaint-Bearbeitung sollte außerdem mit dem Quality Management System verbunden sein, damit wiederkehrende Probleme erkannt und nicht lediglich als isolierte Einzelfälle behandelt werden.
18.7 Medical Device Reporting (MDR)
Die FDA betreibt unter 21 CFR Part 803 das Medical Device Reporting (MDR)-System.
Hersteller und Importeure müssen bestimmte Ereignisse im Zusammenhang mit Medizinprodukten an die FDA melden.
Für Hersteller können insbesondere folgende Ereignisse meldepflichtig sein:
- Todesfälle;
- schwere Verletzungen;
- bestimmte Fehlfunktionen.
Die reguläre Meldefrist beträgt grundsätzlich 30 Kalendertage ab dem Zeitpunkt, zu dem der Hersteller oder Importeur Informationen erhält, die vernünftigerweise darauf hindeuten, dass ein meldepflichtiges Ereignis stattgefunden hat.
Für bestimmte Ereignisse gilt eine kürzere Frist von 5 Tagen, beispielsweise wenn Maßnahmen erforderlich sind, um ein unangemessenes Risiko eines erheblichen Schadens für die öffentliche Gesundheit zu verhindern.
Der Hersteller muss daher in der Lage sein zu beurteilen:
- Was ist passiert?
- Könnte das Medizinprodukt beteiligt sein?
- Erfüllt das Ereignis die Kriterien für eine Meldung?
- Wann hat der Hersteller von den relevanten Informationen Kenntnis erlangt?
- Muss eine MDR-Meldung eingereicht werden?
18.8 Eine MDR-Meldung bedeutet nicht automatisch, dass das Produkt die Ursache war
Ein wichtiger Punkt ist, dass die Einreichung einer MDR-Meldung nicht automatisch bedeutet, dass das Medizinprodukt nachweislich die Ursache des Ereignisses war.
Das MDR-System soll der FDA Informationen über möglicherweise meldepflichtige Ereignisse zur Verfügung stellen.
Der Hersteller muss deshalb zwischen zwei unterschiedlichen Fragen unterscheiden:
Muss das Ereignis gemeldet werden?
und
Was war die technische oder medizinische Ursache des Ereignisses?
Die Ursachenanalyse kann eine weitergehende Untersuchung erfordern.
18.9 Corrective Actions und CAPA
Wenn ein Hersteller ein Problem mit einem Produkt oder Prozess feststellt, muss er bestimmen, welche Maßnahmen angemessen sind.
Je nach Situation können dazu gehören:
- Untersuchung des zugrunde liegenden Problems;
- Containment;
- Korrektur betroffener Produkte;
- Corrective Action;
- Änderung von Produktionsprozessen;
- Änderungen bei Lieferanten oder Komponenten;
- zusätzliche Prüfungen;
- Änderungen des Labelings;
- Designänderungen;
- andere Maßnahmen zur Vermeidung einer Wiederholung.
Entscheidend ist, nicht nur das einzelne fehlerhafte Produkt zu korrigieren, sondern – soweit erforderlich – die zugrunde liegende Ursache zu untersuchen.
Dabei sollte geprüft werden:
Warum ist das Problem entstanden und könnten weitere Produkte oder Produktionschargen betroffen sein?
18.10 Corrections and Removals
Manchmal muss ein Hersteller ein bereits vertriebenes Medizinprodukt korrigieren oder vom Markt nehmen.
Mögliche Auslöser können beispielsweise sein:
- ein sicherheitsrelevanter Produktfehler;
- falsches Labeling;
- ein Herstellungsproblem;
- ein Softwarefehler;
- ein Performance-Problem;
- eine Kontamination;
- eine andere Situation, in der Maßnahmen für bereits vertriebene Produkte erforderlich sind.
Je nach Situation kann es erforderlich sein, Kunden, Distributoren, Gesundheitseinrichtungen oder die FDA zu informieren.
Hersteller sollten deshalb über Verfahren verfügen, mit denen sie bestimmen können, ob eine Correction or Removal vorliegt, ob diese meldepflichtig ist und welche Maßnahmen erforderlich sind.
18.11 Recalls
Ein Recall ist eine bestimmte Form einer Corrective Action für ein bereits vermarktetes Medizinprodukt, bei dem ein Verstoß gegen FDA-Anforderungen vorliegt und Maßnahmen erforderlich sind, um den Verstoß zu beseitigen oder ein Risiko zu reduzieren.
Recalls können vom Hersteller freiwillig eingeleitet oder unter bestimmten Umständen durch die FDA veranlasst werden.
Ein Recall kann beispielsweise umfassen:
- Identifikation der betroffenen Produkte;
- Ermittlung des Umfangs der betroffenen Distribution;
- Kommunikation mit Kunden oder Distributoren;
- Rückholung oder Korrektur betroffener Produkte;
- Dokumentation der Maßnahmen;
- Bewertung der Wirksamkeit;
- Kommunikation mit der FDA, soweit erforderlich.
Ein funktionierendes System für Identifikation und Rückverfolgbarkeit ist deshalb entscheidend.
18.12 Post-Market Surveillance
Für bestimmte Medizinprodukte und bestimmte regulatorische Situationen kann die FDA zusätzliche Post-Market Surveillance verlangen.
Post-Market Surveillance dient dazu, Informationen über die Sicherheit und Performance eines Medizinprodukts nach seiner Markteinführung zu sammeln.
Je nach Produkt und Anforderungen können dazu gehören:
- Überwachung von Complaints;
- Analyse von Adverse Events;
- Bewertung der Produkt-Performance;
- Trend Analysis;
- vorgeschriebene Surveillance Studies;
- Bewertung zusätzlicher regulatorischer oder korrigierender Maßnahmen.
Nicht jedes Medizinprodukt unterliegt einer formalen Post-Market-Surveillance-Studie.
Es ist deshalb wichtig, zwischen der allgemeinen Notwendigkeit, die Produktperformance nach der Markteinführung zu überwachen, und einer konkreten FDA-Anordnung für ein formales Post-Market-Surveillance-Programm zu unterscheiden.
18.13 Trend Analysis und frühzeitige Erkennung
Eine effektive Post-Market Compliance beschränkt sich nicht darauf, auf einzelne Beschwerden zu reagieren.
Hersteller sollten Informationen auch auf wiederkehrende Muster und Trends untersuchen.
Eine Vielzahl einzeln möglicherweise unkritischer Beschwerden kann beispielsweise gemeinsam auf Folgendes hindeuten:
- ein Designproblem;
- ein Problem im Herstellungsprozess;
- ein Lieferantenproblem;
- einen Softwarefehler;
- unzureichendes Labeling;
- ein anderes systematisches Problem.
Ein funktionierendes Quality Management System sollte deshalb einen Informationsfluss ermöglichen zwischen:
Complaints → Quality → Engineering → Risk Management → Regulatory Affairs
Das ist insbesondere bei komplexen Medizinprodukten wichtig, bei denen ein nach der Markteinführung erkanntes Problem eine Neubewertung der ursprünglichen Risikobewertung oder technischen Dokumentation erforderlich machen kann.
18.14 Änderungen an einem bereits vermarkteten Medizinprodukt
Ein Medizinprodukt bleibt regulatorisch nicht automatisch unverändert, nur weil seine ursprüngliche FDA Clearance oder Approval weiterhin gültig ist.
Hersteller nehmen regelmäßig Änderungen vor, beispielsweise an:
- Hardware;
- Komponenten;
- Materialien;
- Lieferanten;
- Herstellungsprozessen;
- Software;
- Cybersecurity;
- Verpackung;
- Labeling;
- Intended Use;
- Produktionsstandorten.
Vor der Umsetzung einer Änderung sollte deshalb bewertet werden, ob diese Änderung Auswirkungen auf den bestehenden FDA-Regulatory-Status hat.
Je nach Änderung können erforderlich sein:
- interne Dokumentation und Bewertung;
- zusätzliche Verification oder Validation;
- aktualisierte Risk Analysis;
- neue oder zusätzliche Prüfungen;
- aktualisiertes Labeling;
- eine neue oder ergänzende FDA-Submission;
- eine andere regulatorische Maßnahme.
Der zentrale Grundsatz lautet:
Nicht davon ausgehen, dass eine Änderung regulatorisch neutral ist. Die Änderung muss vor ihrer Umsetzung bewertet werden.
Das ist insbesondere bei 510(k)-Produkten wichtig, da bestimmte Änderungen eine neue 510(k) erforderlich machen können, wenn sie die Sicherheit oder Wirksamkeit wesentlich beeinflussen können.
18.15 Recordkeeping und Traceability
Post-Market Compliance hängt wesentlich von zuverlässigen Aufzeichnungen ab.
Je nach Anforderungen können beispielsweise Unterlagen zu folgenden Bereichen erforderlich sein:
- Produktion;
- Qualitätsaktivitäten;
- Complaints;
- Untersuchungen;
- MDR-Bewertungen;
- Corrective Actions;
- Recalls;
- Distribution;
- Änderungen;
- Prüfungen;
- Lieferanten;
- weiteren regulatorisch relevanten Aktivitäten.
Eine gute Rückverfolgbarkeit ist besonders wichtig, wenn ein Hersteller feststellen muss:
Welche Produkte sind betroffen, wohin wurden sie geliefert und welche Maßnahmen sind erforderlich?
Ohne ausreichende Aufzeichnungen kann selbst eine technisch korrekte Corrective Action nur schwer effektiv umgesetzt werden.
18.16 Was passiert bei mangelnder Compliance?
Verstöße gegen FDA-Anforderungen können weitreichendere Konsequenzen haben als die Korrektur eines einzelnen fehlerhaften Produkts.
Abhängig von Art und Schwere des Verstoßes können beispielsweise folgende Maßnahmen relevant werden:
- Aufforderungen zu Corrective Actions;
- Feststellungen bei FDA-Inspektionen;
- Warning Letters;
- Maßnahmen im Zusammenhang mit Importen;
- Recalls;
- Seizure;
- Injunction;
- zivilrechtliche oder strafrechtliche Maßnahmen;
- weitere regulatorische Maßnahmen.
Welche Konsequenzen tatsächlich eintreten, hängt von den konkreten Umständen und der Art des Verstoßes ab.
Für Hersteller ist deshalb eine proaktive Compliance-Strategie wesentlich sinnvoller, als erst dann zu reagieren, wenn die FDA bereits ein Problem festgestellt hat.
18.17 Das praktische Compliance-Modell
FDA Post-Market Compliance lässt sich als kontinuierlicher Regelkreis verstehen:
Herstellung
↓
Vermarktetes Medizinprodukt
↓
Complaints / Performance Data / Adverse Events
↓
Bewertung
↓
MDR / Investigation / Trend Analysis
↓
Corrective Action, falls erforderlich
↓
Risk Management / Design / Manufacturing / Labeling Updates
↓
Fortlaufende Marktüberwachung
Dieser Regelkreis verbindet Quality Management, Regulatory Affairs, Engineering, Manufacturing und Post-Market Activities.
Genau deshalb sollte FDA Compliance nicht als einmaliges Zertifizierungsprojekt betrachtet werden.
18.18 Was Hersteller praktisch beachten sollten
Für einen Hersteller von Medizinprodukten bedeutet FDA Market Access nur eine Phase innerhalb eines wesentlich längeren regulatorischen Lebenszyklus.
Der Hersteller muss darauf vorbereitet sein,
- ein anwendbares Quality Management System aufrechtzuerhalten;
- die QMSR einzuhalten;
- Complaints systematisch zu bearbeiten;
- möglicherweise meldepflichtige Ereignisse zu bewerten;
- MDRs einzureichen, soweit erforderlich;
- Produkt- und Prozessprobleme zu untersuchen;
- Corrective Actions umzusetzen;
- Corrections and Removals zu verwalten;
- Recalls durchzuführen, soweit erforderlich;
- relevante Aufzeichnungen zu führen;
- die Produkt-Performance nach der Markteinführung zu überwachen;
- Änderungen vor ihrer Umsetzung regulatorisch zu bewerten;
- und die laufenden FDA-Anforderungen einzuhalten.
Der entscheidende Punkt ist:
Eine FDA Clearance oder Approval ermöglicht die Vermarktung des Medizinprodukts unter dem jeweiligen regulatorischen Verfahren. Sie beendet jedoch nicht die Verantwortung des Herstellers für die Compliance des Produkts nach seiner Markteinführung.
Für Hersteller, die in den US-Markt eintreten wollen, ist deshalb eine Lifecycle-Perspektive entscheidend. Regulatory Strategy, Produktentwicklung, Testing, Quality Management, Manufacturing, Regulatory Affairs und Post-Market Compliance sollten als zusammenhängende Prozesse betrachtet werden.
Offizielle FDA-Quellen
- FDA – Quality Management System Regulation (QMSR)
- FDA – Medical Device Reporting (MDR)
- FDA – Recalls, Corrections and Removals (Devices)
- FDA – Postmarket Surveillance
19. FDA-Gebühren und Kosten für Medizinprodukte
Der Zugang zum US-Markt umfasst mehr als die eigentliche FDA Submission. Je nach Produkt und Hersteller können Kosten für Premarket Submissions, Establishment Registration, Tests, klinische Studien, Regulatory Consulting, U.S. Agent und Post-Market Compliance entstehen.
Es gibt daher keinen pauschalen Preis für eine „FDA-Zulassung“.
Die tatsächlichen Kosten hängen insbesondere von folgenden Faktoren ab:
- Medizinprodukt und Risikoprofil
- gewählter Regulatory Pathway
- Art der Submission
- erforderlicher technischer Nachweise
- notwendiger klinischer Evidenz
- Unternehmensgröße
- Umfang der erforderlichen Tests und Dokumentation
19.1 FDA-Gebühren sind nicht für alle Medizinprodukte gleich
Die FDA erhebt für bestimmte regulatorische Aktivitäten User Fees auf Grundlage der Medical Device User Fee Amendments (MDUFA).
Die Gebühren werden regelmäßig aktualisiert. Für ein aktuelles Projekt sollte deshalb immer die aktuelle FDA-Gebührenübersicht verwendet werden.
Zu den relevanten Gebührenkategorien gehören unter anderem:
- 510(k) Submissions
- De-Novo-Classification Requests
- PMA Submissions
- bestimmte PMA Supplements
- Establishment Registration
- weitere spezifische regulatorische Aktivitäten
Die konkrete Gebühr hängt von der jeweiligen Aktivität ab.
19.2 Small Businesses können reduzierte Gebühren erhalten
Ein wichtiger Kostenfaktor ist die Small Business Determination (SBD).
Bestimmte kleinere Unternehmen können sich für deutlich reduzierte FDA User Fees qualifizieren.
Allerdings reicht es nicht aus, sich selbst als „Small Business“ zu betrachten.
Das Unternehmen muss die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen und eine entsprechende Small Business Determination erhalten.
Die FDA veröffentlicht die Kriterien und das Verfahren für diese Einstufung.
Für kleinere Hersteller kann dies einen erheblichen Unterschied bei den FDA-Gebühren ausmachen.
19.3 Small Business Determination ist nicht FDA Registration
Diese beiden Begriffe sollten nicht verwechselt werden.
FDA Establishment Registration
→ erfasst ein reguliertes Establishment.
Small Business Determination
→ bestimmt, ob ein Unternehmen für bestimmte reduzierte FDA User Fees qualifiziert ist.
Beide Verfahren können für einen Hersteller relevant sein, erfüllen aber völlig unterschiedliche Funktionen.
19.4 Was kostet eine 510(k)?
Die FDA-Gebühr für eine 510(k) ist grundsätzlich deutlich niedriger als die Gebühr für eine PMA.
Die FDA-Gebühr ist jedoch nur ein Teil der Gesamtkosten.
Zusätzliche Kosten können beispielsweise entstehen für:
- Regulatory Strategy
- Erstellung der Submission
- Laborprüfungen
- technische Dokumentation
- Biokompatibilitätsprüfungen
- Software- und Cybersecurity-Nachweise, sofern relevant
- klinische Evidenz, sofern erforderlich
- Labeling
- Regulatory Consulting
- Beantwortung von FDA-Fragen
Die Gesamtkosten eines 510(k)-Projekts können deshalb deutlich über der eigentlichen FDA Submission Fee liegen.
19.5 Was kostet ein De-Novo-Verfahren?
Ein De Novo Classification Request hat eine eigene FDA User Fee.
Da De Novo für bestimmte neuartige Medizinprodukte ohne geeigneten Predicate Device vorgesehen ist, kann auch die regulatorische und technische Vorbereitung umfangreicher sein als bei einer einfachen 510(k).
Der Hersteller muss unter anderem eine geeignete risikobasierte Klassifizierung begründen und nachweisen, dass das Produkt durch General Controls und gegebenenfalls Special Controls angemessen kontrolliert werden kann.
Die Gesamtkosten hängen deshalb stark von den für das konkrete Produkt erforderlichen Nachweisen ab.
Die FDA veröffentlicht für De-Novo-Anträge eine eigene Gebührenkategorie.
19.6 Was kostet eine PMA?
Eine Premarket Approval (PMA) ist in der Regel der anspruchsvollste der wesentlichen FDA-Premarket-Pathways.
Die entsprechende FDA User Fee ist deshalb deutlich höher als bei einer 510(k).
Noch wichtiger ist jedoch:
Die FDA-Gebühr ist bei einer PMA häufig nur ein kleiner Teil der Gesamtkosten.
Eine PMA kann beispielsweise umfassen:
- umfangreiche nicht-klinische Prüfungen
- klinische Studien
- statistische Auswertungen
- umfangreiche Manufacturing Information
- Quality-System-Aktivitäten
- Regulatory Consulting
- FDA-Interaktionen
- Inspektionen
- langfristige Post-Approval Requirements
Die Gesamtkosten eines PMA-Projekts können daher ein Vielfaches der eigentlichen FDA Submission Fee betragen.
Für ein konkretes Projekt muss immer die aktuelle FDA-Gebührenübersicht herangezogen werden.
19.7 Kosten für Establishment Registration
Auch die Establishment Registration kann mit einer FDA-Gebühr verbunden sein.
Diese ist von einer 510(k), De Novo oder PMA User Fee getrennt.
Damit können innerhalb eines Projekts mehrere unterschiedliche FDA-Gebühren entstehen:
Premarket Submission Fee
≠
Establishment Registration Fee
Die FDA veröffentlicht die jeweils geltende Registration Fee zusammen mit den jährlichen Medical Device User Fees.
19.8 Die FDA-Gebühr ist nur ein Teil des Budgets
Ein realistisches FDA-Projektbudget sollte deshalb nicht nach folgendem Prinzip aufgebaut werden:
FDA Fee = Gesamtkosten
Sinnvoller ist:
FDA User Fees
Regulatory Preparation
Testing
Clinical Evidence, falls erforderlich
Technical Documentation
Consulting / Regulatory Support
U.S. Agent
Registration & Listing
Post-Market Compliance
=
Gesamtkosten des US-Market-Access-Projekts
Gerade bei komplexeren Medizinprodukten können die externen technischen und regulatorischen Kosten deutlich höher sein als die eigentliche FDA-Gebühr.
19.9 Kosten für Prüfungen
Testing kann einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten ausmachen.
Welche Prüfungen erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Medizinprodukt ab.
Mögliche Bereiche sind beispielsweise:
- Electrical Safety
- EMC
- Wireless/RF Testing, sofern relevant
- Biocompatibility
- Mechanical Safety
- Software Verification
- Cybersecurity
- Sterilization
- Packaging
- Environmental Testing
- Performance Testing
Nicht jedes Produkt benötigt alle diese Prüfungen.
Die Prüfstrategie muss aus den Produkteigenschaften, der Intended Use, den Risiken, den relevanten Standards und dem gewählten Regulatory Pathway abgeleitet werden.
Deshalb sollte die Teststrategie möglichst früh im Projekt festgelegt werden.
19.10 Klinische Evidenz kann die Kosten erheblich verändern
Besonders großen Einfluss auf die Projektkosten kann die erforderliche klinische Evidenz haben.
Einige Produkte können weitgehend mit vorhandenen Informationen und nicht-klinischen Nachweisen unterstützt werden.
Andere Produkte benötigen klinische Daten.
Wenn eine klinische Studie erforderlich ist, können beispielsweise Kosten entstehen für:
- Studiendesign
- Prüfärzte
- klinische Zentren
- Patientenrekrutierung
- Monitoring
- Datenmanagement
- statistische Auswertung
- regulatorische Aktivitäten
- Studiendokumentation
Der Unterschied zwischen einer Submission, die weitgehend auf vorhandenen Nachweisen basiert, und einer Submission mit einer neuen klinischen Studie kann daher erheblich sein.
Eine der wichtigsten frühen Fragen lautet deshalb:
„Benötigen wir klinische Daten?“
19.11 Kosten durch zusätzliche FDA-Fragen
Auch FDA-Fragen nach der Submission können zusätzliche Kosten verursachen.
Fordert die FDA zusätzliche Informationen an, kann der Hersteller beispielsweise weitere:
- Tests
- technische Analysen
- Dokumente
- Labeling-Anpassungen
- klinische Auswertungen
- Regulatory Support
benötigen.
Eine Submission, die zunächst relativ günstig erscheint, kann dadurch deutlich teurer werden.
Eine solide Evidence Strategy vor der Einreichung kann deshalb helfen, spätere Kosten und Verzögerungen zu reduzieren.
19.12 Kosten für den U.S. Agent
Ausländische Hersteller benötigen grundsätzlich einen U.S. Agent, wenn sie der entsprechenden Registration-Pflicht unterliegen.
Der U.S. Agent wird in der Regel als kommerzielle Dienstleistung angeboten und verursacht daher zusätzliche Kosten.
Die FDA legt keinen einheitlichen kommerziellen Preis für U.S.-Agent-Dienstleistungen fest.
Die Preise hängen vom Anbieter und vom Umfang der vereinbarten Leistungen ab.
Mögliche Leistungsmodelle reichen beispielsweise von:
- einfacher regulatorischer Vertretung
- Registration Support
- FDA Communication Support
- Complaint-related Support
- umfassenderer Regulatory Representation
Der Hersteller sollte daher genau prüfen, welche Leistungen im Vertrag mit dem U.S. Agent tatsächlich enthalten sind.
19.13 Kosten für Regulatory Consultants
Viele Hersteller beauftragen externe Regulatory Specialists, insbesondere beim erstmaligen Eintritt in den US-Markt.
Consultants können beispielsweise unterstützen bei:
- Classification
- Regulatory Pathway
- Predicate Strategy
- Submission Preparation
- Testing Strategy
- FDA Communication
- Clinical Strategy
- QMS Implementation
- Post-Market Compliance
Diese Kosten sind keine FDA-Gebühren und werden von der FDA nicht standardisiert.
Sie hängen unter anderem ab von:
- Produktkomplexität
- Regulatory Pathway
- Projektumfang
- Erfahrung des Consultants
- benötigtem Arbeitsaufwand
19.14 Wie sollte man die Kosten eines FDA-Projekts betrachten?
Statt zu fragen:
„Wie viel kostet die FDA-Zulassung?“
sollte ein Hersteller besser fragen:
„Welche regulatorischen Aktivitäten und Nachweise benötigt dieses konkrete Medizinprodukt, um in den USA legal vermarktet werden zu können?“
Diese Betrachtungsweise führt zu einem wesentlich realistischeren Budget.
Einfacheres Szenario
510(k)
- begrenzte zusätzliche Prüfungen
- vorhandene technische Dokumentation
- etablierte QMS-Struktur
→ vergleichsweise überschaubares Projekt.
Komplexeres Szenario
510(k)
- umfangreiche Prüfungen
- Software-/Cybersecurity-Nachweise
- zusätzliche FDA-Fragen
- umfangreiche Submission-Arbeiten
→ deutlich höherer Projektaufwand.
Hochkomplexes Szenario
PMA
- klinische Studie
- umfangreiche nicht-klinische Evidenz
- Manufacturing/QMS-Aktivitäten
- FDA-Interaktionen
- Post-Approval Requirements
→ potenziell ein mehrjähriges und kostenintensives Regulatory-Projekt.
Die FDA-Gebühr allein bildet diese Unterschiede nicht ab.
19.15 FDA-Gebühren können sich ändern
FDA User Fees werden regelmäßig angepasst.
Deshalb sollte ein Hersteller für ein aktuelles Projekt niemals eine alte Gebührenübersicht als Grundlage für das Budget verwenden.
Vor einer Submission sollte insbesondere geprüft werden:
- welches Fiscal Year aktuell gilt;
- welche Submission eingereicht werden soll;
- ob eine Small Business Determination möglich ist;
- welche Gebühr vor der Submission bezahlt werden muss; und
- ob weitere Gebühren für die geplanten Aktivitäten entstehen.
Für die tatsächliche Höhe der Gebühren sollte immer die aktuelle offizielle FDA-Gebührenübersicht verwendet werden.
19.16 Ein realistisches FDA-Budget
Ein praktisches Budget kann in folgende Kategorien aufgeteilt werden:
| Kostenkategorie | Beispiele |
| FDA Fees | 510(k), De Novo, PMA, Registration |
| Regulatory Work | Strategy, Classification, Submission Preparation |
| Testing | Safety, EMC, Performance, Biocompatibility usw. |
| Clinical | Studien und klinische Evidenz, falls erforderlich |
| Documentation | Technische und regulatorische Dokumentation |
| External Support | Consultants und Spezialisten |
| U.S. Market Structure | U.S. Agent, Importer-bezogene Kosten |
| QMS | Implementierung, Maintenance und Audits |
| Post-Market | Complaints, MDR, Surveillance, gegebenenfalls Recalls |
Nicht jedes Projekt benötigt alle diese Kategorien.
Die Struktur soll vor allem verhindern, dass die FDA User Fee mit den Gesamtkosten des FDA Market Access verwechselt wird.
19.17 Die praktische Konsequenz
Auf die Frage
„Wie viel kostet eine FDA-Zulassung?“
gibt es keine seriöse allgemeingültige Antwort.
Die Kosten hängen vor allem vom Medizinprodukt, dem Regulatory Pathway und der erforderlichen Evidenz ab.
Eine sinnvolle Grundregel lautet:
Die FDA-Gebühr ist nur ein Bestandteil der Kosten für den US-Market-Access.
Bei einem vergleichsweise einfachen 510(k)-Produkt kann die Submission Fee nur einen Teil der Gesamtkosten ausmachen.
Bei einem PMA-Produkt können dagegen klinische Studien sowie umfangreiche technische und regulatorische Arbeiten den größten Teil des Budgets bestimmen.
Deshalb sollte zunächst der Regulatory Pathway und die erforderliche Evidence Strategy bestimmt werden. Erst danach lässt sich das Gesamtbudget sinnvoll kalkulieren.
Für ein konkretes aktuelles Projekt sollte die jeweils gültige offizielle FDA User-Fee-Übersicht unmittelbar vor der Budgetierung beziehungsweise Submission geprüft werden.
20. Was passiert, wenn die FDA das Medizinprodukt nicht freigibt?
Eine negative FDA-Entscheidung bedeutet nicht automatisch, dass ein Medizinprodukt niemals in den USA vermarktet werden kann.
Die Konsequenzen hängen insbesondere davon ab,
- welcher Regulatory Pathway verwendet wurde,
- warum die FDA die Einreichung nicht akzeptiert, nicht cleared oder nicht approved hat,
- ob die festgestellten Defizite behoben werden können und
- ob möglicherweise ein anderer regulatorischer Weg geeignet ist.
Eine negative Entscheidung sollte daher zunächst als regulatorisches Ergebnis analysiert werden, nicht automatisch als endgültiges Scheitern des Produkts.
20.1 Nicht jede negative FDA-Entscheidung bedeutet dasselbe
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen beispielsweise:
- einer unvollständigen Submission,
- einem RTA Hold (Refuse to Accept),
- einer NSE (Not Substantially Equivalent)-Entscheidung bei einer 510(k),
- einer abgelehnten De-Novo-Anfrage,
- einem Not Approvable Letter bei einer PMA und
- einer formellen PMA-Ablehnung.
Die möglichen nächsten Schritte unterscheiden sich entsprechend.
Der erste Schritt sollte deshalb immer sein:
Warum hat die FDA die Submission nicht akzeptiert, nicht cleared oder nicht approved?
20.2 Eine 510(k) kann zu einer NSE-Entscheidung führen
Bei einer 510(k) prüft die FDA, ob das neue Medizinprodukt Substantially Equivalent (SE) zu einem rechtmäßig vermarkteten Predicate Device ist.
Kommt die FDA zu dem Ergebnis, dass das Produkt nicht substantially equivalent ist, erhält die Submission eine NSE – Not Substantially Equivalent-Entscheidung.
Das Produkt kann auf Grundlage dieser 510(k) nicht vermarktet werden.
Eine NSE-Entscheidung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass das Produkt unsicher ist.
Mögliche Gründe können beispielsweise sein:
- ein ungeeignetes Predicate Device,
- eine nicht ausreichende Vergleichbarkeit der Intended Use,
- technologische Unterschiede, die neue Fragen zu Safety oder Effectiveness aufwerfen,
- unzureichende Performance-Daten oder
- andere Gründe, aufgrund derer die FDA keine Substantial Equivalence feststellen kann.
20.3 Was kann ein Hersteller nach einer NSE-Entscheidung tun?
Eine NSE-Entscheidung muss nicht das Ende des Projekts sein.
Abhängig von den Umständen können unter anderem folgende Wege in Betracht kommen:
- Eine neue 510(k) mit zusätzlichen oder geänderten Informationen einreichen
- Eine De-Novo-Classification-Request prüfen
- Eine Reclassification Petition prüfen
- Eine PMA als möglichen alternativen Weg prüfen
Welcher Weg sinnvoll ist, hängt vom konkreten Grund für die NSE-Entscheidung und von den Eigenschaften des Produkts ab.
Wenn beispielsweise das grundlegende Problem darin besteht, dass kein geeignetes Predicate Device existiert, kann De Novo unter Umständen sinnvoller sein als ein weiterer Versuch, eine 510(k)-Strategie aufrechtzuerhalten.
20.4 Produkt verbessern oder Submission verbessern?
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig.
Eine negative FDA-Entscheidung bedeutet nicht automatisch:
„Das Produkt muss neu entwickelt werden.“
Manchmal liegt das Problem nicht beim Produkt selbst, sondern bei den Nachweisen.
Beispielsweise kann die FDA feststellen, dass die eingereichten Informationen nicht ausreichen, um die Performance oder Substantial Equivalence angemessen zu belegen.
Dann können möglicherweise zusätzliche:
- Prüfungen,
- Analysen,
- technische Dokumentationen,
- klinische Daten oder
- Predicate-Vergleiche
erforderlich sein.
In anderen Fällen kann die FDA tatsächlich ein Problem mit dem Design, der Intended Use, dem Labeling oder dem Risikoprofil feststellen.
Deshalb sollte zunächst zwischen zwei grundsätzlichen Problemarten unterschieden werden:
Regulatory / Evidence Problem
vs.
Product / Safety / Performance Problem
Erst danach sollte entschieden werden, was tatsächlich geändert werden muss.
20.5 Eine neue 510(k) kann eingereicht werden
Wenn die festgestellten Defizite behoben werden können, kann der Hersteller eine neue 510(k) einreichen.
Diese sollte nicht einfach die vorherige Submission wiederholen.
Zunächst sollte geklärt werden:
- Warum war die ursprüngliche Submission nicht erfolgreich?
- Welche konkreten FDA-Bedenken müssen adressiert werden?
- Ist das Predicate Device weiterhin geeignet?
- Ist die Intended Use korrekt definiert?
- Sind die technologischen Unterschiede ausreichend bewertet?
- Werden zusätzliche Prüfungen benötigt?
- Ist klinische Evidenz erforderlich?
- Ist der 510(k)-Pathway weiterhin der richtige Weg?
Die FDA nennt eine neue 510(k) mit zusätzlichen Daten ausdrücklich als eine mögliche Option nach einer NSE-Entscheidung.
20.6 De Novo kann eine Alternative sein
Eine besonders wichtige Alternative nach einer NSE-Entscheidung ist der De-Novo-Pathway.
De Novo ist für bestimmte neuartige Medizinprodukte vorgesehen, für die kein geeignetes Predicate Device existiert, die aber durch General Controls beziehungsweise General und Special Controls ausreichend kontrolliert werden können.
Das kann beispielsweise relevant sein, wenn ein Hersteller zunächst eine 510(k) eingereicht hat und die FDA feststellt, dass kein geeignetes Predicate Device vorhanden ist.
Wird die De-Novo-Anfrage akzeptiert, wird das Produkt klassifiziert und eine entsprechende Classification Regulation geschaffen.
Das neu klassifizierte Produkt kann anschließend unter bestimmten Voraussetzungen als Predicate Device für zukünftige 510(k)-Submissions dienen.
Eine erfolglose 510(k) kann somit zeigen, dass nicht unbedingt das Produkt, sondern möglicherweise der gewählte Regulatory Pathway das Problem war.
20.7 Was passiert, wenn eine De-Novo-Anfrage abgelehnt wird?
Auch eine De-Novo-Request kann erfolglos sein.
Die FDA kann eine De-Novo-Anfrage beispielsweise ablehnen, wenn:
- General Controls beziehungsweise General und Special Controls keine ausreichende Sicherheit und Wirksamkeit gewährleisten können,
- die vorgelegten Informationen für eine entsprechende Bewertung nicht ausreichen oder
- die wahrscheinlichen Risiken die wahrscheinlichen Vorteile überwiegen.
Wird die De-Novo-Anfrage abgelehnt, bleibt das Produkt grundsätzlich Class III und kann nicht auf Grundlage dieser De-Novo-Request vermarktet werden.
Die FDA erläutert in ihrer Entscheidung die Gründe für die Ablehnung.
Je nach Situation kann der Hersteller anschließend zusätzliche Informationen sammeln und eine neue De-Novo-Request einreichen oder einen PMA-Pathway verfolgen.
20.8 Was passiert bei einer PMA?
Auch bei einer PMA gibt es mehrere mögliche Ergebnisse.
Die FDA kann unter anderem erteilen:
- einen Approval Order,
- einen Approvable Letter,
- einen Not Approvable Letter oder
- einen Order Denying Approval.
Diese Ergebnisse sollten nicht miteinander gleichgesetzt werden.
Ein Approvable Letter bedeutet beispielsweise, dass die FDA die PMA grundsätzlich für genehmigungsfähig hält, wenn bestimmte Anforderungen oder Defizite adressiert werden.
20.9 Ein Approvable Letter bedeutet nicht automatisch das Scheitern
Bei einem Approvable Letter kann der Hersteller auf die von der FDA genannten Anforderungen reagieren.
Die FDA nennt unter anderem folgende Möglichkeiten:
- die PMA entsprechend ergänzen,
- die Entscheidung als Ablehnung behandeln und eine administrative Überprüfung beantragen oder
- die PMA zurückziehen.
Der Hersteller kann somit unter Umständen die bestehenden regulatorischen Arbeiten weiterverwenden, anstatt den gesamten PMA-Prozess von vorne zu beginnen.
20.10 Ein Not Approvable Letter
Ein Not Approvable Letter bedeutet, dass die FDA die PMA zu diesem Zeitpunkt nicht genehmigen kann, beispielsweise weil bestimmte Anforderungen nicht erfüllt sind oder Informationen fehlen.
Die FDA beschreibt die festgestellten Defizite und gibt, soweit möglich, an, was erforderlich wäre, damit die PMA genehmigungsfähig werden kann.
Der Antragsteller kann anschließend unter anderem:
- die PMA ergänzen,
- eine administrative Überprüfung beantragen oder
- die PMA zurückziehen.
Auch ein Not Approvable Letter bedeutet daher nicht automatisch, dass das Produkt niemals FDA Approval erhalten kann.
20.11 Formelle Ablehnung einer PMA
Eine formelle PMA-Ablehnung ist ein schwerwiegenderes Ergebnis.
Die FDA kann eine PMA ablehnen, wenn die entsprechenden gesetzlichen oder regulatorischen Voraussetzungen für eine Genehmigung nicht erfüllt sind.
Die Entscheidung nennt die Gründe für die Ablehnung und, soweit möglich, welche Maßnahmen erforderlich wären, um die PMA in einen genehmigungsfähigen Zustand zu bringen.
Für bestimmte Entscheidungen besteht außerdem die Möglichkeit einer administrativen Überprüfung.
Vor einer Entscheidung über das weitere Vorgehen sollte der Hersteller deshalb die konkrete FDA-Entscheidung detailliert analysieren.
20.12 Kann ein Hersteller gegen eine FDA-Entscheidung vorgehen?
In bestimmten Fällen bestehen Möglichkeiten zur administrativen Überprüfung oder Reconsideration.
Das Verfahren hängt von der Art der FDA-Entscheidung ab.
Bei PMA-Entscheidungen bestehen beispielsweise spezifische Verfahren für eine entsprechende administrative Überprüfung.
Es handelt sich jedoch nicht um ein allgemeines „Appeal“-Verfahren, bei dem jede negative FDA-Entscheidung einfach angefochten werden kann.
Der Hersteller muss das für die jeweilige Entscheidung vorgesehene Verfahren und die entsprechenden Fristen einhalten.
Bei wichtigen regulatorischen Entscheidungen kann daher die Unterstützung durch einen spezialisierten FDA-Regulatory-Experten sinnvoll sein.
20.13 Was passiert, wenn die Submission bereits vor der eigentlichen Prüfung abgelehnt wird?
Ein negatives Ergebnis kann bereits vor der eigentlichen inhaltlichen FDA-Prüfung auftreten.
Bei einer 510(k) kann die FDA beispielsweise einen RTA Hold (Refuse to Accept) aussprechen, wenn die Submission die Mindestanforderungen für die Annahme nicht erfüllt.
Das ist etwas völlig anderes als eine NSE-Entscheidung.
Bei einem RTA Hold erhält der Antragsteller die Möglichkeit, die festgestellten formalen oder inhaltlichen Defizite zu beheben.
Bei einer 510(k) beträgt die entsprechende Frist grundsätzlich 180 Kalendertage. Werden die Defizite innerhalb dieses Zeitraums nicht behoben, gilt die Submission als zurückgezogen und gelöscht. Für eine weitere Prüfung muss dann eine neue vollständige 510(k) eingereicht werden.
Daher gilt:
RTA
≠
NSE
Bei RTA wurde die Submission nicht zur eigentlichen inhaltlichen Prüfung akzeptiert.
Bei NSE hat die FDA die 510(k) inhaltlich bewertet und festgestellt, dass keine Substantial Equivalence nachgewiesen werden konnte.
20.14 Zusätzliche FDA-Fragen sind nicht automatisch eine Ablehnung
Während der FDA-Prüfung kann die FDA zusätzliche Informationen anfordern.
Das sollte nicht automatisch als negative Entscheidung interpretiert werden.
Der Hersteller kann beispielsweise aufgefordert werden, zusätzliche:
- Prüfergebnisse,
- technische Erläuterungen,
- Dokumente,
- Analysen oder
- andere Nachweise
vorzulegen.
Entscheidend ist, ob die Fragen innerhalb des vorgesehenen Prozesses angemessen beantwortet werden können.
Ein Hersteller sollte deshalb bereits während der Submission einen klaren Prozess für die Bearbeitung von FDA-Fragen vorsehen.
20.15 Darf das Produkt während der Klärung vermarktet werden?
Grundsätzlich nein, wenn für das Produkt eine Premarket Authorization erforderlich ist und diese noch nicht vorliegt.
Die Tatsache, dass ein Hersteller gerade mit der FDA an der Behebung von Defiziten arbeitet, stellt keine Marktzulassung dar.
Bei einer 510(k) darf das Produkt grundsätzlich erst vermarktet werden, wenn die FDA eine Substantial Equivalence Determination erteilt hat oder eine andere gesetzliche Grundlage für die Vermarktung besteht.
Deshalb muss klar zwischen zwei Situationen unterschieden werden:
Regulatorische Arbeiten laufen weiter
und
das Produkt darf rechtmäßig vermarktet werden.
Das eine bedeutet nicht automatisch das andere.
20.16 Muss das Produkt nach einer negativen Entscheidung verändert werden?
Nicht unbedingt.
Eine negative FDA-Entscheidung sollte zunächst eine Root-Cause-Analyse auslösen.
Ein sinnvoller Ablauf ist:
FDA Decision
↓
Konkrete Defizite identifizieren
↓
Problem klassifizieren
- Evidence?
- Testing?
- Predicate?
- Intended Use?
- Labeling?
- Risk?
- Product Design?
↓
Corrective Strategy definieren
↓
Regulatorische Konsequenzen bestimmen
↓
Resubmission / neuer Pathway / Product Change
Erst danach sollte entschieden werden, ob tatsächlich eine Änderung am Produkt erforderlich ist.
Dadurch lassen sich unnötige Produktänderungen vermeiden.
20.17 Manchmal ist die Regulatory Strategy das eigentliche Problem
Bei manchen Projekten liegt das grundlegende Problem nicht in der Qualität des Produkts, sondern in der gewählten regulatorischen Strategie.
Ein Hersteller kann beispielsweise davon ausgehen:
„Für unser Produkt gibt es sicher ein geeignetes Predicate, deshalb verwenden wir 510(k).“
Die FDA kann jedoch feststellen, dass das gewählte Predicate nicht geeignet ist.
Dann muss möglicherweise geprüft werden, ob De Novo der passendere Regulatory Pathway ist.
Ebenso kann die Intended Use zu breit oder die gewählte Evidence Strategy unzureichend sein.
Deshalb sollte der Regulatory Pathway vor umfangreichen Tests und der eigentlichen Submission sorgfältig bewertet werden.
20.18 Vereinfachter Entscheidungsbaum
Nach einem negativen FDA-Ergebnis kann der Entscheidungsprozess vereinfacht so aussehen:
FDA cleared / approved das Produkt nicht
↓
Warum?
Administrative / Submission Deficiency
→ Submission korrigieren
→ innerhalb der geltenden Frist reagieren
Insufficient Evidence
→ zusätzliche Daten generieren
→ Submission ergänzen oder neu einreichen
Kein geeignetes Predicate
→ De Novo prüfen
Zu hohes Produktrisiko
→ Design, Risk Controls und Evidence neu bewerten
Regulatory Pathway ungeeignet
→ alternativen Pathway prüfen
PMA Deficiency
→ PMA ergänzen / administrative Überprüfung / weitere geeignete Maßnahme
Welche Option tatsächlich zur Verfügung steht, hängt immer von der konkreten FDA-Entscheidung ab.
20.19 Warum bereits vor der Submission ein Plan B sinnvoll ist
Hersteller konzentrieren sich häufig ausschließlich auf die Frage:
„Wie bekommen wir die FDA Clearance?“
Eine bessere Regulatory Strategy berücksichtigt zusätzlich:
„Was tun wir, wenn die FDA unserer Strategie nicht folgt?“
Bereits vor der Submission sollte daher bekannt sein:
- welche regulatorischen Annahmen getroffen wurden;
- welche Evidence entscheidend ist;
- wo die Schwachstellen liegen;
- ob die Predicate Strategy belastbar ist;
- welche alternativen Regulatory Pathways möglich sind;
- welche zusätzlichen Tests wahrscheinlich erforderlich wären; und
- welche Konsequenzen eine negative Entscheidung hätte.
Das bedeutet nicht, mit einem Scheitern zu rechnen.
Es bedeutet, sicherzustellen, dass eine negative Entscheidung nicht automatisch das gesamte Projekt beendet.
20.20 Die praktische Konsequenz
Eine FDA-Entscheidung, die eine unmittelbare Vermarktung verhindert, bedeutet nicht zwangsläufig das Ende des Projekts.
Abhängig vom Regulatory Pathway und vom Grund der Entscheidung können unter anderem folgende Möglichkeiten bestehen:
- zusätzliche Informationen einreichen;
- die Submission ergänzen;
- zusätzliche Prüfungen durchführen;
- das Produkt verändern;
- eine neue 510(k) einreichen;
- De Novo verfolgen;
- PMA verfolgen;
- eine administrative Überprüfung beantragen oder
- die gesamte Regulatory Strategy neu bewerten.
Der entscheidende erste Schritt ist immer:
Verstehen, warum die FDA das Produkt nicht akzeptiert, cleared oder approved hat.
Die FDA sieht für verschiedene Arten von negativen Entscheidungen ausdrücklich Möglichkeiten vor, Defizite zu adressieren oder einen alternativen Regulatory Pathway zu verfolgen.
Der zentrale Grundsatz lautet daher:
Eine negative FDA-Entscheidung sollte zunächst als regulatorisches Problem analysiert werden – nicht automatisch als Produktversagen.
Je früher der Hersteller den tatsächlichen Grund der Entscheidung versteht, desto besser lässt sich bestimmen, ob die richtige Reaktion zusätzliche Evidenz, eine Produktänderung, eine neue Submission, ein anderer Regulatory Pathway oder eine formelle Überprüfung ist.
21. Die FDA-Submission: Einreichung, Prüfung und Entscheidungsprozess
Nachdem Classification, Regulatory Pathway, Evidence Strategy, Testing und technische Dokumentation vorbereitet wurden, folgt die eigentliche FDA Submission.
Die Einreichung ist jedoch nicht einfach der Moment, in dem ein Hersteller seine Unterlagen an die FDA schickt. Je nach Submission Type durchläuft der Antrag mehrere Prüfungsstufen, bevor die FDA eine endgültige Entscheidung trifft.
Die konkreten Abläufe unterscheiden sich insbesondere zwischen 510(k), De Novo und PMA.
21.1 Wo wird die Submission eingereicht?
Für viele Medizinprodukte erfolgt die Einreichung elektronisch über die von der FDA vorgesehenen Systeme und Submission Templates.
Eine zentrale Rolle spielt heute eSTAR (electronic Submission Template and Resource).
Für 510(k)- und De-Novo-Submissions an CDRH oder CBER ist die Nutzung von eSTAR grundsätzlich verpflichtend, sofern keine entsprechende Ausnahme gilt. Für PMAs ist die Nutzung dagegen derzeit freiwillig.
eSTAR führt den Antragsteller strukturiert durch die erforderlichen Informationen und ermöglicht es, die relevanten Dokumente und Anhänge in einer standardisierten Form zusammenzustellen.
Das ist wichtig, weil eine Submission nicht lediglich aus einem frei zusammengestellten PDF mit technischen Dokumenten besteht.
21.2 Was passiert unmittelbar nach der Einreichung?
Nach Eingang der Submission prüft die FDA zunächst, ob sie die grundlegenden Voraussetzungen für die weitere Bearbeitung erfüllt.
Diese erste Prüfung ist nicht dasselbe wie die vollständige wissenschaftliche oder technische Bewertung.
Vereinfacht kann der Prozess so dargestellt werden:
Submission
↓
Administrative / Acceptance Review
↓
Substantive Review
↓
FDA Questions / Additional Information
↓
Final Decision
Die genaue Ausgestaltung hängt vom Submission Type ab.
21.3 Der 510(k)-Prozess
Bei einer 510(k) wird die Submission zunächst dem zuständigen FDA-Bereich und anschließend einem Lead Reviewer zugeordnet.
Die FDA führt eine Acceptance Review durch.
Dabei wird geprüft, ob die Submission die Mindestanforderungen erfüllt, um in die eigentliche inhaltliche Prüfung einzutreten.
Innerhalb von 15 Tagen nach Eingang erhält der Antragsteller grundsätzlich eine elektronische Information über das Ergebnis dieser Acceptance Review.
Mögliche Ergebnisse sind:
- Die 510(k) wird zur Substantive Review angenommen.
- Die Submission wird nicht akzeptiert und erhält einen RTA Hold.
- Die FDA schließt die Acceptance Review nicht innerhalb der vorgesehenen 15 Tage ab; dann kann die Submission in die Substantive Review übergehen.
21.4 Was bedeutet RTA?
RTA steht für Refuse to Accept.
Ein RTA bedeutet nicht, dass die FDA bereits festgestellt hat, dass das Medizinprodukt nicht sicher oder nicht substantially equivalent ist.
Vielmehr bedeutet es, dass die Submission die Mindestanforderungen für die Annahme zur eigentlichen Prüfung nicht erfüllt.
Der Hersteller erhält eine Liste der festgestellten Defizite.
Bei einer 510(k) hat der Antragsteller grundsätzlich 180 Kalendertage, um diese vollständig zu adressieren. Wird dies nicht innerhalb dieser Frist erledigt, gilt die Submission als zurückgezogen und wird aus dem FDA-System gelöscht. Für eine weitere Prüfung muss dann eine neue vollständige 510(k) eingereicht werden.
Das macht deutlich, warum eine gründliche Submission-Checkliste vor der Einreichung wichtig ist.
21.5 Die Substantive Review
Wird eine 510(k) akzeptiert, beginnt die eigentliche Substantive Review.
Hier bewertet die FDA die regulatorischen und technischen Inhalte der Submission.
Im Mittelpunkt steht insbesondere die Frage:
Ist das neue Medizinprodukt Substantially Equivalent zu einem geeigneten Predicate Device?
Dazu werden unter anderem die Intended Use und die technologischen Eigenschaften betrachtet.
Die FDA kann außerdem die vorgelegten Performance-Daten und andere Nachweise bewerten.
Wenn Fragen offenbleiben, kann die FDA zusätzliche Informationen anfordern.
21.6 Wie lange dauert eine 510(k)-Prüfung?
Im Rahmen des aktuellen MDUFA-V-Programms hat die FDA ein Ziel, eine 510(k) innerhalb von 90 Tagen zu bearbeiten.
Diese Zahl sollte jedoch nicht mit einer garantierten Marktzulassung innerhalb von 90 Tagen verwechselt werden.
Wenn die FDA zusätzliche Informationen anfordert und die Submission auf Hold gesetzt wird, läuft die FDA Review Clock während dieser Zeit grundsätzlich nicht weiter.
Die tatsächliche Kalenderzeit eines Projekts kann daher deutlich länger sein als 90 Tage.
Ein Hersteller sollte deshalb zwischen:
FDA Review Time
und
Total Project Time
unterscheiden.
21.7 Die FDA kann zusätzliche Informationen anfordern
Während der Prüfung kann die FDA Fragen oder Anforderungen nach zusätzlichen Informationen stellen.
Das kann beispielsweise betreffen:
- Testmethoden;
- Testergebnisse;
- technische Unterschiede zum Predicate;
- Software;
- Cybersecurity;
- Biocompatibility;
- Performance;
- Labeling;
- klinische Daten oder
- andere Aspekte der Submission.
Der Hersteller muss diese Fragen innerhalb des vorgesehenen Prozesses beantworten.
Eine FDA-Frage ist daher nicht automatisch ein negatives Ergebnis.
Sie ist zunächst Bestandteil des Review-Prozesses.
21.8 Was passiert nach der Beantwortung der FDA-Fragen?
Wenn der Hersteller die angeforderten Informationen eingereicht hat, setzt die FDA ihre Prüfung fort.
Die zusätzlichen Informationen werden zusammen mit den bereits eingereichten Unterlagen bewertet.
Entscheidend ist am Ende, ob die FDA auf Grundlage der gesamten vorliegenden Informationen die gesetzlichen Anforderungen für den jeweiligen Regulatory Pathway als erfüllt betrachtet.
Bei einer 510(k) kann das beispielsweise zu einer Substantial Equivalence Determination und damit zur Clearance führen.
21.9 Wie endet eine 510(k)?
Das Ziel einer erfolgreichen 510(k) ist eine FDA-Entscheidung, dass das Gerät Substantially Equivalent zum Predicate Device ist.
Wird diese Feststellung getroffen, ist die 510(k) cleared.
Das ist die korrekte Bezeichnung.
Man sollte deshalb bei einer 510(k) nicht von einer:
„FDA Approval“
sprechen.
Die FDA unterscheidet ausdrücklich zwischen den verschiedenen Premarket Pathways. Eine 510(k) führt zu clearance, während eine PMA zu approval führt.
Diese Unterscheidung ist auch in Marketing- und Produktunterlagen wichtig.
21.10 Der De-Novo-Prozess
Der grundsätzliche Ablauf einer De-Novo-Submission ist ähnlich:
Submission
↓
Acceptance Review
↓
Substantive Review
↓
FDA Questions / Additional Information
↓
FDA Decision
Der wesentliche Unterschied liegt jedoch in der regulatorischen Fragestellung.
Bei De Novo geht es nicht primär darum, Substantial Equivalence zu einem Predicate Device nachzuweisen.
Stattdessen prüft die FDA, ob das neuartige Medizinprodukt auf Grundlage von General Controls beziehungsweise General und Special Controls ausreichend kontrolliert werden kann.
Wenn die FDA die De-Novo-Request akzeptiert, wird das Produkt entsprechend klassifiziert.
21.11 Wie lange dauert eine De-Novo-Prüfung?
Im Rahmen des aktuellen MDUFA-V-Programms hat die FDA ein Ziel von 150 Tagen für die Review einer De-Novo-Submission.
Auch diese Zahl ist kein garantierter Zeitraum bis zur Marktzulassung.
Insbesondere zusätzliche Informationsanforderungen können die tatsächliche Kalenderzeit verlängern.
21.12 Der PMA-Prozess ist wesentlich umfangreicher
Der PMA-Prozess ist der strengste der wesentlichen FDA-Premarket-Pathways für Medizinprodukte.
Die FDA beschreibt die PMA Review als einen mehrstufigen Prozess:
- Administrative und Acceptance/Filing Review
- Detaillierte wissenschaftliche und regulatorische Prüfung
- gegebenenfalls Advisory Panel Review
- abschließende FDA-Entscheidung.
Bei einer PMA geht es nicht um den Nachweis von Substantial Equivalence.
Die FDA muss vielmehr auf Grundlage ausreichender wissenschaftlicher Evidenz feststellen, dass das Produkt safe and effective für seine Intended Use ist.
21.13 Die Filing Review bei einer PMA
Nach Eingang einer PMA prüft die FDA zunächst, ob die Anwendung ausreichend vollständig ist, um in die detaillierte Prüfung einzutreten.
Innerhalb von 45 Tagen nach Eingang informiert die FDA den Antragsteller grundsätzlich darüber, ob die PMA zur weiteren Prüfung angenommen und „filed“ wurde.
Die Bedeutung dieses Schrittes ist wichtig:
Filed
bedeutet nicht:
Approved
Es bedeutet lediglich, dass die PMA die Schwelle erreicht hat, um in die eigentliche detaillierte Prüfung einzutreten.
21.14 Was passiert während der PMA Review?
Während der PMA-Prüfung kann die FDA unter anderem folgende Bereiche bewerten:
- Non-Clinical Studies;
- Clinical Studies;
- Biocompatibility;
- Engineering;
- Manufacturing;
- Quality System;
- Labeling;
- statistische Auswertungen;
- weitere Safety- und Effectiveness-Nachweise.
Bei einer PMA können außerdem FDA-Inspektionen der Produktionsstätten sowie Audits klinischer Studiendaten relevant sein.
Der Umfang erklärt, warum PMA-Projekte erheblich aufwendiger sein können als viele 510(k)-Projekte.
21.15 Advisory Panel
Bei bestimmten PMAs kann die FDA ein Advisory Panel aus externen Experten einbeziehen.
Das Panel bewertet die relevanten Fragen und gibt der FDA eine Empfehlung.
Die Empfehlung des Advisory Panels ist jedoch nicht automatisch die endgültige FDA-Entscheidung.
Die FDA berücksichtigt die Panel-Empfehlung zusammen mit den übrigen Informationen und trifft anschließend ihre eigene regulatorische Entscheidung.
Nicht jede PMA wird zwingend einem Advisory Panel vorgelegt.
21.16 Wie lange dauert eine PMA-Prüfung?
Für eine PMA beträgt der gesetzliche Review-Zeitraum grundsätzlich 180 Tage ab dem Filing Date, wobei der tatsächliche Prozess komplexer sein kann und beispielsweise durch Amendments und zusätzliche Informationsanforderungen beeinflusst wird.
Das Filing Date ist dabei entscheidend.
Die 180 Tage beginnen nicht einfach mit dem Tag, an dem der Hersteller die Unterlagen versendet, sondern mit dem Zeitpunkt, an dem die FDA die PMA als fileable akzeptiert.
21.17 Die FDA kann eine Submission auf Hold setzen
Während des Review-Prozesses kann die FDA zusätzliche Informationen benötigen.
Wenn der Hersteller diese Informationen liefern muss, kann die Submission auf Hold gesetzt werden.
Deshalb darf ein Hersteller die offiziellen Review-Ziele nicht als feste Garantie für die Dauer des gesamten Projekts interpretieren.
Beispielsweise kann gelten:
90 Tage 510(k) FDA Review Goal
aber gleichzeitig:
+ Zeit für FDA Questions
+ Zeit des Herstellers für Antworten
+ mögliche zusätzliche Tests
+ mögliche Amendments
= längere tatsächliche Projektdauer
21.18 Die FDA-Entscheidung
Am Ende des jeweiligen Review-Prozesses steht die FDA-Entscheidung.
Je nach Pathway sind die Begriffe unterschiedlich:
| Pathway | Erfolgreiches Ergebnis |
| 510(k) | Cleared |
| De Novo | Granted / Classified |
| PMA | Approved |
Diese Begriffe sollten im regulatorischen und kommerziellen Umfeld korrekt verwendet werden.
Insbesondere sollte ein 510(k)-cleared device nicht einfach als „FDA approved“ bezeichnet werden.
21.19 Eine FDA-Submission ist ein Dialog
Ein wichtiger Punkt wird häufig unterschätzt:
Die FDA Submission ist nicht zwingend ein einmaliger Austausch von Dokumenten.
Der Prozess kann vielmehr als Dialog betrachtet werden:
Manufacturer
→ Submission
FDA
→ Questions / Requests
Manufacturer
→ Additional Information
FDA
→ Further Review
Manufacturer
→ Amendments / Clarifications
FDA
→ Decision
Deshalb sollte ein Hersteller bereits vor der Submission Ressourcen dafür einplanen, auf FDA-Fragen schnell und konsistent zu reagieren.
21.20 Warum die Vorbereitung so entscheidend ist
Die FDA prüft nicht nur, ob ein Hersteller viele Dokumente eingereicht hat.
Entscheidend ist, ob die eingereichten Informationen eine klare und nachvollziehbare regulatorische Argumentation ergeben.
Eine gute Submission sollte deshalb eine logische Verbindung herstellen zwischen:
Intended Use
↓
Classification / Regulatory Pathway
↓
Risks
↓
Regulatory Requirements
↓
Testing / Clinical Evidence
↓
Safety & Performance
↓
Labeling
↓
FDA Submission
Wenn diese Kette konsistent ist, kann die FDA die regulatorische Argumentation wesentlich besser nachvollziehen.
21.21 Der wichtigste Punkt für Hersteller
Die eigentliche FDA Submission ist nicht der Moment, in dem das regulatorische Konzept eines Produkts erstmals geprüft wird.
Zu diesem Zeitpunkt sollte bereits klar sein:
- was das Produkt ist;
- welche FDA-Anforderungen gelten;
- welcher Regulatory Pathway verwendet wird;
- welche Evidence erforderlich ist;
- welche Tests durchgeführt wurden;
- warum diese Tests relevant sind;
- welche Risiken adressiert wurden und
- wie die Ergebnisse die Safety und Effectiveness beziehungsweise Substantial Equivalence unterstützen.
Die FDA-Prüfung sollte idealerweise bestätigen, dass diese Strategie funktioniert – nicht erstmals aufdecken, dass wesentliche Teile davon fehlen.
Eine erfolgreiche FDA Submission beginnt deshalb lange vor dem eigentlichen Einreichungstag.
Die FDA stellt für die verschiedenen Submission Types eigene Verfahren, Templates und Review-Prozesse bereit. Die jeweils aktuelle FDA-Anleitung sollte vor jeder tatsächlichen Einreichung geprüft werden, da sich Anforderungen und elektronische Submission-Verfahren ändern können.
22. Was passiert nach der FDA Clearance oder Approval?
Eine FDA Clearance oder Approval ist ein wichtiger Meilenstein – aber nicht das Ende des regulatorischen Prozesses.
Nach einer erfolgreichen Pre-Market-Submission können für den Hersteller weiterhin zahlreiche Verpflichtungen bestehen. Dazu gehören insbesondere die Registrierung des Herstellungsbetriebs, das Device Listing, gegebenenfalls ein U.S. Agent, Importanforderungen sowie laufende Post-Market-Anforderungen.
Die FDA betrachtet die Regulierung von Medizinprodukten ausdrücklich als einen gesamten Produktlebenszyklus und nicht als einmalige Zulassungsentscheidung.
22.1 FDA Clearance oder Approval ist nicht dasselbe wie Registration
Eine der häufigsten Fehlvorstellungen besteht darin, dass ein FDA-cleared oder FDA-approved Device automatisch vollständig für den Vertrieb in den USA registriert sei.
Das ist nicht der Fall.
Die FDA unterscheidet insbesondere zwischen:
- Premarket Clearance oder Approval
- Establishment Registration
- Device Listing
- U.S. Agent
- Importer Registration
- Post-Market Compliance
Diese Anforderungen sind voneinander getrennt.
Die FDA weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Registration oder Listing nicht bedeutet, dass ein Unternehmen oder Produkt von der FDA zugelassen oder freigegeben wurde.
Umgekehrt bedeutet eine erfolgreiche 510(k)-Clearance oder PMA-Approval nicht automatisch, dass alle Registrierungs- und Listing-Pflichten erfüllt sind.
22.2 Establishment Registration
Unternehmen und Einrichtungen, die bestimmte Tätigkeiten im Zusammenhang mit Medizinprodukten für den US-Markt durchführen, müssen sich bei der FDA registrieren.
Dieser Vorgang wird als Establishment Registration bezeichnet und ist im Wesentlichen in 21 CFR Part 807 geregelt.
Je nach Tätigkeit können Registrierungspflichten beispielsweise für folgende Einrichtungen bestehen:
- Manufacturers;
- Contract Manufacturers;
- Contract Sterilizers;
- Specification Developers;
- Repackers;
- Relabelers;
- Initial Importers und
- weitere Einrichtungen, die an Herstellung oder Vertrieb beteiligt sind.
Welche Registrierungspflicht tatsächlich besteht, hängt von der konkreten Tätigkeit des jeweiligen Unternehmens ab.
22.3 Für ausländische Hersteller gelten zusätzliche Anforderungen
Für einen Hersteller außerhalb der USA kommen weitere Anforderungen hinzu.
Ein ausländischer Hersteller, der ein Medizinprodukt für den Import in die USA produziert, muss grundsätzlich:
- die betreffende Establishment Registration durchführen;
- die entsprechenden Devices listen;
- einen U.S. Agent benennen und
- die für ausländische Hersteller geltenden FDA-Anforderungen erfüllen.
Die Registrierung muss grundsätzlich abgeschlossen sein, bevor der Hersteller das Produkt in die USA exportiert.
Ein deutscher oder französischer Hersteller kann daher nicht einfach eine 510(k)-Clearance erhalten und anschließend ohne weitere regulatorische Schritte mit dem Export beginnen.
22.4 Was ist ein U.S. Agent?
Ein ausländischer Hersteller muss grundsätzlich einen U.S. Agent benennen, wenn er Medizinprodukte für den US-Markt herstellt und die entsprechenden FDA-Voraussetzungen erfüllt.
Der U.S. Agent muss:
- seinen Wohnsitz in den USA haben oder dort eine Geschäftsstelle unterhalten;
- eine physische US-Adresse besitzen;
- für die FDA erreichbar sein und
- die Funktion als U.S. Agent akzeptieren.
Ein ausländischer Hersteller darf grundsätzlich nur einen U.S. Agent benennen.
22.5 Welche Aufgabe hat der U.S. Agent?
Die Rolle des U.S. Agent wird häufig missverstanden.
Der U.S. Agent dient vor allem als Kommunikationsschnittstelle zwischen FDA und ausländischem Hersteller.
Zu seinen Aufgaben können beispielsweise gehören:
- Kommunikation mit der FDA;
- Weiterleitung von FDA-Anfragen an den Hersteller;
- Unterstützung bei der Koordination von FDA-Inspektionen;
- Entgegennahme bestimmter FDA-Mitteilungen und Dokumente.
Der U.S. Agent übernimmt jedoch nicht automatisch die regulatorische Verantwortung des Herstellers.
Insbesondere bedeutet die Benennung eines U.S. Agent nicht, dass dieser automatisch für das gesamte FDA-Compliance-Programm oder für die 510(k)-Submission verantwortlich ist.
Die Verantwortung für die Einhaltung der FDA-Anforderungen bleibt grundsätzlich beim Hersteller.
22.6 Device Listing
Neben der Registrierung der betreffenden Einrichtung müssen die entsprechenden Medizinprodukte auch bei der FDA gelistet werden.
Das Device Listing enthält Informationen darüber, welche Produkte die jeweilige Einrichtung herstellt oder vertreibt und welche regulatorische Grundlage für deren Vermarktung besteht.
Je nach Produkt können dabei beispielsweise relevante Angaben zu:
- Product Code;
- 510(k);
- De Novo;
- PMA oder
- anderen regulatorischen Statusinformationen
erforderlich sein.
Registration und Listing sind daher zwei miteinander verbundene, aber unterschiedliche Prozesse.
22.7 Registration und Listing erfolgen elektronisch
Die FDA führt Registration und Listing grundsätzlich elektronisch über ihr FURLS / Device Registration and Listing Module (DRLM) durch.
Die entsprechenden Einrichtungen müssen ihre Informationen über das FDA-System einreichen, sofern keine Ausnahme oder ein entsprechender Waiver greift.
Für die Registrierung können außerdem FDA User Fees anfallen.
22.8 Die Registrierung muss regelmäßig erneuert werden
Die Establishment Registration ist keine einmalige Registrierung.
Für registrierungspflichtige Einrichtungen ist grundsätzlich eine jährliche Erneuerung erforderlich.
Die FDA sieht dafür grundsätzlich den Zeitraum:
1. Oktober bis 31. Dezember
vor.
Dabei müssen die vorhandenen Informationen überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden.
Ein Hersteller muss daher auch nach der Markteinführung sicherstellen, dass seine FDA-Registrierungsdaten aktuell bleiben.
22.9 FDA Registration Fees
Für viele registrierungspflichtige Einrichtungen fällt eine jährliche FDA Registration Fee an.
Für Fiscal Year 2026 beträgt die reguläre jährliche Establishment Registration Fee:
11.423 US-Dollar pro Establishment.
Für bestimmte qualifizierte Small Businesses bestehen besondere Regelungen und mögliche Gebührenreduzierungen beziehungsweise Waiver.
Diese Kosten sind von den Gebühren für eine 510(k), De Novo oder PMA zu unterscheiden.
Die FDA aktualisiert ihre User Fees regelmäßig. Deshalb sollte vor einem konkreten Projekt immer die aktuell gültige Fee Schedule geprüft werden.
22.10 Registration bedeutet nicht FDA Approval
Diese Unterscheidung ist so wichtig, dass sie ausdrücklich wiederholt werden sollte.
Ein Unternehmen kann in der FDA Registration Database erscheinen, ohne dass die FDA dessen Produkte approved oder cleared hat.
Ebenso kann ein Unternehmen mit Begriffen wie:
FDA Registered
werben, obwohl dies keinerlei Aussage darüber trifft, ob sein Medizinprodukt FDA cleared oder approved wurde.
Die FDA warnt ausdrücklich davor, Begriffe wie:
- FDA Registered;
- FDA Certified;
- FDA Registration Certificate
als Nachweis einer FDA Approval oder Clearance zu interpretieren.
Für Hersteller ist daher eine korrekte Verwendung der FDA-Terminologie besonders wichtig.
22.11 Was passiert mit dem Importeur?
Bei einem ausländischen Hersteller muss außerdem die Lieferkette betrachtet werden.
Ein europäischer Hersteller kann beispielsweise:
Hersteller → U.S. Importer → Distributor → Hospital
als Vertriebsstruktur verwenden.
Der Initial Importer hat eigene FDA-Verpflichtungen.
Dazu können unter anderem gehören:
- Establishment Registration;
- Medical Device Reporting;
- Reports of Corrections and Removals;
- Medical Device Tracking, soweit anwendbar.
Die FDA weist ausdrücklich darauf hin, dass Initial Importers bestimmte MDR- und weitere regulatorische Verpflichtungen haben.
Deshalb sollte vor dem Markteintritt eindeutig geklärt werden:
- Wer ist der Hersteller?
- Wer ist der U.S. Agent?
- Wer ist der Initial Importer?
- Wer ist der Distributor?
- Wer bearbeitet Complaints?
- Wer kommuniziert mit der FDA?
- Wer ist für welche Records verantwortlich?
22.12 FDA Compliance endet nicht mit der Markteinführung
Nach der Markteinführung entstehen weitere regulatorische Verpflichtungen.
Die FDA nennt unter anderem:
- Medical Device Reporting;
- Complaint Handling;
- Corrections and Removals;
- Recalls;
- Medical Device Tracking, soweit erforderlich;
- Post-Market Surveillance;
- Post-Approval Studies, soweit erforderlich;
- laufende Registration und Listing-Pflichten.
Welche Verpflichtungen tatsächlich gelten, hängt vom konkreten Produkt, seiner Klassifizierung und seinem Regulatory Pathway ab.
22.13 Medical Device Reporting (MDR)
Eine besonders wichtige Post-Market-Anforderung ist das Medical Device Reporting (MDR) nach 21 CFR Part 803.
Hersteller und bestimmte andere Marktteilnehmer müssen bestimmte Ereignisse an die FDA melden.
Für Hersteller gilt insbesondere:
Wenn sie Kenntnis davon erlangen, dass ein eigenes Device möglicherweise zum Tod oder zu einer schweren Verletzung beigetragen hat, kann eine MDR-Meldung erforderlich sein.
Auch bestimmte Fehlfunktionen müssen gemeldet werden, wenn eine Wiederholung des Fehlers dazu führen könnte, dass das Device zum Tod oder zu einer schweren Verletzung beiträgt.
MDR ist damit ein wesentlicher Bestandteil der laufenden Überwachung eines Produkts nach der Markteinführung.
22.14 Complaint Handling und MDR hängen zusammen
Nicht jede Kundenbeschwerde führt automatisch zu einer MDR-Meldung.
Der Hersteller muss jedoch über ein geeignetes System verfügen, um Beschwerden zu erfassen, zu bewerten und festzustellen, ob daraus eine regulatorische Meldepflicht entsteht.
Die FDA nennt Complaint Files ausdrücklich im Zusammenhang mit Medical Device Reporting.
Das bedeutet praktisch:
Customer Complaint
↓
Evaluation
↓
Is it reportable?
↓
MDR if required
↓
Investigation / Corrective Action
Ein Hersteller sollte daher bereits vor der Markteinführung über einen funktionierenden Complaint- und MDR-Prozess verfügen.
22.15 Was passiert bei einem Produktproblem?
Wenn nach der Markteinführung ein Problem festgestellt wird, kann eine Correction, Removal oder ein Recall erforderlich werden.
Die FDA unterscheidet dabei verschiedene Maßnahmen.
Eine Correction kann beispielsweise eine:
- Reparatur;
- Modifikation;
- Anpassung;
- Umkennzeichnung oder
- Inspektion
sein, ohne dass das Produkt physisch an einen anderen Ort gebracht wird.
Ein Removal bedeutet dagegen die physische Entfernung des Produkts von seinem Einsatz- oder Verkaufsort, beispielsweise für Reparatur, Modifikation oder Austausch.
22.16 Wann muss eine Correction oder Removal der FDA gemeldet werden?
Nach 21 CFR Part 806 müssen Hersteller und bestimmte Importeure eine Correction oder Removal grundsätzlich der FDA melden, wenn die Maßnahme eingeleitet wurde, um:
- ein durch das Device verursachtes Gesundheitsrisiko zu reduzieren oder
- einen Verstoß gegen den FD&C Act zu beheben, der ein Gesundheitsrisiko darstellen kann.
Die Meldung muss grundsätzlich innerhalb von 10 Arbeitstagen nach Beginn der Correction oder Removal erfolgen, sofern die Voraussetzungen für eine Meldung erfüllt sind.
Nicht jede Produktänderung oder jedes Service-Ereignis ist automatisch meldepflichtig.
22.17 Recall
Ein Recall ist eine weitere Form der Korrektur oder Entfernung eines bereits vermarkteten Produkts.
Medizinprodukte werden in den meisten Fällen freiwillig vom Hersteller zurückgerufen.
In seltenen Fällen kann die FDA jedoch unter ihrer gesetzlichen Recall Authority selbst einen Recall anordnen, wenn ein Device ein Gesundheitsrisiko darstellt und der Hersteller oder Importeur nicht freiwillig angemessen reagiert.
Ein Recall bedeutet dabei nicht zwingend, dass jedes Produkt physisch zurückgegeben werden muss.
Je nach Situation kann beispielsweise eine Korrektur, Reparatur, Anpassung, Inspektion oder andere Maßnahme erforderlich sein.
22.18 Medical Device Tracking
Für bestimmte Medizinprodukte können außerdem Medical Device Tracking-Anforderungen gelten.
Dies betrifft insbesondere bestimmte Produkte, bei denen ein Versagen erhebliche gesundheitliche Folgen haben könnte.
Die Tracking-Anforderungen sollen es ermöglichen, ein betroffenes Device im Falle eines Sicherheitsproblems entlang der Vertriebskette bis zum Nutzer beziehungsweise Patienten nachzuverfolgen.
Ob ein bestimmtes Produkt diesen Anforderungen unterliegt, muss individuell geprüft werden.
22.19 Besondere Anforderungen für PMA-Produkte
Bei einem PMA-approved Device können zusätzliche Post-Approval Requirements gelten.
Die FDA kann beispielsweise:
- regelmäßige Berichte;
- fortlaufende Sicherheits- und Effektivitätsbewertungen;
- Post-Approval Studies;
- Einschränkungen hinsichtlich Verkauf, Distribution oder Nutzung
als Teil der PMA Approval festlegen.
Bei PMA-Produkten endet die regulatorische Bewertung deshalb besonders deutlich nicht mit der Approval-Entscheidung.
22.20 Änderungen am Produkt nach der Clearance oder Approval
Ein besonders wichtiger Punkt für Hersteller ist die Frage:
Was passiert, wenn das Produkt nach der FDA Clearance oder Approval geändert wird?
Nicht jede Änderung erfordert automatisch eine neue FDA Submission.
Entscheidend ist, welche Änderung vorgenommen wurde und ob sie Auswirkungen auf die regulatorische Grundlage des Produkts hat.
Je nach Änderung können beispielsweise erforderlich sein:
- interne Dokumentation;
- zusätzliche Tests;
- eine neue oder ergänzende FDA Submission;
- eine neue 510(k);
- ein PMA Supplement oder
- eine andere regulatorische Maßnahme.
Deshalb sollte jede wesentliche Produktänderung zunächst regulatorisch bewertet werden, bevor sie umgesetzt wird.
22.21 Das Quality Management System bleibt relevant
Auch nach der Markteinführung bleibt das Quality Management System ein zentraler Bestandteil der FDA Compliance.
Seit dem 2. Februar 2026 ist die FDA Quality Management System Regulation (QMSR) wirksam.
Die QMSR integriert ISO 13485:2016 durch Verweis in die FDA-Regelung und harmonisiert damit das FDA-Qualitätsmanagementsystem stärker mit internationalen Anforderungen.
Für Hersteller bedeutet das, dass Qualitätsmanagement nicht lediglich für die Erstellung der ursprünglichen Submission benötigt wird.
Es bildet die Grundlage für viele Prozesse während des gesamten Produktlebenszyklus.
22.22 FDA-Inspektionen können auch nach der Markteinführung stattfinden
Die FDA kann Hersteller und andere relevante Einrichtungen auch nach der Markteinführung inspizieren.
Dabei kann beispielsweise überprüft werden, ob:
- das Quality Management System funktioniert;
- Complaint Handling ordnungsgemäß durchgeführt wird;
- MDR-Verpflichtungen erfüllt werden;
- Corrections and Removals korrekt behandelt werden;
- Registration und Listing aktuell sind;
- Produktionsprozesse den Anforderungen entsprechen.
Die FDA beschreibt Post-Market-Inspections ausdrücklich als Bestandteil ihrer Überwachung von Medizinprodukten.
22.23 Ein praktisches Beispiel
Nehmen wir einen deutschen Hersteller eines elektrisch betriebenen Medizinprodukts.
Der Hersteller:
1. Definiert das Produkt
↓
2. Bestimmt Classification und Product Code
↓
3. Wählt den geeigneten Regulatory Pathway
↓
4. Führt die erforderlichen Prüfungen durch
↓
5. Reicht eine 510(k) ein
↓
6. Erhält eine FDA Clearance
Damit ist ein wichtiger regulatorischer Meilenstein erreicht.
Der Prozess ist aber noch nicht vollständig abgeschlossen.
Der Hersteller muss anschließend beispielsweise:
7. Die erforderliche Establishment Registration durchführen
↓
8. Das Device listen
↓
9. Einen U.S. Agent unterhalten, sofern erforderlich
↓
10. Die Importstruktur festlegen
↓
11. Complaint- und MDR-Prozesse betreiben
↓
12. Änderungen und Produktprobleme regulatorisch bewerten
↓
13. Registration, Listing und QMS laufend aufrechterhalten
↓
14. Gegebenenfalls Corrections, Removals oder Recalls durchführen
Damit wird deutlich:
FDA Compliance ist ein kontinuierlicher Prozess und keine einmalige Zulassungsentscheidung.
22.24 Die wichtigsten regulatorischen Ebenen
Der gesamte FDA-Prozess lässt sich für einen Hersteller vereinfacht in mehrere Ebenen aufteilen:
| Phase | Zentrale Frage |
| Classification | Was für ein Device ist das? |
| Premarket Pathway | Was muss vor der Vermarktung nachgewiesen werden? |
| FDA Decision | Ist die regulatorische Voraussetzung für die Vermarktung erfüllt? |
| Registration & Listing | Welche Einrichtungen und Devices müssen registriert bzw. gelistet werden? |
| Import & Distribution | Wer importiert und vertreibt das Produkt? |
| Post-Market Compliance | Welche Pflichten bestehen nach der Markteinführung? |
Diese Trennung ist wichtig, weil ein Hersteller sonst leicht davon ausgehen kann, dass mit der FDA Clearance oder Approval sämtliche regulatorischen Pflichten erledigt sind.
22.25 Die wichtigste Erkenntnis
Für einen ausländischen Hersteller von Medizinprodukten ist die FDA Clearance oder Approval nicht automatisch der letzte Schritt vor dem Markteintritt.
Der Hersteller muss zusätzlich prüfen:
- Welche Establishments müssen registriert werden?
- Welche Devices müssen gelistet werden?
- Ist ein U.S. Agent erforderlich?
- Wer ist der Initial Importer?
- Welche User Fees fallen an?
- Welche Post-Market Reporting Requirements gelten?
- Welche Complaint-Prozesse müssen vorhanden sein?
- Welche Änderungen können eine weitere FDA Submission auslösen?
- Welche Recall- oder Correction-and-Removal-Pflichten können entstehen?
- Welche Informationen müssen dauerhaft aktuell gehalten werden?
Die FDA beschreibt diese Anforderungen ausdrücklich als Bestandteil der Post-Market-Regulierung von Medizinprodukten.
FDA Clearance oder Approval ist der entscheidende Pre-Market-Meilenstein – aber die regulatorische Verantwortung des Herstellers endet nicht mit der FDA-Entscheidung. Sie setzt sich über den gesamten Lebenszyklus des Medizinprodukts fort.
23. Was passiert, wenn die FDA ein Medizinprodukt nicht freigibt oder zulässt?
Nicht jede FDA-Einreichung endet mit einem positiven Ergebnis.
Eine Submission kann beispielsweise bereits bei der formalen Prüfung zurückgewiesen werden, während der inhaltlichen Prüfung zusätzliche Informationen erfordert oder am Ende zu einer negativen regulatorischen Entscheidung führen.
Wichtig ist jedoch:
Eine negative FDA-Entscheidung bedeutet nicht automatisch, dass das Produkt niemals in den USA vermarktet werden kann.
Welche Möglichkeiten bestehen, hängt wesentlich davon ab, warum die FDA die Submission nicht akzeptiert, nicht cleared oder nicht approved hat und welcher Regulatory Pathway verwendet wurde.
23.1 Nicht jede negative Entscheidung ist eine endgültige Ablehnung
Es ist wichtig, verschiedene Situationen voneinander zu unterscheiden.
Ein Hersteller kann beispielsweise erhalten:
- einen RTA (Refuse to Accept);
- eine Aufforderung zur Übermittlung zusätzlicher Informationen;
- eine NSE (Not Substantially Equivalent)-Entscheidung bei einer 510(k);
- eine Ablehnung eines De Novo Classification Request;
- einen Not Approvable Letter bei einer PMA;
- oder eine formelle PMA Denial.
Diese Fälle haben unterschiedliche regulatorische Konsequenzen und unterschiedliche Möglichkeiten für das weitere Vorgehen.
Der erste Schritt sollte deshalb immer darin bestehen, genau zu verstehen, warum die FDA die jeweilige Entscheidung getroffen hat.
23.2 Ein RTA ist keine inhaltliche Ablehnung des Produkts
Ein RTA – Refuse to Accept bedeutet, dass eine Submission die Mindestanforderungen für die Annahme durch die FDA nicht erfüllt.
Das ist etwas anderes als die Feststellung, dass das Produkt unsicher ist oder grundsätzlich nicht vermarktet werden kann.
Bei einer 510(k) bedeutet ein RTA beispielsweise, dass die FDA Mängel festgestellt hat, die verhindern, dass die Submission in die eigentliche inhaltliche Prüfung eintritt.
Der Hersteller kann die festgestellten Mängel entsprechend dem FDA-Verfahren bearbeiten und die Submission weiterverfolgen.
Ein RTA sollte daher nicht automatisch als
„Die FDA hat unser Produkt abgelehnt.“
verstanden werden.
Vielmehr hat die FDA festgestellt, dass die Submission in ihrer derzeitigen Form noch nicht für die inhaltliche Prüfung geeignet ist.
23.3 Was passiert bei einer 510(k), die als NSE eingestuft wird?
Eine deutlich wichtigere Situation entsteht, wenn die FDA nach der inhaltlichen Prüfung einer 510(k) zu dem Ergebnis kommt:
Not Substantially Equivalent (NSE).
Damit hat die FDA festgestellt, dass die erforderliche Substantial Equivalence zwischen dem neuen Produkt und dem angegebenen Predicate Device nicht nachgewiesen wurde.
Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben.
Beispielsweise:
- Es wurde kein geeignetes Predicate Device identifiziert.
- Die Intended Use ist nicht ausreichend vergleichbar.
- Technologische Unterschiede führen zu neuen Fragen hinsichtlich Sicherheit oder Wirksamkeit.
- Die eingereichten Performance-Daten reichen nicht aus.
- Die Unterschiede zum Predicate wurden nicht ausreichend bewertet.
Die FDA berücksichtigt bei der Substantial-Equivalence-Bewertung insbesondere Intended Use, technologische Eigenschaften und die entsprechenden Leistungsdaten.
23.4 Kann man nach einer NSE-Entscheidung erneut einreichen?
Ja.
Eine NSE-Entscheidung bedeutet nicht automatisch, dass der Hersteller das Produkt aufgeben muss.
Je nach Situation können unter anderem folgende Möglichkeiten bestehen:
- eine neue 510(k) mit zusätzlichen oder verbesserten Daten;
- ein De Novo Classification Request;
- ein Antrag auf Reclassification;
- gegebenenfalls eine PMA.
Die FDA nennt diese Möglichkeiten ausdrücklich im Zusammenhang mit einer NSE-Entscheidung.
Welche Option sinnvoll ist, hängt jedoch vom konkreten Grund für die NSE-Entscheidung ab.
Daher gilt:
Eine nicht erfolgreiche 510(k) bedeutet nicht automatisch, dass das Produkt nicht in den USA vermarktet werden kann.
Möglicherweise muss lediglich der Nachweis verbessert oder ein anderer regulatorischer Weg gewählt werden.
23.5 Wie kann eine 510(k) vor einer erneuten Einreichung verbessert werden?
Wenn das Problem beispielsweise in unzureichenden Nachweisen liegt, kann der Hersteller die fehlenden Informationen ergänzen.
Je nach FDA-Rückmeldung können beispielsweise erforderlich sein:
- zusätzliche Prüfungen;
- weitere Performance-Daten;
- eine klarere Beschreibung der Intended Use;
- eine bessere Begründung der Substantial Equivalence;
- zusätzliche Software-Dokumentation;
- zusätzliche Biokompatibilitätsdaten;
- eine detailliertere Bewertung technologischer Unterschiede;
- gegebenenfalls zusätzliche klinische oder nicht-klinische Daten.
Die FDA verlangt für eine 510(k) ausreichende Informationen, damit sie die Substantial Equivalence beurteilen kann.
Wichtig ist daher:
Nicht einfach dieselbe Submission erneut einreichen.
Zunächst muss festgestellt werden, welcher Teil der regulatorischen Argumentation nicht funktioniert hat.
23.6 Kann das Predicate Device das eigentliche Problem sein?
Ja.
Ein häufig unterschätztes Problem bei einer 510(k) ist die Auswahl des Predicate Device.
Ein Gerät kann auf den ersten Blick ähnlich erscheinen, aber dennoch kein geeignetes Predicate sein.
Beispielsweise können Unterschiede bestehen bei:
- Intended Use;
- Indications for Use;
- technologischen Eigenschaften;
- Sicherheitsmerkmalen;
- Leistungsmerkmalen.
Wenn die technologischen Unterschiede neue Fragen hinsichtlich Sicherheit oder Wirksamkeit aufwerfen, kann die Substantial Equivalence möglicherweise nicht nachgewiesen werden.
Die Auswahl des Predicate Device sollte deshalb nicht lediglich darauf beruhen, dass das Produkt technisch ähnlich aussieht. Intended Use und relevante technologische Eigenschaften müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
In einem solchen Fall reicht es möglicherweise nicht aus, weitere Testberichte einzureichen.
Die regulatorische Strategie selbst muss möglicherweise geändert werden.
23.7 Kann nach einer NSE stattdessen De Novo verwendet werden?
In bestimmten Fällen ja.
Wenn die FDA feststellt, dass kein geeignetes Predicate Device vorhanden ist, kann ein De Novo Classification Request eine mögliche Alternative sein.
De Novo ist für bestimmte neuartige Devices vorgesehen, für die kein geeignetes Predicate existiert, bei denen aber General Controls beziehungsweise General Controls und Special Controls eine angemessene Sicherheit und Wirksamkeit gewährleisten können.
Das bedeutet:
510(k) nicht möglich
↓
kein geeignetes Predicate
↓
De Novo prüfen
Damit kann eine zunächst erfolglose 510(k)-Strategie unter Umständen in einen anderen regulatorischen Weg überführt werden.
23.8 Was passiert, wenn De Novo abgelehnt wird?
Auch ein De Novo Classification Request kann abgelehnt werden.
Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn:
- General Controls nicht ausreichen;
- General Controls und Special Controls nicht ausreichen;
- die vorgelegten Informationen keine ausreichende Bewertung ermöglichen;
- oder die erwarteten Risiken nicht ausreichend kontrolliert werden können.
Die FDA kann einen De Novo Request ablehnen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen für die Klassifizierung nicht erfüllt sind.
Nach einer solchen Entscheidung kann der Hersteller unter anderem:
- zusätzliche Informationen und Daten sammeln und einen neuen De Novo Request einreichen;
- oder, sofern angemessen, einen PMA-Weg verfolgen.
Auch hier ist die genaue Begründung der FDA entscheidend.
23.9 Bedeutet ein abgelehntes De Novo, dass das Produkt unmöglich ist?
Nein, nicht automatisch.
Die FDA kann beispielsweise zu dem Schluss kommen, dass die vorhandenen Informationen nicht ausreichen, um eine angemessene Klassifizierung und die erforderlichen Controls festzulegen.
Der Hersteller muss dann möglicherweise zusätzliche Nachweise erstellen, beispielsweise zu:
- Performance;
- Sicherheit;
- klinischen Aspekten;
- Risiken;
- Risikokontrollen;
- oder Special Controls.
Entscheidend ist wiederum nicht, einfach mehr Dokumente zu produzieren.
Die zusätzlichen Informationen müssen gezielt die offenen regulatorischen Fragen beantworten.
23.10 Was passiert, wenn eine PMA nicht genehmigt wird?
Bei einer PMA ist die Situation anders, weil hier ein eigenständiger Nachweis von Safety and Effectiveness erforderlich ist.
Die FDA kann während des Verfahrens beispielsweise einen:
Not Approvable Letter
ausstellen.
Darin werden die Mängel beschrieben, die eine Approval verhindern. Soweit möglich, wird außerdem erläutert, welche Maßnahmen erforderlich wären, damit die PMA grundsätzlich genehmigungsfähig werden kann.
Der Hersteller kann daraufhin beispielsweise:
- die PMA entsprechend ergänzen;
- die PMA zurückziehen;
- oder, abhängig von der Situation, eine administrative Überprüfung beantragen.
23.11 Kann eine PMA erneut eingereicht werden?
Ja.
Die FDA sieht ausdrücklich Möglichkeiten für die erneute Einreichung einer PMA vor, nachdem eine frühere PMA beispielsweise zurückgezogen oder nicht genehmigt wurde.
Eine solche Resubmission muss die geltenden PMA-Anforderungen erfüllen und sich auf die ursprüngliche PMA beziehen sowie den Grund für die erneute Einreichung erläutern.
Eine nicht erfolgreiche PMA beendet daher nicht zwangsläufig den gesamten regulatorischen Prozess.
Der Hersteller kann die festgestellten Mängel bearbeiten und anschließend erneut einreichen.
23.12 Withdrawal und Denial sind nicht dasselbe
Diese beiden Begriffe sollten nicht verwechselt werden.
Withdrawal bedeutet, dass der Hersteller eine Submission zurückzieht.
Denial bedeutet dagegen, dass die FDA die Anwendung aufgrund einer negativen regulatorischen Entscheidung nicht genehmigt.
Diese Unterscheidung ist insbesondere bei PMA-Verfahren relevant, da unterschiedliche Verfahren für Amendments, Withdrawal, Resubmission und administrative Reviews bestehen.
23.13 Kann ein Hersteller gegen eine FDA-Entscheidung vorgehen?
In bestimmten Situationen bestehen Möglichkeiten für eine administrative Überprüfung oder andere regulatorische Rechtsbehelfe.
Welche Möglichkeiten konkret bestehen, hängt von der Art der Entscheidung und dem jeweiligen FDA-Verfahren ab.
Bei einer PMA kann beispielsweise nach einer Denial unter bestimmten Voraussetzungen eine administrative Überprüfung beantragt werden.
Eine Überprüfung sollte jedoch nicht automatisch die erste Reaktion sein.
Wenn die FDA konkrete wissenschaftliche oder technische Defizite festgestellt hat, kann es sinnvoller sein, zunächst zu analysieren, ob diese durch zusätzliche Daten oder eine überarbeitete Submission behoben werden können.
23.14 Was sollte ein Hersteller nach einer negativen Entscheidung tun?
Der Hersteller sollte nicht unmittelbar eine neue Submission einreichen, ohne die vorherige Entscheidung gründlich zu analysieren.
Eine strukturierte Analyse sollte zunächst folgende Fragen beantworten:
1. Was genau hat die FDA beanstandet?
Handelt es sich um ein Problem mit:
- der Administration;
- der Classification;
- dem Predicate Device;
- der Intended Use;
- technologischen Eigenschaften;
- Prüfmethoden;
- Performance;
- klinischen Daten;
- Labeling;
- Risk Management;
- Manufacturing;
- oder dem Quality Management System?
2. Kann das Problem behoben werden?
Manche Defizite lassen sich relativ einfach korrigieren.
Andere können zusätzliche:
- Prüfungen;
- Produktänderungen;
- klinische Daten;
- technische Nachweise;
- oder eine andere regulatorische Strategie
erfordern.
3. Ist der bisherige Regulatory Pathway noch geeignet?
Der Hersteller sollte überprüfen, ob weiterhin:
510(k)
der richtige Weg ist oder ob beispielsweise:
De Novo
oder
PMA
in Betracht kommt.
23.15 Eine negative FDA-Entscheidung kann ein Produktentwicklungsproblem aufzeigen
Manchmal liegt das Problem nicht primär in der Submission.
Das Produkt wurde möglicherweise von Anfang an auf Basis einer falschen regulatorischen Annahme entwickelt.
Beispielsweise:
Product Development
↓
Intended Use
↓
Classification Assumption
↓
Testing Strategy
↓
FDA Submission
Wenn bereits die ursprüngliche Classification falsch eingeschätzt wurde, lässt sich das Problem nicht unbedingt durch zusätzliche Dokumente lösen.
Dann muss möglicherweise ein früherer Punkt der Produktentwicklung erneut betrachtet werden.
23.16 Warum die Vorbereitung vor der Submission so wichtig ist
Genau deshalb sollte ein Hersteller nicht bis zur finalen FDA Submission warten, um grundlegende regulatorische Fragen zu klären.
Je nach Produkt und Fragestellung kann eine frühzeitige Kommunikation mit der FDA sinnvoll sein.
Hierfür bietet die FDA unter anderem das Q-Submission Program an. Damit können Hersteller unter bestimmten Voraussetzungen bereits vor einer formellen Submission Feedback zu regulatorischen Fragen und geplanten Einreichungen einholen.
Das kann insbesondere bei Unsicherheiten hinsichtlich:
- Testing Strategy;
- Clinical Study Design;
- Regulatory Pathway;
- Performance Requirements;
- Substantial Equivalence;
- oder anderen wesentlichen regulatorischen Fragen
hilfreich sein.
Das Ziel besteht darin, grundlegende Probleme möglichst vor der formellen Submission zu erkennen.
23.17 Beispiel: 510(k) erhält eine NSE-Entscheidung
Angenommen, ein Hersteller reicht eine 510(k) für ein neues Medizinprodukt ein.
Die FDA kommt zu dem Ergebnis:
Not Substantially Equivalent
Der Hersteller sollte nun nicht einfach dieselbe 510(k) erneut einreichen.
Stattdessen:
FDA NSE
↓
Analyse der FDA-Begründung
↓
Grund der NSE identifizieren
↓
Predicate Device überprüfen
↓
Technologische Unterschiede bewerten
↓
Fehlende Nachweise identifizieren
↓
Zusätzliche Prüfungen durchführen, falls erforderlich
↓
Regulatory Pathway erneut bewerten
↓
Neue 510(k), De Novo oder anderer geeigneter Weg
Die FDA nennt ausdrücklich verschiedene Möglichkeiten, die nach einer NSE-Entscheidung in Betracht kommen können.
23.18 Was sollte ein Hersteller vermeiden?
Einige Reaktionen können die Situation unnötig erschweren.
Dieselben Unterlagen einfach erneut einreichen
Wenn die FDA ein substantielles Defizit festgestellt hat, wird eine unveränderte Submission das Problem normalerweise nicht lösen.
Das Problem ausschließlich als Testproblem betrachten
Nicht jede negative Entscheidung ist auf fehlende Prüfungen zurückzuführen.
Das eigentliche Problem kann beispielsweise die Classification, das Predicate oder die Regulatory Strategy sein.
Das Produkt ohne regulatorische Bewertung verändern
Eine Produktänderung kann selbst neue regulatorische Fragen erzeugen und möglicherweise eine neue Submission erforderlich machen.
Die FDA-Begründung ignorieren
Die schriftliche FDA-Entscheidung sollte der Ausgangspunkt für die weitere Strategie sein.
Einfach nur mehr Dokumente produzieren
Mehr Dokumente sind nicht automatisch bessere Evidenz.
Entscheidend ist, ob die zusätzlichen Informationen genau die von der FDA identifizierte offene Frage beantworten.
23.19 Wie sollte eine gute Resubmission aufgebaut sein?
Eine erfolgreiche Resubmission sollte nicht einfach aus
„derselben Submission mit mehr Dokumenten“
bestehen.
Sie sollte nachvollziehbar zeigen, dass die von der FDA identifizierten Defizite gezielt adressiert wurden.
Eine interne Struktur kann beispielsweise so aussehen:
| FDA Concern | Maßnahme des Herstellers | Nachweis |
| Predicate nicht ausreichend begründet | Überarbeitete Predicate-Analyse | Vergleich mit Predicate |
| Technologische Unterschiede | Zusätzliche Bewertung | Testbericht |
| Performance-Frage | Zusätzliche Prüfung | Performance Data |
| Sicherheitsfrage | Erweiterte Risikobewertung | Risk Analysis + Verification |
| Klinische Frage | Zusätzliche klinische Daten | Clinical Evidence |
| Labeling | Überarbeitung der Kennzeichnung | Updated Labeling |
Damit entsteht eine klare Verbindung:
FDA Concern → Corrective Action → Evidence
23.20 Die wichtigste Erkenntnis
Eine erfolglose FDA Submission sollte nicht automatisch als Ende des Projekts betrachtet werden.
Sie ist zunächst eine regulatorische Entscheidung, aus der hervorgeht, welche Aspekte der bisherigen Strategie nicht ausreichend waren.
Bei einer 510(k) können – abhängig vom konkreten Fall – beispielsweise eine neue 510(k), De Novo, Reclassification oder ein anderer geeigneter Regulatory Pathway in Betracht kommen.
Bei De Novo kann zusätzliche Evidenz und gegebenenfalls ein neuer De Novo Request erforderlich sein oder – sofern angemessen – ein PMA-Weg verfolgt werden.
Bei einer PMA können je nach Situation Amendments, administrative Review, Withdrawal oder eine spätere Resubmission relevant sein.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur:
„Hat die FDA unser Produkt abgelehnt?“
Sondern:
„Warum hat die FDA diese Entscheidung getroffen – und welcher regulatorische Weg kann das identifizierte Problem lösen?“
Genau diese Unterscheidung kann darüber entscheiden, ob eine erfolglose Submission tatsächlich das Ende eines Projekts bedeutet oder lediglich den Ausgangspunkt für eine überarbeitete und erfolgreichere FDA-Strategie darstellt.
Fazit
Ein Medizinprodukt in den US-Markt bringen
Der Zugang zum US-Markt mit einem Medizinprodukt erfordert mehr als die Identifizierung der zutreffenden FDA-Vorschriften.
Der Hersteller muss den gesamten regulatorischen Prozess verstehen – von der Frage, ob das Produkt überhaupt als Medical Device einzustufen ist, über die Klassifizierung und die Auswahl des richtigen Regulatory Pathway bis hin zu Registration, UDI, GUDID und den laufenden Anforderungen nach der Markteinführung.
Die wichtigsten Schritte lassen sich wie folgt zusammenfassen:
1. Produkt definieren
Intended Use, Indications for Use, Technologie und wesentliche Produkteigenschaften eindeutig festlegen.
↓
2. Prüfen, ob das Produkt ein Medical Device ist
Feststellen, ob das Produkt unter die FDA-Definition eines Medizinprodukts fällt.
↓
3. Klassifizierung und Product Code bestimmen
Die zutreffende FDA Regulation, Classification und den Product Code identifizieren.
↓
4. Regulatory Pathway bestimmen
Feststellen, ob das Produkt von einer Premarket Submission ausgenommen ist oder ob beispielsweise 510(k), De Novo oder PMA erforderlich ist.
↓
5. Erforderliche Nachweise bestimmen
Festlegen, welche Prüfungen, Leistungsnachweise, klinischen Daten und Dokumentationen für den gewählten Regulatory Pathway erforderlich sind.
↓
6. FDA-Unterlagen vorbereiten und einreichen
Die erforderlichen Informationen zusammenstellen und bei der FDA einreichen.
↓
7. Markteintritt vorbereiten
Anwendbare Anforderungen für Registration, Device Listing, UDI, GUDID und Labeling erfüllen.
↓
8. Compliance nach Markteinführung aufrechterhalten
Complaints, Reporting, Änderungen, Corrective Actions, Recalls und andere Post-Market-Anforderungen verwalten.
Der wichtigste Grundsatz lautet:
Die regulatorische Strategie sollte vor Beginn der Prüfungen und der technischen Dokumentation festgelegt werden.
Eine klare Definition von Intended Use, Classification und Regulatory Pathway hilft dabei, frühzeitig zu bestimmen, welche Nachweise tatsächlich benötigt werden.
Bei Medizinprodukten mit Funktechnologien oder umfangreicher Elektronik kommt eine weitere Ebene hinzu: Neben den medizinproduktspezifischen FDA-Anforderungen müssen häufig auch umfangreiche RF- und EMV-Anforderungen berücksichtigt werden.
Hier müssen regulatorische Strategie und technische Prüfstrategie zusammenpassen.
Wie ScopeRight unterstützen kann
ScopeRight ersetzt keine FDA-Regulatory-Beratung, übernimmt keine FDA Submission und entscheidet nicht darüber, ob ein Medizinprodukt von der FDA gecleart oder approved wird.
Der Mehrwert liegt an einer anderen Stelle.
Bei Medizinprodukten mit Funktechnologien oder elektronischen Funktionen unterstützt ScopeRight Hersteller dabei, die daraus entstehenden RF- und EMV-Anforderungen zu strukturieren und zu definieren.
Von den Produkteigenschaften zum Prüfplan
Medizinprodukte können beispielsweise folgende Technologien enthalten:
- Bluetooth;
- Wi-Fi;
- Mobilfunk;
- RFID;
- NFC;
- proprietäre Funktechnologien;
- Wireless Charging;
- andere RF-Transmitter und Receiver.
Gleichzeitig können Displays, digitale Elektronik, Netzteile, Motoren, Sensoren und andere elektronische Komponenten EMV-relevante Störungen verursachen.
Dadurch kann die Ermittlung des tatsächlich erforderlichen Prüfungsumfangs komplex werden.
ScopeRight hilft dabei, diese Bewertung strukturiert durchzuführen.
ScopeRight unterstützt unter anderem bei:
RF Scoping
Identifizierung der relevanten Funktechnologien, Frequenzbereiche und RF-Anforderungen für das Produkt und die vorgesehenen Märkte.
EMV Scoping
Ermittlung der relevanten EMV-Prüfanforderungen auf Basis der Produkteigenschaften, Schnittstellen, Technologien und Zielmärkte.
Erstellung eines Testplans
Überführung der Produktinformationen in einen strukturierten Prüfplan, der zeigt, welche Prüfungen relevant sind und was bewertet werden muss.
Identifizierung relevanter Standards
Ermittlung der für das Produkt relevanten RF- und EMV-Standards und Anforderungen.
Abschätzung des Prüfaufwands
Abschätzung des erforderlichen Laboraufwands für den definierten RF- und EMV-Prüfumfang.
MPE-Bewertung
Soweit relevant, Unterstützung bei RF-Exposure-Bewertungen einschließlich MPE-Berechnungen für die entsprechenden Märkte.
Globale Marktanforderungen
Bei Produkten für mehrere Märkte können Unterschiede bei RF-Anforderungen und Zulassungsbedingungen strukturiert berücksichtigt werden.
Warum das bei Medizinprodukten wichtig ist
Bei einem Medizinprodukt sind FDA Compliance und RF-/EMV-Compliance nicht zwangsläufig voneinander getrennte technische Themen.
Ein vernetztes Medizinprodukt kann beispielsweise gleichzeitig folgende Anforderungen haben:
Medical Device Requirements
+
RF Requirements
+
EMV Requirements
+
Safety Requirements
+
RF Exposure Requirements
Welche Kombination tatsächlich gilt, hängt vom konkreten Produkt und vom Zielmarkt ab.
ScopeRight konzentriert sich darauf, Herstellern zu helfen, diese technischen Compliance-Anforderungen bereits vor Beginn der Prüfungen zu verstehen und zu strukturieren.
Unsicherheit vor dem Labor reduzieren
Einer der teuersten Zeitpunkte, um eine falsche Compliance-Strategie zu entdecken, ist nachdem die Prüfungen bereits begonnen haben.
Wenn beispielsweise die falschen Standards, Prüfkonfigurationen oder Prüfanforderungen ausgewählt wurden, können daraus entstehen:
- zusätzliche Prüfungen;
- Wiederholungsprüfungen im Labor;
- Projektverzögerungen;
- unerwartete Kosten;
- Lücken in der Dokumentation.
ScopeRight setzt deshalb vor der Laborprüfung an.
Prüfumfang definieren. Anforderungen verstehen. Dann testen.
So können Hersteller mit einem wesentlich klareren Verständnis darüber in die Laborprüfung gehen, was tatsächlich nachgewiesen werden muss.
ScopeRight bei FDA-Projekten
ScopeRight sollte deshalb als technisches Compliance-Tool verstanden werden, das den FDA-Prozess ergänzt, nicht als FDA-Submission-Plattform.
Die FDA bestimmt den für das Medizinprodukt geltenden regulatorischen Weg und bewertet die entsprechende Submission.
ScopeRight unterstützt Hersteller bei der RF- und EMV-Compliance, die bei elektronischen und drahtlosen Medizinprodukten einen wichtigen Bestandteil der technischen Prüf- und Nachweisstrategie darstellen kann.
Einfach ausgedrückt:
Die FDA bestimmt, ob und auf welchem regulatorischen Weg das Medizinprodukt in den USA vermarktet werden kann.
ScopeRight hilft dabei zu bestimmen, welche RF- und EMV-Arbeiten erforderlich sind, um das Produkt für die Prüfungen und den Marktzugang vorzubereiten.
Genau diese Abgrenzung ist wichtig – und gleichzeitig der Bereich, in dem ScopeRight den größten praktischen Mehrwert bieten kann.
ScopeRight
Control the Scope. Control the Cost.
Von den Produkteigenschaften bis zum strukturierten RF- und EMV-Prüfplan hilft ScopeRight Herstellern, ihre Compliance-Anforderungen zu verstehen, bevor die Prüfungen beginnen.