FCC und ISED-Zulassungen: Leitfaden für Funkzulassungen in den USA und Kanada

1. Was sind FCC und ISED?

Wer ein Funkprodukt in den USA oder Kanada auf den Markt bringen möchte, trifft schnell auf zwei zentrale regulatorische Behörden: die Federal Communications Commission (FCC) in den USA und Innovation, Science and Economic Development Canada (ISED) in Kanada.

Beide Behörden haben eine ähnliche grundlegende Aufgabe: Sie stellen technische und regulatorische Anforderungen an Funkgeräte auf, um die Nutzung des Funkspektrums zu kontrollieren und sicherzustellen, dass Funkgeräte innerhalb der zulässigen Grenzen betrieben werden können.

Trotz dieser Ähnlichkeiten handelt es sich um zwei getrennte regulatorische Systeme. Eine FCC Certification gilt daher nicht automatisch für Kanada, und eine ISED Certification ersetzt keine FCC Certification für die USA.

Die FCC in den USA

Die Federal Communications Commission (FCC) ist die US-amerikanische Bundesbehörde, die unter anderem für die Regulierung von Funkfrequenzen und Funkgeräten zuständig ist.

Für Hersteller von Funkprodukten ist insbesondere der Bereich der RF Devices relevant. Die FCC legt technische Anforderungen fest, die Geräte erfüllen müssen, bevor sie in den USA vermarktet oder betrieben werden dürfen.

Dazu gehören beispielsweise Anforderungen an:

  • zulässige Frequenzbereiche
  • Sendeleistung
  • Emissionen
  • Bandbreite
  • unerwünschte Aussendungen
  • Frequenzstabilität
  • RF Exposure
  • Anforderungen an bestimmte Gerätetypen und Betriebsarten

Die konkreten Anforderungen befinden sich in den FCC Rules, insbesondere in den für das jeweilige Produkt relevanten Parts.

Welche FCC Rules anzuwenden sind, hängt deshalb wesentlich davon ab, welche Funktechnologie das Produkt verwendet, in welchem Frequenzbereich es arbeitet und wie es betrieben wird.

Die FCC ist dabei nicht einfach eine amerikanische Version einer europäischen CE-Stelle. Das regulatorische System funktioniert anders. Insbesondere gibt es in den USA unterschiedliche Konformitätswege, darunter Certification und Supplier’s Declaration of Conformity (SDoC), abhängig von der Art des Geräts und den anwendbaren FCC Rules.

Was macht die FCC konkret?

Die FCC erstellt und pflegt die regulatorischen Anforderungen für die entsprechenden Geräte und überwacht deren Einhaltung.

Für einen Hersteller bedeutet das beispielsweise:

Produkt

FCC Rules bestimmen

Technische Anforderungen bestimmen

Konformität nachweisen

FCC Certification oder SDoC, abhängig vom Gerät

US-Marktzugang

Bei Geräten, die einer FCC Certification unterliegen, ist die Certification Teil des formellen Zulassungsprozesses. Die eigentliche technische Bewertung wird dabei nicht zwangsläufig direkt von der FCC selbst durchgeführt. Wie dieser Prozess über Labor und Telecommunications Certification Body (TCB) funktioniert, wird später detailliert beschrieben.

ISED Canada

In Kanada übernimmt Innovation, Science and Economic Development Canada (ISED) die entsprechenden regulatorischen Aufgaben.

Für Funkprodukte ist insbesondere das Certification and Engineering Bureau (CEB) innerhalb von ISED relevant. Das CEB ist unter anderem für Aktivitäten im Zusammenhang mit der Prüfung und Zertifizierung von Funk- und bestimmten Telekommunikationsgeräten zuständig.

ISED entwickelt und pflegt die technischen Anforderungen für Funkgeräte. Diese werden insbesondere über die Radio Standards Specifications (RSS) und die zugehörigen Radio Standards Procedures (RSP) umgesetzt. RSS-Gen legt beispielsweise allgemeine Anforderungen für Funkgeräte fest und wird zusammen mit den für die jeweilige Technologie geltenden RSS verwendet.

Die kanadischen Anforderungen betreffen unter anderem:

  • Frequenzbereiche
  • Sendeleistung
  • Emissionen
  • technische Betriebsparameter
  • RF Exposure
  • Anforderungen an bestimmte Funktechnologien
  • Kennzeichnung
  • technische Dokumentation

ISED bestätigt die Zertifizierung eines zugelassenen Funkgeräts durch eine entsprechende Certification und die Aufnahme in die Radio Equipment List (REL).

Was ist die Aufgabe von ISED?

Auch bei ISED besteht der Prozess grundsätzlich aus mehreren aufeinanderfolgenden Schritten:

Produkt

Anwendbare RSS bestimmen

Technische Anforderungen bestimmen

Konformität nachweisen

Certification

Listing in der Radio Equipment List

Kanadischer Marktzugang

ISED selbst ist dabei die regulatorische Instanz. Die technische Zertifizierung kann jedoch – ähnlich wie bei der FCC – über anerkannte externe Stellen erfolgen.

ISED erkennt beispielsweise Certification Bodies (CBs) an, die Funkgeräte nach den kanadischen Anforderungen zertifizieren dürfen. Diese können in Kanada oder in einem von entsprechenden Abkommen erfassten ausländischen Gebiet ansässig sein.

Auch die erforderlichen Prüfungen müssen nicht zwingend in Kanada stattfinden. ISED führt eine Liste anerkannter Wireless Device Testing Laboratories, und die Anforderungen an diese Laboratorien sind Bestandteil des kanadischen Conformity-Assessment-Systems.

Welche Produkte sind betroffen?

FCC und ISED sind insbesondere für Produkte relevant, die Funktechnologien verwenden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Bluetooth
  • Wi-Fi
  • WLAN
  • Zigbee
  • Thread
  • LoRa
  • Mobilfunk
  • GNSS
  • UWB
  • RFID
  • Short Range Devices
  • Funkmodule
  • Produkte mit integrierten Funktransmittern

Die konkrete regulatorische Bewertung hängt jedoch nicht allein davon ab, ob ein Produkt Funk besitzt.

Entscheidend sind unter anderem:

  • verwendete Technologie
  • Frequenzbereich
  • Sendeleistung
  • Bandbreite
  • Antennenkonfiguration
  • Betriebsart
  • bestimmungsgemäße Verwendung
  • Entfernung zum menschlichen Körper
  • Integration in ein Host-Produkt

Deshalb sollte bei einem neuen Funkprodukt zunächst der regulatorische Scope bestimmt werden, bevor Prüfungen oder Zertifizierungen geplant werden.

FCC und ISED sind nicht für „alles Elektrische“ zuständig

Ein wichtiger Punkt für Hersteller ist die Abgrenzung.

FCC und ISED beschäftigen sich bei den hier betrachteten Zulassungen primär mit Radio Compliance und der Nutzung des Funkspektrums.

Das bedeutet nicht automatisch, dass alle anderen Eigenschaften eines elektrischen Produkts durch FCC oder ISED bewertet werden.

Beispielsweise sind Fragen zur:

  • elektrischen Sicherheit,
  • Produktsicherheit,
  • mechanischen Sicherheit,
  • allgemeinen Produktqualität

nicht automatisch Bestandteil einer FCC oder ISED Radio Certification.

Gerade dieser Punkt führt bei Herstellern häufig zu Verwechslungen mit dem europäischen CE-System.

Die Frage:

„Ist das Produkt FCC compliant?“

ist deshalb nicht dasselbe wie:

„Ist das gesamte Produkt in allen sicherheits- und regulatorischen Aspekten für den US-Markt geeignet?“

Die FCC Certification beantwortet in erster Linie die regulatorischen Fragen, die sich aus den anwendbaren FCC Rules für das betreffende Gerät ergeben.

Warum braucht man beide Zulassungen?

Ein Hersteller, der dasselbe Funkprodukt sowohl in den USA als auch in Kanada verkaufen möchte, muss die jeweiligen nationalen Anforderungen betrachten.

Ein typischer Ablauf kann daher beispielsweise so aussehen:

Funkprodukt

FCC Scope

FCC Testing

FCC Certification

und parallel:

Funkprodukt

ISED Scope

ISED Testing

ISED Certification

Viele technische Prüfungen können dabei für beide Märkte relevant oder teilweise gemeinsam nutzbar sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine einzige Zulassung automatisch beide Märkte abdeckt.

Gerade deshalb ist es sinnvoll, FCC und ISED bereits bei der Planung des Prüf- und Zulassungsprojekts gemeinsam zu betrachten.

Die gute Nachricht: FCC und ISED sind sich sehr ähnlich

Für Hersteller ist der wichtigste Punkt wahrscheinlich:

FCC und ISED funktionieren deutlich ähnlicher, als es zunächst den Anschein hat.

Beide Systeme arbeiten mit:

  • technischen Anforderungen für Funkgeräte
  • definierten Standards
  • anerkannten Prüflaboren
  • technischen Prüfberichten
  • Certification Bodies
  • RF Exposure-Anforderungen
  • Kennzeichnungsanforderungen
  • Anforderungen an technische Dokumentation
  • Verfahren für Änderungen an bereits zugelassenen Produkten

Die Unterschiede liegen vor allem in den konkreten Rules und Standards, den zulässigen Frequenzen und Betriebsbedingungen sowie einzelnen Verfahrens- und Kennzeichnungsanforderungen.

Genau deshalb kann eine gut geplante North-America-Compliance-Strategie viele Arbeitsschritte für beide Märkte berücksichtigen, ohne die beiden Zulassungen miteinander zu vermischen.

Der wichtigste Punkt

FCC und ISED sind die beiden zentralen regulatorischen Systeme, mit denen sich Hersteller von Funkprodukten für den US-amerikanischen und kanadischen Markt auseinandersetzen müssen.

FCC = USA

ISED = Kanada

Beide verfolgen ein ähnliches Ziel: Funkgeräte sollen die geltenden technischen Anforderungen erfüllen und das Funkspektrum bestimmungsgemäß nutzen.

Die eigentliche Herausforderung für Hersteller besteht deshalb weniger darin, zwei völlig unterschiedliche Systeme zu verstehen, sondern darin, die jeweiligen Anforderungen korrekt zu bestimmen und die vorhandenen technischen Nachweise effizient für beide Märkte einzusetzen.

In den nächsten Kapiteln wird zunächst der FCC Certification-Prozess Schritt für Schritt betrachtet – von der Bestimmung der anwendbaren FCC Rules über die Prüfung im Labor bis zur Certification und FCC ID.

2. FCC Certification – Wie funktioniert das System in den USA?

Für viele Hersteller ist die erste Begegnung mit der FCC eine scheinbar einfache Frage:

„Brauchen wir eine FCC Certification?“

Die Antwort hängt jedoch vom konkreten Produkt, seiner Funkfunktion und den anwendbaren FCC Rules ab.

Die FCC verwendet unterschiedliche Equipment Authorization Procedures. Je nach Gerät kann eine Certification, eine Supplier’s Declaration of Conformity (SDoC) oder unter bestimmten Umständen ein anderer Konformitätsweg relevant sein.

Für typische Funkprodukte ist die FCC Certification jedoch der zentrale Zulassungsweg.

Was bedeutet FCC Certification?

Bei einer FCC Certification wird die Konformität eines Geräts mit den anwendbaren FCC-Anforderungen durch einen formalen Zertifizierungsprozess nachgewiesen.

Dabei wird nicht einfach ein Produkt zur FCC geschickt und dort „zugelassen“.

Der Prozess basiert vielmehr auf:

Produkt

Applicable FCC Rules

Technical Assessment & Testing

Test Report & Technical Documentation

TCB Review

FCC Grant

FCC ID

Die FCC hat hierfür ein System geschaffen, bei dem anerkannte Telecommunications Certification Bodies (TCBs) die Certification-Anträge prüfen und Grants of Certification ausstellen können. Ein TCB ist dabei eine akkreditierte Produktzertifizierungsstelle mit der entsprechenden Befugnis zur Ausstellung von FCC Grants.

Wann ist FCC Certification erforderlich?

Nicht jedes Gerät, das in irgendeiner Form elektrische oder elektronische Funktionen besitzt, benötigt eine FCC Certification.

Entscheidend ist zunächst, wel Art von RF Device vorliegt und welche FCC Rules für dieses Gerät gelten.

Bei Funkprodukten, also beispielsweise Geräten mit:

  • Bluetooth
  • Wi-Fi
  • Zigbee
  • LoRa
  • UWB
  • Mobilfunk
  • anderen intentional transmitters

ist Certification häufig der relevante Weg.

Die konkrete Einstufung muss jedoch anhand der tatsächlichen technischen Eigenschaften und der anwendbaren FCC Rules erfolgen.

Ein Hersteller sollte deshalb nicht mit der Annahme starten:

„Wir haben Bluetooth, also brauchen wir automatisch genau dieses Zulassungsverfahren.“

Stattdessen muss zunächst der regulatorische Scope des konkreten Geräts bestimmt werden.

FCC Rules und Parts

Die technischen Anforderungen der FCC sind in den FCC Rules festgelegt.

Für Hersteller sind insbesondere die verschiedenen Parts of Title 47 CFR relevant.

Bei Funkprodukten spielt beispielsweise Part 15 eine zentrale Rolle. Je nach Produkt können aber auch andere Parts relevant sein.

Innerhalb eines Parts gibt es wiederum unterschiedliche Subparts und Anforderungen.

Deshalb reicht es nicht aus, einfach zu sagen:

„Das Produkt ist Part 15 compliant.“

Man muss vielmehr bestimmen:

  • welcher Gerätetyp vorliegt,
  • welcher FCC Part gilt,
  • welcher Subpart relevant ist,
  • welche technischen Anforderungen gelten,
  • welche Messverfahren anzuwenden sind,
  • und welches Equipment Authorization Procedure erforderlich ist.

Die FCC stellt für diese Bewertung zusätzlich technische Guidance und Messverfahren zur Verfügung. Die KDB enthält beispielsweise Guidance zu Equipment Authorization und Messverfahren.

Certification ist nicht dasselbe wie SDoC

Ein wichtiger Unterschied im FCC-System ist die Abgrenzung zwischen Certification und Supplier’s Declaration of Conformity (SDoC).

FCC Certification

Bei Certification wird ein formeller Antrag eingereicht.

Der Prozess umfasst typischerweise:

  • technische Prüfungen,
  • einen Test Report,
  • technische Dokumentation,
  • die Einreichung des Antrags,
  • Review durch einen TCB,
  • und anschließend den Grant of Certification.

Für ein zertifiziertes Gerät wird eine FCC ID vergeben.

Supplier’s Declaration of Conformity

Bei der SDoC erklärt die verantwortliche Partei selbst, dass das Gerät die entsprechenden technischen Anforderungen erfüllt.

Die FCC beschreibt SDoC als ein Verfahren, bei dem die verantwortliche Partei Messungen oder andere von der FCC akzeptierte Verfahren durchführt, um die Einhaltung der entsprechenden technischen Standards und Anforderungen sicherzustellen. Eine vorherige Einreichung von Mustergerät oder Messdaten bei der FCC ist dabei grundsätzlich nicht erforderlich, sofern die FCC diese nicht ausdrücklich verlangt.

Das bedeutet:

SDoC ist nicht einfach eine vereinfachte Version einer FCC Certification.

Es handelt sich um einen anderen Konformitätsweg mit anderen Anforderungen und Verantwortlichkeiten.

Warum ist Certification für Funkprodukte besonders relevant?

Bei einem klassischen Funkprodukt muss die FCC nicht nur feststellen, dass das Gerät grundsätzlich funktioniert.

Es muss nachgewiesen werden, dass das Gerät innerhalb der für seine Technologie und Betriebsart zulässigen Grenzen arbeitet.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Frequenz
  • Sendeleistung
  • Bandbreite
  • Emissionen
  • Spurious Emissions
  • Frequency Stability
  • RF Exposure
  • Antennenkonfiguration
  • Betriebsmodi

Welche Prüfungen tatsächlich erforderlich sind, hängt von den anwendbaren FCC Rules und den technischen Eigenschaften des Produkts ab.

Die FCC veröffentlicht hierzu auch konkrete Mess- und Verfahrens-Guidance. Für Part 15 nennt die FCC beispielsweise ANSI C63.4 für bestimmte unintentional radiators und ANSI C63.10 für intentional radiators als relevante Messverfahren.

Wer ist für die Certification verantwortlich?

Die FCC Certification nimmt dem Hersteller nicht die Verantwortung für die Konformität des Produkts ab.

Der Hersteller beziehungsweise die für die Certification verantwortliche Partei muss sicherstellen, dass:

  • das richtige Produkt bewertet wurde,
  • die richtigen FCC Rules angewendet wurden,
  • die erforderlichen Prüfungen durchgeführt wurden,
  • die technischen Unterlagen korrekt sind,
  • die eingereichten Informationen das tatsächliche Produkt repräsentieren,
  • und das später vermarktete Produkt der zertifizierten Konfiguration entspricht.

Gerade der letzte Punkt ist wichtig.

Ein FCC Grant bezieht sich nicht abstrakt auf eine Produktfamilie, sondern auf die konkret zertifizierte Konfiguration und die dafür eingereichten technischen Informationen.

Deshalb können spätere Änderungen an Hardware, Firmware, Antennen oder RF-Funktionen Auswirkungen auf die bestehende Certification haben.

Der grundlegende Weg zur FCC Certification

Der typische Prozess lässt sich vereinfacht so darstellen:

1. Product Definition

Das konkrete Produkt und seine Konfiguration werden definiert.

2. Regulatory Scoping

Die anwendbaren FCC Rules und Parts werden bestimmt.

3. Test Planning

Die erforderlichen Prüfungen und technischen Bewertungen werden festgelegt.

4. Laboratory Testing

Das Produkt wird in einem geeigneten, anerkannten beziehungsweise entsprechend akkreditierten Labor geprüft.

5. Technical Documentation

Test Report und weitere erforderliche technische Informationen werden zusammengestellt.

6. TCB Application

Der Certification-Antrag wird über einen anerkannten TCB eingereicht.

7. TCB Review

Der TCB überprüft den Antrag und die eingereichten Nachweise.

8. FCC Grant

Nach erfolgreichem Abschluss wird die Certification erteilt.

9. FCC ID

Das zertifizierte Gerät erhält seine FCC ID und muss entsprechend den geltenden Anforderungen gekennzeichnet und dokumentiert werden.

Der konkrete Ablauf und die erforderlichen Unterlagen können je nach Gerät und anwendbaren FCC Rules variieren.

Eine wichtige Besonderheit: Das Labor muss nicht in den USA sein

Ein häufiger Irrtum lautet:

„Für eine FCC Certification muss das Produkt in einem US-Labor getestet werden.“

Das ist nicht grundsätzlich richtig.

Die FCC arbeitet mit anerkannten beziehungsweise entsprechend qualifizierten Prüfstellen und Certification Bodies. Die erforderlichen technischen Prüfungen können daher auch außerhalb der USA durchgeführt werden, sofern das Labor die für die jeweilige Prüfung und den jeweiligen Scope erforderlichen Voraussetzungen erfüllt.

Die FCC führt beispielsweise eine Liste von akkreditierten Testfirmen und stellt Informationen zu anerkannten TCBs bereit.

Für Hersteller bedeutet das:

FCC Certification bedeutet nicht automatisch „Testing in the USA“.

Entscheidend ist, dass das Labor für die erforderlichen Prüfungen geeignet ist und die Ergebnisse im FCC Certification Process akzeptiert werden können.

Was passiert nach dem Grant?

Mit dem Grant ist der Prozess nicht vollständig beendet.

Der Hersteller muss weiterhin sicherstellen, dass:

  • das Serienprodukt der zertifizierten Konfiguration entspricht,
  • die erforderlichen Kennzeichnungen vorhanden sind,
  • die erforderlichen Compliance-Informationen bereitgestellt werden,
  • Änderungen korrekt bewertet werden,
  • und die FCC-Anforderungen auch nach der Certification eingehalten werden.

Gerade Änderungen sind ein wichtiger Bestandteil des FCC-Systems.

Eine Änderung an einem bereits zertifizierten Produkt kann beispielsweise als Permissive Change behandelt werden oder eine weitergehende neue Certification erforderlich machen.

Diese Verfahren werden später ausführlich behandelt.

Der wichtigste Punkt

FCC Certification ist kein einfacher „Test und Zertifikat“-Prozess.

Sie basiert auf einer Kette aus:

Product → FCC Rules → Technical Requirements → Testing → Documentation → TCB Review → Grant → FCC ID

Der entscheidende erste Schritt ist deshalb nicht die Suche nach einem Labor.

Er ist die Frage:

„Welche FCC Rules und welcher Equipment Authorization Path gelten für genau dieses Produkt?“

Erst wenn diese Frage geklärt ist, lässt sich sinnvoll bestimmen, was getestet werden muss, welche Dokumentation erforderlich ist und wie die Certification durchgeführt werden kann.

Ja. Im deutschen Kapitel 3 verwende ich konsequent „FCC-Zulassung“ bzw. „FCC-Zulassungsverfahren“ statt „FCC Certification“. Die englischen Fachbegriffe bleiben dort, wo sie die offiziellen Bezeichnungen sind, z. B. FCC Grant, FCC ID, TCB und Permissive Change.

3. Der FCC-Zulassungsprozess

Wenn feststeht, dass ein Produkt eine FCC-Zulassung benötigt, stellt sich die praktische Frage:

Wie erhält ein Hersteller diese Zulassung tatsächlich?

Das FCC-Zulassungsverfahren ist kein einzelner Prüfschritt und auch kein Verfahren, bei dem ein Produkt einfach an die FCC geschickt und dort getestet wird. Es handelt sich um einen strukturierten Prozess aus regulatorischer Bewertung, Prüfung, technischer Dokumentation und Zertifizierungsprüfung.

Bei Geräten, für die eine FCC-Zulassung über den Certification-Weg erforderlich ist, müssen die erforderlichen Prüfungen von einem von der FCC anerkannten akkreditierten Prüflabor durchgeführt werden. Die daraus entstehenden Testdaten und technischen Unterlagen werden anschließend im Rahmen des Zulassungsverfahrens bewertet.

Der typische Ablauf lässt sich vereinfacht so darstellen:

Produktdefinition

FCC Regulatory Scoping

Anwendbare FCC Rules & Prüfanforderungen

Laborprüfung

Test Report & technische Dokumentation

TCB Application

TCB Review

FCC Grant

FCC ID

Jeder dieser Schritte hat eine eigene Funktion.

1. Produkt und Konfiguration definieren

Am Anfang steht die Frage:

Was genau soll zugelassen werden?

Das klingt selbstverständlich, ist aber einer der wichtigsten Schritte des gesamten Prozesses.

Die FCC-Zulassung bezieht sich auf die konkrete Produktkonfiguration. Deshalb sollten unter anderem folgende Punkte eindeutig festgelegt werden:

  • Produktmodell
  • Hardware-Konfiguration
  • verwendetes Funkmodul
  • Funktechnologie
  • Frequenzbereiche
  • Sendeleistung
  • Antennen
  • Antennengewinn
  • Betriebsarten
  • Firmware und Software
  • Stromversorgung
  • Host-Konfiguration
  • bestimmungsgemäße Verwendung

Besonders wichtig wird dieser Schritt, wenn ein bereits FCC-zugelassenes Funkmodul in ein neues Host-Produkt integriert wird.

Die vorhandene Modulzulassung kann zwar für die Integration genutzt werden, sie bedeutet aber nicht automatisch, dass jede beliebige Host-Konfiguration ohne weitere Bewertung abgedeckt ist.

2. Anwendbare FCC Rules bestimmen

Bevor ein Labor mit den Prüfungen beginnt, muss feststehen, welche FCC-Anforderungen überhaupt gelten.

Dieser Schritt wird häufig als Regulatory Scoping bezeichnet.

Je nach Produkt können beispielsweise relevant sein:

  • FCC Part 2
  • FCC Part 15
  • weitere anwendbare FCC Parts
  • bestimmte Subparts
  • RF-Exposure-Anforderungen
  • vorgeschriebene Messverfahren
  • KDB Guidance
  • produktspezifische Anforderungen

Welche Anforderungen gelten, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Funktechnologie
  • Frequenz
  • Sendeleistung
  • Bandbreite
  • Betriebsart
  • Antennenkonfiguration
  • Gerätetyp
  • bestimmungsgemäßer Verwendung

Deshalb ist es sinnvoll, den regulatorischen Scope vor der eigentlichen Prüfung festzulegen.

Der bessere Ablauf ist:

Regulatory Scope → Anforderungen → Testplan → Laborprüfung

und nicht:

Labor auswählen → Produkt hinschicken → herausfinden, was geprüft werden muss.

3. Erforderliche Prüfungen bestimmen

Wenn die anwendbaren FCC Rules feststehen, kann der erforderliche Prüfungsumfang definiert werden.

Bei einem typischen Funkprodukt können beispielsweise folgende Prüfungen relevant sein:

  • Output Power
  • Occupied Bandwidth
  • Emissions
  • Spurious Emissions
  • Band-Edge Emissions
  • Frequency Stability
  • Antenna Characteristics
  • RF Exposure

Welche Prüfungen tatsächlich erforderlich sind, hängt immer vom konkreten Produkt und den anwendbaren FCC Rules ab.

Für bestimmte Part-15-Geräte kommen beispielsweise ANSI C63.10 für intentional radiators und ANSI C63.4 für bestimmte unintentional radiators als relevante Messverfahren zum Einsatz.

Die FCC berücksichtigt verschiedene technische Standards und Messverfahren innerhalb ihres Equipment-Authorization-Systems.

4. Prüfung in einem geeigneten Labor

Die erforderlichen Prüfungen werden anschließend in einem geeigneten Labor durchgeführt.

Für eine FCC-Zulassung müssen die Prüfungen von einem FCC-recognized accredited testing laboratory durchgeführt werden. Die Anforderungen an die Laborakkreditierung beziehen sich unter anderem auf ISO/IEC 17025.

Das Labor muss nicht in den USA sein

Das ist für europäische Hersteller besonders wichtig.

Eine FCC-Zulassung bedeutet nicht, dass das Produkt zwingend in den USA geprüft werden muss.

Die FCC arbeitet mit anerkannten Prüflaboren und Certification Bodies und berücksichtigt dabei auch internationale Mutual Recognition Agreements (MRAs). Dadurch können entsprechend qualifizierte Labore außerhalb der USA genutzt werden, sofern sie die Anforderungen für den jeweiligen Prüfungsumfang erfüllen.

Damit kann beispielsweise ein europäischer Hersteller ein geeignetes Labor in Europa nutzen.

FCC-Zulassung bedeutet nicht automatisch Testing in the USA.

Entscheidend ist nicht der Standort des Labors, sondern ob es für die erforderlichen Prüfungen entsprechend anerkannt und akkreditiert ist.

5. Test Report erstellen

Die Ergebnisse der Laborprüfung werden in einem FCC Test Report dokumentiert.

Der Test Report enthält die technischen Nachweise dafür, wie das Produkt gegenüber den anwendbaren Anforderungen abgeschnitten hat.

Je nach Produkt können unter anderem enthalten sein:

  • Test Setup
  • Equipment Under Test (EUT)
  • Test Configuration
  • verwendete Messgeräte
  • Messunsicherheit
  • Test Methods
  • Messergebnisse
  • Produktfotos
  • Antenneninformationen
  • Betriebsmodi
  • Worst-Case-Konfigurationen
  • besondere Prüfbedingungen

Der Test Report ist ein zentraler Bestandteil des Zulassungspakets.

Er ist jedoch nicht die FCC-Zulassung selbst.

Das ist ein wichtiger Unterschied:

Test Report ≠ FCC Grant

Der Test Report liefert die technischen Nachweise. Das Zulassungsverfahren bewertet diese Nachweise zusammen mit der übrigen technischen Dokumentation.

6. Technische Dokumentation zusammenstellen

Der Test Report allein reicht für eine FCC-Zulassung nicht aus.

Abhängig vom Produkt können beispielsweise weitere Unterlagen erforderlich sein:

  • Product Description
  • Block Diagram
  • Schematics
  • Operational Description
  • User Manual
  • Internal Photographs
  • External Photographs
  • Label Information
  • RF Exposure Information
  • Antenna Information
  • Tune-Up Procedure
  • technische Spezifikationen
  • Informationen zu relevanten Komponenten
  • gegebenenfalls Confidentiality Requests

Welche Dokumente tatsächlich erforderlich sind, hängt vom Produkt und den anwendbaren FCC Rules ab.

Das Ziel der Dokumentation ist jedoch immer dasselbe:

Der Reviewer muss verstehen können, was das Gerät ist, wie es funktioniert und warum die eingereichten Nachweise die Konformität belegen.

7. Antrag beim TCB einreichen

Bei einer FCC-Zulassung über den Certification-Weg wird der Antrag über einen Telecommunications Certification Body (TCB) eingereicht.

Ein TCB ist eine anerkannte Zertifizierungsstelle, die innerhalb des FCC-Systems berechtigt ist, FCC Grants of Certification auszustellen.

Das Zulassungspaket kann unter anderem enthalten:

  • Antrag
  • Test Report
  • technische Dokumentation
  • Produktinformationen
  • Labelinformationen
  • User Information
  • RF-Exposure-Dokumentation
  • weitere für das konkrete Produkt erforderliche Unterlagen

Danach beginnt die eigentliche Prüfung des Zulassungsantrags.

8. TCB Review

Der TCB reicht die Unterlagen nicht einfach ungeprüft weiter.

Die eigentliche Bewertung des Zulassungsantrags erfolgt innerhalb der Befugnisse des TCB.

Dabei kann unter anderem geprüft werden:

  • Wurden die richtigen FCC Rules angewendet?
  • Wurden die erforderlichen Prüfungen durchgeführt?
  • Sind die verwendeten Testverfahren geeignet?
  • Sind die Messergebnisse ausreichend?
  • Ist die Produktkonfiguration eindeutig?
  • Sind die technischen Unterlagen vollständig?
  • Stimmen Test Report und Produktdokumentation überein?
  • Sind die Labeling Requirements erfüllt?
  • Sind RF-Exposure-Anforderungen berücksichtigt?
  • Gibt es Widersprüche oder fehlende Informationen?

Der TCB kann während dieses Prozesses Fragen stellen oder zusätzliche Informationen verlangen.

Das ist ein normaler Bestandteil des Zulassungsverfahrens.

Ein Projekt kann deshalb mehrere Kommunikationsrunden zwischen

Hersteller

Labor

TCB

umfassen.

9. Rückfragen des TCB beantworten

Ein TCB kann beispielsweise Fragen stellen zu:

  • fehlenden technischen Informationen
  • verwendeten FCC Rules
  • Testmethoden
  • Messergebnissen
  • Antennenkonfigurationen
  • RF Exposure
  • einem integrierten Funkmodul
  • Labeling
  • KDB Guidance
  • Abweichungen zwischen Produkt und Test Report

Der Hersteller oder sein Compliance-Partner muss diese Fragen beantworten und gegebenenfalls Unterlagen oder Prüfungen ergänzen.

Genau deshalb garantiert auch ein formal vollständiger Test Report allein noch keine reibungslose FCC-Zulassung.

Die regulatorische Bewertung und die technische Dokumentation müssen ebenfalls konsistent sein.

10. FCC Grant

Wenn der TCB die Prüfung erfolgreich abgeschlossen hat und feststellt, dass die Anforderungen erfüllt sind, wird die Zulassung erteilt.

Der Grant of Certification ist die eigentliche Equipment Authorization für das zugelassene Gerät.

Damit ist das Produkt formal FCC-zugelassen.

11. FCC ID

Ein FCC-zugelassenes Gerät erhält eine FCC ID.

Diese FCC ID ermöglicht die Zuordnung des Geräts zur entsprechenden Zulassung und den dazugehörigen technischen Informationen.

Die FCC führt dafür ihr Equipment Authorization System mit den entsprechenden Zulassungsdaten.

Die FCC ID ist deshalb nicht lediglich eine Kennzeichnung für Marketingzwecke.

Sie ist unmittelbar mit der konkreten Zulassung und der dazugehörigen technischen Dokumentation verbunden.

12. Kennzeichnung und Compliance Information

Nach erfolgreicher Zulassung muss der Hersteller außerdem sicherstellen, dass die erforderlichen Kennzeichnungen und Informationen vorhanden sind.

Je nach Produkt und anwendbaren FCC Rules können dazu beispielsweise gehören:

  • FCC ID
  • Produktidentifikation
  • FCC Statements
  • Angaben im User Manual
  • Informationen zur bestimmungsgemäßen Nutzung
  • erforderliche Interference Statements
  • weitere produktspezifische Informationen

Welche Angaben genau erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Gerät und den anwendbaren Anforderungen ab.

Die FCC-Zulassung endet nicht mit dem Grant

Ein häufiger Fehler besteht darin, die FCC-Zulassung als endgültigen Abschluss des Compliance-Projekts zu betrachten.

Tatsächlich muss der Hersteller auch danach sicherstellen, dass die Serienprodukte der zugelassenen Konfiguration entsprechen und weiterhin die anwendbaren Anforderungen erfüllen.

Besonders relevant sind dabei spätere Änderungen.

Beispielsweise:

Neue Antenne

→ kann Auswirkungen auf die Zulassung haben

Neue RF-Komponente

→ kann eine erneute Bewertung erfordern

Firmware-Änderung

→ kann je nach Funktion relevant sein

Änderung der Frequenz

→ kann erheblichen Einfluss haben

Änderung der Sendeleistung

→ kann eine erneute Bewertung erforderlich machen

Welche Konsequenz eine Änderung hat, hängt von der konkreten Änderung und ihrer Auswirkung auf die zugelassenen Eigenschaften ab.

Hier kommen später die FCC Permissive Changes ins Spiel.

Der gesamte FCC-Zulassungsprozess im Überblick

Für einen Hersteller lässt sich der Prozess damit so zusammenfassen:

1. Produkt definieren

2. FCC Scope bestimmen

3. Anwendbare Rules und Prüfanforderungen bestimmen

4. Prüfungen durchführen

5. Test Report erstellen

6. Technische Dokumentation zusammenstellen

7. Antrag beim TCB einreichen

8. TCB Review und Rückfragen

9. FCC Grant erhalten

10. FCC ID und erforderliche Compliance Information

11. Änderungen am zugelassenen Produkt kontrollieren

Der wichtigste Punkt

Der entscheidende Schritt passiert häufig bevor das Produkt überhaupt ins Labor geht:

Es muss eindeutig feststehen, was die FCC für genau dieses Produkt verlangt.

Wenn der regulatorische Scope korrekt bestimmt wurde, können Testplan, Laborprüfung und technische Dokumentation darauf aufgebaut werden.

Wenn der Scope dagegen falsch ist, kann selbst ein technisch einwandfreier Test Report am Ende nicht die Nachweise liefern, die für die FCC-Zulassung tatsächlich benötigt werden.

Deshalb sollte eine FCC-Zulassung nicht lediglich als Laborprüfung mit anschließendem Zertifikat betrachtet werden.

Sie ist ein regulatorischer und technischer Gesamtprozess, bei dem Scoping, Testing, Documentation und die eigentliche Zulassung miteinander verbunden sind.

4. FCC Testing – Was wird tatsächlich geprüft?

Eine FCC-Zulassung basiert auf technischen Nachweisen. Welche Prüfungen erforderlich sind, hängt dabei nicht nur davon ab, dass ein Produkt Funk besitzt, sondern von der konkreten Funktechnologie, den Frequenzen, der Sendeleistung, der Betriebsart und den jeweils anwendbaren FCC Rules.

Für ein typisches Funkprodukt können daher mehrere unterschiedliche Prüfbereiche zusammenkommen.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Radio Testing, RF Exposure und den Anforderungen für unintentional radiators. Diese Bereiche werden häufig unter dem Begriff „FCC Testing“ zusammengefasst, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

4.1 Radio Testing für Funkgeräte

Bei einem Funkgerät wird zunächst geprüft, ob die tatsächlich erzeugten RF-Signale innerhalb der von der FCC festgelegten Grenzen liegen.

Je nach Technologie und anwendbarem FCC Part können unter anderem folgende Parameter relevant sein:

  • Transmit Power
  • Power Spectral Density
  • Operating Frequency
  • Occupied Bandwidth
  • Bandwidth
  • Frequency Stability
  • Spurious Emissions
  • Out-of-Band Emissions
  • Band-Edge Emissions
  • Conducted Emissions
  • Radiated Emissions
  • Antenna Characteristics

Nicht jede dieser Prüfungen ist bei jedem Produkt erforderlich.

Der konkrete Prüfungsumfang muss aus den anwendbaren FCC Rules und Messverfahren abgeleitet werden.

Für Part-15-Funkgeräte spielen insbesondere die Messverfahren der ANSI C63-Serie eine wichtige Rolle. Die FCC verweist unter anderem auf ANSI C63.10 für bestimmte intentional radiators. Für unintentional radiators kommt ANSI C63.4 zum Einsatz. (FCC Docs)

4.2 Intentional Radiator

Ein intentional radiator ist ein Gerät, das RF-Energie gezielt durch Strahlung oder Induktion erzeugt und aussendet.

Typische Beispiele sind:

  • Bluetooth-Geräte
  • Wi-Fi-Geräte
  • Funkfernbedienungen
  • Funkmodule
  • viele IoT-Produkte
  • bestimmte UWB-Produkte
  • andere drahtlose Sender

Bei diesen Produkten steht die tatsächliche Funkübertragung im Mittelpunkt der FCC-Bewertung.

Es wird beispielsweise geprüft, ob:

  • die Sendeleistung innerhalb der zulässigen Grenzen liegt,
  • die Bandbreite den Anforderungen entspricht,
  • unerwünschte Aussendungen ausreichend begrenzt sind,
  • die Frequenz korrekt eingehalten wird,
  • und die vorgeschriebenen Grenzwerte für Emissionen eingehalten werden.

Die FCC unterscheidet intentional radiators ausdrücklich von unintentional radiators. Für intentional radiators ist grundsätzlich die Certification als Equipment Authorization-Verfahren vorgesehen. (FCC Docs)

4.3 Spurious Emissions

Ein besonders wichtiger Teil des Radio Testing sind Spurious Emissions.

Ein Sender erzeugt nicht ausschließlich Energie genau auf seiner gewünschten Betriebsfrequenz.

Durch die Eigenschaften der Schaltung können zusätzliche unerwünschte Signale entstehen.

Diese können beispielsweise entstehen durch:

  • Oberwellen
  • Mischprodukte
  • Oszillatoren
  • interne Taktfrequenzen
  • nichtlineare Komponenten
  • andere interne Schaltungsprozesse

Die FCC legt für solche unerwünschten Emissionen Grenzwerte fest.

Im Labor wird deshalb nicht nur die gewünschte Aussendung des Senders betrachtet, sondern auch das Spektrum außerhalb des eigentlichen Nutzsignals.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen:

„Der Sender funktioniert.“

und:

„Der Sender erfüllt die FCC-Anforderungen.“

4.4 Occupied Bandwidth und weitere Funkparameter

Je nach Technologie können weitere Parameter relevant sein.

Dazu gehört beispielsweise die Occupied Bandwidth.

Sie beschreibt vereinfacht den Frequenzbereich, den das ausgesendete Signal tatsächlich einnimmt.

Weitere mögliche Prüfungen betreffen:

  • Frequenzgenauigkeit
  • Frequency Stability
  • Peak Output Power
  • Average Output Power
  • Power Spectral Density
  • Duty Cycle
  • Band-Edge Emissions

Welche Parameter tatsächlich geprüft werden, hängt von der jeweiligen FCC-Regelung ab.

Ein Wi-Fi-Gerät wird daher nicht zwangsläufig nach exakt demselben Prüfprogramm bewertet wie beispielsweise ein Bluetooth-, LoRa- oder UWB-Gerät.

4.5 RF Exposure

Neben der eigentlichen Funkleistung spielt bei vielen Funkprodukten auch RF Exposure eine wichtige Rolle.

Hier geht es nicht primär um die Frage:

„Ist das Funksignal technisch innerhalb der zulässigen Emissionsgrenzen?“

Sondern um die Frage:

„Welche HF-Exposition entsteht für Personen durch den bestimmungsgemäßen Betrieb des Geräts?“

Die Bewertung hängt unter anderem davon ab:

  • welche Sendeleistung verwendet wird,
  • welche Frequenz verwendet wird,
  • welche Antenne eingesetzt wird,
  • wie das Gerät betrieben wird,
  • welchen Abstand eine Person zur Antenne haben kann,
  • und ob das Gerät beispielsweise am Körper getragen wird.

Bei unterschiedlichen Produktarten können unterschiedliche RF-Exposure-Bewertungen erforderlich sein.

Deshalb sollte RF Exposure bereits während des Regulatory Scoping berücksichtigt werden und nicht erst am Ende des Projekts.

4.6 Part 15B – Unintentional Radiators

Ein weiterer wichtiger Bereich ist Part 15B.

Hier geht es um sogenannte unintentional radiators.

Ein unintentional radiator erzeugt innerhalb des Geräts RF-Energie für seine interne Funktion oder führt RF-Signale über Leitungen zu angeschlossenen Komponenten, ist aber nicht dazu bestimmt, RF-Energie durch Strahlung oder Induktion auszusenden. Die FCC definiert diesen Gerätetyp entsprechend in ihren Rules. (FCC Docs)

Typische Beispiele können sein:

  • digitale Elektronik
  • Computer
  • Displays
  • Steuergeräte
  • Netzteile bzw. elektronische Komponenten
  • Geräte mit digitalen Schaltungen

Auch ein Funkprodukt kann deshalb neben seinem intentional transmitter einen zusätzlichen Part-15B-Scope haben.

Das ist besonders wichtig bei Produkten, die aus mehreren elektronischen Funktionen bestehen.

4.7 Part 15B ist nicht einfach „EMC“

Hier entsteht bei europäischen Herstellern häufig ein Missverständnis.

Part 15B ist nicht einfach die amerikanische Version einer vollständigen EU-EMV-Prüfung.

Die FCC-Regeln für unintentional radiators konzentrieren sich auf bestimmte RF emission requirements.

Die zugrunde liegenden Messverfahren können zwar aus der ANSI-C63-Serie für Electromagnetic Compatibility stammen. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Part-15B-Prüfung automatisch einer vollständigen EMV-Bewertung nach dem europäischen CE-System entspricht.

Die FCC beschreibt für unintentional radiators beispielsweise Messungen nach ANSI C63.4. Dieser Standard behandelt Methoden zur Messung von Radio-Noise-Emissions von elektrischen und elektronischen Geräten. (FCC Docs)

Der regulatorische Zweck und der Umfang der Bewertung müssen deshalb getrennt betrachtet werden.

Vereinfacht gesagt:

FCC Part 15B

→ bestimmte RF-Emission Requirements

ist nicht automatisch gleichbedeutend mit:

EU EMC Compliance

→ vollständige EMV-Bewertung nach den für das Produkt relevanten europäischen Anforderungen.

4.8 Warum ein Funkprodukt häufig mehrere Prüfbereiche hat

Ein modernes Produkt kann gleichzeitig mehrere FCC-relevante Funktionen enthalten.

Beispielsweise:

Smart Home Controller

  • Wi-Fi transmitter
  • Bluetooth transmitter
  • digital electronics
  • display
  • power supply

Damit können mehrere Bereiche relevant werden:

Wi-Fi

→ Intentional Radiator

Bluetooth

→ Intentional Radiator

Digital Electronics

→ möglicherweise Part 15B

RF Exposure

→ abhängig von Leistung, Nutzung und Abstand

Das bedeutet:

Ein Produkt kann mehrere FCC-Anforderungen gleichzeitig erfüllen müssen.

Deshalb sollte die FCC-Bewertung nicht ausschließlich auf das Funkmodul reduziert werden.

4.9 Welche Rolle spielt das Labor?

Das Labor führt die erforderlichen Messungen entsprechend dem festgelegten Prüfprogramm durch.

Dabei wird das Produkt in den für die Prüfung relevanten Betriebszuständen betrieben.

Besonders wichtig ist die Auswahl der Worst-Case-Konfiguration.

Je nach Produkt können beispielsweise relevant sein:

  • maximale Sendeleistung
  • unterschiedliche Kanäle
  • unterschiedliche Bandbreiten
  • verschiedene Antennen
  • verschiedene Betriebsmodi
  • unterschiedliche Datenraten
  • gleichzeitiger Betrieb mehrerer Funktechnologien

Das Ziel besteht darin, die Konfigurationen zu identifizieren, die für die jeweiligen Anforderungen die kritischsten Ergebnisse erwarten lassen.

4.10 Was wird nicht automatisch durch FCC Testing abgedeckt?

Ein sehr wichtiger Punkt für Hersteller:

Eine FCC-Prüfung ist keine allgemeine Produktprüfung.

Aus einer FCC-Zulassung lässt sich beispielsweise nicht automatisch ableiten, dass das Produkt:

  • elektrisch sicher ist,
  • mechanisch sicher ist,
  • alle Anforderungen an Product Safety erfüllt,
  • vollständig EMV-konform nach europäischen Anforderungen ist,
  • alle Anforderungen anderer US-amerikanischer Behörden erfüllt,
  • oder für jede beliebige Anwendung geeignet ist.

Die FCC-Bewertung bezieht sich auf die jeweils anwendbaren FCC-Anforderungen.

Andere regulatorische oder marktbezogene Anforderungen müssen separat bewertet werden.

4.11 Warum das richtige Scoping vor dem Testing entscheidend ist

Das zeigt, warum der erste Schritt eines FCC-Projekts nicht einfach lautet:

„Wir buchen einen FCC Test.“

Zuerst muss geklärt werden:

Welche Funktechnologien?

Welche Frequenzen?

Welche FCC Parts?

Intentional Radiator?

Unintentional Radiator / Part 15B?

Welche RF-Exposure-Bewertung?

Welche Messverfahren?

Welche Betriebszustände und Worst Cases?

Erst daraus lässt sich ein sinnvoller Prüfplan ableiten.

Die FCC selbst weist darauf hin, dass die jeweiligen Gerätetypen und anwendbaren technischen Anforderungen bestimmen, welche Equipment-Authorization- und Prüfanforderungen gelten. (FCC Docs)

Der wichtigste Punkt

FCC Testing ist mehr als ein einzelner Funk-Test.

Bei einem typischen Funkprodukt können mehrere Prüfbereiche zusammenkommen:

Radio Testing + RF Exposure + gegebenenfalls Part 15B

Dabei müssen diese Bereiche sauber voneinander unterschieden werden.

Besonders wichtig ist:

Part 15B ist keine allgemeine US-EMV-Zulassung und sollte nicht mit einer vollständigen EU-EMV-Bewertung gleichgesetzt werden.

Welche Prüfungen tatsächlich erforderlich sind, hängt immer vom konkreten Produkt, seiner Konfiguration und den anwendbaren FCC Rules ab.

Deshalb entscheidet eine korrekte regulatorische Bewertung bereits vor dem ersten Labortest darüber, ob später tatsächlich das Richtige geprüft wird. (FCC Docs)

5. FCC und Product Safety – Was ist tatsächlich verpflichtend?

Ein häufiger Irrtum bei europäischen Herstellern ist die Annahme, dass eine FCC-Zulassung gleichzeitig bestätigt, dass ein Produkt auch die Anforderungen an die elektrische Sicherheit erfüllt.

Das ist nicht der Fall.

Die FCC ist in erster Linie für die Regulierung von Funk, RF-Emissionen und der Nutzung des Frequenzspektrums zuständig. Eine FCC-Zulassung ist daher keine allgemeine Product-Safety-Zulassung.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zum europäischen CE-System.

5.1 FCC Compliance ist nicht Product Safety

Wenn ein Funkprodukt eine FCC-Zulassung erhält, bedeutet dies grundsätzlich, dass das Produkt die für den jeweiligen FCC-Scope relevanten Anforderungen erfüllt.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • RF Emissions
  • Spurious Emissions
  • Transmit Power
  • Frequency Stability
  • RF Exposure
  • weitere produktspezifische Funkanforderungen

Eine FCC-Zulassung bedeutet dagegen nicht automatisch, dass das Produkt hinsichtlich seiner elektrischen Sicherheit geprüft oder nach einem Safety Standard zertifiziert wurde.

Die beiden Bereiche sind daher getrennt zu betrachten:

FCC

→ Radio / RF Compliance

und

Product Safety

→ Electrical Safety / Product Safety

Ein Hersteller muss deshalb für das konkrete Produkt separat prüfen, welche Safety-Anforderungen für den US-Markt relevant sind.

5.2 Gibt es eine allgemeine FCC-Pflicht für UL?

Nein.

Eine UL-Zertifizierung ist nicht grundsätzlich Voraussetzung für eine FCC-Zulassung.

Das bedeutet:

Ein Produkt kann FCC-zugelassen sein, ohne eine UL-Zertifizierung zu besitzen.

Die FCC verlangt für ihre Radio-Zulassung nicht generell, dass ein Produkt zuvor nach UL geprüft oder UL-zertifiziert wurde.

Das ist für europäische Hersteller wichtig, weil häufig angenommen wird:

„Wenn ich ein elektrisches Produkt in die USA verkaufen möchte, muss es UL-zertifiziert sein.“

So pauschal ist das nicht richtig.

Die Frage nach Product Safety und die Frage nach FCC Radio Compliance müssen getrennt bewertet werden.

5.3 Warum wird dann so häufig UL verlangt?

Dass eine UL-Zertifizierung nicht allgemein gesetzlich für die FCC-Zulassung erforderlich ist, bedeutet nicht, dass Safety Certification im US-Markt unwichtig ist.

In der Praxis können andere Parteien oder Anforderungen eine entsprechende Safety Certification verlangen.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Kunden
  • Händler
  • Betreiber
  • Installateure
  • Versicherungen
  • Behörden
  • lokale Building Codes
  • lokale Electrical Codes
  • bestimmte Installationsbedingungen
  • Anforderungen bestimmter Produktkategorien

Ein Hersteller kann daher mit der Situation konfrontiert werden:

FCC-Zulassung vorhanden – aber der Kunde verlangt trotzdem UL oder eine andere NRTL-Zertifizierung.

Das ist kein Widerspruch.

Die FCC-Zulassung und die Safety Certification erfüllen unterschiedliche Zwecke.

5.4 Was ist ein NRTL?

In den USA spielt neben UL auch das Konzept der Nationally Recognized Testing Laboratory (NRTL) eine wichtige Rolle.

Ein NRTL ist ein von der Occupational Safety and Health Administration (OSHA) anerkanntes Prüflabor, das für bestimmte Safety Standards Produkte prüfen und zertifizieren kann.

UL ist daher nicht die einzige Möglichkeit.

Je nach Produkt und anwendbarem Standard können auch andere anerkannte NRTLs relevant sein.

Das bedeutet:

„NRTL required“ bedeutet nicht automatisch „UL required“.

Wenn eine bestimmte Safety Certification erforderlich ist, muss zunächst geklärt werden:

  1. welcher Safety Standard gilt,
  2. ob für die konkrete Anwendung eine Zertifizierung erforderlich ist,
  3. welcher Zertifizierungsweg akzeptiert wird,
  4. und welche NRTL dafür anerkannt ist.

5.5 Gesetzliche Pflicht und Marktanforderung sind nicht dasselbe

Für Hersteller ist diese Unterscheidung besonders wichtig.

Es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen:

„Das Gesetz verlangt eine Zertifizierung.“

und:

„Der Markt verlangt eine Zertifizierung.“

Ein Kunde kann beispielsweise in seinen Einkaufsspezifikationen verlangen, dass ein Produkt von UL oder einem anderen NRTL zertifiziert ist.

Das macht die Zertifizierung für diesen konkreten Verkauf praktisch notwendig.

Es bedeutet aber nicht automatisch, dass die FCC eine entsprechende UL-Zertifizierung für die Funkzulassung verlangt.

Deshalb sollte bei jedem Projekt zunächst gefragt werden:

Wer verlangt die Safety Certification – und auf welcher Grundlage?

5.6 FCC und Product Safety können parallel erforderlich sein

Bei einem typischen elektrischen Funkprodukt können daher mehrere Compliance-Bereiche gleichzeitig bestehen.

Beispielsweise:

Funkfunktion

→ FCC Requirements

RF Exposure

→ FCC Requirements

Digitale Elektronik

→ gegebenenfalls Part 15B

Elektrische Sicherheit

→ separate Product-Safety-Anforderungen

Installation

→ gegebenenfalls weitere Anforderungen

Das bedeutet:

FCC Compliance ist nur ein Teil der gesamten US-Markt-Compliance.

Ein Produkt kann daher vollständig FCC-konform sein und trotzdem noch weitere regulatorische oder marktbezogene Anforderungen erfüllen müssen.

5.7 Ein Beispiel

Nehmen wir einen industriellen Wireless Controller mit:

  • Wi-Fi
  • Bluetooth
  • Netzanschluss
  • Schaltnetzteil
  • Display
  • mehreren digitalen Schnittstellen

Für die Funkfunktionen kann beispielsweise eine FCC-Zulassung erforderlich sein.

Dazu kommen möglicherweise:

Wi-Fi / Bluetooth

→ FCC Radio Certification

RF Exposure

→ FCC RF Exposure Assessment

Digitale Elektronik

→ gegebenenfalls Part 15B

Elektrische Sicherheit

→ separate Safety Assessment / Certification

Installation

→ gegebenenfalls Anforderungen aus lokalen Codes oder Kundenvorgaben

Es wäre daher falsch, aus einer vorhandenen FCC ID zu schließen:

„Das komplette Produkt ist für den US-Markt sicherheitstechnisch zugelassen.“

Die FCC ID sagt zunächst etwas über die entsprechende FCC-Zulassung aus.

5.8 Der Unterschied zur EU

Hier liegt einer der wesentlichen Unterschiede zum europäischen System.

Bei einem europäischen Produkt führt der Hersteller eine CE-Konformitätsbewertung auf Grundlage der für das Produkt geltenden EU-Rechtsvorschriften durch.

Je nach Produkt können dabei beispielsweise relevant sein:

  • Radio Equipment Directive (RED)
  • EMC Directive
  • Low Voltage Directive
  • weitere produktspezifische EU-Rechtsvorschriften

Die jeweiligen Anforderungen müssen innerhalb des europäischen Konformitätsbewertungsprozesses berücksichtigt werden.

In den USA ist das System stärker nach regulatorischen Zuständigkeiten und einzelnen Anforderungen aufgeteilt.

Die FCC kümmert sich um ihren regulatorischen Bereich.

Product Safety ist davon getrennt.

Deshalb sollte ein Hersteller nicht versuchen, das europäische CE-Modell eins zu eins auf die USA zu übertragen.

5.9 Wann sollte ein Hersteller Safety frühzeitig prüfen?

Die Product-Safety-Frage sollte bereits während der Produktplanung geklärt werden.

Besonders relevant ist sie bei Produkten:

  • mit Netzspannung,
  • mit externen Netzteilen,
  • für industrielle Anwendungen,
  • für den Einbau in Maschinen,
  • für Gebäudeinstallationen,
  • für bestimmte medizinische oder andere regulierte Anwendungen,
  • mit hohen Leistungen,
  • für bestimmte professionelle Installationen.

Auch wenn keine allgemeine gesetzliche UL-Pflicht besteht, kann eine Safety Certification für den späteren Marktzugang entscheidend sein.

Deshalb sollte die Frage nicht erst nach der FCC-Zulassung gestellt werden.

5.10 Was sollte ein Hersteller konkret prüfen?

Für ein neues US-Produkt sollte die Safety-Frage separat vom FCC Scoping betrachtet werden.

Eine sinnvolle Bewertung beginnt mit:

1. Product Category

Was für ein Produkt ist es?

2. Intended Use

Wie und wo wird es eingesetzt?

3. Power Supply

Wie wird das Produkt mit Energie versorgt?

4. Installation

Wird es durch einen Endanwender oder professionell installiert?

5. Applicable Safety Standards

Welche Safety Standards sind für das Produkt relevant?

6. Market Requirements

Gibt es Anforderungen von Kunden, Händlern oder Installateuren?

7. NRTL Requirements

Ist eine Zertifizierung durch ein anerkanntes NRTL erforderlich oder praktisch notwendig?

Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, ob beispielsweise eine UL- oder andere NRTL-Zertifizierung benötigt wird.

Der wichtigste Punkt

Die zentrale Aussage lautet:

FCC-Zulassung und Product Safety sind zwei unterschiedliche Compliance-Bereiche.

Eine FCC-Zulassung bestätigt nicht automatisch die elektrische Sicherheit eines Produkts.

Ebenso ist eine UL-Zertifizierung nicht grundsätzlich Voraussetzung für eine FCC-Zulassung.

In der Praxis kann eine UL- oder andere NRTL-Zertifizierung dennoch erforderlich oder wirtschaftlich sinnvoll sein – beispielsweise aufgrund gesetzlicher Anforderungen für bestimmte Anwendungen, lokaler Installationsregeln oder Anforderungen von Kunden und anderen Marktteilnehmern.

Für Hersteller bedeutet das:

Nicht fragen: „Brauche ich UL für FCC?“

Sondern:

„Welche FCC-Anforderungen gelten für mein Funkprodukt – und welche separaten Product-Safety-Anforderungen gelten für den US-Markt und meine konkrete Anwendung?“

Diese beiden Bewertungen sollten getrennt durchgeführt werden, aber von Anfang an gemeinsam in der gesamten North-America-Compliance-Strategie berücksichtigt werden.

6. Die Rolle des Telecommunications Certification Body (TCB)

Für Produkte, die eine FCC-Zulassung über den Certification-Weg benötigen, spielt der Telecommunications Certification Body (TCB) eine zentrale Rolle.

Der TCB ist weder das Prüflabor noch lediglich eine administrative Zwischenstelle zwischen Hersteller und FCC.

Ein TCB ist eine akkreditierte Zertifizierungsstelle, die von der FCC zur Durchführung von Certification-Verfahren und zur Ausstellung von FCC Grants of Certification anerkannt ist. Im FCC-System prüft und bewertet der TCB die eingereichten Zulassungsanträge und entscheidet, ob das Gerät einen Grant of Certification erhalten kann.

Vereinfacht dargestellt:

Hersteller

Prüflabor

Test Report & technische Dokumentation

TCB

Technische & regulatorische Prüfung

FCC Grant

6.1 Was ist ein TCB?

TCB steht für:

Telecommunications Certification Body

TCBs sind akkreditierte Zertifizierungsstellen, die innerhalb des FCC Equipment Authorization Systems anerkannt sind.

Ihre Aufgabe besteht darin, zu bewerten, ob ein Produkt die für seine Zulassung relevanten FCC-Anforderungen erfüllt und – sofern dies der Fall ist – den entsprechenden Grant of Certification auszustellen.

Der Hersteller reicht einen solchen Certification-Antrag daher normalerweise nicht einfach direkt bei einem FCC-Mitarbeiter zur vollständigen technischen Prüfung ein.

Stattdessen läuft der eigentliche Certification-Prozess über einen anerkannten TCB.

6.2 Was macht ein TCB konkret?

Der TCB prüft den vollständigen Zulassungsantrag.

Dazu gehören – abhängig vom Produkt – beispielsweise:

  • anwendbare FCC Rules
  • Test Reports
  • Testverfahren
  • Messergebnisse
  • Produktkonfiguration
  • technische Dokumentation
  • Antenneninformationen
  • RF-Exposure-Dokumentation
  • Kennzeichnung
  • User Information
  • gegebenenfalls Confidentiality Requests
  • weitere für das konkrete Gerät erforderliche Unterlagen

Der TCB prüft damit nicht nur einzelne Messergebnisse, sondern die gesamte Zulassungsdokumentation.

6.3 TCB und Prüflabor haben unterschiedliche Aufgaben

Eine der wichtigsten Unterscheidungen lautet:

Das Labor prüft. Der TCB zertifiziert.

Das Prüflabor erzeugt die technischen Messdaten.

Der TCB bewertet diese Daten anschließend im Rahmen des Zulassungsverfahrens.

Beispielsweise:

Prüflabor

→ misst die Sendeleistung

→ misst Spurious Emissions

→ führt die erforderlichen RF-Prüfungen durch

→ erstellt den Test Report

TCB

→ prüft den Test Report

→ überprüft die zugrunde liegenden FCC-Anforderungen

→ bewertet die technischen Unterlagen

→ entscheidet über die Certification

Der TCB wiederholt daher nicht automatisch sämtliche Prüfungen.

Die FCC sieht vielmehr vor, dass TCBs Testdaten von anerkannten akkreditierten Prüflaboren verwenden und bewerten. Eine unnötige Wiederholung bereits ordnungsgemäß durchgeführter Prüfungen soll vermieden werden.

6.4 Prüfung des Test Reports

Der Test Report ist eines der wichtigsten Dokumente innerhalb eines Zulassungsantrags.

Der TCB prüft, ob die durchgeführten Prüfungen tatsächlich nachweisen, dass das Produkt die anwendbaren FCC-Anforderungen erfüllt.

Dabei können beispielsweise folgende Fragen relevant sein:

  • Wurden die richtigen FCC Rules angewendet?
  • Wurden die richtigen Messverfahren verwendet?
  • Wurden die erforderlichen Betriebsmodi geprüft?
  • Wurden die relevanten Kanäle geprüft?
  • Wurde die Worst-Case-Konfiguration berücksichtigt?
  • Liegen die Messergebnisse innerhalb der zulässigen Grenzwerte?
  • Sind die Angaben zu den Messgeräten vollständig?
  • Ist der Testaufbau ausreichend dokumentiert?
  • Stimmen die Antenneninformationen mit dem Antrag überein?
  • Bezieht sich der Test Report tatsächlich auf das beantragte Produkt?

Deshalb kann ein Test Report technisch korrekt sein und trotzdem während der TCB-Prüfung zu Rückfragen führen.

Der TCB bewertet nicht nur einzelne Messergebnisse, sondern die Konsistenz und Vollständigkeit des gesamten Zulassungspakets.

6.5 Prüfung der Produktkonfiguration

Der TCB muss außerdem eindeutig nachvollziehen können, welches Produkt tatsächlich zugelassen werden soll.

Das ist insbesondere bei komplexeren Produkten wichtig, beispielsweise bei:

  • mehreren Funktechnologien
  • mehreren Antennen
  • verschiedenen Betriebsmodi
  • Funkmodulen
  • unterschiedlichen Hardwarevarianten
  • unterschiedlichen Firmware-Konfigurationen
  • gleichzeitig betriebenen Funksystemen
  • optionalen Zubehörteilen

Die technischen Unterlagen, der Test Report und der Zulassungsantrag müssen eindeutig miteinander zusammenpassen.

Wenn beispielsweise der Test Report nur eine Antennenkonfiguration beschreibt, im Antrag aber mehrere zusätzliche Antennen angegeben werden, kann der TCB eine Erklärung oder zusätzliche Nachweise verlangen.

6.6 Rückfragen des TCB

Rückfragen des TCB sind ein normaler Bestandteil des FCC-Zulassungsverfahrens.

Der TCB kann zusätzliche Informationen oder Klarstellungen verlangen, wenn die eingereichten Unterlagen die Konformität noch nicht ausreichend belegen.

Typische Fragen können sich beispielsweise beziehen auf:

  • Testkonfigurationen
  • Antennengewinn
  • Sendeleistung
  • RF Exposure
  • Betriebsmodi
  • Interpretation einer FCC Rule
  • KDB Guidance
  • Integration eines Funkmoduls
  • Kennzeichnung
  • Angaben im User Manual
  • Confidentiality
  • Änderungen am Produkt

Der Hersteller oder sein Compliance-Partner beantwortet diese Fragen und stellt gegebenenfalls zusätzliche Unterlagen bereit.

Je nach Fragestellung kann auch das Prüflabor zusätzliche technische Informationen liefern.

Der Ablauf kann deshalb beispielsweise so aussehen:

Hersteller

TCB-Frage

Antwort des Herstellers / Labors

erneute TCB-Prüfung

gegebenenfalls weitere Rückfrage

Zulassungsentscheidung

Eine gut vorbereitete Zulassungsdokumentation kann daher dazu beitragen, unnötige Review-Schleifen zu vermeiden.

6.7 Was passiert, wenn der TCB ein Problem feststellt?

Der TCB muss einen Antrag nicht allein deshalb genehmigen, weil das Produkt ein Labor erfolgreich durchlaufen hat.

Wenn die Unterlagen oder Messergebnisse die Einhaltung der FCC-Anforderungen nicht ausreichend belegen, muss der Antrag entsprechend korrigiert oder ergänzt werden.

Beispielsweise kann der TCB feststellen:

  • eine erforderliche Prüfung fehlt,
  • ein falscher FCC Part wurde angewendet,
  • technische Unterlagen sind unvollständig,
  • eine Antennenkonfiguration ist nicht ausreichend dokumentiert,
  • die RF-Exposure-Bewertung ist nicht ausreichend,
  • Test Report und Zulassungsantrag stimmen nicht überein,
  • die Kennzeichnung ist nicht korrekt,
  • ein technischer Grenzwert wurde nicht eingehalten.

Abhängig vom Problem kann der Hersteller dann beispielsweise:

  • zusätzliche Informationen bereitstellen,
  • die Dokumentation korrigieren,
  • zusätzliche Prüfungen durchführen,
  • das Produkt ändern,
  • oder den Zulassungsweg neu bewerten.

Der TCB ist deshalb nicht einfach dafür zuständig, einen Antrag möglichst schnell zu einem Grant zu bringen.

Seine Aufgabe ist es zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die FCC-Zulassung tatsächlich erfüllt sind.

6.8 Der TCB stellt den FCC Grant aus

Wenn der TCB seine Prüfung erfolgreich abgeschlossen hat und die Anforderungen erfüllt sind, kann er den Grant of Certification ausstellen.

Damit erhält das Gerät seine formelle FCC-Zulassung.

Der FCC Grant enthält die relevanten Informationen zur zugelassenen Konfiguration und ist mit der entsprechenden FCC ID verbunden.

Die Zulassungsinformationen werden anschließend im FCC Equipment Authorization System geführt.

6.9 Die FCC behält die regulatorische Aufsicht

Dass TCBs die eigentliche Certification-Prüfung durchführen, bedeutet nicht, dass die FCC ihre regulatorische Verantwortung vollständig abgegeben hat.

TCBs arbeiten innerhalb des von der FCC festgelegten Systems und unterliegen deren Anforderungen und Aufsicht.

Die FCC kann unter anderem die Tätigkeit und Entscheidungen von TCBs überwachen und bei Problemen regulatorisch eingreifen.

Damit ergibt sich eine klare Aufteilung:

FCC

→ legt den regulatorischen Rahmen fest und übt die Aufsicht aus

TCB

→ prüft den Zulassungsantrag und trifft die Certification-Entscheidung

Prüflabor

→ führt die technischen Prüfungen durch

Hersteller

→ bleibt für das Produkt und die Richtigkeit der eingereichten Informationen verantwortlich

6.10 Was macht ein TCB nicht?

Ebenso wichtig ist zu verstehen, was der TCB nicht macht.

Ein TCB:

  • entwickelt das Produkt nicht,
  • übernimmt nicht automatisch die gesamte Compliance-Strategie des Herstellers,
  • ersetzt nicht das Prüflabor,
  • führt nicht automatisch sämtliche erforderlichen Prüfungen selbst durch,
  • zertifiziert nicht automatisch die elektrische Sicherheit des Produkts,
  • erteilt keine allgemeine Zulassung für sämtliche Eigenschaften des Produkts,
  • übernimmt nicht die Verantwortung des Herstellers für die weitere Produktkonformität.

Der TCB bewertet das Produkt innerhalb des konkreten FCC-Zulassungsscope.

Der Hersteller bleibt dafür verantwortlich, dass das Produkt auf dem Markt der zugelassenen Konfiguration entspricht und die relevanten Anforderungen weiterhin erfüllt.

6.11 Kann der Hersteller den TCB auswählen?

Ja.

Der Hersteller kann einen geeigneten von der FCC anerkannten TCB auswählen.

Das kann insbesondere bei komplexeren Produkten relevant sein, weil sich TCBs beispielsweise hinsichtlich ihrer Erfahrung mit:

  • bestimmten FCC Parts
  • bestimmten Funktechnologien
  • modularen Zulassungen
  • RF Exposure
  • komplexen Mehrfach-Funksystemen
  • speziellen oder ungewöhnlichen Betriebsbedingungen

unterscheiden können.

Auch Kommunikationsabläufe, Bearbeitungszeiten und Kosten können unterschiedlich sein.

Bei einem einfachen Produkt sind möglicherweise mehrere TCBs geeignet.

Bei einem komplexeren Produkt kann die Erfahrung des TCBs mit dem konkreten technischen und regulatorischen Problem einen deutlichen Unterschied machen.

6.12 TCB und KDB Guidance

Der TCB spielt auch eine wichtige Rolle, wenn eine konkrete technische Fragestellung nicht allein durch den Wortlaut einer FCC Rule beantwortet werden kann.

Die FCC Knowledge Database (KDB) enthält zahlreiche Guidance-Dokumente zu technischen und verfahrenstechnischen Fragestellungen.

Bei der Prüfung eines Zulassungsantrags können deshalb relevante KDB-Dokumente berücksichtigt werden.

Das kann beispielsweise Fragen betreffen zu:

  • bestimmten Messverfahren
  • RF Exposure
  • modularen Transmittern
  • Antennenkonfigurationen
  • Permissive Changes
  • speziellen Gerätetypen
  • ungewöhnlichen Betriebsbedingungen

Die KDB wird in einem späteren Kapitel ausführlicher behandelt.

6.13 Der TCB im gesamten FCC-Zulassungsprozess

Die Rolle des TCB wird besonders deutlich, wenn man den gesamten Prozess betrachtet:

Schritt 1 – Regulatory Scoping

Die anwendbaren FCC Rules werden bestimmt.

Schritt 2 – Test Planning

Es wird festgelegt, was geprüft werden muss.

Schritt 3 – Laboratory Testing

Das Labor erzeugt die technischen Nachweise.

Schritt 4 – Documentation

Test Report und weitere Unterlagen werden zusammengestellt.

Schritt 5 – TCB Application

Das Zulassungspaket wird beim TCB eingereicht.

Schritt 6 – TCB Review

Der TCB bewertet den Antrag.

Schritt 7 – Questions & Clarifications

Offene Punkte werden geklärt.

Schritt 8 – Certification Decision

Der TCB entscheidet über die Zulassung.

Schritt 9 – FCC Grant

Das Gerät erhält seinen FCC Grant und die zugehörige FCC ID.

Damit ist der TCB der zentrale Entscheidungsträger innerhalb des FCC Certification-Verfahrens.

Der wichtigste Punkt

Der TCB steht zwischen den technischen Nachweisen des Labors und der eigentlichen FCC-Zulassung.

Die Aufgabenteilung lässt sich vereinfacht so zusammenfassen:

Labor → führt die Prüfungen durch

TCB → bewertet die Nachweise und entscheidet über die Certification

FCC → legt die Regeln fest und übt die regulatorische Aufsicht aus

Hersteller → bleibt für Produkt und Konformität verantwortlich

Ein TCB ist daher keine reine Einreichungsstelle.

Seine technische und regulatorische Prüfung entscheidet darüber, ob die eingereichten Nachweise für einen FCC Grant ausreichen.

Für Hersteller bedeutet das gleichzeitig: Je sauberer Regulatory Scoping, Testplan und technische Dokumentation bereits vor der Einreichung aufeinander abgestimmt sind, desto reibungsloser kann die TCB-Prüfung ablaufen.

7. Modulare FCC-Zulassung

Eine der wichtigsten Möglichkeiten, den Aufwand bei Funkprodukten zu reduzieren, ist die Verwendung eines bereits zugelassenen Funkmoduls.

Statt die gesamte Funkfunktion in jedem neuen Endprodukt vollständig neu zu bewerten, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine bestehende Modular FCC Certification genutzt werden.

Das ist insbesondere für Hersteller interessant, die beispielsweise ein bereits FCC-zugelassenes:

  • Wi-Fi-Modul
  • Bluetooth-Modul
  • WLAN/Bluetooth-Kombimodul
  • LoRa-Modul
  • Cellular-Modul

in verschiedene Host-Produkte integrieren.

Dabei ist jedoch ein wichtiger Grundsatz zu beachten:

Eine Modulzulassung bedeutet nicht automatisch, dass jede beliebige Integration in jedes beliebige Host-Produkt abgedeckt ist.

Die Bedingungen der jeweiligen Modulzulassung und die Anforderungen an die konkrete Integration müssen geprüft werden.

7.1 Was ist eine Modular Certification?

Bei einer Modular Certification wird ein Funkmodul so zugelassen, dass es unter definierten Bedingungen in andere Produkte integriert werden kann.

Das Modul erhält dabei seine eigene FCC Certification und damit eine eigene FCC ID.

Ein Hersteller eines Host-Produkts kann diese bereits vorhandene Zulassung anschließend unter den vorgesehenen Bedingungen nutzen.

Vereinfacht:

Funkmodul

FCC Modular Certification

FCC ID

Integration in Host Product

Host Product mit integriertem FCC-zugelassenem Modul

Der Vorteil liegt auf der Hand:

Wenn das gleiche Funkmodul in zehn verschiedenen Produkten eingesetzt wird, muss nicht zwangsläufig die komplette Funkfunktion zehnmal von Grund auf neu zugelassen werden.

7.2 Warum nutzen Hersteller modulare Zulassungen?

Modulare Zulassungen können insbesondere bei Produktfamilien erhebliche Vorteile bieten.

Ein Hersteller kann beispielsweise dasselbe Wi-Fi-Modul einsetzen in:

  • einem industriellen Controller,
  • einem Gateway,
  • einem Sensor,
  • einem Display,
  • einem Smart-Home-Produkt.

Wenn die Voraussetzungen für die Nutzung der Modulzulassung erfüllt sind, können Teile der bereits vorhandenen FCC-Nachweise wiederverwendet werden.

Dadurch können sich reduzieren:

  • Prüfaufwand
  • Kosten
  • Entwicklungsaufwand
  • Zulassungszeit
  • Dokumentationsaufwand

Der eigentliche Vorteil ist jedoch nicht einfach:

„Wir müssen das Modul nicht mehr testen.“

Vielmehr geht es darum:

Die bereits durchgeführte Bewertung des Funkmoduls kann unter bestimmten Voraussetzungen für weitere Host-Produkte genutzt werden.

7.3 Full Modular Approval

Die stärkste Form der modularen Zulassung ist die Full Modular Approval.

Ein Modul mit Full Modular Approval erfüllt die Voraussetzungen, die es ermöglichen sollen, das Modul in verschiedene Host-Produkte zu integrieren, ohne die komplette Funkzulassung jedes Mal erneut durchführen zu müssen.

Allerdings müssen auch bei einem vollständig zugelassenen Modul die jeweiligen Integrationsbedingungen eingehalten werden.

Dazu können beispielsweise Anforderungen gehören an:

  • Stromversorgung
  • Antenne
  • Antennengewinn
  • RF Exposure
  • Abschirmung
  • Host-Konfiguration
  • Betriebsbedingungen
  • Kennzeichnung
  • User Information

Eine Full Modular Approval sollte deshalb nicht als „freie Verwendung in jedem Produkt“ verstanden werden.

7.4 Limited Modular Approval

Es gibt auch Limited Modular Approval (LMA).

Bei einer LMA ist die Verwendung des Moduls stärker eingeschränkt.

Die Einschränkungen können sich beispielsweise auf:

  • bestimmte Host-Produkte,
  • bestimmte Installationsbedingungen,
  • bestimmte Antennen,
  • bestimmte Betriebsbedingungen,
  • bestimmte RF-Exposure-Situationen

beziehen.

Deshalb muss bei einem Modul mit LMA besonders genau geprüft werden, ob die geplante Integration tatsächlich innerhalb des zugelassenen Anwendungsbereichs liegt.

Eine bestehende FCC ID allein reicht dafür nicht aus.

7.5 Die Modulzulassung ist nicht automatisch die Zulassung des Host-Produkts

Das ist einer der wichtigsten Punkte bei modularen FCC-Zulassungen.

Angenommen, ein Hersteller kauft ein FCC-zugelassenes Wi-Fi-Modul.

Das Modul besitzt:

FCC ID: XYZ123

Der Hersteller integriert dieses Modul anschließend in ein eigenes Gerät.

Daraus folgt nicht automatisch:

„Das komplette neue Produkt ist FCC compliant.“

Es muss geprüft werden, ob die Bedingungen der Modulzulassung eingehalten werden und welche zusätzlichen Anforderungen für das Host-Produkt gelten.

Insbesondere können beispielsweise relevant sein:

  • RF Exposure
  • Host Labeling
  • User Manual
  • Antennen
  • gleichzeitiger Betrieb mehrerer Sender
  • zusätzliche digitale Elektronik
  • Part-15B-Anforderungen
  • Änderungen an der Funkkonfiguration

7.6 Antennen sind besonders wichtig

Eine der häufigsten Fehlerquellen bei der Integration eines Funkmoduls ist die Antenne.

Ein Modul kann beispielsweise mit bestimmten Antennen und Antennengewinnen zugelassen worden sein.

Der Host-Hersteller möchte anschließend:

„Wir verwenden einfach eine andere Antenne.“

Genau hier muss geprüft werden, ob diese Antenne innerhalb der bestehenden Zulassung abgedeckt ist.

Relevant können unter anderem sein:

  • Antennentyp
  • Antennengewinn
  • Antennenimpedanz
  • Antennenposition
  • Antennenkonfiguration
  • Abstand zu anderen Antennen
  • Abstand zu Personen

Eine Änderung der Antenne kann daher Auswirkungen auf die bestehende FCC-Zulassung haben.

7.7 RF Exposure bei modularen Produkten

Auch RF Exposure darf bei einer Modulzulassung nicht einfach ignoriert werden.

Die ursprüngliche Modulzulassung basiert auf bestimmten Annahmen und Betriebsbedingungen.

Durch die Integration in ein neues Host-Produkt können sich diese Bedingungen ändern.

Beispielsweise:

Modul im ursprünglichen Produkt

→ Antenne mit bestimmtem Abstand zum Benutzer

Modul im neuen Produkt

→ andere Position

→ anderer Abstand

→ andere Antenne

→ anderes Gehäuse

→ möglicherweise anderer gleichzeitiger Betrieb

Dadurch kann eine erneute RF-Exposure-Bewertung erforderlich werden.

Besonders wichtig ist das bei:

  • tragbaren Produkten,
  • körpernah getragenen Geräten,
  • Produkten mit mehreren Sendern,
  • Produkten mit hoher Sendeleistung.

7.8 Host Product Requirements

Der Hersteller des Endprodukts bleibt für die korrekte Integration des Moduls verantwortlich.

Dabei muss unter anderem geprüft werden, ob das Host-Produkt die Bedingungen der Modulzulassung einhält.

Das betrifft beispielsweise:

  • elektrische Versorgung des Moduls,
  • zulässige Betriebsbedingungen,
  • Antennenkonfiguration,
  • mechanische Integration,
  • RF-Exposure-Bedingungen,
  • gleichzeitigen Betrieb mit anderen Sendern,
  • Software- und Firmware-Konfiguration.

Die Modulzulassung ersetzt daher nicht die technische Bewertung des Host-Produkts.

7.9 Mehrere Funkmodule in einem Produkt

Besonders komplex wird die Situation, wenn ein Host-Produkt mehrere Funkmodule enthält.

Beispielsweise:

Produkt

  • Wi-Fi-Modul
  • Bluetooth-Modul
  • LTE-Modul
  • NFC-Modul

Jedes Modul kann eine eigene FCC ID besitzen.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Kombination aller Module im Host-Produkt bereits abgedeckt ist.

Es muss beispielsweise geprüft werden:

  • ob die Module gleichzeitig senden können,
  • welche Antennen verwendet werden,
  • welche Abstände zwischen den Antennen bestehen,
  • welche RF-Exposure-Bedingungen entstehen,
  • ob zusätzliche Tests erforderlich sind,
  • ob die jeweiligen Modulzulassungen die konkrete Kombination erlauben.

Hier wird die Integration schnell komplexer als die reine Betrachtung der einzelnen Module.

7.10 Kennzeichnung

Auch die Kennzeichnung muss bei modularen Produkten korrekt umgesetzt werden.

Je nach Modul und Integrationsart können bestimmte Anforderungen an die Angabe der FCC ID gelten.

Dabei kann beispielsweise eine Kennzeichnung auf dem Produkt erforderlich sein oder – wenn die physische Kennzeichnung nicht praktikabel ist – eine zulässige alternative Kennzeichnungslösung zum Einsatz kommen.

Die konkreten Anforderungen müssen anhand der geltenden FCC Rules und der Bedingungen der jeweiligen Modulzulassung geprüft werden.

Entscheidend ist:

Die FCC ID des Moduls darf nicht einfach irgendwo übernommen werden, ohne die entsprechenden Labeling Requirements zu prüfen.

7.11 User Manual

Auch die Benutzerinformationen des Host-Produkts können durch die Verwendung eines FCC-zugelassenen Moduls beeinflusst werden.

Je nach Modul und Produkt können beispielsweise vorgeschriebene FCC Statements oder Hinweise zur Installation und Nutzung erforderlich sein.

Der Host-Hersteller sollte deshalb nicht einfach die Dokumentation des Modullieferanten kopieren.

Stattdessen sollte geprüft werden:

Welche FCC Information muss in die Dokumentation des konkreten Endprodukts übernommen werden?

7.12 Was passiert mit Part 15B?

Ein weiterer wichtiger Punkt:

Die Verwendung eines FCC-zugelassenen Funkmoduls bedeutet nicht automatisch, dass das gesamte Host-Produkt von allen anderen FCC-Anforderungen ausgenommen ist.

Das Host-Produkt kann beispielsweise zusätzliche digitale Elektronik enthalten.

Dadurch können Anforderungen für unintentional radiators relevant werden, beispielsweise nach Part 15B.

Das bedeutet:

Modul

→ FCC Radio Certification bereits vorhanden

aber:

Host Product

→ möglicherweise zusätzliche FCC-Anforderungen

Das ist einer der Gründe, warum die Modulzulassung und die Host-Compliance getrennt betrachtet werden müssen.

7.13 Wann kann eine neue FCC-Zulassung erforderlich werden?

Wenn die Integration nicht mehr innerhalb der Bedingungen der Modulzulassung liegt, kann eine weitergehende Bewertung erforderlich werden.

Das kann beispielsweise durch folgende Änderungen ausgelöst werden:

  • neue Antenne
  • höherer Antennengewinn
  • veränderte Sendeleistung
  • neue Frequenzen
  • veränderte RF-Parameter
  • andere Betriebsmodi
  • neue gleichzeitige Sender
  • andere RF-Exposure-Bedingungen
  • Änderungen an der Hardware oder Firmware

In solchen Fällen muss geprüft werden, ob:

  1. die bestehende Modulzulassung weiterhin verwendet werden kann,
  2. ein Permissive Change möglich ist,
  3. zusätzliche Tests erforderlich sind,
  4. oder eine neue Certification erforderlich wird.

7.14 Warum das Datenblatt des Moduls nicht ausreicht

Ein häufiger Fehler besteht darin, nur das Datenblatt des Funkmoduls zu betrachten.

Ein Datenblatt kann beispielsweise sagen:

Wi-Fi / Bluetooth Module
FCC Certified

Das reicht für eine regulatorische Bewertung des Host-Produkts jedoch nicht aus.

Für die Integration sollten insbesondere die tatsächlichen Zulassungsunterlagen geprüft werden:

  • FCC Grant
  • Test Reports
  • FCC ID
  • zugelassene Antennen
  • Antennengewinne
  • Betriebsbedingungen
  • Modul-Klassifizierung
  • RF-Exposure-Bedingungen
  • Labeling Requirements
  • Installationsanforderungen
  • User Manual Requirements
  • gegebenenfalls KDB-bezogene Informationen

Die eigentliche FCC-Zulassung des Moduls enthält wesentlich mehr Informationen als ein kommerzielles Produktdatenblatt.

7.15 Ein praktisches Beispiel

Ein Hersteller entwickelt einen neuen industriellen Sensor.

Das Produkt enthält ein bereits FCC-zugelassenes Wi-Fi-Modul.

Schritt 1

Der Hersteller übernimmt das Modul unverändert.

Schritt 2

Die im Grant aufgeführten Antennen werden verwendet.

Schritt 3

Die zulässigen Betriebsbedingungen des Moduls werden eingehalten.

Schritt 4

Die RF-Exposure-Bedingungen werden für das neue Host-Produkt geprüft.

Schritt 5

Die erforderlichen FCC-Kennzeichnungen und User Information werden umgesetzt.

Schritt 6

Es wird geprüft, ob das Host-Produkt zusätzliche FCC-Anforderungen erfüllt.

Erst nach dieser Bewertung kann entschieden werden, in welchem Umfang die bestehende Modulzulassung für das neue Produkt genutzt werden kann.

Der wichtigste Punkt

Eine FCC Modular Certification kann den Zulassungsaufwand erheblich reduzieren, insbesondere wenn ein Funkmodul in mehreren Produkten eingesetzt wird.

Aber:

FCC-zugelassenes Modul ≠ automatisch FCC-zugelassenes Endprodukt

Der Hersteller des Host-Produkts muss prüfen, ob die Bedingungen der Modulzulassung eingehalten werden und welche zusätzlichen Anforderungen für die konkrete Integration gelten.

Besonders wichtig sind:

  • Full vs. Limited Modular Approval
  • Antennenkonfiguration
  • RF Exposure
  • Host Product Requirements
  • gleichzeitiger Betrieb mehrerer Sender
  • Labeling
  • User Information
  • gegebenenfalls Part 15B
  • Änderungen am Modul oder an seiner Integration

Eine Modulzulassung ist damit kein Freifahrtschein, sondern ein regulatorischer Baustein, der bei korrekter Integration erhebliche Zeit und Kosten sparen kann.

8. FCC Permissive Changes – Änderungen an bereits zugelassenen Produkten

Eine FCC-Zulassung ist nicht zwingend das Ende der regulatorischen Bewertung.

In der Praxis werden Produkte nach der Zulassung häufig weiterentwickelt:

  • Hardware wird geändert
  • Firmware wird aktualisiert
  • eine andere Antenne wird eingesetzt
  • Komponenten werden ersetzt
  • die Sendeleistung wird verändert
  • Funkparameter werden angepasst
  • zusätzliche Betriebsmodi werden hinzugefügt

Die entscheidende Frage lautet dann:

Kann die bestehende FCC-Zulassung weiterhin verwendet werden – oder ist eine neue FCC Certification erforderlich?

Für bestimmte Änderungen bietet die FCC das Verfahren der Permissive Change an.

Die Grundlage dafür ist insbesondere 47 CFR § 2.1043. Die Regelung unterscheidet verschiedene Klassen von Änderungen an bereits zertifizierten Geräten. (FCC Docs)

8.1 Warum sind Änderungen nach der FCC-Zulassung relevant?

Eine FCC Certification bezieht sich auf die zertifizierte technische Konfiguration des Geräts.

Wenn sich diese Konfiguration verändert, muss deshalb geprüft werden, ob die Änderung Auswirkungen auf die Eigenschaften hat, die für die FCC-Zulassung relevant sind.

Das betrifft insbesondere Änderungen an:

  • RF circuitry
  • Frequency
  • Modulation
  • Transmit Power
  • Antennas
  • RF performance
  • Software
  • Firmware
  • Hardware
  • RF Exposure

Nicht jede Änderung führt automatisch zu einer neuen Certification.

Aber:

Keine Änderung sollte einfach als „unproblematisch“ eingestuft werden, ohne ihre regulatorische Auswirkung zu bewerten.

8.2 Was ist ein Permissive Change?

Ein Permissive Change ist eine zulässige Änderung an einem bereits zertifizierten Gerät, bei der die bestehende Certification unter den dafür vorgesehenen Bedingungen weiterverwendet werden kann.

Die FCC unterscheidet dabei verschiedene Klassen.

Grundsätzlich gilt:

Die Art der Änderung bestimmt, welches Verfahren erforderlich ist.

Eine Änderung kann beispielsweise:

  • überhaupt keine zusätzliche Einreichung benötigen,
  • eine Dokumentation und Prüfung durch den Grantee erfordern,
  • oder eine formelle Einreichung beim TCB erfordern.

In bestimmten Fällen reicht ein Permissive Change dagegen nicht aus und eine neue Equipment Authorization wird erforderlich.

8.3 Class I Permissive Change

Eine Class I Permissive Change betrifft Änderungen, die die bei der ursprünglichen Certification akzeptierten Eigenschaften des Geräts nicht verschlechtern.

Nach 47 CFR § 2.1043(b)(1) ist für eine Class I Permissive Change keine Einreichung bei der FCC erforderlich. (FCC Docs)

Das bedeutet:

Class I

→ Änderung zulässig

→ keine Verschlechterung der berichteten Eigenschaften

→ keine FCC Filing erforderlich

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Änderung überhaupt nicht dokumentiert werden sollte.

Der Grantee sollte intern nachvollziehbar dokumentieren können:

  • was geändert wurde,
  • warum die Änderung Class I ist,
  • welche technischen Eigenschaften betroffen sind,
  • und warum keine Verschlechterung der relevanten FCC-Eigenschaften entsteht.

8.4 Class II Permissive Change

Eine Class II Permissive Change betrifft Änderungen, die bestimmte zuvor berichtete Performance Characteristics verschlechtern können.

Die FCC erlaubt solche Änderungen jedoch nur, wenn die geänderte Ausführung weiterhin die Mindestanforderungen der anwendbaren Rules erfüllt. (FCC Docs)

Bei einer Class II Permissive Change müssen die betroffenen Eigenschaften entsprechend bewertet und die erforderlichen Nachweise bereitgestellt werden.

Das kann insbesondere zusätzliche Prüfungen umfassen.

Vereinfacht:

Änderung

Auswirkung auf FCC-relevante Eigenschaften

Betroffene Parameter prüfen

Zusätzliche Tests, falls erforderlich

Dokumentation / Einreichung

Bestehende Certification entsprechend aktualisieren

Die FCC-Regelung sieht für Class II Änderungen entsprechende Informationen und Testergebnisse für die betroffenen Eigenschaften vor. (GovInfo)

8.5 C2PC – Class II Permissive Change

In der Praxis wird für eine Class II Permissive Change häufig die Abkürzung C2PC verwendet.

C2PC steht für:

Class II Permissive Change

Das ist besonders relevant, wenn ein Hersteller ein bereits zertifiziertes Funkprodukt verändert und die Änderung Auswirkungen auf FCC-relevante technische Eigenschaften haben kann.

Ein C2PC kann beispielsweise relevant werden bei:

  • Änderungen an der RF-Hardware
  • Änderungen an der Antenne
  • Änderungen an der Sendeleistung
  • Änderungen an bestimmten RF-Komponenten
  • Änderungen an der RF-Konfiguration
  • bestimmten Hardwareänderungen

Der konkrete Scope muss immer anhand der ursprünglichen Certification und der tatsächlichen Änderung bewertet werden.

8.6 Hardware Changes

Hardwareänderungen gehören zu den häufigsten Auslösern für eine erneute FCC-Bewertung.

Beispiele:

  • neuer RF Chip
  • anderer Power Amplifier
  • anderes Filter
  • geänderte Matching Network
  • anderer Oszillator
  • Änderung der Antennenanbindung
  • andere Stromversorgung
  • Änderung der RF-Schaltung

Nicht jede Hardwareänderung ist automatisch kritisch.

Entscheidend ist, ob die Änderung Eigenschaften beeinflusst, die für die FCC Certification relevant sind.

Besonders kritisch sind Änderungen an den grundlegenden RF-Funktionen.

Die FCC Rules sehen ausdrücklich vor, dass bestimmte Änderungen an der grundlegenden frequenzbestimmenden oder stabilisierenden Schaltung, an Frequency Multiplication Stages, dem grundlegenden Modulator oder an bestimmten Power-/Field-Strength Ratings nicht einfach als normale Änderung behandelt werden können und eine neue Certification erforderlich machen können. (FCC Docs)

8.7 Antenna Changes

Eine der häufigsten Fragen lautet:

„Dürfen wir die Antenne ändern?“

Die Antwort ist:

Es kommt darauf an.

Eine andere Antenne kann Auswirkungen haben auf:

  • Antenna Gain
  • Radiation Pattern
  • Effective Radiated Power
  • Spurious Emissions
  • Band-Edge Emissions
  • RF Exposure
  • andere FCC-relevante Eigenschaften

Deshalb muss eine Antennenänderung gegen die bestehende FCC-Zulassung und die anwendbaren Rules bewertet werden.

Das gilt insbesondere dann, wenn:

  • der Antennengewinn steigt,
  • sich der Antennentyp ändert,
  • eine neue Antenne verwendet wird,
  • sich die Antennenposition verändert,
  • oder sich die Kombination mehrerer Antennen verändert.

Eine Antennenänderung sollte daher niemals allein anhand des Datenblatts der neuen Antenne beurteilt werden.

8.8 Software and Firmware Changes

Software- und Firmwareänderungen können ebenfalls regulatorisch relevant sein.

Eine Änderung kann beispielsweise die RF-Funktionalität beeinflussen:

  • neue Frequenzen
  • neue Modulationsarten
  • höhere Ausgangsleistung
  • neue Betriebsmodi
  • andere Duty Cycles
  • andere RF-Parameter

Eine reine Softwareänderung, die die RF Emissions nicht beeinflusst, kann dagegen anders behandelt werden.

Die FCC Rules unterscheiden bei bestimmten Software Defined Radios ausdrücklich zwischen verschiedenen Arten von Softwareänderungen. Bei Class III Permissive Changes können beispielsweise Änderungen an Frequency Range, Modulation Type oder Maximum Output Power relevant werden. (GovInfo)

Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht:

„Ist es nur Software?“

Sondern:

„Verändert die Software die FCC-relevante RF-Funktion des Produkts?“

8.9 Class III Permissive Change

Neben Class I und Class II gibt es auch die Class III Permissive Change.

Sie ist insbesondere für bestimmte Softwareänderungen an Software Defined Radio Transmitters relevant.

Dazu können beispielsweise Änderungen gehören, die:

  • den Frequency Range verändern,
  • den Modulation Type verändern,
  • die maximale Output Power verändern,
  • oder die Bedingungen verändern, unter denen der Transmitter gemäß den FCC Rules betrieben wird. (GovInfo)

Class III ist daher ein spezieller Änderungsweg und sollte nicht mit einem normalen Firmware Update gleichgesetzt werden.

8.10 Wann ist eine neue FCC Certification erforderlich?

Nicht jede Produktänderung kann über einen Permissive Change abgewickelt werden.

Eine neue Certification kann beispielsweise erforderlich werden, wenn die Änderung außerhalb des zulässigen Rahmens der bestehenden Certification liegt.

Besonders kritisch können Änderungen sein an:

  • grundlegender RF-Schaltung
  • Frequency Determining Circuitry
  • Frequency Multiplication Stages
  • grundlegender Modulation
  • maximaler Leistung
  • grundlegenden RF Characteristics

Die FCC Rules sehen ausdrücklich vor, dass bestimmte Änderungen an diesen Bereichen nicht ohne eine neue Certification durchgeführt werden dürfen. (FCC Docs)

Die Entscheidung sollte deshalb nicht nach dem einfachen Prinzip getroffen werden:

„Das Produkt hat bereits eine FCC ID, also brauchen wir keine neue Zulassung.“

Stattdessen muss die Änderung systematisch bewertet werden.

8.11 Change Impact Assessment

Ein Change Impact Assessment ist deshalb ein wichtiger Bestandteil des Post-Certification Compliance Prozesses.

Eine sinnvolle Bewertung beginnt beispielsweise mit:

1. Was wurde geändert?

Hardware, Software, Firmware, Antenne oder RF Parameter?

2. Welche FCC-relevanten Eigenschaften können betroffen sein?

Zum Beispiel:

  • Frequency
  • Output Power
  • Bandwidth
  • Emissions
  • Spurious Emissions
  • RF Exposure

3. Welche ursprünglichen Certification-Daten sind betroffen?

Hier wird die Änderung mit dem ursprünglichen Test Report und Grant verglichen.

4. Ist zusätzliche Prüfung erforderlich?

Falls ja, müssen nur die tatsächlich betroffenen Bereiche erneut bewertet werden, soweit der anwendbare Änderungsweg dies zulässt.

5. Welche Change Class ist relevant?

  • Class I
  • Class II
  • Class III
  • oder keine zulässige Permissive Change

6. Muss ein neuer Antrag gestellt werden?

Falls ja, muss der entsprechende Certification-Prozess erneut bzw. erweitert durchgeführt werden.

8.12 Ein praktisches Beispiel

Ein Hersteller hat ein Wi-Fi-Gerät mit bestehender FCC Certification.

Nach der Markteinführung soll eine neue Antenne verwendet werden.

Der Hersteller könnte zunächst denken:

„Die Funkhardware bleibt unverändert, also ist die FCC-Zulassung weiterhin gültig.“

Das ist zu kurz gegriffen.

Die neue Antenne kann beispielsweise den:

  • Antennengewinn,
  • Emissionspegel,
  • RF Exposure,
  • oder andere relevante Eigenschaften

verändern.

Deshalb muss die Änderung gegen die bestehende Certification bewertet werden.

Das Ergebnis könnte sein:

Keine relevante Auswirkung

→ keine neue Certification erforderlich

oder:

Zulässige Änderung mit zusätzlicher Bewertung

→ Permissive Change

oder:

Änderung außerhalb des bestehenden Certification Scope

→ neue Certification erforderlich

8.13 Warum bestehende Test Reports wichtig sind

Um eine Änderung korrekt zu bewerten, reicht es nicht aus, nur das aktuelle Produkt anzusehen.

Man muss wissen:

Was wurde ursprünglich zugelassen?

Dafür sind insbesondere wichtig:

  • FCC Grant
  • ursprünglicher Test Report
  • FCC ID
  • zugelassene Antennen
  • ursprüngliche RF-Konfiguration
  • Output Power
  • Frequency Range
  • RF Exposure Assessment
  • frühere Permissive Changes

Erst durch den Vergleich zwischen Originalzustand und geändertem Zustand lässt sich die regulatorische Auswirkung zuverlässig bestimmen.

8.14 Permissive Change ist kein „neuer FCC Test“

Ein weiterer häufiger Irrtum ist die Annahme, dass ein Permissive Change automatisch bedeutet:

„Das gesamte Produkt muss erneut getestet werden.“

Das ist nicht grundsätzlich der Fall.

Bei einer Änderung soll vielmehr der betroffene Bereich bewertet werden.

Wenn beispielsweise nur eine bestimmte technische Eigenschaft verändert wurde, kann sich die zusätzliche Prüfung auf die davon betroffenen FCC-Anforderungen konzentrieren.

Wie umfangreich die Bewertung sein muss, hängt von:

  • Art der Änderung,
  • betroffenen Parametern,
  • ursprünglicher Certification,
  • anwendbaren FCC Rules,
  • und dem konkreten Change Type

ab.

8.15 Warum Hersteller Änderungen früh bewerten sollten

Die regulatorische Bewertung sollte vor der Serienumstellung erfolgen.

Das verhindert Situationen wie:

Produkt bereits geändert

Serienproduktion gestartet

neue Antenne eingesetzt

FCC-Dokumentation noch unverändert

nachträgliche Compliance-Frage

Besser ist:

Change Request

Regulatory Impact Assessment

Change Classification

Required Testing

Documentation / Filing

Production Release

So kann verhindert werden, dass eine technische Änderung später zu einem regulatorischen Problem wird.

Der wichtigste Punkt

Eine bestehende FCC Certification bleibt nicht automatisch für jede zukünftige Produktversion unverändert gültig.

Bei Änderungen muss geprüft werden:

Was hat sich geändert und welche FCC-relevanten Eigenschaften sind davon betroffen?

Je nach Änderung kann das Ergebnis sein:

Class I Permissive Change

→ keine FCC Filing erforderlich

Class II Permissive Change / C2PC

→ betroffene Eigenschaften bewerten, erforderliche Nachweise erstellen und die Änderung entsprechend einreichen

Class III Permissive Change

→ insbesondere bestimmte RF-relevante Softwareänderungen

Neue Certification

→ wenn die Änderung außerhalb des zulässigen Rahmens der bestehenden Certification liegt

Der entscheidende Punkt ist daher nicht die Frage:

„Ist es nur eine kleine Änderung?“

sondern:

„Welche regulatorische Auswirkung hat die Änderung auf die bereits zertifizierte RF-Konfiguration?“

Genau diese Bewertung entscheidet darüber, ob die bestehende FCC-Zulassung weiterverwendet werden kann, ein Permissive Change erforderlich ist oder eine neue FCC Certification durchgeführt werden muss.

9. FCC KDB – Knowledge Database

Die FCC Rules bilden den regulatorischen Rahmen für Funkprodukte in den USA. Sie beantworten jedoch nicht immer jede praktische oder technische Frage, die bei einer FCC-Zulassung entstehen kann.

Hier kommt die FCC Knowledge Database (KDB) ins Spiel.

Die KDB wird vom Office of Engineering and Technology (OET) der FCC betrieben. Sie enthält unter anderem FCC-Guidance zu Equipment Authorization, Messverfahren, technischen Fragestellungen und speziellen Produktkonfigurationen.

Für Hersteller, Prüflabore und TCBs kann die KDB daher eine wichtige Quelle sein, um zu verstehen, wie bestimmte FCC-Anforderungen bei einem konkreten Produkt umgesetzt und nachgewiesen werden sollen.

9.1 Was ist die FCC KDB?

KDB steht für:

Knowledge Database

Die FCC beschreibt die KDB als Quelle für Equipment Authorization Procedures und Measurement Guidance, die vom OET veröffentlicht werden.

Die Datenbank enthält unter anderem:

  • KDB Publications
  • FCC Public Notices
  • technische Guidance
  • Messverfahren
  • Verfahrenshinweise
  • Antworten und Guidance zu speziellen technischen Fragestellungen

Die Suche kann unter anderem über:

  • KDB Publication Number
  • Keywords
  • Themenbereiche
  • Kategorien

erfolgen.

Für Hersteller ist das besonders hilfreich, wenn die anwendbare FCC Rule zwar bekannt ist, aber noch geklärt werden muss:

Wie muss die Konformität für dieses konkrete Produkt nachgewiesen werden?

9.2 KDB Guidance ist nicht dasselbe wie FCC Rules

Ein besonders wichtiger Punkt ist:

Eine KDB Publication ist keine FCC Rule.

Die FCC weist ausdrücklich darauf hin, dass KDB Guidance dazu dient, die Öffentlichkeit bei der Einhaltung der Commission Requirements zu unterstützen, aber selbst keine Rules darstellt und nicht bindend für die FCC ist.

Die grundlegende Unterscheidung lautet daher:

FCC Rules

→ regulatorische Anforderungen

KDB Guidance

→ Guidance der FCC zur praktischen Anwendung und zum Nachweis dieser Anforderungen

Eine KDB Publication kann in einem Zulassungsprojekt deshalb sehr wichtig sein, ohne selbst eine gesetzliche oder regulatorische Vorschrift zu sein.

9.3 Warum ist die KDB wichtig?

Die FCC Rules legen häufig fest, was nachgewiesen werden muss.

Sie beantworten aber nicht immer im Detail, wie eine bestimmte technische Situation bewertet oder gemessen werden soll.

KDB Publications können beispielsweise Guidance geben zu:

  • Messverfahren
  • RF Exposure
  • Antennen
  • bestimmten Funktechnologien
  • mehreren gleichzeitig sendenden Funkmodulen
  • Software Defined Radios
  • U-NII-Geräten
  • modularen Transmittern
  • Labeling
  • Equipment Authorization Procedures
  • TCB-Verfahren
  • speziellen oder ungewöhnlichen Gerätekonfigurationen

Gerade bei komplexeren Funkprodukten kann die KDB deshalb einen erheblichen Einfluss auf die Vorbereitung der Prüfung haben.

9.4 KDB und Testverfahren

Eine besonders wichtige Anwendung der KDB betrifft die Frage:

Wie muss das Produkt geprüft werden?

Die FCC stellt beispielsweise KDB Guidance für verschiedene Messverfahren und Technologien bereit.

Dabei kann es um Fragen gehen wie:

  • Welche Messmethode ist anzuwenden?
  • Welche Betriebsmodi müssen geprüft werden?
  • Welche Kanäle müssen berücksichtigt werden?
  • Wie wird ein bestimmter Funkmodus gemessen?
  • Wie werden mehrere Sender behandelt?
  • Welche Anforderungen gelten für RF Exposure?
  • Welche speziellen Testbedingungen gelten für die jeweilige Technologie?

Das ist wichtig, weil ein Labor nicht einfach irgendeine technisch plausible Messmethode auswählen kann.

Das verwendete Verfahren muss zur:

  • FCC Rule,
  • Technologie,
  • Geräteklasse,
  • Betriebsart,
  • und den jeweiligen FCC-Anforderungen

passen.

Deshalb sollte die KDB bereits bei der Erstellung des Testplans berücksichtigt werden.

9.5 Beispiele für KDB Guidance

Die KDB deckt eine sehr große Zahl unterschiedlicher FCC-Themen ab.

Beispiele sind:

RF Exposure

KDB Publications enthalten Guidance zur Bewertung der RF Exposure für mobile und portable Geräte.

Dabei geht es unter anderem um die Anforderungen aus:

  • 47 CFR § 1.1307
  • 47 CFR § 2.1091
  • 47 CFR § 2.1093

Antennen

Die FCC stellt Guidance zu Antennen und den Anforderungen an Antennenkonfigurationen bereit.

DTS und FHSS

Für Geräte nach § 15.247 gibt es spezifische Guidance zu Messungen für:

  • Digital Transmission Systems (DTS)
  • Frequency Hopping Spread Spectrum (FHSS)

U-NII

Für U-NII-Geräte existieren verschiedene KDB Publications, die sich unter anderem mit den jeweiligen Frequenzbereichen und Prüfanforderungen beschäftigen.

TCB Procedures

Die KDB enthält außerdem Guidance zu:

  • TCB Responsibilities
  • TCB Exclusions
  • FCC Review
  • Fällen, in denen vor einer Certification zusätzliche FCC Guidance erforderlich sein kann.

9.6 KDB bei komplexen Produkten

Bei einem einfachen Produkt mit einer gut etablierten Funktechnologie kann die regulatorische Bewertung relativ geradlinig sein.

Bei komplexeren Produkten sieht das anders aus.

Beispielsweise:

Produkt

  • Wi-Fi
  • Bluetooth
  • mehrere Antennen
  • gleichzeitige Übertragung
  • portable Nutzung
  • mehrere Betriebsmodi

Die FCC Rules definieren die grundlegenden Anforderungen.

Es können aber zusätzliche Fragen entstehen:

  • Welche Messmethode ist anzuwenden?
  • Wie wird Simultaneous Transmission bewertet?
  • Welche RF-Exposure-Methode ist erforderlich?
  • Wie müssen die Antennen bewertet werden?
  • Können bestehende Testdaten verwendet werden?
  • Ist eine besondere TCB-Prüfung erforderlich?
  • Muss vor der Certification eine FCC Guidance eingeholt werden?

Genau bei solchen Fragen kann die KDB entscheidend sein.

9.7 KDB und TCB Review

Die KDB ist auch während des TCB Reviews relevant.

Der TCB prüft den Certification-Antrag nicht ausschließlich danach, ob irgendwo ein Messergebnis innerhalb eines Grenzwertes liegt.

Es kann auch entscheidend sein:

Wurde die Prüfung nach dem richtigen FCC-Verfahren durchgeführt?

Ein Test Report kann beispielsweise ein formal korrektes Messergebnis enthalten, aber trotzdem problematisch sein, wenn ein für das konkrete Gerät nicht geeignetes Messverfahren verwendet wurde.

Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten:

„Hat das Produkt den Test bestanden?“

sondern:

„Wurde der richtige Test nach den für dieses Produkt relevanten FCC-Anforderungen und Guidance durchgeführt?“

9.8 Was ist eine KDB Inquiry?

Manchmal beantworten weder die FCC Rules noch die vorhandenen KDB Publications eine konkrete technische Fragestellung eindeutig.

Für solche Fälle stellt die FCC über ihr KDB-System die Möglichkeit zur Verfügung, eine Inquiry einzureichen.

Dabei wird eine konkrete technische oder regulatorische Frage an die FCC gestellt.

Das kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn:

  • die FCC Rules die konkrete Konfiguration nicht eindeutig abdecken,
  • keine passende KDB Guidance existiert,
  • eine ungewöhnliche Funktechnologie verwendet wird,
  • mehrere FCC Parts gleichzeitig relevant sind,
  • ein ungewöhnliches Messverfahren vorgeschlagen wird,
  • das Produkt eine ungewöhnliche RF-Konfiguration besitzt,
  • oder ein TCB vor der Zulassung eine FCC-Klärung benötigt.

Eine KDB Inquiry sollte dabei nicht einfach die Frage sein:

„Können Sie unser Produkt zulassen?“

Sinnvoller ist eine klar formulierte technische oder regulatorische Fragestellung, beispielsweise:

„Welche Messmethode ist für diese konkrete Produktkonfiguration anzuwenden?“

Das Ziel ist, eine regulatorische Unsicherheit vor oder während des Zulassungsprozesses zu klären.

9.9 Wann kann eine KDB Inquiry sinnvoll sein?

Eine KDB Inquiry kann insbesondere bei ungewöhnlichen Produkten interessant werden.

Beispielsweise wenn:

  • eine FCC Rule nicht eindeutig auf die Produktkonfiguration anwendbar ist,
  • bestehende KDB Guidance die konkrete Situation nicht abdeckt,
  • eine neue oder ungewöhnliche Funktechnologie verwendet wird,
  • mehrere Funktechnologien gleichzeitig betrieben werden,
  • ein spezielles Messverfahren erforderlich sein könnte,
  • eine ungewöhnliche Antennenkonfiguration vorliegt,
  • oder ein TCB vor der Ausstellung des Grants eine FCC-Klärung benötigt.

Wichtig ist dabei, eine solche Frage möglichst vor Abschluss der Prüfungen zu klären.

Eine spätere Klärung kann sonst dazu führen, dass bereits durchgeführte Prüfungen nicht in der erwarteten Form verwendet werden können.

9.10 KDB ersetzt kein Regulatory Scoping

Die KDB ist kein Ersatz für eine saubere regulatorische Bewertung.

Der richtige Ablauf ist vielmehr:

Produkt

Applicable FCC Rules

Technical Requirements

Relevant KDB Guidance

Test Plan

Testing

Documentation

Certification

Die KDB sollte also verwendet werden, um das Regulatory Scoping und den Testplan zu präzisieren und abzusichern.

Es wäre falsch, einfach eine KDB Publication zu finden, die scheinbar zum Produkt passt, und daraus automatisch den gesamten Zulassungsweg abzuleiten.

Zunächst muss klar sein:

Welche FCC Rules gelten für das konkrete Produkt?

Erst danach sollte geprüft werden:

Welche KDB Guidance ist für diese Rules und dieses Produkt relevant?

9.11 KDB Publications können aktualisiert werden

KDB Publications können geändert oder aktualisiert werden.

Bei einem länger laufenden Projekt sollte deshalb überprüft werden, welche Version der relevanten Guidance für das konkrete Zulassungsprojekt herangezogen wird.

Ein Projekt kann beispielsweise so aussehen:

Projektstart

KDB Version 01

Projekt läuft weiter

KDB Version 02 wird veröffentlicht

Testing

Certification

Bei längeren Projekten sollte deshalb nicht einfach davon ausgegangen werden, dass eine einmal gefundene KDB Guidance dauerhaft unverändert bleibt.

9.12 KDB als Teil des Compliance-Prozesses

Die KDB sollte idealerweise bereits früh im FCC-Projekt berücksichtigt werden.

Schritt 1 – Product Definition

Das konkrete Produkt und seine Konfiguration werden definiert.

Schritt 2 – FCC Scoping

Die anwendbaren FCC Parts werden bestimmt.

Schritt 3 – Technical Requirements

Die relevanten technischen Anforderungen werden identifiziert.

Schritt 4 – KDB Review

Relevante KDB Publications und Guidance werden gesucht.

Schritt 5 – Test Plan

Der Testplan wird auf Basis der FCC Rules und relevanten Guidance erstellt.

Schritt 6 – Laboratory Testing

Die erforderlichen Prüfungen werden durchgeführt.

Schritt 7 – Documentation

Testverfahren, Ergebnisse und relevante regulatorische Grundlagen werden dokumentiert.

Schritt 8 – TCB Review

Der Certification-Antrag wird beim TCB eingereicht.

Dieser Ablauf hilft, ein häufiges Problem zu vermeiden:

Erst testen und anschließend feststellen, dass für die konkrete Konfiguration eine andere FCC Guidance relevant gewesen wäre.

9.13 KDB und die Verwendung bestehender Testdaten

Die KDB kann auch relevant sein, wenn vorhandene Testdaten für einen neuen Certification-Antrag verwendet werden sollen.

Die FCC stellt beispielsweise Guidance dazu bereit, wann Testdaten aus einem anderen Equipment Authorization Application referenziert werden können.

Das kann insbesondere bei folgenden Situationen interessant sein:

  • Produktfamilien
  • verwandte Modelle
  • Varianten
  • modulare Produkte
  • Folgeanträge
  • unterschiedliche Host-Produkte

Dabei gilt jedoch:

Ein vorhandener Test Report kann nicht automatisch für einen neuen Antrag verwendet werden.

Es muss geprüft werden, ob:

  • das Produkt ausreichend vergleichbar ist,
  • die getestete Konfiguration relevant ist,
  • die verwendeten Messverfahren passen,
  • und die vorhandenen Daten die Anforderungen des neuen Antrags tatsächlich abdecken.

9.14 Warum Hersteller die KDB nicht ignorieren sollten

Ein vereinfachter Ansatz wäre:

FCC Rule → Test Laboratory → Test Report

Für einfache Produkte kann das funktionieren.

Bei komplexeren Produkten ist ein besserer Ansatz:

FCC Rule → KDB Guidance → Test Strategy → Test Report

Die KDB kann beeinflussen:

  • was geprüft werden muss,
  • wie geprüft werden muss,
  • welche Betriebsmodi berücksichtigt werden müssen,
  • wie RF Exposure bewertet wird,
  • wie Antennen behandelt werden,
  • ob bestehende Testdaten verwendet werden können,
  • und ob zusätzliche FCC Guidance erforderlich ist.

Damit ist die KDB ein wichtiger Bestandteil einer professionellen FCC-Zulassungsstrategie.

Der wichtigste Punkt

Die FCC KDB ist eine der wichtigsten Quellen für praktische FCC Guidance für Hersteller, Prüflabore und TCBs.

Dabei muss ihre Rolle richtig verstanden werden:

FCC Rules definieren die regulatorischen Anforderungen.

KDB Guidance unterstützt bei der praktischen Anwendung und beim technischen Nachweis dieser Anforderungen.

Die KDB ersetzt daher nicht die FCC Rules und ist selbst keine eigenständige regulatorische Vorschrift.

Für Hersteller ergibt sich daraus ein sinnvoller Ablauf:

FCC Rules → KDB Guidance → Test Plan → Testing → Documentation → TCB Review

Und wenn Rules und vorhandene Guidance eine ungewöhnliche technische Frage nicht eindeutig beantworten:

KDB Inquiry → FCC Staff Guidance

Richtig eingesetzt kann die KDB einen kostspieligen Fehler verhindern:

Erst testen und anschließend feststellen, dass für die konkrete Produktkonfiguration eine andere FCC-Interpretation oder ein anderes Messverfahren relevant gewesen wäre.

10. Local Representative und Verantwortlichkeiten in den USA

Für Hersteller außerhalb der USA ist ein weiterer Punkt im FCC Certification Process besonders wichtig: Wer ist in den USA für das zertifizierte Produkt erreichbar und wer trägt welche Verantwortung?

Dabei muss man zwischen verschiedenen Rollen unterscheiden. Begriffe wie Hersteller, Grantee, Importeur, Responsible Party, U.S. Agent und ein allgemeiner Ansprechpartner werden häufig vermischt, obwohl sie unterschiedliche Funktionen haben.

Gerade für europäische Hersteller ist diese Unterscheidung wichtig.

10.1 Braucht ein ausländischer Hersteller einen Ansprechpartner in den USA?

Bei einer FCC Certification muss ein Antragsteller, der außerhalb der USA sitzt, grundsätzlich einen U.S. Agent for Service of Process benennen.

Dieser U.S. Agent ist eine in den Vereinigten Staaten ansässige Person oder Organisation, die für den gesetzlich vorgesehenen Zweck der Zustellung von Schriftstücken (service of process) im Zusammenhang mit dem zertifizierten Gerät zur Verfügung steht.

Die entsprechende Verpflichtung ergibt sich aus 47 CFR § 2.911(d)(7).

Wichtig ist:

Der U.S. Agent ist nicht automatisch der Importeur, Distributor, TCB oder technische Ansprechpartner des Herstellers.

Es handelt sich um eine spezifische regulatorische Funktion.

10.2 Was macht der U.S. Agent?

Die Aufgabe des U.S. Agent besteht im Wesentlichen darin, als in den USA ansässiger Ansprechpartner für Service of Process im Zusammenhang mit dem betreffenden Equipment zu dienen.

Das bedeutet insbesondere:

  • Der Agent muss in den USA ansässig sein.
  • Er muss der Rolle ausdrücklich zustimmen.
  • Seine Kontaktdaten werden im Certification-Prozess angegeben.
  • Die erforderliche Designation muss von Applicant und U.S. Agent bestätigt werden.
  • Änderungen der Angaben müssen entsprechend aktualisiert werden.

Der U.S. Agent übernimmt dadurch nicht automatisch die technische Compliance-Verantwortung für das Produkt.

10.3 U.S. Agent ist nicht dasselbe wie „Authorized Agent“

Hier entsteht in der Praxis häufig Verwirrung.

Ein Hersteller kann beispielsweise einen Compliance Consultant damit beauftragen:

  • mit dem Labor zu kommunizieren,
  • Dokumente vorzubereiten,
  • mit dem TCB zu kommunizieren,
  • den Certification-Antrag zu koordinieren.

Diese Person kann als authorized agent oder vergleichbarer Ansprechpartner im Projekt auftreten.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie der U.S. Agent for Service of Process nach § 2.911(d)(7) ist.

Die beiden Rollen sollten deshalb nicht verwechselt werden.

U.S. Agent = Service of Process

Authorized Agent / Compliance Contact = operative Kommunikation und Projektabwicklung

Eine Person oder ein Unternehmen kann theoretisch mehrere Funktionen übernehmen, aber die Funktionen sind regulatorisch nicht identisch.

10.4 Muss der U.S. Agent selbst die FCC Certification durchführen?

Nein.

Der U.S. Agent muss nicht:

  • das Produkt testen,
  • den Test Report erstellen,
  • den TCB auswählen,
  • den Antrag technisch bewerten,
  • das Produkt entwickeln,
  • oder die FCC Certification durchführen.

Diese Aufgaben können beim Hersteller, Labor, Consultant oder TCB liegen.

Der U.S. Agent erfüllt eine spezifische rechtliche Kontaktfunktion.

10.5 Wie wird der U.S. Agent benannt?

Für eine FCC Certification wird eine entsprechende U.S. Agent Designation eingereicht.

Typischerweise enthält diese unter anderem:

  • Name des Applicants
  • Name des U.S. Agents
  • physische US-Adresse
  • E-Mail-Adresse
  • FRN
  • Bestätigung des Applicants
  • Bestätigung des U.S. Agents

Beide Seiten müssen die entsprechenden Verpflichtungen akzeptieren.

Der U.S. Agent muss also nicht einfach nur auf einem Formular genannt werden.

Er muss die Funktion ausdrücklich akzeptieren.

10.6 Der U.S. Agent muss in den USA erreichbar sein

Die FCC verlangt eine physische Adresse in den Vereinigten Staaten für den Designated U.S. Agent.

Eine reine E-Mail-Adresse oder eine Adresse außerhalb der USA reicht dafür nicht aus.

Das ist insbesondere für Unternehmen relevant, die ausschließlich in Europa, Asien oder anderen Regionen ansässig sind.

Ein Hersteller in Deutschland kann beispielsweise eine US-amerikanische Compliance-Firma als U.S. Agent benennen.

Der Hersteller bleibt dabei weiterhin der Hersteller beziehungsweise Applicant/Grantee.

10.7 Wie lange muss der U.S. Agent erhalten bleiben?

Die Verpflichtung endet nicht automatisch mit dem Ende der eigentlichen Certification.

Der Applicant muss den U.S. Agent für die in den FCC Rules vorgesehene Mindestdauer aufrechterhalten.

Nach der aktuellen Regelung muss der Agent grundsätzlich mindestens ein Jahr nach Beendigung sämtlicher Vermarktung und Importe des betreffenden Geräts in die USA oder bis zum Abschluss eines relevanten FCC-Verfahrens beibehalten werden – je nachdem, welcher Zeitpunkt später liegt.

Das ist wichtig, weil ein Hersteller nicht einfach unmittelbar nach Ende der Vermarktung den U.S. Agent entfernen sollte.

10.8 Was passiert, wenn sich der U.S. Agent ändert?

Ein Hersteller kann seinen U.S. Agent wechseln.

Die Änderung muss jedoch entsprechend den FCC-Anforderungen aktualisiert werden.

Der Hersteller sollte deshalb sicherstellen, dass:

  • der neue Agent die Funktion akzeptiert,
  • die FCC-Daten aktualisiert werden,
  • die entsprechenden Unterlagen vorhanden sind,
  • und keine Lücke entsteht, in der kein gültiger U.S. Agent vorhanden ist.

Die Verpflichtung zur Aufrechterhaltung eines U.S. Agent ist eine fortlaufende Verpflichtung und nicht nur eine Formalität bei der ursprünglichen Certification.

Die FCC hat in einem Enforcement-Verfahren ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Verpflichtung auch nach Einstellung von Marketing und Import fortbestehen kann. (FCC Docs)

10.9 Wer trägt die eigentliche Compliance-Verantwortung?

Der U.S. Agent ist nicht automatisch für die technische Produktkonformität verantwortlich.

Die Verantwortung für die Einhaltung der FCC-Anforderungen liegt bei der nach den FCC Rules verantwortlichen Partei.

Dabei können je nach Situation unterschiedliche Marktakteure relevant sein, insbesondere:

  • Manufacturer
  • Assembler
  • Importer
  • Grantee
  • Responsible Party

Die konkrete Verantwortungsverteilung hängt vom Gerät und vom Equipment Authorization-Verfahren ab.

Für einen Hersteller bedeutet das:

Die Benennung eines U.S. Agent entbindet den Hersteller nicht von seiner eigenen Compliance-Verantwortung.

10.10 Hersteller außerhalb der USA

Für einen europäischen Hersteller kann der Prozess beispielsweise so aussehen:

Manufacturer

Deutschland

Accredited Test Laboratory

Deutschland / Europa / andere Region

TCB

USA

FCC Grant

U.S. Agent

USA

US Market

Dabei muss der U.S. Agent nicht das Unternehmen sein, das das Produkt importiert oder verkauft.

Es können unterschiedliche Unternehmen unterschiedliche Rollen übernehmen.

10.11 Hersteller, Importeur und U.S. Agent sind unterschiedliche Rollen

Ein Beispiel:

Ein deutsches Unternehmen entwickelt und produziert ein Wi-Fi-Gerät.

Unternehmen A – Deutschland

→ Hersteller

Ein US-Unternehmen importiert das Produkt.

Unternehmen B – USA

→ Importeur

Eine US-amerikanische Compliance-Firma übernimmt die Rolle des U.S. Agent.

Unternehmen C – USA

→ U.S. Agent for Service of Process

Ein TCB führt den Certification Review durch.

Unternehmen D

→ TCB

Diese vier Rollen können von vier unterschiedlichen Organisationen übernommen werden.

Es ist deshalb falsch, automatisch anzunehmen:

„Der U.S. Agent muss der Importeur sein.“

Das ist nicht zwingend der Fall.

10.12 Responsible Party und SDoC

Die Frage nach der verantwortlichen Partei ist auch bei der Supplier’s Declaration of Conformity (SDoC) relevant.

Die SDoC ist ein anderer Konformitätsweg als Certification und hat eigene Anforderungen an die responsible party.

Deshalb sollte nicht versucht werden, die Rollen aus einem Certification-Projekt automatisch auf ein SDoC-Projekt zu übertragen.

Bei einer SDoC muss anhand der konkreten FCC Rules geprüft werden, wer als verantwortliche Partei auftreten kann und welche Informationen bereitgestellt werden müssen.

10.13 Warum die Rollen bereits beim Projektstart geklärt werden sollten

Bei internationalen Projekten kann es zu unnötigen Verzögerungen kommen, wenn die Rollen erst kurz vor der Certification geklärt werden.

Eine sinnvolle Vorbereitung umfasst daher bereits am Anfang:

Manufacturer

Wer entwickelt und produziert das Gerät?

Applicant / Grantee

Wer beantragt die FCC Certification und erscheint als Grantee?

U.S. Agent

Wer übernimmt die Funktion des U.S. Agent for Service of Process?

Laboratory

Wer führt die technischen Prüfungen durch?

TCB

Wer führt den Certification Review durch?

Importer

Wer bringt das Produkt in die USA?

Distributor

Wer vertreibt das Produkt auf dem US-Markt?

Diese Rollen können teilweise beim gleichen Unternehmen liegen, müssen aber regulatorisch voneinander unterschieden werden.

10.14 Der U.S. Agent ist keine „FCC-Zulassungsstelle“

Ein weiterer häufiger Irrtum ist die Vorstellung, dass ein U.S. Agent eine Art lokale FCC-Zulassungsstelle ist.

Das ist nicht der Fall.

Der U.S. Agent:

  • erteilt keine FCC Certification,
  • stellt keinen FCC Grant aus,
  • führt keine FCC Tests durch,
  • ersetzt keinen TCB,
  • und übernimmt nicht automatisch die technische Compliance des Produkts.

Seine Funktion besteht darin, einen geeigneten Ansprechpartner in den USA für Service of Process bereitzustellen.

Die eigentliche Certification erfolgt weiterhin über den vorgesehenen FCC Equipment Authorization Process.

10.15 Was passiert nach der Zulassung?

Auch nach dem Grant bleiben verschiedene Verantwortlichkeiten bestehen.

Der Hersteller muss insbesondere darauf achten, dass:

  • die zertifizierte Konfiguration eingehalten wird,
  • erforderliche Änderungen bewertet werden,
  • die FCC ID korrekt verwendet wird,
  • erforderliche Compliance Information verfügbar ist,
  • und die verantwortlichen Parteien erreichbar bleiben.

Bei Änderungen am Produkt können zusätzliche regulatorische Schritte erforderlich werden.

Das gilt beispielsweise bei:

  • Hardware Changes
  • Antenna Changes
  • RF Changes
  • Firmware Changes
  • Permissive Changes
  • neuen Produktvarianten

Die FCC Certification ist daher kein einmaliger Vorgang, nach dem das Produkt regulatorisch „fertig“ ist.

Der wichtigste Punkt

Für Hersteller außerhalb der USA ist die wichtigste Unterscheidung:

Ein U.S. Agent ist erforderlich, aber er ist nicht automatisch für die technische FCC Compliance verantwortlich.

Der U.S. Agent erfüllt eine spezifische Funktion als Agent for Service of Process in den USA.

Davon getrennt sind:

  • Hersteller
  • Applicant / Grantee
  • Responsible Party
  • Importeur
  • Labor
  • TCB
  • Compliance Consultant

Diese Rollen können bei einem einzigen Unternehmen zusammenfallen, müssen es aber nicht.

Für einen europäischen Hersteller bedeutet das praktisch:

Man kann ein Produkt vollständig außerhalb der USA entwickeln und testen, die FCC Certification über einen TCB durchführen lassen und trotzdem einen separaten U.S. Agent in den USA benennen.

Der U.S. Agent ist damit vor allem eine regulatorische Schnittstelle für den US-Markt – nicht die Stelle, die die FCC-Zulassung technisch durchführt oder die Verantwortung des Herstellers ersetzt.

Ja. Jetzt ist klar, wo ich falsch abgebogen bin.

„deutsch“ bedeutet bei uns: das komplette Kapitel auf Deutsch.
Nicht nur die Überschrift. Und Kapitel 11 ist jetzt dran – danach gehen wir mit „next“ zu 12.

11. ISED Canada – Aufgaben und regulatorischer Rahmen

Für Hersteller von Funkprodukten, die den kanadischen Markt betreten möchten, ist Innovation, Science and Economic Development Canada (ISED) die zentrale kanadische Behörde.

ISED ist unter anderem für die Regulierung der Nutzung des Funkspektrums und für die technischen Anforderungen an Funkgeräte zuständig.

Das kanadische System ist dem FCC-System in den USA in vielen Punkten sehr ähnlich. Trotzdem handelt es sich um zwei getrennte regulatorische Systeme.

Ein Produkt mit FCC-Zulassung ist daher nicht automatisch für Kanada zugelassen. Umgekehrt ersetzt eine ISED-Zulassung keine FCC-Zulassung.

11.1 Was ist ISED?

Innovation, Science and Economic Development Canada (ISED) ist eine kanadische Bundesbehörde mit umfangreichen Zuständigkeiten im Bereich Wirtschaft, Innovation und Telekommunikation.

Für Hersteller von Funkprodukten ist insbesondere der Bereich der Spectrum Management and Telecommunications relevant.

ISED legt die regulatorischen und technischen Anforderungen für Funkgeräte fest und überwacht deren Einhaltung.

Dazu gehören unter anderem Anforderungen an:

  • Frequenzbereiche
  • Sendeleistung
  • Bandbreite
  • Emissionen
  • unerwünschte und Störaussendungen
  • Frequenzstabilität
  • Betriebsbedingungen
  • RF Exposure
  • Antennenkonfigurationen
  • technologieabhängige Anforderungen
  • Kennzeichnung
  • technische Dokumentation

Welche Anforderungen tatsächlich gelten, hängt immer vom konkreten Produkt und seiner Funkfunktion ab.

ISED beschreibt beispielsweise in RSS-Gen allgemeine Anforderungen für Funkgeräte. Zusätzlich gelten je nach Funktechnologie und Frequenzbereich weitere spezifische RSS. (ISED Canada)

11.2 Was macht ISED konkret?

ISED übernimmt im kanadischen System grundsätzlich die regulatorische Funktion, die in den USA von der FCC wahrgenommen wird.

Vereinfacht lässt sich die Aufgabe so darstellen:

Funkprodukt

Anwendbare kanadische Anforderungen bestimmen

Technische Anforderungen festlegen

Konformität nachweisen

Certification, soweit erforderlich

Kanadischer Markt

Dabei führt ISED nicht einfach selbst jede einzelne Prüfung jedes Produkts durch.

Für die technische Prüfung und Zertifizierung existiert ein System aus anerkannten:

  • Test Laboratories
  • Certification Bodies
  • weiteren Conformity Assessment Bodies

ISED beziehungsweise das Certification and Engineering Bureau (CEB) ist dabei für die entsprechenden Aktivitäten rund um die Zertifizierung und Registrierung von Equipment zuständig. (ISED Canada)

11.3 Radio Standards Specifications – RSS

Eine der wichtigsten Grundlagen des kanadischen Systems sind die Radio Standards Specifications (RSS).

RSS-Dokumente definieren die technischen Anforderungen für bestimmte Arten von Funkgeräten.

Je nach Produkt können darin beispielsweise Anforderungen an folgende Punkte enthalten sein:

  • Frequenzbereich
  • maximale Sendeleistung
  • Bandbreite
  • Modulation
  • unerwünschte Emissionen
  • Spurious Emissions
  • Frequenzstabilität
  • Antennen
  • Betriebsarten
  • Empfänger
  • RF Exposure
  • weitere produktspezifische Parameter

Die konkrete RSS hängt vom Produkt und seiner technischen Konfiguration ab.

Deshalb gibt es nicht einfach eine einzige allgemeine „ISED-Funknorm“.

Ein Hersteller muss zunächst bestimmen:

Welche RSS gelten für dieses konkrete Produkt?

11.4 RSS-Gen – die allgemeinen Anforderungen

RSS-Gen – General Requirements for Compliance of Radio Apparatus ist ein besonders wichtiges Dokument innerhalb des kanadischen Systems.

RSS-Gen enthält allgemeine Anforderungen und Informationen zur Konformität von Funkgeräten und wird zusammen mit den jeweils spezifischen RSS angewendet.

Die spezifische RSS für die verwendete Funktechnologie ergänzt diese allgemeinen Anforderungen.

Vereinfacht:

RSS-Gen

→ allgemeine Anforderungen

  •  

spezifische RSS

→ technologie- bzw. frequenzabhängige Anforderungen

Damit ist RSS-Gen vergleichbar mit einer übergeordneten Grundlage, auf die bei der Bewertung verschiedener Funkprodukte zurückgegriffen wird.

11.5 Radio Standards Procedures – RSP

Neben den technischen RSS gibt es die Radio Standards Procedures (RSP).

Hier muss zwischen zwei Dingen unterschieden werden:

RSS

→ technische Anforderungen

RSP

→ regulatorische und verfahrensbezogene Anforderungen

Für die Zertifizierung von Funkgeräten ist insbesondere RSP-100 – Certification of Radio Apparatus and Broadcasting Equipment relevant.

RSP-100 beschreibt das Verfahren zur Zertifizierung von Category-I-Equipment, das unter die entsprechenden RSS beziehungsweise Broadcasting Equipment Technical Standards fällt. (ISED Canada)

Das bedeutet:

RSS beantwortet vor allem die Frage, welche technischen Anforderungen das Produkt erfüllen muss.

RSP beschreibt, wie der Zertifizierungsprozess durchgeführt wird.

11.6 Category I und Category II Equipment

ISED unterscheidet bei Funkgeräten unter anderem zwischen Category I und Category II Equipment.

Das ist für die Wahl des Konformitätswegs relevant.

Category I Equipment umfasst Funkgeräte, für die ein entsprechendes Zertifikat erforderlich ist. Die Zertifizierung kann durch das ISED Certification and Engineering Bureau oder einen anerkannten Certification Body erfolgen. (ISED Canada)

Category II Equipment umfasst dagegen bestimmte Funkgeräte, die von der Certification ausgenommen sind und deren Konformität nach den entsprechenden Anforderungen auf andere Weise nachgewiesen wird. (ISED Canada)

Für einen Hersteller ist deshalb eine der ersten Fragen:

Welcher Equipment-Typ liegt vor und welcher Konformitätsweg gilt?

Das sollte geklärt werden, bevor die eigentliche Prüfung beginnt.

11.7 Certification Bodies in Kanada

ISED arbeitet mit anerkannten Certification Bodies (CBs).

Ein Certification Body ist eine unabhängige Organisation, die von Kanada beziehungsweise im Rahmen der entsprechenden Anerkennungsvereinbarungen dazu berechtigt ist, Funkgeräte nach den kanadischen Anforderungen zu zertifizieren.

ISED beschreibt einen CB als eine inländische oder ausländische Organisation, die zur Zertifizierung von Funkgeräten nach den kanadischen regulatorischen Anforderungen autorisiert ist. (ISED Canada)

Damit ist die Funktion grundsätzlich vergleichbar mit einem TCB im US-amerikanischen FCC-System.

Die Begriffe sind allerdings unterschiedlich:

USA

→ Telecommunications Certification Body (TCB)

Canada

→ Certification Body (CB)

11.8 Die Certification erfolgt nicht zwingend direkt durch ISED

Ein Hersteller muss nicht davon ausgehen, dass jeder Certification-Antrag direkt von einem ISED-Mitarbeiter geprüft wird.

Für Category-I-Equipment kann die Zertifizierung durch einen von ISED anerkannten Certification Body erfolgen.

Der Certification Body prüft dabei unter anderem:

  • Test Reports
  • technische Dokumentation
  • Produktbeschreibung
  • anwendbare RSS
  • Antenneninformationen
  • RF-Exposure-Unterlagen
  • Kennzeichnung
  • weitere erforderliche Nachweise

Nach erfolgreicher Prüfung wird die entsprechende Zertifizierung erteilt.

11.9 Das Labor muss nicht in Kanada sein

Auch hier ist das kanadische System dem FCC-System sehr ähnlich.

Ein häufiger Irrtum lautet:

„Für eine ISED-Zulassung muss das Produkt in Kanada getestet werden.“

Das ist nicht grundsätzlich richtig.

ISED erkennt entsprechende Test Laboratories und Certification Bodies an. Die kanadische Behörde veröffentlicht auch Informationen zu den anerkannten Conformity Assessment Bodies. (ISED Canada)

Damit kann beispielsweise ein europäischer Hersteller ein Funkprodukt in Europa prüfen lassen und anschließend die Zertifizierung über einen entsprechend anerkannten Certification Body durchführen.

Vereinfacht:

Hersteller – Deutschland

geeignetes / anerkanntes Labor – Europa

Certification Body

ISED Certification

Das Labor muss also nicht zwingend physisch in Kanada sitzen.

11.10 Welche Produkte fallen unter ISED?

ISED-Anforderungen können für eine sehr große Zahl unterschiedlicher Funkprodukte relevant sein.

Dazu gehören beispielsweise Produkte mit:

  • Bluetooth
  • Wi-Fi
  • Zigbee
  • Thread
  • LoRa
  • Mobilfunk
  • GNSS
  • UWB
  • RFID
  • Short Range Devices
  • Funkmodulen
  • integrierten Transmittern

Die Funktechnologie allein bestimmt allerdings noch nicht den vollständigen regulatorischen Scope.

Zusätzlich können beispielsweise relevant sein:

  • Frequenzbereich
  • Sendeleistung
  • Bandbreite
  • Antennengewinn
  • Antennenkonfiguration
  • Betriebsmodus
  • portable oder mobile Nutzung
  • Abstand zum menschlichen Körper
  • gleichzeitiger Betrieb mehrerer Transmitter
  • Integration in ein Host Product

Deshalb muss auch bei ISED zunächst ein Regulatory Scoping durchgeführt werden.

11.11 ISED und RF Exposure

RF Exposure ist ein wichtiger Bestandteil der kanadischen Funkanforderungen.

Hierfür ist insbesondere RSS-102 – Radio Frequency (RF) Exposure Compliance of Radiocommunication Apparatus relevant.

RSS-102 legt Anforderungen sowie Mess- und Simulationsverfahren für die Bewertung der RF Exposure von Funkgeräten fest. Das Dokument gilt abhängig von der jeweiligen Anwendung für verschiedene Arten von Funkgeräten und muss zusammen mit den anderen anwendbaren RSS verwendet werden. (ISED Canada)

Relevant können unter anderem sein:

  • Sendeleistung
  • Frequenz
  • Antennengewinn
  • Antennenposition
  • Abstand zum Körper
  • portable Nutzung
  • mobile Nutzung
  • gleichzeitige Übertragung mehrerer Funktechnologien

Damit ist RF Exposure auch in Kanada ein wichtiger Bestandteil der regulatorischen Bewertung.

11.12 Die Radio Equipment List – REL

Zertifizierte Funkgeräte werden in der kanadischen Radio Equipment List (REL) geführt.

Die REL ist die von ISED veröffentlichte Liste der Funkgeräte, die für die Verwendung in Kanada zertifiziert wurden. (ISED Canada)

Das ist vergleichbar mit der öffentlichen FCC-Datenbank, in der FCC-zertifizierte Geräte anhand ihrer FCC ID recherchiert werden können.

In Kanada ist die Zertifizierung mit einer entsprechenden Certification Number beziehungsweise den zugehörigen Identifikationsdaten verbunden.

Die REL ist deshalb für Hersteller und Marktteilnehmer eine wichtige Möglichkeit, bestehende Zertifizierungen zu überprüfen.

11.13 ISED Certification ist keine allgemeine Produktzulassung

Ein besonders wichtiger Punkt:

Eine ISED Certification bedeutet nicht, dass das gesamte Produkt in jeder Hinsicht für Kanada zugelassen ist.

Die ISED Certification bezieht sich auf die entsprechenden Funk- und regulatorischen Anforderungen.

Andere Anforderungen können unabhängig davon gelten.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • elektrische Sicherheit
  • Produktsicherheit
  • EMC
  • Installationsanforderungen
  • Umweltanforderungen
  • produktspezifische regulatorische Anforderungen

Eine ISED Certification sollte deshalb genauso wenig wie eine FCC Certification als eine allgemeine Zulassung des gesamten Produkts verstanden werden.

11.14 ISED und Product Safety

ISED ist in diesem Zusammenhang nicht mit einer allgemeinen Safety-Zertifizierungsstelle gleichzusetzen.

Die ISED-Funkzulassung konzentriert sich auf die relevanten Anforderungen an das Funkgerät und dessen Betrieb.

Wenn ein Kunde beispielsweise zusätzlich eine:

  • CSA Certification
  • UL Certification
  • NRTL-basierte Bewertung
  • oder andere Safety-Nachweise

fordert, ist das eine separate Frage.

Das bedeutet:

ISED Certification ≠ Product Safety Certification

und:

ISED Certification ≠ vollständige Zulassung des gesamten elektrischen Produkts.

Diese Trennung ist besonders wichtig, wenn man das kanadische System mit der europäischen CE-Konformität vergleicht.

11.15 FCC und ISED sind sich sehr ähnlich

Für Hersteller, die sowohl die USA als auch Kanada bedienen wollen, ist eine wichtige Erkenntnis:

FCC und ISED sind sich strukturell sehr ähnlich.

Beide Systeme beinhalten:

  • regulatorisches Scoping
  • technische Anforderungen
  • spezifische Standards
  • Labortests
  • Test Reports
  • RF-Exposure-Bewertungen
  • technische Dokumentation
  • Certification Bodies
  • Kennzeichnung
  • Anforderungen für Änderungen nach der Zulassung

Der Ablauf ist daher häufig vergleichbar.

USA

FCC Rules

Testing

TCB

FCC Grant

Canada

RSS / RSP

Testing

Certification Body

ISED Certification

Die Systeme sind trotzdem nicht identisch.

11.16 Die Unterschiede liegen vor allem in den Details

Die wichtigsten Unterschiede entstehen insbesondere bei:

  • den jeweiligen technischen Standards
  • Frequenzzuweisungen
  • zulässigen Frequenzbereichen
  • maximalen Leistungen
  • einzelnen Messverfahren
  • RF-Exposure-Anforderungen
  • Kennzeichnungsanforderungen
  • Verfahrensdetails
  • Änderungsverfahren

Deshalb kann ein FCC Test Report zwar eine sehr gute Grundlage für die kanadische Bewertung darstellen, aber nicht automatisch sämtliche ISED-Anforderungen erfüllen.

Der richtige Ansatz ist:

FCC und ISED gemeinsam planen – aber separat bewerten.

11.17 Warum FCC und ISED von Anfang an gemeinsam betrachtet werden sollten

Wenn ein Produkt für beide Märkte vorgesehen ist, sollte der Hersteller nicht zunächst ausschließlich die USA betrachten und erst nach Abschluss der FCC Certification fragen:

„Was brauchen wir jetzt noch für Kanada?“

Besser ist:

Product Definition

FCC + ISED Scoping

FCC Rules + ISED RSS

Gemeinsamer Testplan, wo möglich

FCC Testing + ISED Testing

FCC Certification + ISED Certification

Dadurch können Überschneidungen bereits bei der Planung berücksichtigt werden.

Das kann insbesondere bei:

  • Wi-Fi
  • Bluetooth
  • Cellular
  • UWB
  • anderen verbreiteten Funktechnologien

zu einer effizienteren Teststrategie führen.

11.18 ISED ist nicht einfach „FCC für Kanada“

Obwohl die Systeme ähnlich aufgebaut sind, sollte ein Hersteller nicht versuchen, die FCC Certification einfach auf Kanada zu übertragen.

Die richtige Frage lautet nicht:

„Wir haben FCC – was müssen wir für ISED noch kopieren?“

Sondern:

„Welche ISED-Anforderungen gelten für unser Produkt und welche Teile der bereits durchgeführten Arbeiten können dafür verwendet werden?“

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Ein vorhandener FCC Test Report kann sehr wertvoll sein.

Aber zuerst muss geprüft werden, ob:

  • die richtige Konfiguration getestet wurde,
  • die relevanten Frequenzen abgedeckt sind,
  • die Testmethoden geeignet sind,
  • die Grenzwerte passen,
  • die erforderlichen Betriebsmodi berücksichtigt wurden,
  • und die kanadischen Anforderungen vollständig abgedeckt sind.

Der wichtigste Punkt

ISED ist die zentrale kanadische Behörde für die Regulierung von Funkgeräten und der entsprechenden technischen Anforderungen.

Das kanadische System basiert insbesondere auf:

RSS → technische Anforderungen

und

RSP → regulatorische und verfahrensbezogene Anforderungen

Für zertifizierungspflichtige Funkgeräte kann der Ablauf vereinfacht dargestellt werden als:

Produkt → anwendbare RSS → Testplanung → Prüfung → technische Dokumentation → Certification Body → ISED Certification → Radio Equipment List

Das System ist dem FCC-System in den USA sehr ähnlich.

Die beiden Zulassungen sind aber nicht austauschbar.

Für Hersteller, die sowohl in den USA als auch in Kanada verkaufen möchten, ist deshalb der effizienteste Ansatz meistens:

FCC und ISED von Anfang an gemeinsam scopen, die Überschneidungen bei Testing und Documentation nutzen und die jeweiligen nationalen Anforderungen trotzdem separat bewerten.

12. Der ISED Certification Process – Wie erhält man eine kanadische Zulassung?

Für Hersteller, die Funkgeräte auf dem kanadischen Markt anbieten möchten, folgt die ISED Certification einem klar strukturierten Ablauf.

Der Prozess ist in seiner Grundstruktur mit der FCC Certification vergleichbar, allerdings unterscheiden sich die konkreten kanadischen Anforderungen, Begriffe und Dokumentationsvorgaben.

Der grundlegende Ablauf ist:

Produktdefinition

Regulatorisches Scoping

Anwendbare RSS / RSP Anforderungen

Testplan

Prüfung im Labor

Technische Dokumentation

Certification Application

Prüfung durch einen Certification Body

ISED Certification

Eintrag in die Radio Equipment List (REL)

Der wichtigste Punkt dabei ist: Der Zertifizierungsprozess sollte mit dem regulatorischen Scoping beginnen und nicht mit der Suche nach einem Labor.

12.1 Schritt 1 – Produkt und Funkkonfiguration bestimmen

Zunächst muss genau festgelegt werden, welches Produkt zertifiziert werden soll.

Der Hersteller sollte unter anderem bestimmen:

  • Produkttyp
  • verwendete Funktechnologien
  • Frequenzbereiche
  • Sendeleistung
  • Kanalbandbreiten
  • Modulation
  • Antennenkonfiguration
  • Antennengewinn
  • Betriebsarten
  • gleichzeitige Übertragung mehrerer Sender
  • portable oder mobile Nutzung
  • Konfiguration des Host Products
  • Hardware-Version
  • Firmware-Version

Diese Informationen sind entscheidend, weil die anwendbaren kanadischen Anforderungen von der tatsächlichen Funkkonfiguration abhängen.

Die Aussage:

„Das Produkt enthält Wi-Fi.“

reicht beispielsweise nicht aus.

Die Bewertung kann davon abhängen, ob das Produkt:

  • im 2,4-GHz-Band,
  • im 5-GHz-Band,
  • im 6-GHz-Band,

und mit welchen Bandbreiten, Sendeleistungen, Antennen und Betriebsarten arbeitet.

Dasselbe Prinzip gilt für Bluetooth, Cellular, UWB und andere Funktechnologien.

12.2 Schritt 2 – Anwendbare RSS bestimmen

Nachdem die Produktkonfiguration festgelegt wurde, müssen die anwendbaren Radio Standards Specifications (RSS) bestimmt werden.

RSS-Gen enthält allgemeine Anforderungen für Funkgeräte. Zusätzlich gelten je nach Funktechnologie und Produkt weitere spezifische RSS.

Das regulatorische Scoping muss deshalb unter anderem klären:

  • Welche RSS gilt?
  • Sind mehrere RSS relevant?
  • Welche Frequenzbereiche werden abgedeckt?
  • Welche Betriebsarten sind relevant?
  • Welche Leistungsgrenzen gelten?
  • Welche Anforderungen an Emissionen gelten?
  • Sind Anforderungen an den Receiver relevant?
  • Sind zusätzliche Anforderungen an die RF Exposure zu berücksichtigen?

Dieser Schritt definiert letztlich den technischen Umfang des kanadischen Testprogramms.

12.3 Schritt 3 – Den anwendbaren Zulassungsweg bestimmen

Nicht jedes Funkgerät durchläuft exakt denselben Konformitätsweg.

ISED unterscheidet unter anderem zwischen Category I und Category II Equipment.

Für Category-I-Equipment ist eine Certification erforderlich. Dabei wird ein Technical Acceptance Certificate (TAC) durch das ISED Certification and Engineering Bureau oder einen anerkannten Certification Body ausgestellt.

Category-II-Equipment benötigt dagegen grundsätzlich keine Certification, muss aber trotzdem die jeweils geltenden technischen Anforderungen erfüllen.

Für ein typisches zertifizierungspflichtiges Funkprodukt bedeutet der Ablauf daher:

Anwendbare RSS

Category I

Certification

Der konkrete Konformitätsweg sollte vor Beginn der Prüfung eindeutig festgelegt werden.

12.4 Schritt 4 – Erforderliche Prüfungen bestimmen

Nachdem die anwendbaren Standards identifiziert wurden, wird festgelegt, welche Prüfungen tatsächlich erforderlich sind.

Je nach Produkt können dazu gehören:

  • Sendeleistung
  • Occupied Bandwidth
  • Frequency Stability
  • Unwanted Emissions
  • Spurious Emissions
  • Band-Edge Emissions
  • Transmitter Requirements
  • Receiver Requirements
  • RF Exposure
  • weitere technologieabhängige Messungen

Der genaue Testumfang ergibt sich aus den für das Produkt geltenden RSS-Anforderungen.

Deshalb sollte das Labor bereits vor Beginn der Prüfung einen klar definierten regulatorischen Scope erhalten.

12.5 Schritt 5 – RF Exposure bewerten

Die RF Exposure sollte bereits bei der ursprünglichen Testplanung berücksichtigt werden.

Die kanadischen Anforderungen an die RF Exposure werden insbesondere durch RSS-102 – Radio Frequency (RF) Exposure Compliance of Radiocommunication Apparatus definiert.

Je nach Produkt können unter anderem folgende Faktoren relevant sein:

  • Sendeleistung
  • Frequenz
  • Antennengewinn
  • Position der Antenne
  • Abstand zum Körper
  • portable Nutzung
  • mobile Nutzung
  • gleichzeitige Übertragung mehrerer Sender

Bei Produkten mit mehreren Transmittern kann auch die Kombination der gleichzeitig betriebenen Funkfunktionen relevant sein.

RF Exposure sollte deshalb nicht erst am Ende des Zertifizierungsprozesses betrachtet werden.

12.6 Schritt 6 – Prüfung im Labor

Die erforderlichen technischen Prüfungen werden anschließend in einem entsprechend anerkannten Labor durchgeführt.

ISED verfügt über ein System anerkannter Wireless Device Testing Laboratories, die Prüfungen gegen die entsprechenden kanadischen Anforderungen durchführen können.

Das Labor muss dabei nicht in Kanada liegen.

Für einen internationalen Hersteller kann der Ablauf beispielsweise so aussehen:

Hersteller – Deutschland

Anerkanntes Labor – Europa

Certification Body

ISED Certification

Entscheidend ist daher nicht der Standort des Labors, sondern ob das Labor für die erforderlichen Prüfungen entsprechend anerkannt beziehungsweise qualifiziert ist.

12.7 FCC und ISED Testing können gemeinsam geplant werden

Bei Produkten, die sowohl in den USA als auch in Kanada vermarktet werden sollen, können FCC und ISED Testing häufig gemeinsam geplant werden.

Für dieselbe Produktkonfiguration kann beispielsweise ein Teil der technischen Daten für:

FCC Testing

und:

ISED Testing

verwendet werden.

Einige Messungen und technische Informationen sind für beide Märkte relevant.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein FCC Test Report automatisch alle kanadischen Anforderungen erfüllt.

Das Ziel sollte vielmehr sein:

Eine koordinierte Teststrategie – zwei separate regulatorische Bewertungen.

Dadurch lässt sich unnötige doppelte Arbeit vermeiden.

12.8 Schritt 7 – Technische Dokumentation erstellen

Der Test Report ist nur ein Teil der ISED Certification-Unterlagen.

Die Anforderungen von RSP-100 umfassen unter anderem verschiedene Dokumente und technische Nachweise für den Certification-Antrag.

Je nach Produkt können dazu gehören:

  • Application Cover Letter
  • RSP-100 Form A
  • RSP-100 Form B
  • RF-Exposure-Dokumentation
  • technische Exhibits
  • weitere produktspezifische Unterlagen

Zusätzlich können beispielsweise erforderlich sein:

  • Product Description
  • Block Diagram
  • Schematics
  • Operational Description
  • interne und externe Fotos
  • Antenneninformationen
  • Test Setup Information
  • Test Reports
  • RF-Exposure-Bewertung
  • User Documentation
  • Label Information
  • Hardware- und Firmware-Identifikation

Welche Unterlagen tatsächlich erforderlich sind, hängt vom Produkt und dem konkreten Certification-Antrag ab.

12.9 Die Dokumentation muss das tatsächliche Produkt abbilden

Ein besonders wichtiger Punkt ist die Konsistenz der gesamten Dokumentation.

Das:

  • getestete Produkt,
  • die technische Dokumentation,
  • der Certification-Antrag,
  • die Kennzeichnung,
  • die Hardware-Konfiguration,
  • die Firmware-Konfiguration
  • und die Antennenkonfiguration

müssen zum tatsächlich zertifizierten Produkt passen.

Probleme können beispielsweise entstehen, wenn:

  • eine andere Antenne getestet wurde als später in der Produktion verwendet wird,
  • die Firmware nach dem Test geändert wurde,
  • eine andere Hardware-Version eingesetzt wird,
  • die angegebene Sendeleistung von der getesteten Konfiguration abweicht,
  • oder die eingereichten Unterlagen eine andere Produktkonfiguration beschreiben.

Der Certification Body muss die eindeutige Verbindung zwischen der geprüften Konfiguration und dem zertifizierten Produkt nachvollziehen können.

12.10 Schritt 8 – Certification Application einreichen

Wenn das technische Paket vollständig ist, wird der Certification-Antrag eingereicht.

Der Prozess wird durch RSP-100 geregelt. RSP-100 definiert die Anforderungen und den Ablauf für die Certification von Category-I-Equipment, das unter die entsprechenden RSS-Anforderungen fällt.

Im Antrag werden unter anderem Informationen zur Identifikation des Produkts und seiner Konfiguration angegeben.

Dazu gehören beispielsweise:

  • PMN – Product Marketing Name
  • HVIN – Hardware Version Identification Number
  • FVIN – Firmware Version Identification Number, soweit relevant
  • HMN – Host Marketing Name, soweit relevant

Diese Identifikatoren sind insbesondere bei Produkten mit zertifizierten Funkmodulen und unterschiedlichen Produktkonfigurationen wichtig.

12.11 Schritt 9 – Prüfung durch den Certification Body

Der Antrag wird anschließend durch einen von ISED anerkannten Certification Body (CB) geprüft.

Der Certification Body bewertet die eingereichten Nachweise anhand der geltenden kanadischen Anforderungen.

Die Prüfung kann unter anderem umfassen:

  • Test Reports
  • Einhaltung der RSS-Anforderungen
  • RF-Exposure-Dokumentation
  • technische Spezifikationen
  • Antenneninformationen
  • Produktkonfiguration
  • Kennzeichnung
  • User Documentation
  • Hardware- und Firmware-Informationen
  • weitere erforderliche Exhibits

Der Certification Body kann während des Reviews Fragen oder Unstimmigkeiten feststellen.

Der Ablauf kann deshalb beispielsweise so aussehen:

Certification Application

CB Review

Technische Rückfragen

Antwort des Herstellers / Labors

Erneuter Review

Certification

Solche Rückfragen sind ein normaler Bestandteil des Zertifizierungsprozesses und bedeuten nicht automatisch, dass ein Problem mit dem Produkt besteht.

12.12 Schritt 10 – Technische Rückfragen beantworten

Wenn der Certification Body einen Punkt klären möchte, kann der Hersteller beispielsweise zusätzliche:

  • Informationen,
  • technische Dokumentation,
  • Erklärungen zur Testkonfiguration,
  • Berechnungen,
  • Testdaten

bereitstellen müssen.

In bestimmten Fällen kann auch eine zusätzliche Prüfung erforderlich sein.

Aus diesem Grund ist die Qualität des ursprünglichen technischen Pakets wichtig.

Eine klar definierte Produktkonfiguration und ein sauber strukturierter Test Report können den Review erheblich vereinfachen.

12.13 Schritt 11 – ISED Certification

Wenn der Certification Body festgestellt hat, dass die anwendbaren Anforderungen erfüllt sind, erhält das Funkgerät seine kanadische Certification.

Für Category-I-Equipment wird ein Technical Acceptance Certificate (TAC) ausgestellt und das zertifizierte Gerät in die Radio Equipment List (REL) aufgenommen.

Die Certification bezieht sich dabei auf das konkret zertifizierte Gerät und dessen Konfiguration.

Sie sollte deshalb nicht als uneingeschränkte Zulassung für zukünftige Versionen des Produkts verstanden werden.

12.14 Schritt 12 – Eintrag in die Radio Equipment List

Zertifizierte Funkgeräte werden in der Radio Equipment List (REL) von ISED geführt.

Die REL ermöglicht die Recherche nach bereits zertifizierten Produkten, beispielsweise anhand von:

  • Model Number
  • Certification Number
  • weiteren Produktidentifikatoren

Damit bietet die REL Herstellern, Importeuren und anderen Marktteilnehmern eine öffentliche Möglichkeit, bestehende Zertifizierungen zu überprüfen.

12.15 Schritt 13 – Kennzeichnung

Vor der Vermarktung beziehungsweise dem Import nach Kanada müssen die geltenden Kennzeichnungsanforderungen umgesetzt werden.

RSS-Gen enthält allgemeine Anforderungen an die Kennzeichnung. Zusätzliche Anforderungen können sich aus den jeweiligen spezifischen RSS ergeben.

Je nach Produkt können beispielsweise erforderlich sein:

  • ISED Certification Information
  • Model Identification
  • regulatorische Hinweise
  • elektronische Kennzeichnung
  • Informationen in der User Documentation

Die konkreten Anforderungen müssen für das jeweilige Produkt geprüft werden.

12.16 User Notices und Dokumentation

Die kanadischen Anforderungen können auch bestimmte Informationen für den Endanwender vorsehen.

Bei bestimmten Produkten müssen vorgeschriebene User Notices zusammen mit dem Gerät bereitgestellt werden.

Dabei ist insbesondere zu beachten, dass entsprechende Hinweise – soweit erforderlich – in Englisch und Französisch bereitgestellt werden müssen.

Das ist für Hersteller, die bisher hauptsächlich für den US-Markt gearbeitet haben, ein wichtiger Unterschied.

Deshalb sollten die kanadischen Anforderungen frühzeitig bei der Erstellung von:

  • Bedienungsanleitungen
  • Verpackungen
  • Labels
  • elektronischen User Information
  • Installationsanweisungen

berücksichtigt werden.

12.17 Was passiert nach der Certification?

Mit der ISED Certification endet die Compliance-Verantwortung des Herstellers nicht.

ISED führt unter anderem Audits und Market-Surveillance-Aktivitäten durch, um zu überprüfen, ob die auf dem Markt befindlichen Geräte weiterhin den geltenden Anforderungen entsprechen.

Der Hersteller muss deshalb weiterhin sicherstellen, dass:

  • Serienprodukte der zertifizierten Konfiguration entsprechen,
  • die erforderliche Kennzeichnung korrekt ist,
  • die erforderlichen User Information bereitgestellt werden,
  • Änderungen ordnungsgemäß bewertet werden,
  • und die geltenden kanadischen Anforderungen weiterhin eingehalten werden.

12.18 Änderungen nach der Certification

Ein Produkt kann nach der Certification verändert werden.

Typische Beispiele sind:

  • neue RF-Komponenten
  • neue Antennen
  • Änderung des Antennengewinns
  • Firmware-Änderungen
  • Änderung der Sendeleistung
  • Änderungen an RF-Parametern
  • neue Betriebsarten
  • Änderungen am Host Product
  • neue Hardware-Versionen

Vor der Einführung einer solchen Änderung muss bewertet werden:

Deckt die bestehende ISED Certification die geänderte Konfiguration noch ab?

Je nach Art und Auswirkung der Änderung kann eine Änderung der bestehenden Certification oder eine neue Certification erforderlich sein.

Das Thema wird später im Kapitel zu ISED Permissive Changes und Änderungen an zertifizierten Produkten ausführlich behandelt.

12.19 Der typische ISED Certification Workflow

Der komplette Prozess lässt sich zusammenfassen als:

1. Product Definition

Produkt und Funkkonfiguration definieren.

2. Regulatory Scoping

Anwendbare RSS und weitere kanadische Anforderungen bestimmen.

3. Certification Route

Festlegen, ob eine Certification erforderlich ist.

4. Test Planning

Erforderliche technische Prüfungen und RF-Exposure-Bewertung bestimmen.

5. Laboratory Testing

Prüfung in einem entsprechend anerkannten Labor durchführen.

6. Technical Documentation

Test Report und weitere technische Unterlagen erstellen.

7. Certification Application

Antrag und erforderliche Exhibits einreichen.

8. Certification Body Review

Prüfung der technischen Unterlagen durch den Certification Body.

9. Questions and Corrections

Technische Rückfragen und Dokumentationsprobleme klären.

10. Certification

ISED Certification beziehungsweise TAC erhalten.

11. REL Listing

Eintrag des zertifizierten Produkts in die Radio Equipment List.

12. Market Placement

Erforderliche Kennzeichnung, User Notices und Compliance Information vor der Vermarktung beziehungsweise dem Import umsetzen.

Der wichtigste Punkt

Die ISED Certification ist nicht einfach:

Produkt testen → kanadisches Zertifikat erhalten.

Es handelt sich um einen strukturierten Prozess:

Produkt → Anwendbare RSS → Certification Route → Testplan → Laborprüfung → Technische Dokumentation → Certification Body Review → ISED Certification → REL Listing → Marktzugang

Der wichtigste Schritt findet dabei vor der eigentlichen Laborprüfung statt:

Es muss zunächst eindeutig bestimmt werden, welche kanadischen Funk Anforderungen für das konkrete Produkt gelten.

Erst wenn der regulatorische Scope korrekt definiert ist, kann sinnvoll festgelegt werden, was geprüft werden muss, welche Dokumentation erforderlich ist und welcher Certification-Weg angewendet wird.

Für Hersteller, die sowohl die USA als auch Kanada bedienen möchten, kann dieser Prozess von Anfang an gemeinsam mit dem FCC-Projekt geplant werden. Die beiden Systeme bleiben getrennt, aber eine koordinierte Planung kann doppelte Prüfungen reduzieren und verhindern, dass kanadische Anforderungen erst nach Abschluss des FCC-Projekts entdeckt werden.

13. ISED Testing und technische Anforderungen

Bei der ISED Certification steht die technische Prüfung des Funkgeräts im Mittelpunkt. Welche Prüfungen tatsächlich durchgeführt werden müssen, hängt dabei immer vom konkreten Produkt, den verwendeten Funktechnologien, den Frequenzbereichen und den anwendbaren RSS Standards ab.

Der Testumfang sollte deshalb nicht einfach aus einem allgemeinen „ISED Test Package“ übernommen werden. Zunächst muss der regulatorische Scope des Produkts bestimmt werden.

13.1 Radio Testing nach den anwendbaren RSS Standards

Die technischen Anforderungen für Funkgeräte werden in den jeweils anwendbaren Radio Standards Specifications (RSS) festgelegt.

Je nach Produkt können unter anderem folgende Parameter geprüft werden:

  • Output Power
  • Occupied Bandwidth
  • Frequency Stability
  • Unwanted Emissions
  • Spurious Emissions
  • Band-Edge Emissions
  • Transmitter Characteristics
  • Receiver Characteristics
  • Frequency Accuracy
  • Duty Cycle
  • Power Spectral Density
  • weitere technologie- oder frequenzabhängige Parameter

Welche dieser Prüfungen tatsächlich erforderlich sind, hängt von den anwendbaren RSS und der konkreten Produktkonfiguration ab.

Ein Hersteller sollte daher nicht einfach davon ausgehen:

„Das Produkt verwendet Bluetooth, also kennen wir automatisch den vollständigen Testumfang.“

Die genaue Funkimplementierung muss zunächst analysiert werden.

13.2 Transmitter Requirements

Ein wesentlicher Bestandteil der ISED-Prüfung sind die Anforderungen an den Transmitter.

Dabei können beispielsweise folgende Eigenschaften relevant sein:

  • maximale Ausgangsleistung
  • Frequenzbereich
  • Bandbreite
  • Modulation
  • Emissionsarten
  • Frequenzstabilität
  • unerwünschte Emissionen
  • Spurious Emissions

Die zulässigen Grenzwerte hängen von der jeweiligen Funktechnologie und dem verwendeten Frequenzbereich ab.

Deshalb muss beispielsweise ein Wi-Fi-Produkt nicht nur hinsichtlich seiner verwendeten Technologie betrachtet werden, sondern auch hinsichtlich:

  • des verwendeten Bands,
  • der Kanalbandbreite,
  • der Sendeleistung,
  • der Antenne,
  • und der konkreten Betriebsart.

13.3 Spurious Emissions

Die Spurious Emissions sind ein wichtiger Bestandteil der Funkprüfung.

Hier wird untersucht, ob das Gerät außerhalb des vorgesehenen Übertragungsbereichs unerwünschte HF-Emissionen erzeugt, die die geltenden Grenzwerte überschreiten.

Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil ein Transmitter nicht nur auf seiner gewünschten Betriebsfrequenz Energie abstrahlt.

Ein Gerät kann beispielsweise neben dem gewünschten Signal zusätzliche Emissionen erzeugen durch:

  • Oberwellen
  • Mischprodukte
  • Oszillatoranteile
  • interne digitale Schaltungen
  • andere RF-Komponenten

Die entsprechenden Grenzwerte und Messverfahren werden durch die anwendbaren kanadischen Anforderungen bestimmt.

13.4 RF Exposure

Ein weiterer zentraler Bereich ist die RF Exposure.

Die kanadischen Anforderungen hierfür sind insbesondere in RSS-102 festgelegt.

Je nach Produkt kann die Bewertung beispielsweise von folgenden Faktoren abhängen:

  • Frequenz
  • Sendeleistung
  • Antennengewinn
  • Antennenposition
  • Abstand zum Körper
  • portable Nutzung
  • mobile Nutzung
  • gleichzeitige Übertragung mehrerer Funktechnologien

Bei einem Gerät mit mehreren Transmittern muss deshalb unter Umständen nicht nur jeder einzelne Transmitter betrachtet werden.

Auch die Kombination der gleichzeitig aktiven Funkfunktionen kann relevant sein.

13.5 Portable, Mobile und Body-Worn Products

Die Art der Nutzung eines Produkts kann einen erheblichen Einfluss auf die RF-Exposure-Bewertung haben.

Ein Funkgerät, das beispielsweise:

  • auf einem Tisch betrieben wird,
  • fest installiert ist,
  • in einem Fahrzeug eingesetzt wird,
  • am Körper getragen wird,
  • oder unmittelbar neben dem Körper betrieben wird,

kann unterschiedlichen Anforderungen unterliegen.

Deshalb sollte bereits während des Regulatory Scoping festgelegt werden:

Wie und in welchem Abstand zum Benutzer wird das Produkt tatsächlich betrieben?

Eine spätere Änderung der vorgesehenen Nutzung kann daher auch Auswirkungen auf die ursprüngliche RF-Exposure-Bewertung haben.

13.6 Receiver Requirements

Je nach Funkgerät können auch Anforderungen an den Receiver relevant sein.

Das ist ein wichtiger Punkt, weil Funkzulassung nicht ausschließlich aus Transmitter Testing besteht.

Bei bestimmten Technologien können beispielsweise Anforderungen an:

  • Receiver Performance
  • Receiver Blocking
  • Receiver Spurious Emissions
  • Receiver Selectivity
  • andere Receiver Characteristics

gelten.

Welche Anforderungen tatsächlich geprüft werden müssen, hängt wiederum von der jeweils anwendbaren RSS ab.

13.7 Unintentional Radiators

Nicht jede EMV-relevante Eigenschaft eines Produkts fällt automatisch unter die klassischen Radio-Testing-Anforderungen.

Ein Produkt kann beispielsweise sowohl einen intentional transmitter als auch digitale oder andere elektronische Schaltungen enthalten, die unbeabsichtigte HF-Emissionen erzeugen.

Für solche Fälle können zusätzliche Anforderungen relevant werden.

In Kanada ist hier insbesondere ICES-003 – Information Technology Equipment (Including Digital Apparatus) relevant.

ICES-003 behandelt die Anforderungen an bestimmte Information Technology Equipment (ITE), including digital apparatus, hinsichtlich ihrer unbeabsichtigten Emissionen.

Damit entsteht eine ähnliche Trennung wie im US-System:

Intentional Radiator

→ Radio Compliance / RSS

Unintentional Radiator

→ entsprechende Anforderungen für unbeabsichtigte Emissionen

Bei einem komplexen Produkt können beide Bereiche gleichzeitig relevant sein.

13.8 ICES-003 und Radio Compliance

Ein wichtiger Punkt ist deshalb die Unterscheidung zwischen:

Radio Compliance

und:

Unintentional Emissions / EMC-related Requirements

Ein Produkt mit Wi-Fi kann beispielsweise gleichzeitig:

  • eine ISED Certification für seine Funkfunktion benötigen,
  • und Anforderungen an unintentional emissions erfüllen müssen.

Die beiden Bewertungen sollten daher nicht miteinander verwechselt werden.

Eine erfolgreiche ISED Certification des Funkteils bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche anderen Emissionsanforderungen des gesamten Geräts erfüllt sind.

13.9 Warum ISED Radio Compliance nicht einfach „EMC Testing“ ist

Gerade für europäische Hersteller ist dieser Unterschied wichtig.

In der EU wird ein elektrisches Produkt häufig im Rahmen der EMC Directive betrachtet. Dabei werden unter anderem Emission und Immunität bewertet.

Bei einer ISED Radio Certification liegt der Schwerpunkt dagegen auf der Einhaltung der kanadischen Anforderungen an das Funkgerät.

Das bedeutet:

ISED Radio Certification ist nicht dasselbe wie eine vollständige klassische EMV-Prüfung des gesamten Produkts.

Die jeweiligen Prüfungen verfolgen unterschiedliche regulatorische Ziele.

Bei einem Produkt können deshalb mehrere Prüfbereiche parallel existieren.

13.10 Vergleich mit FCC Part 15B

Das lässt sich gut mit dem US-System vergleichen.

In den USA kann ein Produkt beispielsweise gleichzeitig:

  • eine FCC Certification für seinen intentional transmitter benötigen,
  • und Anforderungen für seine unintentional emissions erfüllen.

Bei einem typischen digitalen Produkt ist dabei insbesondere FCC Part 15 Subpart B relevant.

In Kanada existiert mit ICES-003 ein vergleichbarer regulatorischer Bereich für bestimmte digitale Geräte.

Das bedeutet jedoch nicht, dass:

FCC Part 15B = ICES-003

Die beiden Systeme haben eigene Anforderungen, Grenzwerte, Verfahren und Dokumentationsanforderungen.

Sie erfüllen aber eine vergleichbare regulatorische Funktion.

13.11 Ein wichtiger Unterschied zur europäischen EMV-Systematik

Für europäische Hersteller kann die nordamerikanische Struktur zunächst ungewohnt sein.

Ein Gerät kann beispielsweise in Europa im Rahmen einer CE-Konformitätsbewertung umfassend hinsichtlich verschiedener EMV-Anforderungen bewertet werden.

In Kanada muss dagegen zwischen den verschiedenen regulatorischen Bereichen unterschieden werden.

Vereinfacht:

ISED Radio Certification

→ Funkfunktion

ICES-003 / andere anwendbare Anforderungen

→ bestimmte unbeabsichtigte Emissionen

Safety Requirements

→ elektrische Produktsicherheit

Diese Bereiche können für dasselbe Produkt gleichzeitig relevant sein, werden aber regulatorisch nicht zu einer einzigen „ISED Gesamtzulassung“ zusammengefasst.

13.12 Test Samples und Produktkonfiguration

Für eine aussagekräftige Prüfung muss das Labor die tatsächlich relevante Produktkonfiguration erhalten.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Serienprodukt
  • Engineering Sample
  • Worst-Case-Konfiguration
  • verschiedene Antennen
  • unterschiedliche Betriebsarten
  • verschiedene Power Settings
  • unterschiedliche Hardware-Versionen

Bei Produkten mit mehreren Funktechnologien muss außerdem berücksichtigt werden, welche Kombinationen gleichzeitig betrieben werden können.

Die Teststrategie sollte deshalb bereits vor dem Versand der Samples festgelegt werden.

13.13 Worst-Case Testing

Bei der Prüfung muss nicht zwangsläufig jede theoretisch mögliche Kombination in gleicher Weise getestet werden.

Stattdessen wird häufig eine Worst-Case-Konfiguration bestimmt.

Dabei kann beispielsweise untersucht werden:

  • welche Frequenz die höchsten Emissionen erzeugt,
  • welcher Kanal die kritischste Situation darstellt,
  • welche Modulation relevant ist,
  • welche Bandbreite die höchsten Emissionen verursacht,
  • welche Antenne den kritischsten Fall darstellt,
  • welche Betriebsart die höchste Belastung erzeugt.

Die Auswahl muss jedoch technisch begründet und mit den geltenden Anforderungen vereinbar sein.

Ein gutes Test Scoping vor Beginn der Laborprüfung kann daher erheblichen Aufwand vermeiden.

13.14 FCC und ISED Testing gemeinsam planen

Wenn ein Produkt sowohl in den USA als auch in Kanada vermarktet werden soll, sollte die Teststrategie für beide Märkte möglichst früh gemeinsam betrachtet werden.

Beispielsweise:

Produkt

FCC + ISED Regulatory Scoping

FCC Test Requirements

  •  

ISED RSS Requirements

Gemeinsamer Testplan

Labor Testing

FCC Test Report

  •  

ISED Test Report / Documentation

Dadurch können Überschneidungen genutzt werden.

Allerdings darf aus einer gemeinsamen Testplanung nicht geschlossen werden, dass ein einziger Test automatisch für beide Märkte ausreicht.

Die jeweiligen regulatorischen Anforderungen müssen separat überprüft werden.

13.15 Was passiert, wenn FCC Testing bereits durchgeführt wurde?

Ein bereits vorhandener FCC Test Report kann eine sehr gute Ausgangsbasis für eine ISED Certification darstellen.

Bevor er verwendet wird, sollte jedoch geprüft werden:

  • Welche FCC Rules wurden angewendet?
  • Welche ISED RSS gelten?
  • Sind die gleichen Frequenzen abgedeckt?
  • Sind die gleichen Betriebsarten enthalten?
  • Wurden die erforderlichen Bandbreiten getestet?
  • Sind die verwendeten Messverfahren für ISED geeignet?
  • Sind die kanadischen Grenzwerte abgedeckt?
  • Wurde die gleiche Antennenkonfiguration verwendet?
  • Sind die RF-Exposure-Anforderungen vollständig abgedeckt?

Erst danach kann entschieden werden, welche Teile des vorhandenen Testprogramms für Kanada verwendet werden können.

13.16 Ein Test Report ist nicht gleich eine Certification

Ein häufiger Fehler besteht darin, den Test Report mit der eigentlichen Zulassung gleichzusetzen.

Der Test Report zeigt:

Welche technischen Prüfungen wurden durchgeführt und welche Ergebnisse wurden erzielt?

Die Certification beantwortet dagegen:

Ist das Produkt auf Grundlage der eingereichten Unterlagen nach dem kanadischen Verfahren zertifiziert?

Der Ablauf ist daher:

Testing

Test Report

Technical Documentation

Certification Body Review

ISED Certification

Ein bestandener Labortest allein bedeutet also noch nicht, dass das Produkt bereits eine ISED Certification besitzt.

13.17 Die Qualität des Test Reports ist entscheidend

Der Test Report ist eine zentrale Grundlage für den späteren Review durch den Certification Body.

Er sollte deshalb unter anderem eindeutig darstellen:

  • welches Produkt getestet wurde,
  • welche Hardware-Version verwendet wurde,
  • welche Firmware-Version verwendet wurde,
  • welche Antennen verwendet wurden,
  • welche Frequenzen getestet wurden,
  • welche Betriebsarten verwendet wurden,
  • welche Messverfahren angewendet wurden,
  • welche Grenzwerte gelten,
  • welche Messergebnisse erzielt wurden.

Unklare oder widersprüchliche Informationen können später zu zusätzlichen Fragen des Certification Body führen.

13.18 Was sollte vor dem Labortest geklärt sein?

Bevor das Produkt ins Labor geht, sollten mindestens folgende Fragen beantwortet sein:

  1. Welche Funktechnologien sind vorhanden?
  2. Welche Frequenzbereiche werden verwendet?
  3. Welche RSS gelten?
  4. Welche zusätzlichen Anforderungen wie RSS-102 sind relevant?
  5. Welche Betriebsarten müssen getestet werden?
  6. Welche Antennen werden verwendet?
  7. Welche Sendeleistungen sind vorgesehen?
  8. Welche gleichzeitigen Übertragungen sind möglich?
  9. Welche Anforderungen an unintentional emissions gelten?
  10. Welche Dokumentation wird für die Certification benötigt?

Wenn diese Fragen erst während der Laborprüfung geklärt werden, kann das zu unnötigen Verzögerungen und zusätzlichen Kosten führen.

Der wichtigste Punkt

ISED Testing besteht nicht aus einem standardisierten „Kanada-Test“, der für jedes Funkprodukt gleich aussieht.

Der Testumfang ergibt sich aus:

Produkt → Funktechnologie → Frequenz → Betriebsart → anwendbare RSS → technische Anforderungen

Dabei muss zwischen verschiedenen Bereichen unterschieden werden:

Radio Compliance

RF Exposure

Unintentional Emissions / ICES-003

Product Safety

Diese Bereiche können für dasselbe Produkt relevant sein, sind aber regulatorisch nicht dasselbe.

Für Hersteller, die bereits FCC Testing durchgeführt haben, kann ein vorhandener Test Report eine wertvolle Grundlage sein. Er sollte jedoch immer gegen die konkreten ISED-Anforderungen geprüft werden, bevor davon ausgegangen wird, dass er für die kanadische Certification ausreicht.

14. ISED und Produktsicherheit

ISED Certification betrifft die Funkfunktion und die dafür geltenden kanadischen regulatorischen Anforderungen. Sie ist nicht mit einer allgemeinen Zulassung für die elektrische Sicherheit oder die Sicherheit des gesamten Produkts gleichzusetzen.

Gerade für europäische Hersteller ist diese Unterscheidung wichtig. In der EU werden verschiedene Anforderungen häufig gemeinsam im Rahmen der CE-Konformitätsbewertung betrachtet. In Kanada müssen Radio Compliance und Product Safety dagegen getrennt betrachtet werden.

Ein Produkt kann daher gleichzeitig benötigen:

  • eine ISED Certification für seine Funkfunktion,
  • eine Bewertung der unintentional emissions,
  • und eine separate Bewertung der elektrischen Produktsicherheit.

Eine ISED Certification bedeutet nicht automatisch, dass das gesamte Produkt hinsichtlich seiner elektrischen Sicherheit bewertet oder zertifiziert wurde.

14.1 ISED Certification deckt Product Safety nicht ab

Der Zweck der ISED Certification besteht darin, nachzuweisen, dass ein Funkgerät die für seine Funkfunktion geltenden kanadischen Anforderungen erfüllt.

Je nach Produkt können diese Anforderungen beispielsweise betreffen:

  • Frequenz
  • Sendeleistung
  • Bandbreite
  • Emissionen
  • Antennenkonfiguration
  • RF Exposure
  • Betriebsbedingungen
  • weitere funktechnische Parameter

Elektrische Sicherheit ist davon getrennt zu betrachten.

Eine ISED Certification bestätigt beispielsweise nicht automatisch die Einhaltung von Anforderungen hinsichtlich:

  • Schutz gegen elektrischen Schlag
  • Isolation
  • Spannungsfestigkeit
  • Kriech- und Luftstrecken
  • Überhitzung
  • Brandgefahr
  • mechanischer Sicherheit
  • Sicherheit der Stromversorgung

Daher gilt:

ISED Certification ≠ Product Safety Certification

14.2 ISED ist keine allgemeine Safety-Zertifizierungsstelle

ISED ist nicht die allgemeine kanadische Zertifizierungsstelle für die elektrische Produktsicherheit.

Im Zusammenhang mit diesem Leitfaden liegt der Schwerpunkt von ISED auf:

Funkgeräten und der Regulierung des Funkspektrums.

Ein Hersteller sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass ein komplettes elektrisches Produkt durch seine ISED Certification automatisch eine allgemeine Safety Certification erhält.

Nehmen wir beispielsweise ein vernetztes Industrieprodukt mit:

  • Wi-Fi
  • einem Schaltnetzteil
  • einem Prozessor
  • Motoren
  • Sensoren
  • einem Metallgehäuse

ISED kann die Funkfunktion und die dafür geltenden Anforderungen abdecken.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Motor, Netzteil, Isolation oder die gesamte elektrische Konstruktion hinsichtlich der Produktsicherheit bewertet wurden.

Diese Aspekte müssen separat betrachtet werden.

14.3 CSA, UL und andere Safety Certifications

Bei der Produktsicherheit in Kanada begegnen Herstellern häufig Organisationen wie:

  • CSA
  • UL
  • TÜV
  • Intertek
  • andere anerkannte Prüf- und Zertifizierungsorganisationen

Je nach Produkt können diese Organisationen Safety Testing, Certification oder andere Formen der Konformitätsbewertung durchführen.

Ein Kunde kann beispielsweise verlangen, dass ein Produkt:

  • CSA-zertifiziert,
  • UL-zertifiziert,
  • nach einem bestimmten CSA- oder UL-Standard zertifiziert,
  • durch eine anerkannte Zertifizierungsstelle bewertet
  • oder anderweitig hinsichtlich der geltenden Safety Requirements bewertet

wird.

Diese Anforderungen sind von der ISED Certification getrennt.

14.4 Braucht jedes Produkt eine CSA- oder UL-Zertifizierung?

Hier ist eine wichtige Unterscheidung erforderlich.

Es wäre falsch zu sagen:

„Jedes elektrische Produkt, das in Kanada verkauft wird, muss CSA-zertifiziert sein.“

Ebenso falsch wäre:

„Jedes elektrische Produkt benötigt eine UL Certification.“

Welche Anforderungen tatsächlich gelten, hängt unter anderem ab von:

  • dem Produkt,
  • seiner bestimmungsgemäßen Verwendung,
  • den anwendbaren Safety Requirements,
  • der Installationsumgebung,
  • den zuständigen Behörden,
  • und gegebenenfalls den Anforderungen des Kunden.

Deshalb muss zwischen einer:

regulatorischen Anforderung

und einer:

Markt- oder Kundenanforderung

unterschieden werden.

Ein Kunde kann beispielsweise eine bestimmte Safety Certification verlangen, obwohl diese nicht Bestandteil der ISED Certification ist.

14.5 Die Rolle des Standards Council of Canada

Kanada verfügt über ein formales System zur Anerkennung von Organisationen, die an Produktzertifizierungen beteiligt sind.

Der Standards Council of Canada (SCC) spielt dabei eine wichtige Rolle innerhalb des kanadischen Akkreditierungssystems.

Je nach Zertifizierungssystem können anerkannte Certification Bodies Produkte nach den jeweils geltenden kanadischen Safety Standards zertifizieren.

Das ist von der Rolle von ISED und den ISED Certification Bodies zu unterscheiden.

Vereinfacht:

ISED Certification Body

→ Funkgeräte

Safety Certification Body

→ Produktsicherheit

Dabei kann es sich um völlig unterschiedliche Organisationen handeln.

14.6 UL und CSA sind nicht dasselbe wie ISED

Die verschiedenen regulatorischen Bereiche müssen klar voneinander getrennt werden.

Beispielsweise:

Wi-Fi Radio

→ ISED Certification

Digitale Elektronik

→ anwendbare Anforderungen an unintentional emissions

Elektrische Sicherheit

→ anwendbare Canadian Safety Requirements

Dasselbe Produkt kann deshalb mehrere unterschiedliche Bewertungen benötigen.

Das ist nicht ungewöhnlich. Die verschiedenen Verfahren adressieren unterschiedliche regulatorische Anforderungen und Risiken.

14.7 Warum werden diese Anforderungen häufig verwechselt?

Die Verwechslung entsteht häufig dadurch, dass Kunden und Labore mehrere Compliance-Themen gleichzeitig ansprechen.

Ein Hersteller kann beispielsweise hören:

„We need FCC, ISED, UL and EMC.“

Das sind jedoch nicht vier Varianten derselben Zulassung.

Sie betreffen unterschiedliche Bereiche:

BereichTypischer US-/Kanada-Rahmen
RadioFCC / ISED
Unintentional EmissionsFCC Part 15B / ICES-003, soweit anwendbar
Elektrische SicherheitUL / CSA / andere anwendbare Safety Certification
RF ExposureFCC / ISED Requirements
InstallationAnwendbare Electrical Codes und lokale Anforderungen

Welche Anforderungen tatsächlich gelten, hängt vom jeweiligen Produkt ab.

Entscheidend ist:

Eine Zulassung sollte nicht automatisch als Ersatz für eine andere betrachtet werden.

14.8 Der Unterschied zur EU

Diese Unterscheidung ist insbesondere für europäische Hersteller wichtig.

In Europa wird häufig mit dem CE-Konformitätsbewertungsrahmen gearbeitet.

Je nach Produkt können beispielsweise mehrere EU-Rechtsvorschriften relevant sein:

  • Radio Equipment Directive (RED)
  • EMC Directive
  • Low Voltage Directive
  • weitere anwendbare Rechtsvorschriften

Der Hersteller erstellt anschließend eine Declaration of Conformity für die anwendbaren Anforderungen und bringt die CE-Kennzeichnung an.

Das nordamerikanische System ist anders strukturiert.

FCC und ISED Radio Compliance entsprechen nicht der gesamten europäischen CE-Konformitätsbewertung.

Daher gilt beispielsweise:

ISED Certification ist nicht das kanadische Äquivalent zu einer vollständigen CE-Konformitätsbewertung.

Sie betrifft die anwendbaren kanadischen Anforderungen an das Funkgerät.

14.9 FCC und ISED Radio Compliance vs. Safety

Das gleiche Prinzip gilt für den US-Markt.

Eine FCC Certification bedeutet grundsätzlich nicht, dass das Produkt gleichzeitig eine Safety Certification besitzt.

Ebenso gilt:

ISED Certification bedeutet grundsätzlich nicht, dass das Produkt in Kanada Safety-zertifiziert ist.

Bei einem North-America-Compliance-Projekt sollten deshalb gegebenenfalls getrennte Compliance Workstreams betrachtet werden:

Radio

→ FCC

→ ISED

EMC / Unintentional Emissions

→ anwendbare US-/kanadische Anforderungen

Safety

→ anwendbare US-/kanadische Safety Requirements

Dadurch lässt sich vermeiden, FCC oder ISED fälschlicherweise als vollständige Produktzulassung zu betrachten.

14.10 Warum kann UL oder CSA trotzdem verlangt werden?

Auch wenn der Hersteller zunächst keine konkrete verpflichtende Safety Certification identifiziert, kann ein Kunde eine solche Zertifizierung verlangen.

Das kommt insbesondere in Bereichen vor wie:

  • Industrieanlagen
  • Maschinen
  • Medizingeräte
  • Netzteile
  • Gebäudeausrüstung
  • Steuerungstechnik
  • Produkte für feste Installationen
  • Produkte für gewerbliche oder industrielle Umgebungen

Ein großer OEM oder Distributor kann beispielsweise eigene Supplier Requirements haben.

Ein Kunde kann daher vorgeben:

„The product must be UL Listed.“

oder:

„The product must be certified by an SCC-accredited certification body.“

Eine solche Anforderung darf nicht mit der ISED Certification verwechselt werden.

Sie ist eine separate Anforderung innerhalb des gesamten Canadian Market Access Projects.

14.11 Product Certification vs. Component Recognition

Eine weitere häufige Quelle für Missverständnisse ist die Unterscheidung zwischen einem zertifizierten Produkt und zertifizierten Komponenten.

Ein Produkt kann beispielsweise bereits Safety-recognized oder zertifizierte Komponenten enthalten:

  • Netzteile
  • Steckverbinder
  • Kabel
  • Batterien
  • Schalter
  • Transformatoren
  • weitere Komponenten

Das kann bei der späteren Safety Evaluation hilfreich sein.

Es bedeutet jedoch nicht automatisch:

Zertifizierte Komponenten machen das gesamte Produkt zu einem zertifizierten Produkt.

Das vollständige Produkt muss weiterhin entsprechend den anwendbaren Safety Requirements bewertet werden.

Das gleiche Grundprinzip gilt für Funkmodule:

Ein zertifiziertes Funkmodul macht das komplette Host Product nicht automatisch ISED-zertifiziert.

Die Bedingungen der Modulzulassung und die Anforderungen an die Integration in das Host Product müssen geprüft werden.

14.12 Was sollte ein Hersteller fragen?

Wenn ein Kunde sagt:

„The product needs to be approved for Canada.“

ist diese Aussage für die Planung des Compliance-Projekts zu ungenau.

Der Hersteller sollte unter anderem klären:

  1. Enthält das Produkt einen Funktransmitter?
  2. Benötigt die Funkfunktion eine ISED Certification?
  3. Welche RSS Requirements gelten?
  4. Sind Anforderungen an unintentional emissions relevant?
  5. Ist eine RF-Exposure-Bewertung erforderlich?
  6. Welche Product-Safety-Anforderungen gelten?
  7. Verlangt der Kunde CSA, UL oder eine andere Safety Certification?
  8. Gibt es besondere Anforderungen aufgrund der Installationsumgebung?
  9. Sind lokale Electrical Codes relevant?
  10. Handelt es sich um eine regulatorische Anforderung, eine Kundenanforderung oder beides?

Erst danach lässt sich der tatsächliche Canadian Compliance Scope bestimmen.

14.13 Eine typische Compliance-Struktur für Kanada

Für ein vernetztes elektrisches Produkt kann das Gesamtprojekt beispielsweise so aussehen:

Product

Radio Compliance

→ ISED Certification

Unintentional Emissions

→ Applicable ICES Requirements

Product Safety

→ Applicable Canadian Safety Requirements

Installation / Market Requirements

→ Applicable Codes, Authorities and Customer Requirements

Das ist wesentlich genauer als einfach zu sagen:

„Das Produkt braucht ISED.“

ISED kann ein wichtiger Teil des Compliance-Projekts sein, stellt aber nicht automatisch die vollständige Zulassung des Produkts dar.

14.14 Safety Requirements frühzeitig bestimmen

Safety Requirements sollten idealerweise bereits während der Produktentwicklung berücksichtigt werden und nicht erst unmittelbar vor der Markteinführung.

Eine späte Safety Evaluation kann beispielsweise Probleme bei folgenden Punkten aufdecken:

  • Isolation
  • Kriech- und Luftstrecken
  • Bauteilratings
  • Temperaturen
  • Gehäusekonstruktion
  • Erdung
  • Netzteilkonzept
  • Schutzvorrichtungen
  • verwendete Materialien

Einige dieser Probleme können konstruktive Änderungen am Produkt erfordern.

Das unterscheidet sich grundlegend von einem reinen Dokumentationsproblem.

Wenn ein Produkt geändert werden muss, um eine Safety Requirement zu erfüllen, kann die späte Entdeckung dieser Anforderung erhebliche Kosten verursachen.

Daher gilt auch hier:

Den regulatorischen Scope bestimmen, bevor das Produkt finalisiert wird.

14.15 Safety und ISED Testing koordinieren

Obwohl Safety und Radio Compliance getrennte Bereiche sind, können sie innerhalb eines Gesamtprojekts koordiniert werden.

Zum Beispiel:

Product Scoping

Radio Requirements

→ ISED

EMC / Emissions

→ anwendbare kanadische Anforderungen

Safety Requirements

→ anwendbare Canadian Safety Standards

Coordinated Laboratory Strategy

Wenn ein Labor über die erforderlichen Kompetenzen verfügt, können verschiedene Bewertungen organisatorisch miteinander koordiniert werden.

Die jeweiligen Reports, Standards und Certification Processes bleiben jedoch getrennt.

14.16 Das gleiche Prinzip gilt für die USA

Auch bei der Planung des US-Marktes sollte zwischen Radio und Safety unterschieden werden.

Ein typisches Produkt kann beispielsweise benötigen:

FCC Certification

für die Funkfunktion,

und gleichzeitig separat:

UL / NRTL oder andere anwendbare Safety Requirements

für die elektrische Sicherheit.

Ein North-America-Compliance-Projekt sollte deshalb grundsätzlich als mehrere miteinander verbundene Compliance-Bereiche betrachtet werden und nicht als eine einzige „FCC/ISED Zulassung“.

Der wichtigste Punkt

ISED Certification betrifft Radio Compliance. Sie ist keine allgemeine kanadische Product-Safety-Zertifizierung.

Für ein vollständiges elektrisches oder elektronisches Produkt können daher separate Anforderungen gelten für:

Radio → ISED

Unintentional Emissions → anwendbare ICES Requirements

Product Safety → anwendbare Canadian Safety Requirements

Installation → anwendbare Codes und lokale Anforderungen

UL, CSA und andere Safety Certifications können daher relevant sein. Sie sind jedoch nicht Bestandteil der ISED Certification selbst.

Der entscheidende Punkt für Hersteller lautet:

ISED Certification kann für die Funkfunktion erforderlich sein, während für das Gesamtprodukt vollkommen separate Safety Requirements gelten können.

Das ist ein wichtiger Unterschied zwischen dem nordamerikanischen Market-Access-Modell und der Betrachtung von Compliance als eine zusammenhängende CE-Konformitätsbewertung.

15. Die Rolle des Certification Body in Kanada

Bei der ISED Certification übernimmt der Certification Body (CB) eine zentrale Rolle.

Der Certification Body ist die Stelle, die den Certification-Antrag und die dazugehörigen technischen Nachweise prüft und auf dieser Grundlage die kanadische Certification erteilt.

Damit erfüllt der CB im kanadischen System eine ähnliche Funktion wie der Telecommunications Certification Body (TCB) im FCC-System.

Der grundlegende Ablauf ist:

Hersteller

Prüflabor

Test Report & technische Dokumentation

Certification Body

Technischer Review

ISED Certification

Der Certification Body ist damit die Schnittstelle zwischen dem technischen Nachweis des Herstellers und der eigentlichen Certification des Produkts.

15.1 Was ist ein Certification Body?

Ein Certification Body ist eine von ISED anerkannte Stelle, die berechtigt ist, entsprechende Funkgeräte zu zertifizieren.

Der CB prüft dabei nicht lediglich, ob ein Test Report vorhanden ist.

Er bewertet, ob die eingereichten Nachweise insgesamt ausreichend sind, um die Einhaltung der anwendbaren kanadischen Anforderungen zu belegen.

Dazu können unter anderem gehören:

  • anwendbare RSS Standards
  • Test Reports
  • RF Exposure
  • Antenneninformationen
  • Hardware-Konfiguration
  • Firmware-Version
  • Produktbeschreibung
  • Kennzeichnung
  • User Information
  • technische Zeichnungen
  • Fotos
  • weitere erforderliche Dokumentation

15.2 Der Certification Body ist nicht das Prüflabor

Diese Unterscheidung ist wichtig.

Das Prüflabor führt die technischen Prüfungen durch.

Der Certification Body prüft anschließend die eingereichten Nachweise und führt die Certification durch.

Vereinfacht:

Labor

→ prüft das Produkt

→ erstellt den Test Report

Certification Body

→ prüft den Test Report

→ prüft die technische Dokumentation

→ bewertet die Konformität

→ erteilt die Certification

Der CB muss daher nicht selbst sämtliche Messungen durchführen.

15.3 Prüfung des Test Reports

Ein wesentlicher Bestandteil des Certification Reviews ist die Prüfung des Test Reports.

Der CB muss nachvollziehen können:

  • welches Produkt getestet wurde,
  • welche Hardware-Version verwendet wurde,
  • welche Firmware-Version verwendet wurde,
  • welche Antennen eingesetzt wurden,
  • welche Frequenzen getestet wurden,
  • welche Betriebsmodi getestet wurden,
  • welche Messverfahren verwendet wurden,
  • welche Grenzwerte angewendet wurden,
  • und ob die Ergebnisse die geltenden Anforderungen erfüllen.

Dabei geht es nicht nur um die Frage:

„Liegen alle Werte unterhalb des Grenzwerts?“

Es muss auch geprüft werden, ob überhaupt die richtigen Prüfungen durchgeführt wurden.

Ein Test Report kann daher technisch sauber aussehen und trotzdem für eine Certification unvollständig sein, wenn beispielsweise eine relevante RSS-Anforderung nicht berücksichtigt wurde.

15.4 Prüfung der technischen Dokumentation

Neben dem Test Report prüft der Certification Body weitere technische Unterlagen.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Block Diagram
  • Schematics
  • Operational Description
  • Internal Photos
  • External Photos
  • Antenna Information
  • RF Exposure Documentation
  • User Manual
  • Label Artwork
  • Product Identification
  • Hardware- und Firmware-Informationen

Der CB muss dabei feststellen können, dass die verschiedenen Dokumente miteinander konsistent sind.

Wenn beispielsweise im Test Report eine bestimmte Antenne angegeben ist, die technische Dokumentation aber eine andere Antenne beschreibt, kann daraus eine Rückfrage entstehen.

15.5 Der CB prüft die konkrete Produktkonfiguration

Ein wichtiger Bestandteil des Reviews ist die Frage:

Welche konkrete Konfiguration wurde tatsächlich geprüft und soll zertifiziert werden?

Dabei können beispielsweise relevant sein:

  • Hardware Version
  • Firmware Version
  • Antenne
  • Antennengewinn
  • RF Power
  • Frequenzbereiche
  • Betriebsmodi
  • Host Product
  • gleichzeitig aktive Transmitter

Das ist insbesondere bei Funkmodulen wichtig.

Ein Modul kann beispielsweise bereits über eine ISED Certification verfügen. Der CB muss dann trotzdem feststellen können, ob die konkrete Integration in das Host Product innerhalb der Bedingungen dieser Certification liegt.

15.6 Rückfragen des Certification Body

Während des Reviews kann der Certification Body Fragen an den Hersteller oder das Labor stellen.

Typische Fragen können beispielsweise betreffen:

  • fehlende Dokumente
  • unklare Produktkonfiguration
  • Testbedingungen
  • Antennen
  • RF Exposure
  • Frequenzbereiche
  • Sendeleistung
  • Hardware- oder Firmware-Versionen
  • Kennzeichnung
  • User Information
  • angewendete RSS-Anforderungen

Der Ablauf kann daher beispielsweise so aussehen:

Certification Application

CB Review

Technical Question

Antwort des Herstellers / Labors

CB Review

Certification

Solche Rückfragen sind ein normaler Bestandteil eines Certification-Verfahrens.

15.7 Der Hersteller bleibt verantwortlich

Die Prüfung durch den Certification Body bedeutet nicht, dass die Verantwortung für die Produktkonformität auf den CB übergeht.

Der Hersteller beziehungsweise die verantwortliche Partei bleibt dafür verantwortlich, dass:

  • das Produkt korrekt beschrieben wurde,
  • die richtigen Anforderungen identifiziert wurden,
  • die erforderlichen Prüfungen durchgeführt wurden,
  • die technischen Unterlagen korrekt sind,
  • und das tatsächlich vermarktete Produkt der zertifizierten Konfiguration entspricht.

Der CB prüft die eingereichten Nachweise.

Er übernimmt jedoch nicht die Rolle des Herstellers.

15.8 Was passiert bei einem Problem?

Wenn der CB während des Reviews feststellt, dass etwas nicht eindeutig nachgewiesen wurde, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Der Hersteller kann beispielsweise:

  • zusätzliche Dokumentation bereitstellen,
  • eine technische Erklärung liefern,
  • einen bestehenden Test Report ergänzen,
  • zusätzliche Berechnungen einreichen,
  • eine Konfiguration korrigieren,
  • oder gegebenenfalls zusätzliche Prüfungen durchführen lassen.

Nicht jede Rückfrage bedeutet deshalb automatisch, dass das Produkt die Anforderungen nicht erfüllt.

Häufig fehlt lediglich ein ausreichender Nachweis oder eine Information ist nicht eindeutig dargestellt.

15.9 Wann kann zusätzliche Prüfung erforderlich werden?

Wenn der vorhandene Test Report eine relevante Anforderung nicht abdeckt, kann der Certification Body zusätzliche Nachweise verlangen.

Das kann beispielsweise passieren, wenn:

  • eine relevante Frequenz nicht getestet wurde,
  • eine zusätzliche Betriebsart fehlt,
  • eine andere Antenne verwendet werden soll,
  • die maximale Sendeleistung nicht ausreichend bewertet wurde,
  • eine RF-Exposure-Bewertung unvollständig ist,
  • oder eine bestimmte RSS-Anforderung nicht berücksichtigt wurde.

In einem solchen Fall kann eine zusätzliche Laborprüfung erforderlich sein.

Das zeigt erneut, warum das Regulatory Scoping vor dem Labortest so wichtig ist.

15.10 Certification Body und ISED

Der Certification Body arbeitet innerhalb des von ISED definierten kanadischen Certification-Systems.

Das bedeutet:

ISED

→ definiert den regulatorischen Rahmen

→ veröffentlicht die relevanten Anforderungen und Verfahren

→ erkennt entsprechende Certification Bodies an

Certification Body

→ führt die konkrete Certification durch

→ prüft die technischen Nachweise

→ bearbeitet den Certification-Antrag

→ erteilt die entsprechende Certification

Der CB ist damit nicht einfach ein externes Labor, sondern übernimmt eine formelle Certification-Funktion.

15.11 Unterschied zum FCC TCB

Das Grundprinzip ist dem FCC-System sehr ähnlich.

In den USA:

FCC Rules

Laboratory Testing

TCB Review

FCC Grant

In Kanada:

ISED RSS Requirements

Laboratory Testing

Certification Body Review

ISED Certification

Beide Systeme verwenden daher eine anerkannte externe Stelle, die den technischen Certification-Antrag prüft.

Die Verfahren und konkreten Anforderungen sind jedoch nicht identisch.

15.12 Warum die Wahl des Certification Body relevant ist

Nicht jeder Certification Body ist automatisch für jedes Produkt und jeden technischen Bereich die richtige Wahl.

Bei der Auswahl sollte unter anderem berücksichtigt werden:

  • Erfahrung mit der verwendeten Funktechnologie
  • Erfahrung mit den relevanten RSS Standards
  • Erfahrung mit komplexen Produkten
  • Erfahrung mit modularen Zulassungen
  • RF-Exposure-Erfahrung
  • Erfahrung mit Permissive Changes
  • Reaktionszeiten
  • Qualität des technischen Reviews

Gerade bei komplexen Funkprodukten kann ein erfahrener CB helfen, unnötige Rückfragen und Verzögerungen zu vermeiden.

15.13 Certification Body vs. Consultant

Ein Certification Body und ein Regulatory Consultant haben unterschiedliche Rollen.

Ein Consultant kann beispielsweise unterstützen bei:

  • Regulatory Scoping
  • Auswahl der relevanten RSS
  • Testplanung
  • Vorbereitung der technischen Dokumentation
  • Bewertung von Änderungen
  • Vorbereitung des Certification Packages

Der Certification Body führt dagegen die formelle Certification durch.

Ein typischer Workflow kann daher sein:

Hersteller

Regulatory Consultant / Compliance Team

Labor

Certification Body

ISED Certification

Diese Rollen können in einem Projekt auch teilweise von derselben Organisation abgedeckt werden, sofern die jeweiligen Anforderungen und Zuständigkeiten eingehalten werden.

15.14 Was der Certification Body nicht macht

Der Certification Body:

  • entwickelt das Produkt nicht,
  • übernimmt nicht die Herstellerverantwortung,
  • ersetzt kein Regulatory Scoping durch den Hersteller,
  • entscheidet nicht über das Produktdesign,
  • übernimmt nicht automatisch die gesamte Compliance nach der Certification,
  • und macht aus einem unvollständigen Testprogramm nicht automatisch ein vollständiges Certification Package.

Der Hersteller muss weiterhin dafür sorgen, dass das Produkt und die eingereichten Nachweise korrekt sind.

15.15 Nach der Certification

Auch nach der Erteilung der Certification bleibt der Certification Body beziehungsweise das Zertifizierungssystem für bestimmte nachgelagerte Prozesse relevant.

Dies betrifft insbesondere Änderungen an bereits zertifizierten Produkten.

Wenn beispielsweise:

  • eine neue Antenne,
  • eine neue RF-Komponente,
  • eine neue Firmware,
  • eine Änderung der Sendeleistung
  • oder eine andere relevante technische Änderung

vorgenommen wird, muss zunächst bewertet werden, welche Auswirkungen diese Änderung auf die bestehende Certification hat.

Je nach Art der Änderung kann eine entsprechende Änderung der bestehenden Certification oder eine neue Certification erforderlich sein.

Dieses Thema wird im nächsten Abschnitt ausführlich behandelt.

Der wichtigste Punkt

Der Certification Body ist die zentrale Prüf- und Zertifizierungsstelle innerhalb des ISED Certification Process.

Seine Aufgabe besteht insbesondere darin, zu prüfen:

Sind die eingereichten technischen Nachweise ausreichend, um die Einhaltung der anwendbaren kanadischen Anforderungen zu belegen?

Das grundlegende Prinzip lautet:

Labor = Testen

Certification Body = Review und Certification

Hersteller = Verantwortung für das Produkt und seine Konformität

Damit ist der Certification Body ein wesentlicher Bestandteil des kanadischen Zulassungssystems – ähnlich wie der TCB im FCC-System, auch wenn die konkreten Verfahren und regulatorischen Grundlagen unterschiedlich sind.

16. Modulare ISED-Zulassung

Ein Funkmodul mit bestehender ISED-Zulassung kann den Zulassungsprozess für ein fertiges Produkt erheblich vereinfachen. Eine bestehende Modulzulassung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass auch das vollständige Host Product ISED-zugelassen ist.

ISED ermöglicht die Zulassung von Funkmodulen, die anschließend in andere Produkte integriert werden können, sofern die Bedingungen und Einschränkungen der bestehenden Zulassung eingehalten werden.

Für Hersteller kann dies den Umfang der erforderlichen Funkprüfungen am fertigen Produkt deutlich reduzieren und den gesamten Zulassungsprozess effizienter machen.

Die Integration eines zugelassenen Moduls muss jedoch sorgfältig bewertet werden.

16.1 Was ist eine modulare Zulassung?

Bei einer modularen Zulassung wird ein Funktransmitter als eigenständiges Modul zugelassen, anstatt die vollständige Funkzulassung für jedes einzelne Host Product erneut durchzuführen.

Typische Beispiele sind Module für:

  • Wi-Fi
  • Bluetooth
  • Zigbee
  • Mobilfunk
  • LoRa
  • andere Funktechnologien

Das Modul besitzt eine eigene ISED-Zulassung und kann anschließend in unterschiedliche Host Products integriert werden, sofern die Integration den Bedingungen dieser Zulassung entspricht.

Das Grundprinzip lautet:

Funkmodul

ISED-Zulassung

Integration in das Host Product

Bewertung der Host-spezifischen Anforderungen

Dadurch können insbesondere bei mehreren Produkten, die dasselbe Funkmodul verwenden, erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen entstehen.

16.2 Eine Modulzulassung lässt das Host Product nicht automatisch zu

Dies ist einer der wichtigsten Punkte bei der Verwendung zugelassener Funkmodule.

Ein Hersteller kann nicht einfach ein ISED-zugelassenes Modul in ein beliebiges Produkt einbauen und davon ausgehen, dass das komplette Produkt automatisch ISED-zugelassen ist.

Die Zulassung des Moduls ist an bestimmte Bedingungen geknüpft.

Diese können beispielsweise Anforderungen an folgende Bereiche enthalten:

  • zugelassene Antennen
  • Antennengewinn
  • Position der Antenne
  • Sendeleistung
  • Betriebsfrequenzen
  • Host-Konfiguration
  • RF Exposure
  • gleichzeitige Übertragung mehrerer Transmitter
  • Kennzeichnung
  • User Information
  • Installationsbedingungen

Das Host Product muss innerhalb der Bedingungen bleiben, unter denen das Modul zugelassen wurde.

16.3 Bedingungen der Modulzulassung

Bei der Auswahl eines Moduls sollte der Hersteller deshalb nicht nur fragen:

„Ist dieses Modul ISED-zugelassen?“

Die wichtigere Frage lautet:

„Kann dieses Modul unter den Bedingungen seiner ISED-Zulassung in unser konkretes Produkt integriert werden?“

Die Dokumentation des Moduls sollte deshalb bereits vor der endgültigen Hardwareauslegung geprüft werden.

Relevant können beispielsweise sein:

  • ISED Certification Number
  • unterstützte Frequenzbereiche
  • zugelassene Betriebsarten
  • maximale Sendeleistung
  • zugelassene Antennen
  • Grenzwerte für den Antennengewinn
  • Einschränkungen für Antennenanschlüsse
  • Installationsbedingungen
  • Anforderungen an die Host-Integration
  • RF-Exposure-Bedingungen
  • Kennzeichnungsanforderungen
  • erforderliche Angaben im User Manual

16.4 Antennen sind besonders wichtig

Eine der häufigsten Fragestellungen bei der Integration eines Funkmoduls betrifft die Antenne.

Ein Modul kann beispielsweise mit einer bestimmten Antenne oder einer definierten Gruppe zugelassener Antennen zugelassen worden sein.

Der Hersteller des Host Products kann diese Antenne nicht automatisch durch eine andere Antenne ersetzen, nur weil diese im gleichen Frequenzbereich arbeitet.

Eine Änderung der Antenne kann beispielsweise Auswirkungen haben auf:

  • Antennengewinn
  • abgestrahlte Leistung
  • Abstrahlcharakteristik
  • RF Exposure
  • Spurious Emissions
  • Betriebsbedingungen

Je nach Änderung kann deshalb eine zusätzliche Bewertung oder Prüfung erforderlich werden.

Die Antennenbedingungen der Modulzulassung sollten daher bereits vor der Auswahl und endgültigen Auslegung der Antenne geprüft werden.

16.5 Anforderungen an das Host Product

Das Host Product kann zusätzliche Bedingungen schaffen, die bei der ursprünglichen Modulprüfung nicht vorhanden waren.

Das Host Product kann beispielsweise enthalten:

  • einen weiteren Transmitter
  • ein Metallgehäuse
  • ein anderes Netzteil
  • zusätzliche Elektronik
  • eine andere Antennenposition
  • mehrere Funktechnologien

Diese Faktoren können die Compliance-Bewertung beeinflussen.

Ein Modul, das für eine bestimmte Integration zugelassen wurde, kann deshalb bei einer anderen Host-Konfiguration eine zusätzliche Bewertung benötigen.

16.6 RF Exposure

RF Exposure ist bei der Integration eines zugelassenen Moduls besonders wichtig.

Das Modul kann unter bestimmten Installationsbedingungen bewertet worden sein.

Das fertige Produkt kann jedoch die Entfernung zwischen Antenne und Benutzer verändern.

Relevante Faktoren können beispielsweise sein:

  • Position der Antenne
  • Abstand zum Benutzer
  • Gehäusekonstruktion
  • Betriebsumgebung
  • gleichzeitige Übertragung
  • weitere Transmitter im Host Product

Der Hersteller muss deshalb prüfen, ob die bestehende RF-Exposure-Bewertung weiterhin für die tatsächliche Host-Konfiguration gilt.

Eine Modulzulassung sollte nicht automatisch als uneingeschränkte RF-Exposure-Freigabe für jedes beliebige Host Product verstanden werden.

16.7 Mehrere Transmitter in einem Host Product

Moderne Produkte enthalten häufig mehrere Funktechnologien.

Ein Produkt kann beispielsweise gleichzeitig enthalten:

  • Wi-Fi
  • Bluetooth
  • LTE
  • GNSS
  • einen weiteren Short-Range-Transmitter

Wenn mehrere Transmitter in dasselbe Host Product integriert werden, muss geprüft werden, ob diese gleichzeitig betrieben werden können.

Simultaneous Transmission kann insbesondere Auswirkungen auf die RF-Exposure-Bewertung haben und je nach Konfiguration weitere technische Anforderungen auslösen.

Deshalb müssen die Bedingungen der Modulzulassung immer im Zusammenhang mit dem gesamten Host Product betrachtet werden.

16.8 Kennzeichnung

Eine modulare Zulassung kann auch Auswirkungen auf die Kennzeichnung des fertigen Produkts haben.

Das Modul selbst kann eine eigene Zulassungsnummer besitzen. Für das Host Product können zusätzlich bestimmte Angaben über den integrierten zugelassenen Transmitter erforderlich sein.

Welche Kennzeichnung genau erforderlich ist, hängt von den anwendbaren ISED-Anforderungen und den Bedingungen der jeweiligen Modulzulassung ab.

Der Hersteller sollte deshalb die Anforderungen bereits vor der endgültigen Gestaltung von:

  • Product Artwork
  • Gehäusekennzeichnung
  • Rating Plates
  • Labels
  • User Documentation

bestimmen.

Eine ISED-Zulassungsnummer sollte nicht einfach ohne Prüfung der geltenden Anforderungen auf das Host Product übertragen werden.

16.9 User Information

Auch die Dokumentation des Host Products kann bestimmte regulatorische Angaben enthalten müssen.

Je nach Modul und Host-Konfiguration können beispielsweise erforderlich sein:

  • ISED Identification
  • regulatorische Statements
  • Installationsbeschränkungen
  • Antenneninformationen
  • RF-Exposure-Informationen
  • Nutzungsbedingungen
  • weitere Compliance-Hinweise

Diese Informationen müssen mit der tatsächlichen Produktkonfiguration übereinstimmen.

16.10 Full und Limited Modular Approvals

Modulare Zulassungen können unterschiedliche Integrationsbedingungen haben.

Ein Modul kann beispielsweise für eine relativ flexible Integration vorgesehen sein, während ein anderes Modul deutlich restriktivere Bedingungen besitzt.

Deshalb sollte zwischen:

  • einem Modul mit weitreichenden Integrationsmöglichkeiten,
  • einem Modul mit spezifischen Einschränkungen für das Host Product,
  • und einem Modul, dessen Zulassung die geplante Integration nicht abdeckt,

unterschieden werden.

Die jeweilige Zulassungsdokumentation bestimmt, was der Hersteller mit dem Modul tatsächlich machen kann.

Der Begriff „zugelassenes Modul“ allein reicht deshalb nicht aus, um zu bestimmen, ob zusätzliche Bewertungen erforderlich sind.

16.11 Was passiert bei der Integration des Moduls?

Ein typischer Ablauf kann so aussehen:

Auswahl eines ISED-zugelassenen Moduls

Prüfung der Bedingungen der Zulassung

Prüfung von Antenne und RF-Konfiguration

Prüfung der Host-Integration

Bewertung von RF Exposure

Bewertung weiterer Transmitter

Bestimmung zusätzlicher Prüfungen

Finalisierung des Host Products

Abschluss der ISED Compliance Documentation

Dieser Prozess sollte idealerweise bereits während der Produktentwicklung stattfinden und nicht erst, nachdem die Hardware vollständig festgelegt wurde.

16.12 Warum modulare Zulassungen Zeit und Kosten sparen können

Wenn das Modul und die Host-Integration alle geltenden Bedingungen erfüllen, kann der Hersteller bestimmte Funkmessungen vermeiden, die bereits im Rahmen der Modulzulassung durchgeführt wurden.

Dadurch können sich reduzieren:

  • Laborzeit
  • Prüfkosten
  • Zulassungsaufwand
  • Projektlaufzeit

Der Vorteil ist besonders groß, wenn ein Hersteller mehrere Produkte auf derselben Funkplattform entwickelt.

Ein Unternehmen könnte beispielsweise dasselbe Wi-Fi-Modul verwenden in:

  • einem Industrial Controller
  • einem Gateway
  • einem Messgerät
  • einem Control Panel

Wenn die jeweiligen Integrationsbedingungen eingehalten werden, kann dasselbe zugelassene Modul die regulatorische Grundlage für mehrere Produkte bilden.

16.13 Eine modulare Zulassung ersetzt kein Regulatory Scoping

Die Verwendung eines zugelassenen Moduls macht Regulatory Scoping nicht überflüssig.

Im Gegenteil: Bei modularen Produkten ist ein sorgfältiges Scoping besonders wichtig.

Der Hersteller muss bestimmen:

Welche Teile des fertigen Produkts sind bereits durch die Modulzulassung abgedeckt und welche Aspekte müssen für das Host Product weiterhin bewertet werden?

Dazu können gehören:

  • Radio Parameters
  • Antennenkonfiguration
  • RF Exposure
  • Host Integration
  • Simultaneous Transmission
  • Kennzeichnung
  • User Documentation
  • Unintentional Emissions
  • weitere anwendbare Anforderungen

Das Modul kann den Prozess vereinfachen, ersetzt aber nicht die Bewertung des vollständigen Produkts.

16.14 Das gleiche Grundprinzip gilt für FCC und ISED

Die modulare Zulassung ist einer der Bereiche, in denen sich das FCC- und ISED-System besonders ähnlich sind.

Beide Systeme ermöglichen die Verwendung zugelassener Funkmodule in Host Products unter definierten Bedingungen.

Die konkreten Anforderungen sind jedoch nicht identisch.

Ein Modul, das in den USA FCC-zugelassen ist, sollte deshalb nicht automatisch als für Kanada zugelassen betrachtet werden.

Der Hersteller sollte separat prüfen:

  • FCC-Zulassung
  • ISED-Zulassung
  • anwendbare Bedingungen
  • Antennenkonfiguration
  • RF-Exposure-Anforderungen
  • Host-Integration
  • Kennzeichnung
  • User Information

Das ist besonders wichtig, wenn dasselbe Modul sowohl für den US-amerikanischen als auch für den kanadischen Markt verwendet werden soll.

16.15 Praktisches Beispiel

Betrachten wir einen intelligenten Industriesensor mit einem vorab ISED-zugelassenen Wi-Fi-Modul.

Das Modul besitzt bereits eine ISED-Zulassung.

Der Hersteller integriert es in ein neues Sensorgehäuse und verwendet die vom Modulhersteller spezifizierte Antenne.

Trotzdem sollte der Hersteller prüfen:

  1. Ist die ausgewählte Antenne zugelassen?
  2. Liegt der Antennengewinn innerhalb der zugelassenen Grenzen?
  3. Ist die Position der Antenne zulässig?
  4. Verändert das Host-Gehäuse die RF-Eigenschaften?
  5. Ist die bestehende RF-Exposure-Bewertung weiterhin anwendbar?
  6. Enthält das Produkt weitere Transmitter?
  7. Gibt es einen gleichzeitigen Betrieb mehrerer Transmitter?
  8. Sind zusätzliche Prüfungen erforderlich?
  9. Welche Kennzeichnung ist erforderlich?
  10. Welche regulatorischen Angaben müssen in der User Documentation enthalten sein?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann der Hersteller feststellen, in welchem Umfang er sich auf die bestehende Modulzulassung verlassen kann.

Der wichtigste Punkt

Ein zugelassenes Funkmodul kann eine der effektivsten Möglichkeiten sein, die ISED Compliance eines Produkts zu vereinfachen.

Aber:

Ein zugelassenes Modul macht das vollständige Host Product nicht automatisch ISED-zugelassen.

Der Hersteller muss prüfen, ob die tatsächliche Integration weiterhin innerhalb der Bedingungen der ISED-Zulassung des Moduls liegt.

Die wichtigsten Bereiche sind:

Modulzulassung → Antenne → Host Integration → RF Exposure → Simultaneous Transmission → Labeling → User Information

Wenn diese Bedingungen korrekt berücksichtigt werden, kann eine modulare Zulassung den erforderlichen Prüfaufwand, die Kosten und die Zeit für die Markteinführung eines Funkprodukts in Kanada erheblich reduzieren.

17. ISED Permissive Changes und Änderungen an zertifizierten Produkten

Eine ISED Certification bezieht sich auf eine konkrete Produktkonfiguration. Wird ein bereits zertifiziertes Produkt später verändert, muss deshalb geprüft werden, ob die bestehende Certification weiterhin gültig ist oder ob eine Änderung beziehungsweise eine neue Certification erforderlich wird.

Das betrifft insbesondere Änderungen an:

  • Hardware
  • Firmware und Software
  • Antennen
  • RF-Parametern
  • Sendeleistung
  • Frequenzbereichen
  • Betriebsmodi
  • Funkmodulen
  • Host Product Integration

Eine Änderung sollte deshalb nicht einfach nach dem Prinzip

„Das ist nur eine kleine Änderung.“

bewertet werden.

Entscheidend ist vielmehr, wel regulatorische Auswirkung die Änderung auf die bestehende Certification hat.

Warum sind Änderungen nach der Certification relevant?

Eine ISED Certification basiert auf technischen Informationen und Prüfungen für eine bestimmte Produktkonfiguration.

Wenn sich diese Konfiguration verändert, kann sich beispielsweise auch verändern:

  • die RF Performance,
  • die abgestrahlte Leistung,
  • die Emissionscharakteristik,
  • die RF Exposure Situation,
  • die Frequenznutzung,
  • die Antennenkonfiguration,
  • oder die Einhaltung der anwendbaren RSS-Anforderungen.

Deshalb muss eine Änderung zunächst regulatorisch bewertet werden, bevor sie in die Serienproduktion übernommen wird.

Typische Änderungen

Besonders häufig treten Änderungen in folgenden Bereichen auf:

Hardware

Beispiele:

  • Änderung des RF IC
  • Änderung der RF-Komponenten
  • Änderung des Power Amplifiers
  • Änderung des Filters
  • Änderung des PCB Layouts
  • Änderung der Stromversorgung
  • Änderung des Gehäuses

Antenne

Beispiele:

  • neue Antenne
  • anderer Antennentyp
  • anderer Antennengewinn
  • andere Antennenposition
  • Änderung des Antennenkabels

Firmware / Software

Beispiele:

  • Änderung der RF-Parameter
  • neue Betriebsmodi
  • Änderung der Sendeleistung
  • Aktivierung zusätzlicher Frequenzbereiche
  • Änderung der Channel-Konfiguration

Produktintegration

Beispiele:

  • neues Host Product
  • zusätzliches Funkmodul
  • Änderung der Einbauposition
  • gleichzeitiger Betrieb mehrerer Transmitter

Nicht jede dieser Änderungen führt automatisch zu einer neuen Certification. Die konkrete regulatorische Auswirkung muss bewertet werden.

Permissive Changes

Das ISED-System sieht Verfahren vor, mit denen bestimmte Änderungen an einem bereits zertifizierten Gerät vorgenommen werden können, ohne den gesamten Certification Process von Anfang an zu wiederholen.

Der entscheidende Punkt ist:

Eine bestehende Certification kann unter bestimmten Bedingungen geändert oder aktualisiert werden, ohne dass für jede Änderung eine vollständig neue Certification erforderlich ist.

Welche Vorgehensweise zulässig ist, hängt von der Art und dem Umfang der Änderung sowie den anwendbaren ISED-Anforderungen ab.

Wann kann eine Änderung ohne neue Certification möglich sein?

Eine Änderung kann unter Umständen ohne eine vollständige neue Certification möglich sein, wenn sie keine relevante Auswirkung auf die Einhaltung der anwendbaren technischen Anforderungen hat.

Beispielsweise können Änderungen in bestimmten Fällen keinen erneuten vollständigen RF-Nachweis erfordern.

Das muss jedoch anhand der konkreten Änderung und der bestehenden Certification bewertet werden.

Ein Hersteller sollte deshalb nicht allein aufgrund der Bezeichnung einer Änderung entscheiden.

Wann kann eine neue Certification erforderlich werden?

Eine neue Certification beziehungsweise ein entsprechendes neues Zertifizierungsverfahren kann erforderlich werden, wenn die Änderung die bestehende Zulassung wesentlich beeinflusst.

Das kann beispielsweise relevant sein bei:

  • neuen Frequenzbereichen,
  • deutlich veränderter Sendeleistung,
  • Änderungen an der RF-Schaltung,
  • wesentlichen Änderungen der Antennenkonfiguration,
  • Änderungen, die zusätzliche RF Exposure-Bewertungen auslösen,
  • neuen Betriebsarten,
  • Änderungen an der grundlegenden Funkfunktion.

In solchen Fällen reicht es möglicherweise nicht aus, lediglich die bestehende Certification zu aktualisieren.

Change Impact Assessment

Ein strukturierter Change Impact Assessment ist deshalb ein sinnvoller Bestandteil des Änderungsprozesses.

Ein möglicher Ablauf ist:

Existing ISED Certification

Product Change

Identify affected RF functions

Review existing certification conditions

Assess regulatory impact

Determine required testing

Determine applicable change procedure

Update documentation / certification

Release changed product

Damit wird verhindert, dass eine technische Änderung erst nach dem Produktionsstart regulatorisch auffällt.

Änderungen an der Antenne

Antennenänderungen gehören zu den Änderungen, die besonders sorgfältig bewertet werden sollten.

Eine neue Antenne kann beispielsweise verändern:

  • Antennengewinn
  • abgestrahlte Leistung
  • Abstrahlcharakteristik
  • RF Exposure
  • Spurious Emissions

Wenn ein Produkt ursprünglich mit einer bestimmten Antenne zertifiziert wurde, bedeutet das daher nicht automatisch, dass jede andere Antenne verwendet werden kann.

Bei einem integrierten Funkmodul müssen zusätzlich die Bedingungen der bestehenden Modulzulassung berücksichtigt werden.

Änderungen an der Sendeleistung

Eine Änderung der Sendeleistung kann unmittelbare Auswirkungen auf die Compliance haben.

Eine höhere Leistung kann beispielsweise beeinflussen:

  • zulässige Leistungsgrenzen,
  • Emissionen,
  • RF Exposure,
  • Antennenanforderungen,
  • Betriebsbedingungen.

Deshalb sollte eine Änderung der maximalen Ausgangsleistung immer Bestandteil des Change Impact Assessments sein.

Änderungen an der Firmware

Firmware-Änderungen werden bei Funkprodukten häufig unterschätzt.

Eine Firmware-Änderung kann beispielsweise:

  • neue Channels aktivieren,
  • die Sendeleistung verändern,
  • neue Modulationsarten ermöglichen,
  • andere Betriebsmodi aktivieren,
  • Duty Cycle verändern,
  • bisher deaktivierte Funktionen freischalten.

Eine Änderung kann daher regulatorisch relevant sein, obwohl an der Hardware kein einziges Bauteil geändert wurde.

Entscheidend ist nicht, wo die Änderung vorgenommen wurde, sondern wel Einfluss sie auf die zertifizierte RF-Funktion hat.

Änderungen am Host Product

Bei einem Produkt mit einem zertifizierten Funkmodul muss zusätzlich geprüft werden, ob die neue Host-Konfiguration weiterhin innerhalb der Bedingungen der Modulzulassung liegt.

Beispielsweise kann ein Hersteller:

  • das Gehäuse ändern,
  • die Antenne verschieben,
  • ein zweites Funkmodul hinzufügen,
  • die Einbausituation verändern,
  • oder mehrere Transmitter gleichzeitig betreiben.

Auch wenn das Funkmodul selbst unverändert bleibt, kann die Änderung für die Compliance relevant sein.

Bestehende Certification nicht einfach „übertragen“

Eine häufige Fehlannahme lautet:

„Das Produkt hat bereits eine ISED Certification, deshalb können wir die neue Version einfach unter derselben Certification verkaufen.“

Das ist nicht grundsätzlich richtig.

Die bestehende Certification muss im Hinblick auf die neue Produktkonfiguration bewertet werden.

Besonders wichtig sind dabei:

  • RF functionality
  • Frequency
  • Power
  • Antenna
  • RF Exposure
  • Operating Modes
  • Host Integration
  • Simultaneous Transmission

Dokumentation des Änderungsprozesses

Ein sauberer Änderungsprozess sollte mindestens dokumentieren:

  • ursprüngliche Produktkonfiguration,
  • bestehende ISED Certification,
  • Beschreibung der Änderung,
  • betroffene Komponenten,
  • betroffene RF-Funktionen,
  • technische Bewertung,
  • erforderliche Prüfungen,
  • Ergebnis des Change Impact Assessments,
  • Entscheidung über das weitere Certification-Verfahren.

Damit kann später nachvollzogen werden, warum eine Änderung als unkritisch, als zulässige Änderung oder als neue Certification behandelt wurde.

Praktisches Beispiel

Ein Hersteller hat einen Wi-Fi-Sensor mit bestehender ISED Certification.

Nach der Markteinführung soll eine neue Antenne verwendet werden.

Der Hersteller könnte zunächst denken:

„Das Funkmodul bleibt unverändert, also bleibt auch die ISED Certification unverändert.“

Das reicht jedoch nicht als Bewertung.

Es muss beispielsweise geprüft werden:

  1. Ist die neue Antenne für die bestehende Konfiguration zulässig?
  2. Hat sich der Antennengewinn verändert?
  3. Verändert sich die maximale abgestrahlte Leistung?
  4. Ändert sich die RF Exposure-Situation?
  5. Sind zusätzliche Messungen erforderlich?
  6. Muss die technische Dokumentation aktualisiert werden?
  7. Kann die Änderung innerhalb der bestehenden Certification behandelt werden?

Erst danach sollte die neue Antenne für das zertifizierte Produkt freigegeben werden.

Änderungen bei modularen Produkten

Bei Produkten mit einem bereits zertifizierten Funkmodul ist die Situation etwas komplexer.

Hier müssen mindestens zwei Ebenen betrachtet werden:

Modul Certification

und

Host Product Integration

Eine Änderung am Host Product kann deshalb regulatorisch relevant sein, obwohl das Modul selbst unverändert bleibt.

Umgekehrt kann eine Änderung am Modul selbst Auswirkungen auf mehrere Host Products haben.

Bei Unternehmen, die dasselbe Funkmodul in mehreren Produkten einsetzen, ist deshalb ein zentraler Change-Management-Prozess besonders wichtig.

Was Hersteller vor einer Änderung prüfen sollten

Vor der Freigabe einer Änderung sollte mindestens folgende Frage beantwortet werden:

Product Change

  • Was wurde geändert?
  • Warum wurde es geändert?
  • Welche RF-Funktion ist betroffen?
  • Ändert sich Frequenz oder Bandbreite?
  • Ändert sich die Sendeleistung?
  • Ändert sich die Antenne?
  • Ändert sich die Position der Antenne?
  • Ändert sich RF Exposure?
  • Gibt es neue Betriebsmodi?
  • Gibt es zusätzliche Transmitter?
  • Ist das Produkt weiterhin innerhalb der ursprünglichen Certification-Bedingungen?
  • Sind neue Prüfungen erforderlich?
  • Muss die Certification aktualisiert oder neu durchgeführt werden?

Der wichtigste Punkt

Eine ISED Certification ist kein Freifahrtschein für zukünftige Produktversionen.

Jede relevante Änderung sollte gegen die bestehende Certification und die anwendbaren ISED-Anforderungen bewertet werden.

Die entscheidende Kette lautet:

Existing Certification → Product Change → Regulatory Impact → Testing → Change Procedure → Updated Certification / Documentation

Gerade bei Funkprodukten können scheinbar kleine Änderungen – insbesondere an Antenne, Firmware, Sendeleistung oder RF-Konfiguration – regulatorisch relevant werden.

Deshalb sollte ein Change Impact Assessment vor der technischen Freigabe der Änderung durchgeführt werden.

18. ISED Standards und regulatorische Dokumentation

Für eine ISED-Zulassung reicht es nicht aus, lediglich den passenden Funkstandard für die verwendete Technologie zu finden. Der Hersteller muss die gesamte für das konkrete Produkt relevante regulatorische Dokumentation berücksichtigen.

Das kanadische System besteht aus mehreren Dokumenttypen, die unterschiedliche Funktionen haben. Besonders wichtig sind:

  • RSS – Radio Standards Specifications
  • RSP – Radio Standards Procedures
  • ICES – Interference-Causing Equipment Standards
  • ISED Guidance und weitere regulatorische Veröffentlichungen
  • ergänzende Messverfahren und technische Dokumente

Welche Dokumente tatsächlich relevant sind, hängt vom Produkt, der Funktechnologie, den Frequenzen und der konkreten Anwendung ab.

18.1 RSS – Radio Standards Specifications

Die Radio Standards Specifications (RSS) enthalten die technischen Anforderungen für bestimmte Kategorien von Funkgeräten.

ISED beschreibt beispielsweise RSS-Gen als allgemeine Anforderungen für lizenzierte und lizenzfreie Funkgeräte. RSS-Gen wird grundsätzlich zusammen mit den für das jeweilige Gerät relevanten spezifischen RSS verwendet. (ISED Canada)

Das bedeutet:

RSS-Gen allein ist normalerweise nicht die vollständige technische Grundlage für eine Funkzulassung.

Typischerweise besteht die Bewertung aus:

RSS-Gen

  •  

produktspezifische RSS

  •  

weitere anwendbare Anforderungen

Die konkrete Kombination muss für das Produkt bestimmt werden.

18.2 RSS-Gen – die allgemeinen Anforderungen

RSS-Gen ist eines der wichtigsten Dokumente im kanadischen Radio-Compliance-System.

Es enthält unter anderem allgemeine Anforderungen und Informationen zu:

  • Funkgeräten
  • Kategorien von Funkgeräten
  • Messverfahren
  • Certification
  • RF Exposure
  • Kennzeichnung
  • technischen Unterlagen
  • Anforderungen an Test Laboratories

RSS-Gen muss mit den jeweils anwendbaren spezifischen RSS verwendet werden. (ISED Canada)

Für einen Hersteller bedeutet das:

Die Suche nach dem richtigen RSS beginnt nicht erst beim Labortest.

Sie ist bereits Bestandteil des Regulatory Scoping.

18.3 Produktspezifische RSS

Neben RSS-Gen gibt es zahlreiche RSS für bestimmte Technologien, Frequenzbereiche oder Anwendungen.

ISED führt beispielsweise spezifische Standards für unterschiedliche Funkanwendungen und Frequenzbereiche.

Ein Beispiel ist RSS-210, das verschiedene lizenzfreie Funkgeräte abdeckt, insbesondere Low-Power-Geräte für Consumer- und Commercial-Anwendungen. (ISED Canada)

Andere RSS adressieren beispielsweise:

  • Mobilfunk
  • Wireless Power Transfer
  • Radar
  • Short Range Devices
  • bestimmte Frequenzbereiche
  • bestimmte professionelle Funkanwendungen
  • andere spezifische Funktechnologien

Die Auswahl des richtigen RSS ist daher ein wesentlicher Teil des Scopings.

18.4 RSS-102 – RF Exposure

Ein besonders wichtiges Dokument ist RSS-102.

RSS-102 definiert die Anforderungen und Mess- beziehungsweise Simulationsverfahren zur Bewertung der RF Exposure Compliance von Funkgeräten.

Die Anforderungen können unter anderem für Geräte relevant sein, die in der Nähe des menschlichen Körpers betrieben werden. RSS-102 wird zusammen mit den anderen anwendbaren RSS verwendet. (ISED Canada)

Das bedeutet:

Funkstandard

  •  

RSS-102

kann gemeinsam für die technische Bewertung erforderlich sein.

RF Exposure sollte deshalb nicht erst nach Abschluss der normalen Funkprüfung betrachtet werden.

18.5 RSP – Radio Standards Procedures

Während RSS hauptsächlich die technischen Anforderungen definieren, beschreiben die Radio Standards Procedures (RSP) bestimmte regulatorische Verfahren.

Ein besonders wichtiges Dokument ist RSP-100 – Certification of Radio Apparatus and Broadcasting Equipment.

RSP-100 beschreibt das Verfahren zur Certification von Category-I-Geräten, die unter die entsprechenden RSS beziehungsweise Broadcasting Equipment Technical Standards fallen. (ISED Canada)

Damit lässt sich vereinfacht unterscheiden:

RSS

→ Welche technischen Anforderungen muss das Gerät erfüllen?

RSP

→ Wie wird die Certification beziehungsweise das entsprechende Verfahren durchgeführt?

Diese Unterscheidung ist für die Planung eines Zulassungsprojekts wichtig.

18.6 RSS und RSP müssen gemeinsam betrachtet werden

Ein Hersteller sollte deshalb nicht nur nach dem technischen RSS suchen.

Ein typisches Projekt kann beispielsweise auf folgenden Dokumenten basieren:

RSS-Gen

Produktspezifisches RSS

RSS-102

RSP-100

Test Report

Certification

Welche Dokumente tatsächlich erforderlich sind, muss für das konkrete Produkt bestimmt werden.

18.7 Messverfahren und technische Referenzdokumente

Die RSS enthalten teilweise Verweise auf weitere technische Standards und Messverfahren.

RSS-Gen verweist beispielsweise auf ANSI C63.10 für Messverfahren für lizenzfreie Funkgeräte und auf ANSI C63.26 für bestimmte lizenzierte Transmitter. (ISED Canada)

Das ist wichtig, weil der Test Report nicht nur zeigen muss, welche Ergebnisse erzielt wurden.

Er muss auch nachvollziehbar machen, nach welchen Verfahren die Messungen durchgeführt wurden.

Ein Test Report sollte daher immer im Zusammenhang mit den anwendbaren:

  • RSS
  • Messverfahren
  • technischen Referenzstandards
  • und regulatorischen Anforderungen

betrachtet werden.

18.8 ICES – Unintentional Emissions

Neben den RSS spielen die ICES – Interference-Causing Equipment Standards eine wichtige Rolle.

Diese betreffen insbesondere Anforderungen an Geräte, die unbeabsichtigte Störaussendungen verursachen können.

Das ist ein wichtiger Unterschied zur eigentlichen Radio Certification.

Ein Produkt kann beispielsweise:

Radio Transmitter

→ RSS-Anforderungen

und gleichzeitig:

Unintentional Radiator

→ ICES-Anforderungen

unterliegen.

Deshalb muss bei einem kompletten elektronischen Produkt geprüft werden, ob neben der Funkzulassung auch Anforderungen aus dem ICES-Bereich relevant sind.

18.9 Guidance ist nicht dasselbe wie ein RSS

Nicht jede Information, die ISED veröffentlicht, ist selbst ein verbindlicher Radio Standard.

Es gibt beispielsweise:

  • RSS
  • RSP
  • Messverfahren
  • Guidance
  • Notices
  • weitere technische Veröffentlichungen

Diese Dokumente können unterschiedliche Funktionen haben.

Deshalb sollte ein Hersteller unterscheiden zwischen:

Regulatorischer Anforderung

und:

Guidance zur Interpretation oder praktischen Umsetzung dieser Anforderung.

Guidance kann sehr hilfreich sein, ersetzt aber nicht automatisch den eigentlichen Standard.

18.10 Technische Interpretationen und Rückfragen

In der Praxis können Situationen auftreten, bei denen die Anwendung eines Standards auf ein konkretes Produkt nicht eindeutig ist.

Das kann beispielsweise betreffen:

  • ungewöhnliche Funktechnologien
  • neue Betriebsarten
  • spezielle Antennenkonfigurationen
  • ungewöhnliche Frequenzkombinationen
  • neue Produktarchitekturen
  • mehrere gleichzeitig arbeitende Transmitter

In solchen Fällen kann eine technische Klärung mit ISED beziehungsweise die Nutzung der entsprechenden ISED-Verfahren erforderlich sein.

ISED stellt beispielsweise ein Verfahren für spezielle Genehmigungen bereit, wenn ein Produkt bestimmte Anforderungen der technischen Standards nicht erfüllt und eine Abweichung erforderlich ist. RSP-102 beschreibt dieses Verfahren. (ISED Canada)

Das sollte jedoch nicht als regulärer Ersatz für korrektes Scoping verstanden werden.

18.11 Übergangsfristen beachten

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Transition Period.

Neue Ausgaben eines RSS können eine Übergangsfrist enthalten, während der sowohl die alte als auch die neue Ausgabe akzeptiert werden.

RSS-Gen enthält beispielsweise entsprechende Regelungen für Übergangszeiträume. (ISED Canada)

Das bedeutet:

Es reicht nicht aus, nur den Namen eines RSS zu kennen.

Es muss auch geprüft werden:

  • welche Ausgabe aktuell ist,
  • wann sie in Kraft getreten ist,
  • ob eine Transition Period besteht,
  • wann die ältere Ausgabe nicht mehr akzeptiert wird,
  • und welche Version für eine neue Certification verwendet werden muss.

Gerade bei Projekten mit langer Entwicklungszeit kann dies erhebliche Auswirkungen haben.

18.12 Die ISED-Datenbank als praktische Referenz

ISED stellt eine zentrale Übersicht über die Radio Standards Specifications zur Verfügung.

Dort werden die verschiedenen RSS nach Anwendungsbereichen und Gerätetypen strukturiert dargestellt. (ISED Canada)

Für einen Hersteller ist diese Übersicht besonders hilfreich, um zunächst festzustellen:

Welche RSS könnten für dieses Produkt relevant sein?

Danach müssen die jeweiligen Standards im Detail geprüft werden.

18.13 Radio Equipment List

Nach der Zulassung spielt auch die Radio Equipment List (REL) eine wichtige Rolle.

Die REL enthält Funkgeräte, die für die Verwendung in Kanada zertifiziert wurden. ISED beschreibt die Certification als Nachweis, dass das Gerät die entsprechenden RSS-Anforderungen gemäß dem anwendbaren RSP erfüllt. (ISED Canada)

Die REL kann daher beispielsweise genutzt werden, um:

  • bestehende Zulassungen zu überprüfen,
  • Certification Numbers zu recherchieren,
  • bestehende Funkmodule zu untersuchen,
  • frühere Zulassungen zu vergleichen.

Für Hersteller kann dies insbesondere bei der Verwendung bereits zugelassener Module hilfreich sein.

18.14 Warum die Dokumente zusammen betrachtet werden müssen

Ein häufiger Fehler ist, die regulatorische Recherche auf einen einzigen Standard zu reduzieren.

Beispielsweise:

„Unser Produkt verwendet Wi-Fi, also nehmen wir das entsprechende RSS.“

Das ist für ein vollständiges Scoping häufig zu wenig.

Es muss vielmehr geprüft werden:

Welche Funktechnologie?

Welche Frequenzen?

Welche Betriebsart?

Welches RSS?

RSS-Gen?

RSS-102?

ICES?

Welche Messverfahren?

Welches RSP?

Welche Certification Documentation?

Erst daraus entsteht der tatsächliche Compliance Scope.

18.15 Was sollte ein Hersteller bei einem neuen Projekt dokumentieren?

Für jedes neue ISED-Projekt sollte eine strukturierte Liste der anwendbaren regulatorischen Dokumente erstellt werden.

Beispielsweise:

DokumentZweck
RSS-GenAllgemeine Radio Requirements
Produktspezifisches RSSTechnische Anforderungen für die konkrete Funkanwendung
RSS-102RF Exposure
ICESUnintentional Emissions, soweit anwendbar
RSP-100Certification Procedure
MessverfahrenDurchführung der erforderlichen Messungen
ISED GuidanceInterpretation und praktische Umsetzung
Weitere ISED-DokumenteJe nach Produkt und Anwendung

Diese Liste sollte Bestandteil des Regulatory Scoping sein.

18.16 Standards können sich ändern

Regulatorische Compliance ist kein einmaliger Vorgang.

ISED veröffentlicht neue Standards, neue Ausgaben bestehender Standards und Änderungen an bestehenden Dokumenten.

Die ISED-Übersicht der RSS zeigt beispielsweise auch Dokumente, die inzwischen zurückgezogen wurden und durch neue Messverfahren ersetzt wurden. (ISED Canada)

Für Hersteller bedeutet das:

Ein heute korrektes Compliance Assessment kann bei einem späteren Produktupdate erneut geprüft werden müssen.

Das gilt insbesondere bei:

  • neuen Produktgenerationen
  • langen Entwicklungszyklen
  • Firmware Updates
  • neuen Funktechnologien
  • Änderungen an bestehenden Zulassungen

Der wichtigste Punkt

Die ISED Compliance eines Funkprodukts basiert nicht auf einem einzigen Dokument.

Ein typisches Projekt kann mehrere Ebenen umfassen:

RSS-Gen → Produktspezifisches RSS → RSS-102 → ICES → Messverfahren → RSP → Certification Documentation

Die wichtigste Aufgabe beim Scoping besteht deshalb darin, alle für das konkrete Produkt relevanten Dokumente zu identifizieren und deren jeweils aktuelle Ausgabe und Übergangsfristen zu prüfen.

Für Hersteller bedeutet das:

Nicht nur den richtigen Funkstandard finden – sondern den vollständigen regulatorischen Dokumentationsrahmen des Produkts bestimmen.

Das ist die Grundlage für einen korrekten Testplan, einen vollständigen Test Report und letztlich eine erfolgreiche ISED-Zulassung.

FCC und ISED-Zulassungen: Leitfaden für Funkzulassungen in den USA und Kanada

Inhaltsverzeichnis

1. Was sind FCC und ISED?

  • Aufgaben und Zuständigkeiten der FCC in den USA
  • Aufgaben und Zuständigkeiten von ISED Canada
  • Welche Produkte und Funkanwendungen unter die jeweiligen Regelwerke fallen
  • Warum FCC und ISED für Funkprodukte in Nordamerika relevant sind

2. FCC Certification – Wie funktioniert das System in den USA?

  • Überblick über die verschiedenen FCC-Konformitätswege
  • Wann Certification erforderlich ist
  • FCC Rules und relevante Parts
  • Verantwortlichkeiten des Herstellers
  • Unterschied zwischen Certification und Supplier’s Declaration of Conformity (SDoC)

3. Der FCC Certification Process

  • Produkt und Funktechnologie bestimmen
  • Anwendbare FCC Rules und Parts identifizieren
  • Prüfanforderungen bestimmen
  • Prüfung in einem FCC-akkreditierten Labor
  • Warum das Labor nicht in den USA liegen muss
  • Test Report und technische Dokumentation
  • Einreichung über einen TCB
  • Prüfung durch den TCB
  • FCC Grant
  • FCC ID
  • Kennzeichnung und Compliance Information

4. FCC Testing – Was wird tatsächlich geprüft?

  • FCC Radio Testing
  • RF Exposure
  • Spurious Emissions
  • Occupied Bandwidth und andere relevante Funkparameter
  • Part 15B und unintentional radiators
  • Warum Part 15B nicht mit einer klassischen EU-EMV-Prüfung gleichzusetzen ist
  • Wann zusätzliche Anforderungen relevant werden

5. FCC und Product Safety – Was ist tatsächlich verpflichtend?

  • Unterschied zwischen FCC Radio Compliance und Product Safety
  • Warum es in den USA keine allgemeine FCC-Pflicht für elektrische Sicherheit gibt
  • UL, NRTL und andere Safety Certifications
  • Wann UL/NRTL trotzdem vom Markt, Kunden, Installationsregeln oder anderen Anforderungen verlangt werden können
  • Abgrenzung zur Situation in der EU

6. Die Rolle des Telecommunications Certification Body (TCB)

  • Was ist ein TCB?
  • Welche Aufgaben übernimmt ein TCB?
  • Prüfung des FCC-Antrags
  • Review von Test Report und technischen Unterlagen
  • Umgang mit Rückfragen
  • Ausstellung des FCC Grant
  • Was ein TCB nicht macht

7. Modulare FCC Certification

  • Was ist Modular Certification?
  • Full Modular Approval
  • Limited Modular Approval
  • Anforderungen an die Integration
  • Antennen
  • Host Product Requirements
  • Labeling und User Information
  • Wann eine Modulzulassung für das Endprodukt genutzt werden kann

8. FCC Permissive Changes / Änderungen an zertifizierten Produkten

  • Warum Änderungen nach der Certification relevant sind
  • Class I Permissive Change
  • Class II Permissive Change
  • Wann eine neue Certification erforderlich werden kann
  • Hardware-, Software-, Antennen- und RF-Änderungen
  • Change Impact Assessment
  • C2PC – Class II Permissive Change
  • Zusammenhang zwischen Änderung und bestehendem FCC Grant

9. FCC KDB – Knowledge Database

  • Was ist die FCC KDB?
  • Warum KDB Publications für die Interpretation der FCC Rules wichtig sind
  • KDB Guidance vs. FCC Rules
  • Wann eine KDB Consultation relevant werden kann
  • Beispiele für Fragestellungen, die durch KDB Guidance geklärt werden
  • Wie Hersteller KDBs in ihre Compliance-Bewertung einbeziehen sollten

10. Local Representative und Verantwortlichkeiten in den USA

  • Wann ein US-Ansprechpartner bzw. eine verantwortliche Partei erforderlich ist
  • Hersteller außerhalb der USA
  • FCC Compliance Contact
  • Verantwortlichkeiten nach der Zulassung
  • Abgrenzung zwischen Hersteller, Importeur und anderen Marktakteuren

ISED Certification – Kanada

11. ISED Canada – Aufgaben und regulatorischer Rahmen

  • Was ist ISED?
  • Zuständigkeiten von ISED Canada
  • Radio Standards Specifications (RSS)
  • Radio Standards Procedures (RSP)
  • Certification vs. Declaration of Conformity
  • Warum das kanadische System dem FCC-System sehr ähnlich ist

12. Der ISED Certification Process

  • Produkt und Funktechnologie bestimmen
  • Anwendbare RSS Standards identifizieren
  • Prüfanforderungen bestimmen
  • Prüfung in einem ISED-anerkannten Labor
  • Warum das Labor nicht in Kanada liegen muss
  • Test Report und technische Dokumentation
  • Einreichung über einen Certification Body
  • Prüfung und Zertifizierung
  • Certification Number
  • Kennzeichnung und Compliance Information

13. ISED Testing und technische Anforderungen

  • Radio Testing nach den relevanten RSS Standards
  • RF Exposure
  • Spurious Emissions
  • Transmitter Requirements
  • Receiver Requirements
  • Unintentional Radiators
  • ICES-003
  • Warum auch in Kanada Radio Compliance und klassische EMV nicht gleichzusetzen sind
  • Vergleich mit FCC Part 15B

14. ISED und Produktsicherheit

  • Keine allgemeine ISED-Pflicht für elektrische Produktsicherheit
  • Unterschied zwischen Radio Compliance und Produktsicherheit
  • CSA, UL und andere Safety Certifications
  • Wann eine Safety Certification trotzdem verlangt werden kann
  • Vergleich zur EU

15. Die Rolle des Certification Body in Kanada

  • Aufgaben des Certification Body
  • Review der technischen Unterlagen
  • Prüfung des Test Reports
  • Rückfragen und Korrekturen
  • Ausstellung der ISED Certification
  • Unterschiede zum FCC-TCB-System

16. Modulare ISED-Zulassung

  • Modulare Zulassung in Kanada
  • Anforderungen an die Integration eines zertifizierten Moduls
  • Antennen
  • Host Product Requirements
  • Labeling
  • User Information
  • Übertragbarkeit der Modulzulassung auf das Endprodukt

17. ISED Permissive Changes und Änderungen

  • Änderungen an bereits zertifizierten Produkten
  • Permissive Changes
  • Wann eine Änderung ohne neue Certification möglich ist
  • Wann eine neue Certification erforderlich wird
  • Hardware-, Software- und Antennenänderungen
  • Change Impact Assessment
  • Zusammenhang zwischen Änderungen und bestehender ISED Certification

18. ISED Standards and Regulatory Documentation

For ISED compliance, it is not enough to simply identify the radio standard associated with the technology used in a product. The manufacturer needs to consider the complete regulatory documentation that applies to the specific product.

The Canadian framework includes several types of regulatory documents, each serving a different purpose. The most important include:

  • RSS – Radio Standards Specifications
  • RSP – Radio Standards Procedures
  • ICES – Interference-Causing Equipment Standards
  • ISED Guidance and other regulatory publications
  • applicable measurement procedures and technical reference documents

Which documents are actually relevant depends on the product, radio technology, frequencies and intended operation.

18.1 RSS – Radio Standards Specifications

The Radio Standards Specifications (RSS) define the technical requirements for specific categories of radio equipment.

For example, RSS-Gen contains general requirements for radio apparatus. RSS-Gen is generally used together with the specific RSS applicable to the particular equipment.

This means:

RSS-Gen alone is normally not the complete technical basis for a radio Certification.

A typical assessment may therefore involve:

RSS-Gen

  •  

Product-specific RSS

  •  

Other applicable requirements

The exact combination has to be determined for the individual product.

18.2 RSS-Gen – General Requirements

RSS-Gen is one of the key documents in the Canadian radio compliance system.

It contains general requirements and information relating to areas such as:

  • radio equipment
  • equipment categories
  • measurement procedures
  • Certification
  • RF exposure
  • labeling
  • technical documentation
  • requirements for test laboratories

RSS-Gen is used together with the specific RSS applicable to the equipment.

For manufacturers, this means that identifying the applicable RSS is already part of Regulatory Scoping and should not be left until the laboratory stage.

18.3 Product-Specific RSS

In addition to RSS-Gen, ISED publishes numerous RSS documents covering specific technologies, frequency ranges and applications.

Examples include requirements for:

  • cellular equipment
  • Wireless Power Transfer
  • radar
  • Short Range Devices
  • specific frequency ranges
  • professional radio applications
  • other specific radio technologies

The correct RSS therefore needs to be identified as part of the regulatory scoping process.

18.4 RSS-102 – RF Exposure

One particularly important document is RSS-102.

RSS-102 addresses the requirements and applicable assessment and measurement procedures for RF exposure compliance of radio apparatus.

These requirements can be particularly relevant for equipment operated in proximity to the human body.

RF exposure should therefore not be treated as something to check only after the main radio testing has been completed.

A typical scope can include:

Radio Standard

  •  

RSS-102

The exact RF exposure assessment depends on the product, operating conditions and applicable requirements.

18.5 RSP – Radio Standards Procedures

While RSS documents primarily define technical requirements, Radio Standards Procedures (RSP) describe regulatory procedures.

One important document is RSP-100 – Certification of Radio Apparatus and Broadcasting Equipment.

RSP-100 describes the procedure for Certification of applicable Category I radio equipment and broadcasting equipment against the relevant technical standards.

The distinction can therefore be summarized as:

RSS

→ What technical requirements does the equipment have to meet?

RSP

→ How is the Certification process carried out?

This distinction is important when planning an ISED compliance project.

18.6 RSS and RSP Need to Be Considered Together

A manufacturer should therefore not look only for the technical RSS.

A typical project may involve:

RSS-Gen

Product-specific RSS

RSS-102

RSP-100

Test Report

Certification

The exact documents required must always be determined for the specific product.

18.7 Measurement Procedures and Technical Reference Documents

The RSS documents may reference additional technical standards and measurement procedures.

For example, RSS-Gen references ANSI C63.10 for measurement procedures for certain licence-exempt radio apparatus and ANSI C63.26 for certain licensed transmitters.

This is important because a Test Report should not only show which results were obtained.

It should also make clear which procedures and measurement methods were used.

A Test Report therefore needs to be considered together with the applicable:

  • RSS documents
  • measurement procedures
  • technical reference standards
  • regulatory requirements

18.8 ICES – Unintentional Emissions

In addition to the RSS framework, ICES – Interference-Causing Equipment Standards can be relevant.

These standards address equipment that can cause interference through unintended emissions.

This is an important distinction from the radio Certification itself.

A complete electronic product can therefore involve both:

Radio Transmitter

→ RSS requirements

and:

Unintentional Radiator

→ ICES requirements

The manufacturer therefore needs to determine whether ICES requirements apply in addition to the radio Certification requirements.

18.9 Guidance Is Not the Same as an RSS

Not every document published by ISED is itself a mandatory technical standard.

ISED publishes different types of information, including:

  • RSS
  • RSP
  • measurement procedures
  • Guidance
  • Notices
  • other technical publications

These documents can serve different purposes.

Manufacturers should therefore distinguish between:

A regulatory requirement

and:

Guidance on how that requirement is interpreted or implemented in practice.

Guidance can be extremely useful, but it does not automatically replace the applicable standard.

18.10 Technical Interpretations and Regulatory Questions

In practice, situations can arise where it is not immediately clear how an existing requirement applies to a specific product.

This can occur with:

  • unusual radio technologies
  • new operating modes
  • special antenna configurations
  • unusual frequency combinations
  • new product architectures
  • multiple transmitters operating simultaneously

In such cases, a technical clarification with ISED or use of an applicable ISED procedure may be necessary.

ISED also provides procedures for special authorization where equipment does not meet certain requirements of the applicable technical standards and a deviation is being requested.

This should not, however, be treated as a substitute for proper regulatory scoping.

18.11 Transition Periods Must Be Considered

Another important issue is the transition period associated with new editions of standards.

When ISED publishes a new edition of an RSS, a transition period may allow both the previous and new editions to be accepted for a defined period.

For a manufacturer, this means:

Knowing the name of an RSS is not enough.

The manufacturer should also determine:

  • which edition is currently applicable,
  • when it became effective,
  • whether a transition period exists,
  • when the previous edition will no longer be accepted,
  • and which edition should be used for a new Certification.

This can be particularly important for projects with long development cycles.

18.12 ISED Standards Database as a Practical Reference

ISED provides a central overview of its Radio Standards Specifications.

This overview can be used to identify the standards that may apply to different types of radio equipment.

For manufacturers, it is particularly useful for the initial question:

“Which RSS documents could be relevant to this product?”

The identified standards must then be reviewed in detail against the actual product configuration.

18.13 Radio Equipment List

After Certification, the Radio Equipment List (REL) is another important resource.

The REL contains radio equipment that has been certified for use in Canada.

It can be used, for example, to:

  • verify existing Certifications,
  • research Certification Numbers,
  • investigate certified radio modules,
  • compare existing approvals.

For manufacturers, this can be particularly useful when evaluating pre-certified radio modules or existing products.

18.14 Why the Documents Need to Be Considered Together

A common mistake is to reduce regulatory research to a single standard.

For example:

“Our product uses Wi-Fi, so we just need the applicable Wi-Fi RSS.”

That is often not sufficient for complete regulatory scoping.

The manufacturer may need to determine:

Which radio technology?

Which frequencies?

Which operating mode?

Which RSS?

RSS-Gen?

RSS-102?

ICES?

Which measurement procedures?

Which RSP?

Which Certification documentation?

Only after this assessment is the actual compliance scope clear.

18.15 What Should a Manufacturer Document for a New Project?

For each new ISED project, the manufacturer should create a structured list of the applicable regulatory documents.

For example:

DocumentPurpose
RSS-GenGeneral radio requirements
Product-specific RSSTechnical requirements for the specific radio application
RSS-102RF exposure
ICESUnintentional emissions, where applicable
RSP-100Certification procedure
Measurement proceduresPerformance of the required measurements
ISED GuidanceInterpretation and practical implementation
Other ISED documentsDepending on the product and application

This list should form part of the Regulatory Scoping process.

18.16 Standards Can Change

Regulatory compliance is not a one-time activity.

ISED publishes new standards, new editions of existing standards and changes to existing regulatory documents.

For manufacturers, this means:

A compliance assessment that is correct today may need to be reviewed again when the product is updated or a new Certification is pursued.

This is particularly relevant for:

  • new product generations
  • long development cycles
  • firmware updates
  • new radio technologies
  • changes to existing Certifications

Manufacturers should therefore monitor the regulatory documents relevant to their products rather than treating the initial scoping exercise as permanently valid.

The Key Point

ISED compliance for a radio product is not based on a single document.

A typical project can involve several layers:

RSS-Gen → Product-specific RSS → RSS-102 → ICES → Measurement Procedures → RSP → Certification Documentation

The key task during scoping is therefore to identify all documents relevant to the specific product and verify their current editions and applicable transition periods.

For manufacturers, the goal is not simply to find the correct radio standard.

It is to determine the complete regulatory documentation framework for the product.

That framework forms the basis for the test plan, the Test Report and ultimately a successful ISED Certification.

19. FCC und ISED im direkten Vergleich

Für Hersteller, die ein Funkprodukt sowohl in den USA als auch in Kanada vermarkten möchten, wirken FCC und ISED auf den ersten Blick sehr ähnlich. Beide Systeme verlangen eine technische Bewertung von Funkgeräten, definieren Anforderungen an die Nutzung des Frequenzspektrums und arbeiten mit anerkannten Prüf- und Zertifizierungsstellen.

Trotz dieser Gemeinsamkeiten handelt es sich um zwei eigenständige regulatorische Systeme. Eine FCC-Zulassung ersetzt keine ISED-Zulassung, und eine ISED-Zulassung ersetzt keine FCC-Zulassung.

Der große Vorteil für Hersteller liegt darin, dass sich viele Schritte parallel planen lassen.

19.1 FCC und ISED – das gemeinsame Grundprinzip

Beide Systeme folgen grundsätzlich einer ähnlichen Logik:

Produkt

Regulatory Scoping

Anwendbare technische Anforderungen

Prüfung und technische Dokumentation

Review durch eine anerkannte Zertifizierungsstelle

Zulassung / Certification

Kennzeichnung und Marktzugang

Bei der FCC erfolgt die Certification für entsprechende Geräte über das FCC Equipment Authorization System. TCBs sind dabei dafür verantwortlich, Certification-Anträge zu prüfen und Grants of Certification auszustellen.

In Kanada beschreibt ISED das Verfahren unter anderem in RSP-100. Für Category-I-Geräte kann die Certification durch ISED oder einen anerkannten Certification Body erfolgen. Zertifizierte Geräte werden in der Radio Equipment List (REL) geführt.

19.2 FCC Rules vs. ISED RSS

Der offensichtlichste Unterschied liegt in der Struktur der technischen Anforderungen.

In den USA basiert die Bewertung auf den FCC Rules, insbesondere den jeweils anwendbaren Parts und Subparts des Title 47 CFR.

In Kanada basiert die Bewertung hauptsächlich auf den Radio Standards Specifications (RSS) sowie weiteren ISED-Dokumenten.

Vereinfacht:

USA

→ FCC Rules
→ Parts / Subparts
→ technische Anforderungen

Kanada

→ RSS
→ RSS-Gen + produktspezifische RSS
→ weitere ISED-Anforderungen

Bei ISED können zusätzlich beispielsweise RSS-102 für RF Exposure und ICES-Anforderungen relevant werden. RSS-Gen stellt die allgemeinen Anforderungen bereit und wird zusammen mit der jeweils spezifischen RSS für das Produkt angewendet.

Deshalb sollte ein Hersteller niemals davon ausgehen, dass ein einmal bestimmter FCC Standard automatisch den vollständigen kanadischen Scope beschreibt.

19.3 FCC Certification und ISED Certification

Für viele typische Funkprodukte ist in beiden Märkten eine formelle Certification erforderlich.

Der Ablauf ist jedoch nicht identisch.

Bei der FCC führt der Certification Process über einen TCB zum FCC Grant. Der Grant ist mit der entsprechenden FCC ID verbunden.

Bei ISED wird die Certification nach dem kanadischen Verfahren durchgeführt. Ein anerkannter Certification Body oder ISED selbst kann die Certification ausstellen. Für Category-I-Geräte ist die Aufnahme in die Radio Equipment List relevant.

Damit lässt sich der Unterschied vereinfacht darstellen:

USAKanada
FCC CertificationISED Certification
FCC RulesRSS / ICES
TCBCertification Body (CB)
FCC GrantISED Certification
FCC IDCertification Number
FCC Equipment AuthorizationISED Equipment Certification

19.4 TCB vs. Certification Body

Auch die Rolle der Zertifizierungsstellen ist sehr ähnlich.

FCC

Ein Telecommunications Certification Body (TCB) ist eine akkreditierte Zertifizierungsstelle, die berechtigt ist, FCC Certification Grants auszustellen. TCBs prüfen unter anderem die technischen Unterlagen und die Konformität mit den anwendbaren FCC-Anforderungen.

ISED

Ein Certification Body (CB) ist eine von ISED anerkannte Zertifizierungsstelle. ISED definiert Anforderungen an diese Certification Bodies, einschließlich Anforderungen an Akkreditierung und technische Kompetenz.

Das Grundprinzip ist damit vergleichbar:

Labor

→ führt die erforderlichen Prüfungen durch

Certification Body

→ bewertet Antrag und technische Nachweise

Regulator

→ überwacht das System und legt die regulatorischen Rahmenbedingungen fest

Die konkrete Aufgabenteilung und die jeweiligen Verfahren unterscheiden sich jedoch.

19.5 Das Labor muss in keinem der beiden Länder zwingend vor Ort sein

Ein weiterer wichtiger gemeinsamer Punkt ist die internationale Anerkennung von Prüf- und Konformitätsbewertungsstellen.

Bei der FCC ermöglichen Mutual Recognition Agreements (MRAs) grundsätzlich die Anerkennung von Prüf- und Zertifizierungsergebnissen aus anderen teilnehmenden Ländern.

Auch ISED arbeitet mit anerkannten Laboren und Certification Bodies innerhalb internationaler Anerkennungssysteme.

Für Hersteller bedeutet das:

Weder FCC noch ISED bedeutet automatisch, dass das Produkt im jeweiligen Land getestet werden muss.

Entscheidend ist vielmehr, ob das Labor für den konkreten Prüfungsumfang entsprechend anerkannt beziehungsweise qualifiziert ist und ob die Ergebnisse im jeweiligen Zulassungsverfahren verwendet werden können.

Das ist insbesondere für europäische Hersteller relevant, die ihre FCC- und ISED-Prüfungen beispielsweise bei einem erfahrenen Labor in Europa durchführen lassen möchten.

19.6 RF Exposure – FCC und ISED

RF Exposure ist in beiden Systemen ein wichtiger Bestandteil der Funk-Compliance.

Die konkrete Bewertung unterscheidet sich jedoch.

Bei der FCC hängt die erforderliche Bewertung unter anderem von Gerätetyp, Betriebsbedingungen, Abstand zum Körper und Sendeparametern ab.

Bei ISED ist RSS-102 ein zentraler Bestandteil der RF-Exposure-Bewertung.

Daraus folgt:

Ein bereits vorhandener RF-Exposure-Test für die FCC sollte nicht automatisch als vollständiger Nachweis für ISED betrachtet werden.

Die vorhandenen Daten können sehr hilfreich sein, müssen aber gegen die kanadischen Anforderungen bewertet werden.

19.7 Modulare Zulassungen

Auch bei der Verwendung zugelassener Funkmodule sind die Systeme ähnlich aufgebaut.

Ein bereits zugelassenes Funkmodul kann den Aufwand für ein Host Product erheblich reduzieren.

In beiden Märkten muss jedoch geprüft werden:

  • welche Antennen zugelassen sind,
  • welche Sendeleistungen zulässig sind,
  • welche Betriebsarten abgedeckt sind,
  • welche RF-Exposure-Bedingungen gelten,
  • welche Anforderungen an die Host-Integration bestehen,
  • ob mehrere Transmitter gleichzeitig betrieben werden,
  • und welche Kennzeichnungs- und Dokumentationsanforderungen gelten.

Ein zugelassenes Modul bedeutet daher weder in den USA noch in Kanada automatisch, dass das vollständige Host Product ohne weitere Bewertung auf den Markt gebracht werden kann.

Gerade die Antennenintegration ist dabei wichtig. Eine Modulzulassung kann an bestimmte Antennentypen, Antennengewinne oder Integrationsbedingungen gebunden sein. Wird das Modul in ein neues Host Product integriert, muss deshalb geprüft werden, ob die Bedingungen der bestehenden Modulzulassung tatsächlich eingehalten werden.

19.8 Permissive Changes

Auch nach einer bestehenden Zulassung können Änderungen am Produkt erforderlich werden.

In beiden Systemen gibt es Verfahren, um bestimmte Änderungen an bereits zugelassenen Produkten zu behandeln, ohne den gesamten ursprünglichen Zulassungsprozess zwingend zu wiederholen.

Bei der FCC wird zwischen verschiedenen Arten von Permissive Changes unterschieden. Je nach Änderung kann beispielsweise ein Class II Permissive Change relevant sein.

ISED verwendet ebenfalls unterschiedliche Verfahren für Änderungen an bestehenden Certifications, unter anderem C1PC, C2PC, C3PC und C4PC für unterschiedliche Arten von Änderungen beziehungsweise Ergänzungen.

Das Grundprinzip ist in beiden Märkten gleich:

Bestehende Zulassung

Produktänderung

Regulatory Impact Assessment

Anwendbares Änderungsverfahren

Aktualisierte Zulassung / Dokumentation

Die konkrete Klassifizierung darf jedoch nicht von einem System einfach auf das andere übertragen werden.

Eine Änderung, die bei der FCC als bestimmter Permissive Change behandelt werden kann, muss nicht automatisch nach dem gleichen Verfahren bei ISED behandelt werden.

19.9 Kennzeichnung und Produktdokumentation

Auch die Kennzeichnung ist in beiden Märkten Bestandteil der Compliance.

Bei der FCC kann die Kennzeichnung beispielsweise die FCC ID und weitere erforderliche Angaben umfassen.

Bei ISED gelten die Kennzeichnungsanforderungen aus RSS-Gen und den jeweils anwendbaren Standards.

Hier zeigt sich ein wichtiger Unterschied:

Die grundsätzliche Funktion der Kennzeichnung ist vergleichbar, die konkreten Formulierungen und Anforderungen sind jedoch nicht identisch.

Deshalb sollte die finale Kennzeichnung immer separat gegen die FCC- und ISED-Anforderungen geprüft werden.

Das Gleiche gilt für die User Information und die technischen Compliance-Dokumente.

19.10 FCC ID vs. ISED Certification Number

Ein weiterer offensichtlicher Unterschied ist die Identifikation des zugelassenen Produkts.

Bei einer FCC Certification erhält das Gerät eine FCC ID.

Bei ISED wird eine Certification Number vergeben und das zertifizierte Gerät wird in der Radio Equipment List (REL) geführt.

Diese Identifikationsnummern erfüllen eine ähnliche praktische Funktion, sind aber Teil der jeweiligen nationalen Systeme.

Eine FCC ID kann deshalb nicht einfach als kanadische Certification Number verwendet werden.

19.11 Ein FCC Test Report kann für ISED hilfreich sein – ersetzt aber nicht die kanadische Bewertung

Wenn ein Produkt für beide Märkte entwickelt wird, sollte das Testprogramm möglichst früh gemeinsam betrachtet werden.

Viele technische Messungen können Überschneidungen aufweisen. Ein bereits vorhandener FCC Test Report kann deshalb eine wertvolle Grundlage für die kanadische Bewertung sein.

Der Hersteller muss jedoch prüfen:

  • ob die gleiche Frequenzkonfiguration verwendet wird,
  • ob die gleichen Betriebsmodi bewertet wurden,
  • ob die Messverfahren akzeptiert werden,
  • ob die Grenzwerte identisch sind,
  • ob zusätzliche ISED-Anforderungen gelten,
  • und ob alle für ISED erforderlichen Daten im Test Report enthalten sind.

Das Ziel sollte daher nicht sein, einen FCC Test Report einfach nach Kanada zu kopieren.

Das Ziel sollte sein, die Prüfungen von Anfang an so zu planen, dass möglichst viele Anforderungen beider Märkte effizient abgedeckt werden.

Das kann beispielsweise bedeuten, dass ein Labor bei der Testplanung bereits berücksichtigt, welche Messungen sowohl für FCC als auch für ISED benötigt werden und wo zusätzliche kanadische oder US-spezifische Messungen erforderlich sind.

19.12 Warum FCC und ISED trotzdem getrennt gescoped werden müssen

Die große Ähnlichkeit der Systeme kann zu einer gefährlichen Annahme führen:

„Wenn wir wissen, was die FCC verlangt, wissen wir automatisch, was ISED verlangt.“

Das ist falsch.

Die technischen Anforderungen können sich beispielsweise unterscheiden bei:

  • Frequenzbereichen
  • zulässiger Leistung
  • Bandbreiten
  • Restricted Bands
  • Emissionsgrenzwerten
  • RF Exposure
  • Messverfahren
  • Kennzeichnung
  • User Information
  • Übergangsfristen

Deshalb sollte jedes Produkt zwei regulatorische Scopes besitzen:

FCC Scope

und

ISED Scope

Diese können anschließend miteinander verglichen werden, um Überschneidungen und zusätzliche nationale Anforderungen zu identifizieren.

Gerade hier liegt ein erheblicher Vorteil eines gemeinsamen North-America-Scopings: Die gemeinsamen Anforderungen können früh erkannt werden, während die Unterschiede gezielt berücksichtigt werden.

19.13 Der effizienteste Ansatz: Gemeinsam planen, getrennt bewerten

Für Hersteller ist daher ein kombinierter Ansatz sinnvoll.

Nicht:

USA fertigstellen → danach Kanada beginnen

sondern:

Produkt definieren

FCC Scope + ISED Scope gleichzeitig erstellen

Gemeinsame technische Anforderungen identifizieren

Zusätzliche nationale Anforderungen identifizieren

Testplan für beide Märkte optimieren

Testing

FCC Certification + ISED Certification

Dieser Ansatz kann unnötige Doppelprüfungen vermeiden und gleichzeitig verhindern, dass eine kanadische Anforderung erst nach Abschluss der US-Prüfung entdeckt wird.

Das bedeutet nicht, dass beide Märkte mit einem einzigen Prüfbericht oder einer einzigen Zulassung abgedeckt werden. Vielmehr wird die technische Arbeit so geplant, dass gemeinsame Nachweise möglichst effizient genutzt werden können.

19.14 Die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf einen Blick

BereichFCC – USAISED – Kanada
RegulatorFCCISED
Technische BasisFCC RulesRSS / ICES
ZertifizierungsstelleTCBCertification Body (CB)
Kennung der ZulassungFCC IDCertification Number
RF ExposureFCC requirements / applicable guidanceRSS-102
Standards / GuidanceFCC Rules + KDBRSS + RSP + ISED Guidance
ÄnderungsverfahrenPermissive ChangesC1PC / C2PC / C3PC / C4PC
DatenbankFCC Equipment Authorization SystemRadio Equipment List (REL)
TestingAnerkannte / qualifizierte Test LabsVon ISED anerkannte Test Labs
Host / ModuleModular Certification möglichModulare Certification möglich

Die Tabelle zeigt die grundlegende Ähnlichkeit, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die jeweiligen technischen Anforderungen separat geprüft werden müssen.

Der wichtigste Punkt

FCC und ISED sind separate regulatorische Systeme mit einem sehr ähnlichen Grundaufbau.

Die größten Überschneidungen liegen bei:

Scoping → Testing → Technical Documentation → Certification Body Review → Zulassung → Post-Certification Changes

Die Unterschiede liegen vor allem in den jeweiligen FCC Rules beziehungsweise RSS/ICES, technischen Grenzwerten, Frequenzbedingungen, Verfahren und Dokumentationsanforderungen.

Für Hersteller ist deshalb die beste Strategie:

Gemeinsam planen – aber FCC und ISED separat bewerten.

Wer beide Märkte bereits während der Produktentwicklung berücksichtigt, kann viele Prüfungen und Dokumentationsschritte effizient gemeinsam planen und gleichzeitig vermeiden, dass wichtige nationale Anforderungen erst kurz vor der Markteinführung entdeckt werden.

20. Die wichtigsten Unterschiede zwischen FCC und ISED

Die Systeme von FCC und ISED haben einen sehr ähnlichen grundsätzlichen Aufbau, sind aber nicht miteinander gleichzusetzen. Ein Hersteller, der dasselbe Funkprodukt in den USA und Kanada vermarkten möchte, muss deshalb verstehen, an welchen Stellen sich die beiden regulatorischen Systeme unterscheiden.

Die wichtigsten Unterschiede liegen nicht unbedingt im grundsätzlichen Ablauf. Sie finden sich vor allem in den konkreten technischen Anforderungen, regulatorischen Dokumenten, Zulassungsverfahren, Frequenzbedingungen, Kennzeichnungsvorgaben und Verantwortlichkeiten, die für den jeweiligen Markt gelten.

20.1 Unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen

Der grundlegendste Unterschied ist das jeweilige regulatorische System.

In den USA werden die Anforderungen durch die FCC Rules definiert, einschließlich der jeweils anwendbaren Parts und Subparts des Title 47 CFR.

In Kanada werden die Anforderungen für Funkgeräte hauptsächlich durch die Radio Standards Specifications (RSS) von ISED sowie durch weitere regulatorische Dokumente wie RSP-Verfahren und gegebenenfalls ICES-Standards definiert.

Das bedeutet: Dasselbe Produkt kann in beiden Ländern einem sehr ähnlichen Compliance-Prozess folgen und trotzdem unterschiedlichen technischen Anforderungen unterliegen.

Die grundlegende Gegenüberstellung lautet:

USA

→ FCC Rules

→ Parts / Subparts

→ anwendbare technische Anforderungen

Kanada

→ RSS / ICES

→ RSS-Gen + produktspezifische Anforderungen

→ weitere ISED-Anforderungen

Die jeweils anwendbaren Dokumente müssen deshalb für jeden Markt separat bestimmt werden.

20.2 FCC Parts vs. ISED RSS / ICES

Auch die Struktur zur Identifikation der technischen Anforderungen unterscheidet sich.

Bei der FCC beginnt der Hersteller typischerweise mit der Bestimmung des anwendbaren FCC Part, gefolgt vom relevanten Subpart und den konkreten Anforderungen.

Bei ISED wird in der Regel der anwendbare RSS bestimmt, zusammen mit RSS-Gen und weiteren relevanten Dokumenten.

Bei Produkten, die sowohl Funk als auch digitale Elektronik enthalten, können zusätzlich ICES-Anforderungen für ungewollte Emissionen relevant sein.

Deshalb ist eine einfache Eins-zu-eins-Zuordnung zwischen FCC Parts und ISED RSS-Dokumenten nicht immer möglich.

Ein FCC Part, der für eine bestimmte Funktechnologie verwendet wird, definiert nicht automatisch den vollständigen kanadischen Scope.

Der richtige Ansatz ist daher:

FCC Scope

→ anwendbare FCC Parts und Anforderungen bestimmen

ISED Scope

→ anwendbare RSS / ICES und weitere Anforderungen bestimmen

Anschließend können beide Scopes miteinander verglichen werden.

20.3 FCC ID vs. ISED Certification Number

Auch die Identifikation zugelassener Geräte unterscheidet sich.

Ein FCC-zertifiziertes Gerät erhält eine FCC ID.

Ein ISED-zertifiziertes Gerät erhält eine Certification Number und wird in der Radio Equipment List (REL) geführt.

Die Kennungen erfüllen eine ähnliche Funktion, gehören aber zu unterschiedlichen regulatorischen Systemen.

Therefore:

Eine FCC ID ist keine ISED Certification Number, und eine ISED Certification Number ist keine FCC ID.

Der Hersteller muss sicherstellen, dass für jeden Markt die richtige Kennung und die dazugehörige Kennzeichnung verwendet werden.

20.4 TCB vs. kanadischer Certification Body

Beide Systeme arbeiten mit externen Zertifizierungsstellen, die Bezeichnungen und regulatorischen Rahmenbedingungen unterscheiden sich jedoch.

In den USA prüft ein Telecommunications Certification Body (TCB) die entsprechenden FCC Certification-Anträge und kann den FCC Grant ausstellen.

In Kanada führt ein von ISED anerkannter Certification Body (CB) die entsprechenden Zertifizierungsaktivitäten durch.

Die grundsätzliche Funktion ist vergleichbar:

Technical Documentation

Certification Body Review

Certification

Die konkreten Verfahren, Anerkennungsbedingungen und Einreichungsanforderungen werden jedoch jeweils unabhängig vom zuständigen Regulator festgelegt.

Ein Hersteller sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass ein Verfahren mit einem bestimmten FCC-TCB unverändert auf einen kanadischen Certification Body übertragen werden kann.

20.5 Unterschiede bei Frequenzen und Betriebsbedingungen

Eine der wichtigsten technischen Differenzen betrifft die Bedingungen, unter denen ein Funkgerät betrieben werden darf.

Auch wenn dieselbe Funktechnologie verwendet wird, müssen für jeden Markt separat geprüft werden:

  • Frequenzbereiche
  • zulässige Kanäle
  • maximale Sendeleistung
  • Power Spectral Density, soweit relevant
  • Bandbreite
  • Emissionsgrenzwerte
  • Restricted oder nicht zulässige Frequenzen
  • Indoor-/Outdoor-Betriebsbedingungen, soweit relevant
  • Antennenanforderungen
  • Betriebsarten

Dass eine bestimmte Funkkonfiguration in den USA zulässig ist, bedeutet nicht automatisch, dass dieselbe Konfiguration auch in Kanada zulässig ist.

Das ist besonders wichtig bei Produkten, die mehrere Frequenzbänder oder konfigurierbare Sendeparameter unterstützen.

Der regulatorische Scope sollte deshalb auf der tatsächlich vorgesehenen Konfiguration für den jeweiligen Markt basieren und nicht allein auf dem Namen der verwendeten Funktechnologie.

20.6 Unterschiede bei RF Exposure

RF Exposure ist in beiden Märkten relevant, aber die jeweiligen regulatorischen Anforderungen und Bewertungsverfahren sind nicht identisch.

Bei der FCC hängen die anwendbaren RF-Exposure-Anforderungen vom Gerät und seinen Betriebsbedingungen ab.

Für ISED bildet RSS-102 den zentralen Rahmen für die RF-Exposure-Anforderungen an Funkgeräte.

Je nach Produkt können Faktoren wie:

  • Sendeleistung
  • Betriebsfrequenz
  • Antenneneigenschaften
  • Abstand zum Körper
  • gleichzeitiger Betrieb mehrerer Transmitter
  • bestimmungsgemäße Verwendung

können die erforderliche Bewertung beeinflussen.

Ein Hersteller sollte daher nicht davon ausgehen, dass eine FCC-RF-Exposure-Bewertung automatisch für Kanada ausreichend ist.

Vorhandene Berechnungen und Messdaten können häufig als technische Grundlage verwendet werden, müssen aber gegen die jeweils anwendbaren ISED-Anforderungen geprüft werden.

20.7 Unterschiede bei den Prüfanforderungen

Die Prüfstrategie für beide Märkte kann erhebliche Überschneidungen aufweisen. Die vollständigen Prüfprogramme sind jedoch nicht zwangsläufig identisch.

Unterschiede können beispielsweise auftreten bei:

  • Grenzwerten
  • Messverfahren
  • Frequenzbereichen
  • Betriebsarten
  • erforderlichen Testkonfigurationen
  • RF-Exposure-Bewertung
  • Receiver-Anforderungen
  • ungewollten Emissionen
  • Dokumentationsanforderungen

Das bedeutet, dass ein Labor idealerweise bereits zu Beginn des Projekts darüber informiert wird, dass sowohl FCC- als auch ISED-Marktzugang erforderlich sind.

Der Testplan kann dann vor Beginn der Prüfungen gemeinsame Messungen und marktspezifische Anforderungen berücksichtigen.

Das ist in der Regel effizienter, als zunächst ausschließlich ein FCC-Prüfprogramm durchzuführen und anschließend zusätzliche kanadische Anforderungen festzustellen.

20.8 Ungewollte Emissionen und EMV-bezogene Anforderungen

Ein weiterer Bereich, der häufig zu Verwechslungen führt, ist der Umgang mit ungewollten Emissionen.

Im FCC-System können die Anforderungen an unintentional radiators unter anderem durch Part 15 und die entsprechenden Messverfahren definiert werden.

In Kanada können entsprechende ICES-Anforderungen für interference-causing equipment und ungewollte Emissionen gelten.

Die Konzepte sind vergleichbar, es handelt sich jedoch nicht einfach um dieselbe Vorschrift unter zwei verschiedenen Namen.

Der Hersteller muss daher separat bestimmen:

FCC

→ anwendbare Anforderungen für unintentional radiators

ISED

→ anwendbare ICES-Anforderungen

Das ist insbesondere für Produkte wichtig, die sowohl einen Funktransmitter als auch umfangreiche digitale Elektronik enthalten.

20.9 Kennzeichnung und User Information

FCC und ISED haben beide Anforderungen an Kennzeichnung und Produktinformationen, die Details unterscheiden sich jedoch.

Je nach Produkt und anwendbaren Vorschriften können unter anderem Informationen erforderlich sein zu:

  • regulatorischen Kennungen
  • vorgeschriebenen Statements
  • Compliance-Hinweisen
  • Einschränkungen des Funkbetriebs
  • Benutzerinformationen
  • Kennzeichnung des Host Products
  • Kennzeichnung von Funkmodulen

Der Hersteller sollte die US-amerikanischen und kanadischen Kennzeichnungsanforderungen deshalb separat vorbereiten und prüfen.

Eine Kennzeichnung, die für den FCC-Markt korrekt ist, sollte nicht ohne Prüfung als automatisch korrekt für Kanada betrachtet werden.

Dasselbe gilt für Bedienungsanleitungen und andere Compliance-Informationen.

20.10 Unterschiede bei lokalen Verantwortlichkeiten

Hersteller außerhalb Nordamerikas müssen außerdem mögliche Unterschiede bei den Verantwortlichkeiten von Herstellern, Importeuren, Distributoren und anderen Marktakteuren berücksichtigen.

Welche Verantwortlichkeiten konkret gelten, hängt vom jeweiligen regulatorischen Rahmen und vom Produkttyp ab.

Auch hier sollte nicht davon ausgegangen werden, dass die für die USA verwendete Struktur automatisch für Kanada gilt.

Der Regulatory Scope sollte die verantwortlichen Parteien und die für den jeweiligen Markt verfügbaren beziehungsweise erforderlichen Informationen berücksichtigen.

Das wird besonders wichtig, wenn der Hersteller außerhalb der USA und Kanadas sitzt und lokale Importeure oder Distributoren einsetzt.

20.11 Eine Zulassung wird nicht automatisch zwischen den Märkten übertragen

Die wichtigste praktische Regel ist einfach:

Eine FCC Certification verschafft nicht automatisch Marktzugang in Kanada.

Und umgekehrt gilt:

Eine ISED Certification verschafft nicht automatisch Marktzugang in den USA.

Die beiden Systeme können technische Informationen und Testdaten gemeinsam nutzen, soweit die jeweiligen Anforderungen dies zulassen. Jeder Markt benötigt jedoch weiterhin seine eigene regulatorische Bewertung und die jeweils erforderliche Zulassung.

Diese Unterscheidung sollte bereits am Anfang des Compliance-Projekts getroffen werden und nicht erst nach Abschluss der Prüfungen.

20.12 Der praktische Unterschied für Hersteller

Aus Sicht des Projektmanagements besteht der größte Unterschied nicht darin, dass die beiden Systeme völlig unterschiedliche Prozesse verlangen.

Die größere Herausforderung besteht darin, dass Hersteller zwei regulatorische Scopes gleichzeitig verwalten müssen.

Eine sinnvolle Struktur ist:

ProjektschrittUSAKanada
Regulatorischer RahmenFCC RulesISED RSS / ICES
Technischer ScopeFCC Parts / SubpartsAnwendbare RSS / ICES
RF ExposureFCC requirementsRSS-102
ZertifizierungsstelleTCBISED Certification Body
ZulassungskennungFCC IDISED Certification Number
GerätedatenbankFCC-DatenbankISED REL
ÄnderungenFCC Permissive Change ProceduresISED Change Procedures
KennzeichnungFCC requirementsISED requirements

Die Tabelle ersetzt keine detaillierte technische Bewertung, bietet aber eine sinnvolle Struktur für die Projektplanung.

20.13 Was kann zwischen FCC und ISED gemeinsam genutzt werden?

Dass die Zulassungen getrennt sind, bedeutet nicht, dass alle Unterlagen und Prüfungen doppelt erstellt werden müssen.

Abhängig vom Produkt und den anwendbaren Anforderungen können beispielsweise gemeinsame Grundlagen genutzt werden:

  • Produktbeschreibungen
  • Hardwareinformationen
  • Blockdiagramme
  • Schaltpläne
  • Produktfotos
  • Antenneninformationen
  • Beschreibungen der Betriebsarten
  • RF-Konfigurationsdaten
  • Labor-Messungen
  • technische Berechnungen
  • Testaufbauten

Ob ein bestimmtes Dokument oder Testergebnis für beide Märkte verwendet werden kann, hängt von den jeweiligen Anforderungen und davon ab, wie die Informationen beziehungsweise Daten erzeugt wurden.

Genau deshalb ist eine gemeinsame Planung so wertvoll.

Das Ziel sollte nicht sein, zwei vollständig unabhängige Projekte aufzubauen.

Das Ziel ist ein technisches Compliance-Projekt mit zwei regulatorischen Scopes.

20.14 Was sollte niemals angenommen werden?

Bei Projekten für beide Märkte sollten mehrere Annahmen vermieden werden:

„Die FCC Certification gilt automatisch für Kanada.“

Nein.

„Der gleiche RSS gilt, weil der FCC Part derselbe ist.“

Nicht unbedingt.

„Der FCC RF-Exposure-Report ist automatisch für ISED ausreichend.“

Nicht automatisch.

„Das FCC-Label kann einfach auf das kanadische Produkt übernommen werden.“

Nicht ohne Prüfung der anwendbaren ISED-Anforderungen.

„Die gleiche Change-Klassifizierung gilt in beiden Ländern.“

Nein. Die Änderung muss anhand der Regeln des jeweiligen Systems bewertet werden.

Genau solche Annahmen können zu zusätzlichen Prüfungen, zusätzlichem Dokumentationsaufwand und Projektverzögerungen führen.

20.15 Die beste Strategie: Ein Projekt, zwei regulatorische Scopes

Für Produkte, die für beide Märkte vorgesehen sind, ist es in der Regel nicht am effizientesten, FCC und ISED als zwei vollständig voneinander getrennte Projekte zu behandeln.

Stattdessen:

Ein Produkt

FCC Scope + ISED Scope

Gemeinsame Anforderungen + marktspezifische Anforderungen

Gemeinsame Testplanung

Testing

FCC Certification + ISED Certification

Marktspezifische Kennzeichnung & Dokumentation

Dieser Ansatz ermöglicht es, gemeinsame technische Arbeiten so weit wie möglich zu nutzen und gleichzeitig die regulatorischen Entscheidungen für jeden Markt separat zu kontrollieren.

Der wichtigste Punkt

Die Systeme von FCC und ISED sind strukturell ähnlich, unterscheiden sich aber in den regulatorischen Details.

Die wichtigsten Unterschiede liegen bei:

FCC Rules vs. ISED RSS/ICES → technische Grenzwerte → Frequenzbedingungen → Prüfungen → RF Exposure → Zulassungsverfahren → Kennzeichnung → Änderungen nach der Zulassung

Die praktische Konsequenz für Hersteller ist eindeutig:

FCC und ISED nicht als eine gemeinsame Zulassung betrachten, sondern als zwei regulatorische Scopes innerhalb eines Compliance-Projekts.

Wenn beide Märkte von Anfang an berücksichtigt werden, können gemeinsame technische Arbeiten effizient geplant werden, während die marktspezifischen Anforderungen separat kontrolliert bleiben.

21. Typischer North America Compliance Workflow

Wenn ein Funkprodukt sowohl in den USA als auch in Kanada vermarktet werden soll, sollte der Compliance-Prozess nicht als zwei vollständig getrennte Projekte betrachtet werden. Die effizienteste Vorgehensweise besteht darin, beide Märkte von Anfang an gemeinsam zu planen und gleichzeitig die jeweiligen regulatorischen Anforderungen separat zu bewerten.

Der typische Workflow lässt sich wie folgt darstellen:

Product Definition

FCC & ISED Scope

Applicable Rules / RSS

Test Requirements

Accredited Laboratory Testing

Technical Documentation

TCB / Certification Body Review

FCC Zulassung / ISED Zulassung

Labeling & Market Access

Post-Certification Changes

21.1 Product Definition

Der erste Schritt ist die eindeutige Definition des Produkts und der Konfiguration, die in Nordamerika vermarktet werden soll.

Dabei sollten insbesondere folgende Punkte bekannt sein:

  • Produktfunktion
  • verwendete Funktechnologien
  • Funkmodule und Transmitter
  • Frequenzbereiche
  • Sendeleistungen
  • Bandbreiten
  • Antennen
  • Betriebsarten
  • gleichzeitiger Betrieb mehrerer Transmitter
  • Abstand zum menschlichen Körper
  • geplante US- und Kanada-Konfiguration

Diese Informationen bilden die Grundlage für das anschließende Regulatory Scoping.

21.2 FCC & ISED Scope

Nach der Produktdefinition werden die regulatorischen Scopes für beide Märkte bestimmt.

Dabei sollte nicht einfach ein bereits bekanntes FCC-Verfahren auf Kanada übertragen werden. Stattdessen werden zwei Scopes erstellt:

FCC Scope

→ anwendbare FCC Rules und Parts

→ Equipment Authorization Procedure

→ technische Prüfanforderungen

ISED Scope

→ anwendbare RSS / ICES

→ RSP-Anforderungen

→ technische Prüfanforderungen

Anschließend werden beide Scopes miteinander verglichen.

Das Ziel ist, gemeinsame Anforderungen frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig nationale Unterschiede nicht zu übersehen.

21.3 Applicable Rules / RSS

Auf Basis des Scopes werden die konkreten regulatorischen Dokumente bestimmt.

Für die FCC können beispielsweise relevante Parts, Subparts, KDB Guidance und Messverfahren berücksichtigt werden.

Für ISED können unter anderem relevant sein:

  • RSS-Gen
  • produktspezifische RSS
  • RSS-102
  • ICES-Anforderungen, soweit anwendbar
  • RSP-Verfahren
  • relevante Messverfahren und Guidance

Die genaue Kombination hängt vom Produkt und seiner tatsächlichen Konfiguration ab.

21.4 Test Requirements

Erst nachdem die regulatorischen Anforderungen bestimmt wurden, sollte der konkrete Testplan erstellt werden.

Dabei sollten FCC und ISED gemeinsam betrachtet werden:

Common Testing

→ Messungen, die für beide Märkte verwendet werden können

FCC-Specific Testing

→ zusätzliche US-spezifische Anforderungen

ISED-Specific Testing

→ zusätzliche kanadische Anforderungen

Besonders wichtig ist, dass Frequenzen, Betriebsarten, Sendeparameter und RF-Exposure-Szenarien so geplant werden, dass die Anforderungen beider Märkte möglichst effizient abgedeckt werden.

21.5 Accredited Laboratory Testing

Die erforderlichen Prüfungen werden anschließend in einem geeigneten Labor durchgeführt.

Das Labor sollte bereits vor Beginn der Prüfungen wissen, dass das Produkt für beide Märkte vorgesehen ist. Dadurch kann der Testaufbau so geplant werden, dass gemeinsame Messungen möglichst effizient genutzt werden können.

Das bedeutet nicht, dass ein einziger Test automatisch für beide Märkte ausreicht. Die Ergebnisse müssen jeweils gegen die anwendbaren FCC- und ISED-Anforderungen bewertet werden.

Ein gut geplanter Test kann jedoch unnötige Wiederholungen vermeiden.

21.6 Technical Documentation

Nach beziehungsweise parallel zur Prüfung werden die technischen Unterlagen zusammengestellt.

Dazu können abhängig vom Produkt gehören:

  • Test Reports
  • Produktbeschreibung
  • technische Spezifikationen
  • Blockdiagramme
  • Schaltpläne
  • Fotos
  • Antenneninformationen
  • RF-Konfigurationsdaten
  • RF-Exposure-Bewertungen
  • Betriebsmodi
  • Label-Informationen
  • User Information
  • weitere regulatorisch erforderliche Unterlagen

Die technische Dokumentation sollte dabei so strukturiert sein, dass klar erkennbar ist, welche Informationen für FCC und welche für ISED relevant sind.

21.7 TCB / Certification Body Review

Für die FCC Certification wird der Antrag über einen zuständigen Telecommunications Certification Body (TCB) bearbeitet.

Für ISED erfolgt die entsprechende Zulassung über ISED beziehungsweise einen anerkannten Certification Body (CB), abhängig vom jeweiligen Verfahren.

Die beiden Reviews sollten deshalb als zwei regulatorische Prozesse betrachtet werden, auch wenn ein großer Teil der technischen Dokumentation gemeinsam vorbereitet werden kann.

Rückfragen des TCB oder Certification Body sollten nicht als reiner Formalismus betrachtet werden. Sie können auf fehlende Informationen, unklare Testkonfigurationen oder offene regulatorische Fragen hinweisen.

21.8 FCC Zulassung / ISED Zulassung

Nach erfolgreichem Abschluss der jeweiligen Verfahren wird die entsprechende Zulassung erteilt.

Für die FCC führt der Certification Process zum FCC Grant und zur entsprechenden FCC ID.

Für ISED führt das Verfahren zur entsprechenden ISED Certification und zur zugehörigen Certification Number sowie, soweit erforderlich, zur Aufnahme in die Radio Equipment List (REL).

Die beiden Zulassungen bleiben voneinander unabhängig.

Eine erfolgreiche FCC-Zulassung ersetzt daher nicht die kanadische ISED-Zulassung und umgekehrt.

21.9 Labeling & Market Access

Nach der Zulassung muss sichergestellt werden, dass Produktkennzeichnung, User Information und weitere Compliance-Informationen den jeweiligen nationalen Anforderungen entsprechen.

Dabei sollten die USA und Kanada separat geprüft werden.

Insbesondere bei Produkten mit Funkmodulen oder mehreren Transmittern kann die Kennzeichnung des Host Products zusätzliche Anforderungen auslösen.

Die Markteinführung sollte deshalb erst erfolgen, wenn die regulatorischen Anforderungen für die jeweilige Marktversion vollständig berücksichtigt wurden.

21.10 Post-Certification Changes

Der Compliance-Prozess endet nicht mit der Zulassung.

Änderungen an einem bereits zugelassenen Produkt müssen weiterhin bewertet werden. Dazu können beispielsweise gehören:

  • Hardwareänderungen
  • Änderungen an Antennen
  • Änderungen der Sendeleistung
  • Änderungen von Frequenzen oder Betriebsmodi
  • Firmwareänderungen mit Auswirkungen auf RF-Funktionen
  • Änderungen an einem Funkmodul
  • Änderungen an der Host-Integration

Für FCC und ISED gelten jeweils eigene Verfahren zur Bewertung solcher Änderungen.

Die Änderung sollte deshalb zunächst technisch bewertet und anschließend separat gegen die FCC- und ISED-Anforderungen geprüft werden.

21.11 Ein Projekt – zwei regulatorische Scopes

Der entscheidende Punkt des North-America-Workflows ist die Verbindung von gemeinsamer Planung und getrennter regulatorischer Bewertung.

Der ideale Ablauf ist daher nicht:

USA fertigstellen → danach Kanada prüfen

sondern:

Ein Produkt

FCC Scope + ISED Scope

Gemeinsame und nationale Anforderungen identifizieren

Testplan für beide Märkte optimieren

Testing

Technische Dokumentation

FCC Zulassung + ISED Zulassung

Marktspezifische Kennzeichnung und Dokumentation

Bewertung zukünftiger Änderungen

Dieser Ansatz ermöglicht es, gemeinsame technische Arbeiten möglichst effizient zu nutzen, ohne die regulatorischen Unterschiede zwischen den USA und Kanada zu ignorieren.

Der wichtigste Punkt

Ein effizienter North-America-Compliance-Prozess beginnt nicht mit dem Testen.

Er beginnt mit einer klaren Produktdefinition und einem getrennten FCC- und ISED-Scoping.

Der grundlegende Ablauf lautet:

Product Definition → FCC & ISED Scope → Applicable Rules / RSS → Test Requirements → Testing → Technical Documentation → Review → FCC Zulassung / ISED Zulassung → Market Access → Post-Certification Changes

Wer beide Märkte bereits zu Beginn des Projekts berücksichtigt, kann gemeinsame Prüfungen und technische Unterlagen effizient planen und gleichzeitig verhindern, dass marktspezifische Anforderungen erst spät im Projekt entdeckt werden.

22. Häufige Fehler bei FCC und ISED

Bei FCC- und ISED-Projekten entstehen viele Probleme nicht erst während der Prüfung. Häufig liegen die Ursachen bereits in einer unvollständigen regulatorischen Bewertung, falschen Annahmen über die Zulassung oder einer unzureichenden Kontrolle von Änderungen am Produkt.

Die folgenden Fehler gehören zu den wichtigsten Punkten, die Hersteller bei Funkprodukten für die USA und Kanada vermeiden sollten.

22.1 FCC-Zulassung mit CE-Konformität verwechseln

Eine CE-Konformität für den europäischen Markt ersetzt keine FCC-Zulassung für die USA.

Die europäischen und US-amerikanischen regulatorischen Systeme basieren auf unterschiedlichen Rechtsgrundlagen und verwenden unterschiedliche technische Anforderungen und Konformitätsverfahren.

Ein Produkt kann daher vollständig nach den anwendbaren europäischen Anforderungen bewertet worden sein und trotzdem eine separate FCC-Bewertung benötigen.

Das Gleiche gilt für Kanada und ISED.

Ein Hersteller sollte deshalb grundsätzlich zwischen:

EU-Konformität

FCC-Zulassung

und

ISED-Zulassung

unterscheiden.

22.2 Einen FCC Test Report mit der vollständigen FCC-Zulassung gleichsetzen

Ein erfolgreicher Test ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer FCC-Zulassung.

Bei einer FCC Certification gehören typischerweise mehrere Schritte zusammen:

Regulatory Scope

Testing

Test Report

Technische Dokumentation

TCB Review

FCC Grant

FCC ID

Der Test Report ist damit ein wichtiger Bestandteil der Zulassungsunterlagen, aber nicht selbst die FCC-Zulassung.

22.3 Part 15B mit einer klassischen EU-EMV-Prüfung gleichsetzen

Part 15B wird häufig fälschlicherweise als direkte US-Version einer europäischen EMV-Prüfung betrachtet.

Obwohl es technische Überschneidungen geben kann, sind regulatorischer Rahmen, Grenzwerte, Messverfahren und Dokumentationsanforderungen nicht automatisch identisch.

Vorhandene EMV-Daten können für die FCC-Bewertung hilfreich sein. Sie müssen jedoch gegen die konkret anwendbaren FCC-Anforderungen bewertet werden.

Die Aussage:

„Wir haben bereits CE-EMV getestet, deshalb ist Part 15B automatisch abgedeckt.“

ist daher nicht grundsätzlich richtig.

22.4 Produktsicherheit mit FCC/ISED Radio Compliance vermischen

FCC- und ISED-Anforderungen für Funkprodukte betreffen primär die Funk- und RF-Compliance. Eine FCC- oder ISED-Zulassung ist keine allgemeine Produktsicherheitszulassung für das gesamte elektrische Produkt.

Je nach Produkt können zusätzlich Anforderungen an beispielsweise:

  • elektrische Sicherheit
  • Produktsicherheit
  • mechanische Sicherheit
  • Installation
  • kundenspezifische Anforderungen

gelten.

Diese Bereiche müssen separat bewertet werden.

22.5 Ein zertifiziertes Funkmodul ohne Prüfung der Host-Anforderungen verwenden

Ein bereits zugelassenes Funkmodul kann den Compliance-Aufwand erheblich reduzieren. Die Zulassung des Moduls bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede beliebige Integration in ein Host Product abgedeckt ist.

Je nach Modul und Zulassungsbedingungen müssen unter anderem geprüft werden:

  • zulässige Antennen
  • Antennengewinn
  • Sendeleistung
  • Betriebsmodi
  • RF Exposure
  • gleichzeitiger Betrieb mehrerer Transmitter
  • Anforderungen an die Integration
  • Kennzeichnung
  • User Information

Die Annahme:

„Das Modul hat bereits eine FCC ID beziehungsweise eine ISED Certification, also ist das Host Product automatisch abgedeckt.“

ist deshalb falsch.

22.6 Antennenänderungen unterschätzen

Eine Änderung der Antenne kann direkte Auswirkungen auf die RF-Eigenschaften des Produkts haben.

Relevant können beispielsweise sein:

  • Antennentyp
  • Antennenhersteller
  • Antennengewinn
  • Antennendesign
  • Position der Antenne
  • Antennenkonfiguration
  • Kabel oder Matching Network

Eine andere Antenne kann unter anderem die abgestrahlte Leistung, Emissionen und RF Exposure beeinflussen.

Deshalb sollte eine Antennenänderung immer eine regulatorische Impact-Bewertung auslösen.

22.7 Firmware- und RF-Änderungen nicht bewerten

Firmwareänderungen werden häufig als reine Softwareänderungen betrachtet. Bei Funkprodukten kann Firmware jedoch direkt die RF-Eigenschaften beeinflussen.

Betroffen sein können beispielsweise:

  • Sendeleistung
  • Frequenz
  • Bandbreite
  • Modulation
  • Duty Cycle
  • Betriebsmodi
  • Kanalauswahl
  • Antennenkonfiguration
  • Coexistence-Verhalten
  • gleichzeitige Übertragung mehrerer Transmitter

Eine Firmwareänderung kann deshalb regulatorisch relevant sein, auch wenn sich die Hardware nicht verändert.

Vor der Freigabe einer neuen Firmware sollte daher geprüft werden, ob sich die zertifizierte RF-Konfiguration verändert.

22.8 Permissive Changes falsch klassifizieren

Nicht jede Änderung an einem bereits zugelassenen Produkt kann automatisch als Permissive Change behandelt werden.

Die richtige Vorgehensweise hängt unter anderem davon ab:

  • was geändert wurde,
  • welchen Einfluss die Änderung auf die RF-Eigenschaften hat,
  • ob sich relevante Grenzwerte verändern,
  • ob vorhandene Testdaten weiterhin repräsentativ sind,
  • und welches Verfahren für die jeweilige Zulassung gilt.

Die Bewertung muss für FCC und ISED jeweils anhand des entsprechenden regulatorischen Systems durchgeführt werden.

Eine Änderung, die in den USA auf eine bestimmte Weise behandelt werden kann, erhält deshalb nicht automatisch dieselbe Einstufung in Kanada.

Der richtige Ablauf ist:

Produktänderung

Technische Impact-Bewertung

Regulatorische Bewertung

Anwendbares Änderungsverfahren

Zusätzliche Prüfung / Dokumentation, falls erforderlich

22.9 KDB Guidance nicht berücksichtigen

Die FCC Rules bilden die regulatorische Grundlage. Die FCC Knowledge Database (KDB) enthält darüber hinaus wichtige technische und verfahrensbezogene Guidance.

Je nach Produkt können KDB-Publikationen beispielsweise Themen wie:

  • Messverfahren
  • RF Exposure
  • Equipment Authorization
  • bestimmte Funktechnologien
  • besondere Gerätekonfigurationen
  • spezielle Prüfansätze

behandeln.

Relevante KDB Guidance sollte deshalb bei der Bewertung des Produkts berücksichtigt werden.

Das bedeutet nicht, dass eine KDB-Publikation die FCC Rules ersetzt. Sie kann jedoch entscheidend dafür sein, wie eine Anforderung technisch oder verfahrensseitig umgesetzt wird.

22.10 FCC und ISED als vollständig identische Systeme behandeln

FCC und ISED sind strukturell ähnlich, aber nicht identisch.

Unterschiede können beispielsweise bestehen bei:

  • regulatorischen Dokumenten
  • technischen Grenzwerten
  • Frequenzbedingungen
  • RF Exposure
  • Messverfahren
  • Certification-Verfahren
  • Kennzeichnung
  • User Information
  • Änderungsverfahren

Der richtige Ansatz ist deshalb:

Ein Produkt

FCC Scope + ISED Scope

Gemeinsame Anforderungen + nationale Anforderungen

Gemeinsamer Testplan, soweit möglich

Die technischen Überschneidungen können effizient genutzt werden, ohne die beiden Zulassungssysteme gleichzusetzen.

22.11 Annehmen, dass eine FCC-Zulassung automatisch für Kanada gilt

Dies ist einer der wichtigsten Fehler überhaupt.

Eine FCC Certification beziehungsweise ein FCC Grant berechtigt nicht automatisch zur Vermarktung des Produkts in Kanada.

Umgekehrt bietet eine ISED Certification nicht automatisch Marktzugang in den USA.

Für ein Produkt, das in beiden Märkten verkauft werden soll, müssen daher die jeweiligen FCC- und ISED-Anforderungen bewertet und die erforderlichen Zulassungen durchgeführt werden.

Die beiden Projekte können von Anfang an gemeinsam geplant werden. Gemeinsame technische Daten und, soweit zulässig, gemeinsame Prüfergebnisse können genutzt werden. Die regulatorischen Scopes und Entscheidungen bleiben jedoch getrennt.

22.12 Die regulatorische Bewertung erst nach dem Testing durchführen

Ein besonders kostspieliger Fehler ist es, ein Produkt zunächst ins Labor zu schicken und erst danach zu klären, welche regulatorischen Anforderungen eigentlich gelten.

Ein ungünstiger Ablauf wäre:

Produkt

Direkt ins Labor

Testing

Erst danach Regulatory Assessment

Das kann zu folgenden Problemen führen:

  • fehlende Messungen
  • zusätzliche Testkonfigurationen
  • Wiederholungsprüfungen
  • zusätzliche Dokumentation
  • Verzögerungen bei der Zulassung

Der bessere Ablauf ist:

Product Definition

Regulatory Scoping

Applicable Requirements

Test Plan

Testing

Das Scoping sollte deshalb vor dem eigentlichen Testing abgeschlossen beziehungsweise ausreichend weit fortgeschritten sein.

22.13 Nur die Funktechnologie betrachten

Die Aussage „Das Produkt ist Wi-Fi“ oder „Das Produkt ist Bluetooth“ reicht nicht aus, um den regulatorischen Scope zu bestimmen.

Zusätzlich können relevant sein:

  • Frequenzbereiche
  • Sendeleistung
  • Bandbreite
  • Antenne
  • Betriebsmodi
  • mehrere gleichzeitig arbeitende Transmitter
  • Host-Integration
  • bestimmungsgemäße Verwendung
  • Abstand zum Körper
  • nationale Frequenzbedingungen

Zwei Produkte mit demselben Funkchip können deshalb unterschiedliche regulatorische Scopes haben.

22.14 Die zertifizierte Konfiguration nach der Zulassung nicht kontrollieren

Eine FCC- oder ISED-Zulassung bezieht sich auf eine definierte Produktkonfiguration.

Wenn sich nach der Zulassung beispielsweise Folgendes ändert:

  • Komponenten
  • Antennen
  • Firmware
  • RF-Parameter
  • Funkmodule
  • PCB-Design
  • Gehäuse
  • Betriebsmodi

muss geprüft werden, ob die bestehende Zulassung weiterhin für die geänderte Konfiguration gilt.

Das ist besonders wichtig bei Produkten mit langer Produktionslaufzeit und mehreren Hardware-Revisionen.

Ein Compliance-Prozess sollte deshalb auch nach der ursprünglichen Zulassung eine strukturierte Change Control enthalten.

Der wichtigste Punkt

Die häufigsten FCC- und ISED-Probleme entstehen nicht unbedingt durch fehlende Prüfungen. Häufiger sind falsches Scoping, falsche Annahmen oder unzureichende Kontrolle von Produktänderungen die Ursache.

Die wichtigsten Grundsätze sind daher:

FCC und ISED nicht mit CE-Konformität gleichsetzen.

Einen Test Report nicht mit der vollständigen Zulassung gleichsetzen.

Produktsicherheit nicht automatisch als Teil der Radio Compliance betrachten.

Eine Modulzulassung nicht automatisch als vollständige Host-Zulassung betrachten.

Antennen- und Firmwareänderungen regulatorisch bewerten.

Änderungen nicht ohne technische und regulatorische Impact-Bewertung klassifizieren.

FCC und ISED nicht als identische Systeme behandeln.

Und besonders wichtig:

Eine FCC-Zulassung ersetzt keine ISED-Zulassung für Kanada.

Ein strukturiertes Regulatory Scoping zu Beginn des Projekts und eine konsequente Change Control über den gesamten Produktlebenszyklus können viele dieser Fehler vermeiden, bevor sie zu zusätzlichen Prüfungen, Verzögerungen oder unerwarteten Compliance-Kosten führen.

23. Wie ScopeRight bei FCC und ISED unterstützt

Für Hersteller ist die eigentliche Herausforderung häufig nicht die Existenz der FCC- und ISED-Anforderungen, sondern die praktische Frage, welche Anforderungen für das konkrete Produkt gelten, welche Dokumente benötigt werden und was bei einer Änderung an einem bereits zugelassenen Produkt passiert.

Genau hier setzt ScopeRight an.

ScopeRight stellt für FCC und ISED mehrere kostenlose Werkzeuge und Datenbanken bereit, die unterschiedliche Schritte des Compliance-Prozesses unterstützen. Die Tools ersetzen keine formelle Certification durch einen TCB oder Certification Body. Sie sollen vielmehr dabei helfen, regulatorische Fragen frühzeitig zu strukturieren, Informationen schneller zu finden und wiederkehrende Aufgaben effizienter vorzubereiten.

23.1 FCC und ISED Regulatory Scoping

Der erste Schritt eines North-America-Compliance-Projekts ist die Bestimmung des regulatorischen Scopes.

Bevor ein Produkt ins Labor geht, sollte klar sein:

  • welche Funktechnologien vorhanden sind,
  • welche Frequenzen verwendet werden,
  • welche Betriebsarten vorgesehen sind,
  • welche Antennen eingesetzt werden,
  • welche FCC Rules beziehungsweise ISED RSS gelten,
  • welche RF-Exposure-Anforderungen relevant sind,
  • und welcher Zulassungsweg für das konkrete Produkt erforderlich ist.

ScopeRight unterstützt diesen Scoping-Ansatz, indem regulatorische Informationen, Standards und praktische Compliance-Werkzeuge miteinander verbunden werden.

Das ist besonders relevant bei Produkten mit mehreren Funktechnologien, mehreren Frequenzbändern, integrierten Funkmodulen oder mehreren gleichzeitig arbeitenden Transmittern.

23.2 FCC Standards Database

Für die USA stellt ScopeRight eine kostenlose FCC Standards Database zur Verfügung:

Die Datenbank dient als praktische Recherchequelle für FCC-relevante Standards und regulatorische Anforderungen.

Sie kann beispielsweise bereits beim initialen Scoping verwendet werden, wenn die Frage lautet:

Welche FCC-Anforderungen könnten für dieses Produkt relevant sein?

Sie kann ebenso später verwendet werden, wenn ein bestehendes Projekt überprüft werden muss oder sich die regulatorische Grundlage geändert hat.

Der wesentliche Vorteil einer strukturierten Datenbank liegt darin, dass der Hersteller nicht jedes Projekt mit einer vollständig neuen Suche beginnen muss.

23.3 FCC KDB Database

Neben den eigentlichen FCC Rules spielt die FCC Knowledge Database (KDB) eine wichtige Rolle bei technischen und regulatorischen Fragestellungen.

ScopeRight stellt auch hierfür eine kostenlose Datenbank bereit:

KDB Publications können insbesondere dann relevant werden, wenn die Anwendung einer FCC-Anforderung von einer bestimmten technischen Konfiguration, einem Messverfahren oder einer regulatorischen Interpretation abhängt.

Die KDB sollte dabei nicht mit den FCC Rules gleichgesetzt werden. Sie ist vielmehr eine wichtige zusätzliche Informations- und Guidance-Quelle für die praktische Umsetzung und Bewertung von FCC-Anforderungen.

Für Hersteller kann die KDB beispielsweise bei Fragen zu folgenden Themen relevant sein:

  • Messverfahren,
  • RF Exposure,
  • Antennenkonfigurationen,
  • Modular Certification,
  • speziellen Produktkonfigurationen,
  • oder der Interpretation bestimmter FCC-Anforderungen.

23.4 ISED Standards Database

Auch für Kanada stellt ScopeRight eine kostenlose ISED Standards Database bereit:

Die Datenbank unterstützt die Recherche nach relevanten kanadischen Standards und regulatorischen Dokumenten.

Das ist besonders hilfreich, weil ein ISED-Projekt häufig nicht auf einem einzigen Dokument basiert. Je nach Produkt können beispielsweise RSS-Gen, ein produktspezifischer RSS, RSS-102, ICES-Anforderungen oder weitere regulatorische Dokumente relevant sein.

Die Datenbank kann deshalb bereits in der Scoping-Phase helfen, die möglichen regulatorischen Grundlagen eines Projekts zu identifizieren.

23.5 FCC Supplier’s Declaration of Conformity (SDoC) Generator

Nicht jedes FCC-Produkt durchläuft den Certification Process. Für bestimmte Produkte ist die Supplier’s Declaration of Conformity (SDoC) der relevante Konformitätsweg.

ScopeRight stellt hierfür einen kostenlosen FCC SDoC Generator bereit:

Der Generator unterstützt dabei, die erforderlichen Angaben für eine FCC SDoC strukturiert vorzubereiten.

Wichtig ist dabei die Reihenfolge:

Zuerst den anwendbaren Konformitätsweg bestimmen

→ dann die entsprechende Dokumentation erstellen

Der Generator soll den Dokumentationsschritt vereinfachen. Er ersetzt nicht die vorherige technische und regulatorische Bewertung des Produkts.

23.6 ISED Supplier’s Declaration of Conformity (SDoC) Generator

Auch für Kanada bietet ScopeRight einen kostenlosen ISED SDoC Generator:

Damit können die relevanten Angaben für die entsprechende kanadische Declaration of Conformity strukturiert vorbereitet werden.

Wie bei der FCC gilt auch hier: Das Tool sollte als Teil des Compliance-Prozesses verstanden werden. Zuerst muss feststehen, dass für das konkrete Produkt tatsächlich der entsprechende Konformitätsweg anwendbar ist.

23.7 FCC Permissive Change Wizard

Eine der häufigsten praktischen Fragen nach einer bestehenden FCC Certification lautet:

„Wir haben unser Produkt geändert – müssen wir jetzt neu zulassen?“

Genau hier wird es in der Praxis schnell kompliziert.

Eine Änderung an:

  • Hardware,
  • Firmware,
  • Antenne,
  • RF-Parametern,
  • Funkmodul,
  • PCB,
  • oder Betriebsarten

kann Auswirkungen auf eine bestehende FCC Certification haben.

ScopeRight stellt hierfür den kostenlosen FCC Permissive Change Wizard bereit:

Der Wizard unterstützt die strukturierte erste Bewertung einer Änderung und hilft dabei, die relevante Richtung für die weitere Prüfung zu bestimmen.

Dabei ist insbesondere wichtig, Änderungen nicht pauschal als „klein“ oder „groß“ zu beurteilen. Entscheidend ist deren regulatorischer Einfluss auf die bestehende Certification.

23.8 ISED Permissive Change Wizard

Dasselbe Problem existiert in Kanada.

Auch eine Änderung an einem bereits ISED-zertifizierten Produkt muss darauf bewertet werden, ob die bestehende Certification weiterhin verwendet werden kann und welches Änderungsverfahren gegebenenfalls erforderlich ist.

Dafür stellt ScopeRight den kostenlosen ISED Permissive Change Wizard bereit:

Der Wizard ermöglicht eine strukturierte Bewertung der Änderung nach dem kanadischen System.

Das ist besonders wichtig, weil die FCC- und ISED-Change-Verfahren nicht einfach gleichgesetzt werden können. Eine Änderung sollte deshalb für jeden Markt separat bewertet werden.

23.9 Warum Permissive Changes ein wichtiger Teil des Compliance-Prozesses sind

Eine Zulassung ist kein statisches Dokument, das unabhängig von der weiteren Produktentwicklung immer gültig bleibt.

Produkte werden während ihres Lebenszyklus verändert:

Komponente geändert

Firmware geändert

Antenne geändert

RF-Parameter geändert

Bestehende Zulassung bewerten

Die entscheidende Frage lautet:

Hat die Änderung Auswirkungen auf die bestehende FCC- oder ISED-Zulassung?

Wenn ja, muss bestimmt werden, welches Verfahren erforderlich ist.

Genau für diese erste strukturierte Bewertung sind die Permissive Change Wizards gedacht.

23.10 Von der regulatorischen Recherche zur praktischen Umsetzung

Die einzelnen ScopeRight-Ressourcen erfüllen unterschiedliche Aufgaben, können aber gemeinsam verwendet werden.

Ein typischer Ablauf kann beispielsweise so aussehen:

1. Produkt definieren

2. FCC und ISED Scope bestimmen

3. Relevante FCC Rules / ISED RSS recherchieren

4. KDB Guidance prüfen, wenn erforderlich

5. Testanforderungen bestimmen

6. Laborprüfung durchführen

7. Certification oder SDoC durchführen

8. Produkt auf dem Markt halten und Änderungen kontrollieren

9. Bei Änderungen erneut bewerten

Damit werden die kostenlosen ScopeRight-Ressourcen nicht als isolierte Einzeltools betrachtet, sondern als praktische Bausteine innerhalb eines vollständigen Compliance-Prozesses.

23.11 Die kostenlosen ScopeRight-Ressourcen im Überblick

Für FCC und ISED stehen damit mehrere kostenlose Ressourcen zur Verfügung:

RessourceZweck
FCC Standards DatabaseRecherche nach FCC-relevanten Standards und Anforderungen
FCC KDB DatabaseRecherche nach FCC KDB Publications und Guidance
ISED Standards DatabaseRecherche nach kanadischen Standards und regulatorischen Anforderungen
FCC SDoC GeneratorVorbereitung einer FCC Supplier’s Declaration of Conformity
ISED SDoC GeneratorVorbereitung einer ISED Declaration of Conformity
FCC Permissive Change WizardStrukturierte Bewertung von Änderungen an FCC-zertifizierten Produkten
ISED Permissive Change WizardStrukturierte Bewertung von Änderungen an ISED-zertifizierten Produkten

Alle diese Ressourcen sind kostenlos verfügbar.

Damit können Hersteller bereits vor einer formellen Beratung oder einem Laborprojekt einen erheblichen Teil der grundlegenden regulatorischen Recherche und Vorbereitung selbst durchführen.

23.12 ScopeRight als Verbindung zwischen Scoping, Testing und Documentation

Der eigentliche Wert liegt nicht darin, möglichst viele einzelne Tools bereitzustellen.

Entscheidend ist die Verbindung zwischen den einzelnen Schritten:

Regulatory Scoping

Applicable Standards / Rules

Test Requirements

Laboratory Testing

Technical Documentation

Certification / SDoC

Post-Certification Change Control

ScopeRight unterstützt insbesondere die Schritte, bei denen Hersteller häufig selbst recherchieren, Informationen zusammentragen oder Änderungen bewerten müssen.

Das Ziel ist dabei nicht, den TCB, Certification Body oder das akkreditierte Labor zu ersetzen.

Das Ziel ist, vor und zwischen diesen formellen Schritten mehr Struktur und Klarheit in den Compliance-Prozess zu bringen.

Der wichtigste Punkt

FCC- und ISED-Compliance besteht nicht nur aus dem abschließenden Test Report oder der ausgestellten Certification.

Ein effizienter Prozess beginnt früher:

Scope richtig bestimmen.

Die richtigen regulatorischen Dokumente finden.

Die Anforderungen vor dem Testing verstehen.

Änderungen nach der Zulassung kontrollieren.

Genau dafür stellt ScopeRight mehrere kostenlose Ressourcen zur Verfügung – von der FCC Standards Database und FCC KDB Database über die ISED Standards Database bis hin zu den FCC und ISED SDoC Generators sowie den FCC und ISED Permissive Change Wizards.